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Pferdeanhängertest WM Meyer Montana: Holz-Polyester Einstiegsmodell mit Vorderausstieg

Von Doris Jessen, geschrieben am 7. April 2021

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Kopie_von_1_wm_montana-1Das Mittelklassemodell Montana aus der bayerischen Pferdeanhängerschmiede WM Meyer wird in unterschiedlichen Varianten produziert. Für diesen Testbericht stand es als Holz/Polyesterfahrzeug mit Vorderausstieg zur Verfügung. Neben der praktischen Ablaufklappe gefielen das sehr gute Fahrverhalten sowie die Edelstahlausstattung beim Heckrahmen und an den Rampenscharnieren.

Das auffälligste Merkmal bei diesem Montana-Modell ist der Vorderausstieg, der auch in Deutschland immer beliebter wird. Speziell Pferdehalter, die oft mit jungen Pferden oder Mutterstuten mit Fohlen ohne langwieriges Verladetraining unterwegs sind, schätzen das einfache „hinten rein – vorne raus“.

Kopie-von-7_wm_montana_fenster-oeffnen2 Kopie-von-8_wm_montana_Klappe-oeffnenAnders als beim Aussteigen nach hinten sind hier aber mehrere Schritte zu beachten: Zunächst muss das Fahrzeug so geparkt werden, dass rechts ausreichend Platz ist. Anschließend wird das rechte Fenster geöffnet und seitlich am Dach arretiert. Kleinere Personen müssen sich hier ein wenig strecken. Die Ablaufklappe ist mit zwei Verschlusshaken wie sie auch an der Heckklappe angebracht sind zu öffnen und leicht nach unten zu klappen. Die Holzrampe ist 21 mm dick, mit 6 mm starkem Moosgummi belegt und mit einem Aluminiumrahmen eingefasst. Vor schepperndem Aufschlagen auf Asphalt ist sie durch Gummistopper geschützt. Die vordere Rampe ist 90 cm breit und 1,50 m lang, die Höhe des Ausstiegs beträgt 2 Meter. Das reicht für das Pferd, die Führperson muss aus dem Anhänger aussteigen und das Pferd von unten führen.

Leichtgängig

Als erstes wird das rechts stehende Pferd ausgeladen. Dafür wird nur die Bruststange gelöst und nach unten geklappt. Das Aussteigen selbst ist unproblematisch. Allerdings sollte man ungeduldige und in dieser Aussteigeart ungewohnte Pferde anfangs bewusst langsam führen, damit sie nicht ungestüm nach dem Motto „nur raus hier“ am Menschen vorbeirennen.


Um auch dem links stehenden Pferd den Ausstieg rechts vorne zu ermöglichen, ist die Trennwand um einen Mittelpfahl schwenkbar. Zum Aussteigen wird die Bruststange gelöst und die vordere Hälfte der Trennwand nach rechts geschoben. Diese Mechanismen sind selbsterklärend und funktionieren einfach.

Mehrfach verstellbar

Die Trennwand besteht aus einem Stahlrohrrahmen, der in der Mitte durch eine Stange verstärkt ist. An dieser sind in der hinteren Hälfte auch drei Einstellmöglichkeiten für unterschiedlich lange Pferde angebracht. Die Bruststange ist ebenfalls dreifach in der Länge verstellbar.

Bequem für Pferd und Mensch

Kopie-von-11_wm_montana_vorderausstieg-mit-PferdDer Vorderausstieg ist im Übrigen nicht nur für die Pferde angenehm. Auch als Mensch geht man  leichter ohne Kopfstoßen durch die hohe und breite Tür. Auf Turnieren bekommen die Pferde mit beidseits geöffneten Türen immer genügend frische Luft und genießen zudem einen komfortablen Blick ins Freie. Allerdings sollte man vor allem junge Pferde an diese zumindest optische Freiheit gewöhnen, damit sie nicht versuchen, nach vorne hinauszustürmen.

Die Flexibilität, Bruststangen schnell auszuhängen und die Trennwand zu schwenken, hat sich auch bei der Reinigung bewährt: Man steht quasi auf einer freien Fläche und kann den Boden bequem ausfegen oder abspritzen.

Aufbau und Rahmen

Auch beim Montana bleibt WM Meyer seiner Edelstahlphilosophie treu: zahlreiche tragende Teile bestehen aus diesem rostfreiem und hochglänzenden Material, das sich zudem gut reinigen lässt. Dazu gehören der Heckrahmen, die Rampenscharniere und alle Schrauben, Muttern und Rampenträger.

Der Aufbau bestand bei dem Testmodell aus Holz mit Polyesterhaube. Die Holzwände sind 18 mm dick und außen mit robustem Kunststoff beschichtet – serienmäßig in den Farben schwarz erhältlich, auf Wunsch ist er auch in blau oder Aluminium erhältlich. Um die nötige Stabilität zu erreichen, sind am Heck sowie vorne geschlossene Seitenverstrebungen aus verzinktem Stahl angebracht, an der Deichsel vorne gibt es eine weitere Strebe, die auch als Rangiergriff dienen kann.

Der Boden des Holzfahrzeuges besteht serienmäßig aus einer 21 mm starken Holzplatte, die mit 8 mm dickem Gummiboden fest belegt und versiegelt ist. Optional ist auch ein Aluminiumprofilboden erhältlich (Zusatzausstattung 525 Euro). Im Test standen die Pferde gut und sicher auf dem griffigen Belag.

Sinnvollerweise sollte man die Seitenwände durch die optional angebotenen 75 cm hohen Seitentrittschutzwände (Zusatzausstattung 367 Euro) aus weißem Kunststoff bestellen, die selbst eisenbeschlagenen Hufen standhalten und die eher empfindliche Holzwand vor tiefen Kratzern bewahren.

Flottes Dachdesign

Seit Anfang 2011 haben auch die Montana-Modelle eine schwungvolle Dachform, die laut Hersteller aerodynamisch sein soll. Auch wenn sich dies im Kraftstoffverbrauch kaum bemerkbar machte, bleiben doch immer noch zwei Vorteile: Der extravagantere Auftritt und das größere Raumangebot im Kopfbereich: Mit 2,34 m Höhe hat der Montana gegenüber der alten Dachkonstruktion um vier Zentimeter zugelegt und bietet auch größeren Warmblütern gut Platz nach oben.

Durch die fünffach klappbaren, getönten Fenster ist genügend Luftaustausch gewährleistet, so dass die Pferde auch nach mehrstündigen Fahrten in warmem Sommerwetter trocken ankommen.

Einsteigen bitte!

Da das Modell Montana aufgrund seiner Vorderausstiegskonstruktion keine Sattelkammer hat, ist trotz des Innenmaßes von nur 3,05 m (im Vergleich dazu ist der „größere Bruder“ Nevada 20 cm länger) für den Menschen ausreichend Platz vor den Bruststangen.

Kopie-von-2_wm_montana_heck Kopie-von-4_wm_montana_lange-Strippe2Die 21 mm dicke und rund 1,5 m lange Heckrampe mit drei Streben und Edelstahlrahmen wirkt etwas leicht, verbiegt sich aber beim Einsteigen der Pferde nicht und bietet durch den Moosgummibelag einen sicheren Auftritt. Die anfänglichen Bedenken, der Rampenbelag könnte bei Nässe glatt werden, bestätigten sich nicht. Als Sicherheitsplus sind die geschlossenen Heckrampenscharniere aus Edelstahl zu werten, weil hier keine Zwischenräume entstehen, in denen zum Beispiel mit Stolleneisen beschlagene Pferde hängen bleiben können. Ein weiteres Plus der glatten Oberflächen ist die Reinigungsfreundlichkeit. Am Planenlift ist eine extra lange Mittelstrippe angebracht, an die auch sehr kleine Personen heranreichen, um den Anhänger komplett zu verschließen.

Plus an Sicherheit

Ein kleines, aber feines Detail, das im Notfall aber hervorragende Dienste leistet, ist der neue Edelstahlstab, der zum einfachen Öffnen der Panikentriegelung dient und dafür griffbereit an einer Halterung an der Servicetür angebracht ist.

Türen mit Stoppern

Die Servicetür hat eine Dreipunktverriegelung und ist auch von innen mit Hilfe eines Drehrades zu öffnen. Die Dichtungen sind innen an der Tür angebracht, so dass sie nicht beschädigt werden, wenn man unachtsam einsteigt und auf den Rahmen tritt. Der Schlüssel passte gut. Anstatt der üblichen Gasdruckfedern zum Offenhalten hat die Tür außen einen kleinen Knopf, der in einen am Rahmen angebrachten Saugnapf gedruckt wird, so dass sie auch bei Wind offen bleibt: Ein kleines, aber praktisches Detail, das die Handhabung erleichtert.

Zum Satteln im Gelände oder auf dem Turnierplatz hatte dieses Modell nur vorne die bekannten großen Ösen, die zum Öffnen der Panikentriegelung dienen. Die Pferde müssen sich hier gut vertragen, weil sie nur eng neben einander stehen können. Die andere Variante wäre, auf jeder Seite jeweils ein Pferd anzubinden, was aber gerade in fremden Umgebungen manchmal sehr zur Nervosität beiträgt, weil sich die Pferde dann nicht sehen können.

Ankuppeln und Fahren

Kopie-von-14_wm_montana_kupplung-mit-kontrollfensterDas Ankuppeln an das Zugfahrzeug ist dank der leichtgängigen, aber stabilen ALBE Guss-Kupplung einfach. Sie ist bei dem abgestellten Fahrzeug typischerweise offen und schnappt automatisch zu, sobald der Kugelkopf korrekt unter dem Zugmaul platziert ist und ausreichend Druck auf den Schließmechanismus kommt. Ob er wirklich eingerastet ist, erkennt man an daran, dass ein Markierungspfeil auf dem grünen Plus-Zeichen steht. Muss der Anhänger ein paar Zentimeter gerückt werden, kann dies mit Hilfe des Rangiergriffes auch auf Wiesenboden leicht geschehen. Das automatische Stützrad kurbelt sich relativ leicht hoch und herunter, lediglich die Handbremse braucht etwas Kraft.

Keine Kompromisse geht WM Meyer beim Fahrverhalten ein, wie viele Tests auch anderer Modelle bewiesen haben. Auch der Montana fährt auf dem von WM Meyer entwickelten Challenge Fahrwerk, das aus einem massiven geschweißten und verzinkten V-Deichsel-Stahlrahmen und Gummifederachsen mit vier serienmäßigen Radstoßdämpfern besteht. Sie bringen solide Stabilität auch in Kurven und eine für Mensch und Tier komfortable Laufruhe, die auch bei 100 km/h auf der Autobahn positiv auffiel. Die Erlaubnis für Tempo 100 ist seit August letzten Jahres serienmäßig. Das Rückwärtsrangieren in kleinere Parklücken ist ebenfalls problemlos.

Fazit

Das neue Modell Montana Alu mit aerodynamischer Dachhaube macht insgesamt einen soliden Eindruck, die Handhabung ist praktisch und leichtgängig. Mit 5.760 Euro (inklusive 650 Euro für den Vorderausstieg) für die Grundausstattung bietet das Fahrzeug ein gutes Preis-/Leistungsverhältnis, mit der im Testanhänger verbauten Zusatzausstattung kostete der Pferdeanhänger 6.127 Euro. Der Preis für das Aluminium-Modell mit Vorderausstieg beträgt 7.149 Euro.

Abbildungen: (alle © Lars Jessen)

Technische Daten

Gesamtlänge

Innenlänge

Gesamtbreite

Innenbreite

Gesamthöhe

Innenhöhe

Heckklappenscharniere

Gesamtgewicht

Zuladung

Stützlast

Bereifung

100 km/h Zulassung

Zubehör

Fahrwerk

Radstoßdämpfer

Bodenmaterial

Gummiboden

Zubehör, Automatikstützrad

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