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Pferdeanhängertest Böckmann Neo L SR: Extravaganz in der Premium-Klasse

Von Doris Jessen, geschrieben am 29. Juli 2020

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Wer mit seinem Pferdeanhänger auffallen möchte, sollte sich das Modell Neo L SR aus dem Hause Böckmann genau ansehen. Denn wie der Pferdeanhängertest bewies, ist der Produktname Programm: Neu ist das geradezu futuristische Design, das weiß-blaue Beleuchtungskonzept und der allumfassend ausgestattete Sattelraum. Geblieben ist – und das ist gut so – das perfekte Fahrverhalten. Der Neo hat allerdings seinen Preis: Rund 18.500 Euro kostet er in der Serienausstattung.

Großrahmig, wuchtig und doch elegant: Das ist der erste Eindruck des im wahrsten Sinne des Wortes neuen Pferdeanhänger-Designs Neo L SR. „L“ steht für lang und das bedeutet ein Außenmaß von 5.33 m, innen misst er 4.08 m. Das sind rund 80 cm mehr als ein „normaler“ Böckmann Master und das ist in Pferdeanhängerdimensionen eine Menge. Da die Boxenlängen für die Pferde bei den meisten Anhängern grundsätzlich gleich sind, kommt der Platz vor allem dem Menschen zugute: Links und rechts hohe Inspektionstüren, durch die man schnell an jedes Pferd gelangt. Komfortabel geräumig zwischen den Bruststangen und der Wand zum Sattelraum und dort viel, viel Platz. Aber dazu später.

In der Höhe überragt er ebenfalls seine Böckmann-Brüder: Mit 2,40 m Innenhöhe bietet er den zunehmend großen Warmblütern ausreichend Kopfraum nach oben.

Alles rund

Aufsehenerregend „neo“ ist auch die Außengestaltung mit ihrem großvolumigen, vorgewölbten Bug. In diese Rundung elegant eingepasst sind die Türen zum begehbaren Sattelraum.

Und dann natürlich das auffallende Lichtkonzept! Die dunkel getönten Scheiben ziehen sich in einem optisch fließenden Band von der Mitte des Daches rund um den Bug. Die – nach Herstellerangaben größten – Aufstellfenster sind wie üblich in fünf Varianten zu öffnen. Davor lässt eine trapezförmige weitere Scheibe Licht zu den Pferden herein. In der Sattelkammer profitiert der Mensch von dem rundumlaufenden Lichtschein. Bleibt noch die Dachlüftung zu erwähnen, die den Pferden von oben Frischluft bringt.

Bei Nacht kann man bei der Innenbeleuchtung neuerdings auch blaues Licht wählen, das besonders beruhigend auf Pferde wirken soll.

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Heckleuchten sicher „eingepackt“

Beim Neo verzichtet Böckmann auf die üblichen großen seitlichen Heckstützen. Brems-, Rückfahr- und Nebelscheinwerfer sind in einer ebenfalls abgerundeten Poly-Umrahmung eingelassen, die auf einem stabilen verzinkten Stahlgitter aufgesetzt ist.

Alles bunt

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Farbdekor-Mixer

Ein weiteres Highlight in Sachen Präsenz ist das Farbdesign. Der Testanhänger strahlte in weiß. Dach, Kotflügel und Heckbeleuchtungskörper waren feuerrot, dazwischen bildet das Lichtband einen dunklen Akzent. Dies allerdings ist nur eine von vielen Farbkombinationen: Seitenwände und Heckklappe, Haube und Bug sowie Kotflügel und Heckleuchtenabdeckung sind jeweils mit Hilfe eines Farb-Dekormixers in 15 Farben konfigurierbar.

Alle Türgriffe, der Rangiergriff und die Scharniere runden das elegante Bild als Chrom-glänzenden Highlights ab.

Alles Polyester

Erstmals baut Böckmann die Seitenwände und Heck komplett aus Polyester: Anstatt der bisher üblichen einlaminierten Holzplatten wird nun ein stabiler Kunststoff genutzt, um die 18 mm starken Seitenwände ausreichend zu stabilisieren. Das Risiko, dass durch eventuell auftretende Haarrisse Wasser eintritt und dadurch das innenliegende Holz rottet, ist also gebannt. Da die Technik nicht brandneu ist – andere haben sie bereits einige Jahre im Einsatz – war es nun beim Neo an der Zeit, hier nachzuziehen. Innen ist die Wand zudem mit einer Trittschutzplatte aus robustem Kunststoff versehen.

Die 35 mm starke Hecklappe kommt ohne Verstrebungen aus, die Stabilität wird ebenfalls durch eine einlaminierte hochstabile Kunststoffplatte erreicht, zusammen mit dem Trittleistengummi ergibt sich eine Stärke von 55 mm.

Ebenfalls zur Langlebigkeit trägt der mittlerweile bewährte 21 mm starke Aluminiumprofilboden bei, der im Standbereich der Pferde verstärkt und mit einer 8 mm starken rutschfesten Gummimatte belegt, vollflächig verklebt und versiegelt ist. Darauf liegt im vorderen Drittel eine dicke Verschleißmatte, um den Boden vor scharrenden Hufen und eventuell mit Stollen versehenen Eisen zu schützen. Eine tolle Sache, außer bei der Reinigung: Wenn die Pferde Heu oder Kraftfutter aus den an den Türen einhängbaren Eimern gefressen haben, verfangen sich die Reste mit Vorliebe an den Rändern dieser Matte. Sie muss dann zum Ausspülen oder Ausfegen hochgehoben werden, was aufgrund des großen Gewichtes eine schweißtreibende Angelegenheit ist.

Last but not least sind beim Thema Langlebigkeit auch die rundum VA-Verschraubungen und die schicken 14“ Alufelgen zu erwähnen, die natürlich länger glänzen als übliche Stahlfelgen.

Sicher und bedienungsfreundlich

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Böckmann Neo Mittelpfostentrennwand mit höhen- und längenverstellbaren Boxenstangen

In den Portax-Anhängern hat sie sich schon lange bewährt: Die Mittelpfostentrennwand. Sie besteht aus zwei gepolsterten Flügeln, die am Mittelpfosten arretiert und nach beiden Seiten schwenkbar sind. Dadurch kann der Raum für verladeunwillige Pferde sehr groß geöffnet werden, um ihnen das Einsteigen schmackhafter zu machen. Auch zum Satteln und Auftrensen – wenigstens eines Pferdes – hat an ausreichend Platz.

Nicht nur bequem, sondern im Ernstfall, wenn es einmal schnell gehen muss, auch sicher: Die Flügel werden vorne und am Heck durch dreifach höhen- und längenverstellbare Brust- und Heckstangen im von Böckmann patentierten Multi-Safe Sicherheitsboxenstangensystem (MSS) geschlossen. Der Clou daran: Die Stangen können mit einer fließenden Handbewegung in eine Spirale eingedreht werden, das lästige Einfädeln der Sicherheitshäkchen entfällt also. Steigt ein Pferd über die Bruststange oder verklemmt sich unterhalb der Heckstange, ist das Panik-System einfach von außen zu lösen. Als Hebel zum Aufdrehen der Öse kann der Besenstiel genutzt werden, der in der Sattelkammer serienmäßig vorhanden ist.

Die Heckklappe ist komplett mit einem Metallrahmen eingefasst und wie immer bei Böckmann mit rutschfestem Quertrittleisten-Gummi und Seitenstoppern versehen, die das seitliche Abrutschen der Pferdehufe verhindern. Wie schon erwähnt, ist sie sehr stabil, aber dank der Gasdruckhebehilfen auch von kleineren Personen leicht zu öffnen und zu schließen. Dasselbe gilt für die gut geschmierten Verriegelungen. Über die zwei Auftritte unter- und oberhalb der Kennzeichenhalterung ist der Planenlift einfach erreichbar.

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Für beste Frischluft wurde im oberen Bereich eine Zwangsbelüftung eingearbeitet. Im unteren Bereich gibt es ein Windschott, das bei Starkregen mit Klettbändern geschlossen werden kann. Gleichzeitig sorgt in diesem Fall die schräge Verschweißung dafür, dass Wasser problemlos nach links und rechts ablaufen kann.

Durch im Wettbewerbsumfeld außergewöhnliche Heckklappenlänge von 1,70 m ergibt sich ein sehr flacher und damit komfortabler Einstiegswinkel für die Pferde. Abgesenkt, sind die Verschlussriegel komplett unter die Rampe zu schieben, so dass keine Verletzungsgefahr für die Pferde besteht.

Mobile Futtereimer können an den Innenseiten der Inspektionstüren eingehängt werden, die dann zu Fressen allerdings geschlossen werden müssen. Licht und Luft gibt’s dann nach der Mahlzeit. Jedes Pferd hat sein eigenes Heunetz, das an Haken rechts und links an der Decke befestigt wird.

Die Inspektionstüren mit Dreipunktverriegelung sind ausreichend hoch, um erhobenen Hauptes einsteigen zu können. Sie sind wie auch die Sattelkammertüren durch kleine Saugstopper an der Wand zu arretieren. Diese konnten dem starken Wind in Norddeutschland allerdings nicht trotzen, die Türen klappten immer wieder zu. Als Notlösung haben wir die Sattelkammwertür mit einer Gummistrippe am Stützrad angebunden. Vielleicht sollte Böckmann hier eher die starke Magnethalterung einsetzen, wie wir sie an der Innentür der Sattelkammer gefunden haben.

Einen kleinen Schönheitsfehler bildeten auch die Klinken: Die sind zwar Chrom-glänzend schick und liegen auch so eng am Korpus an, dass sich kein Strick darin verfangen kann, hatten aber etwas viel Spiel und wirkten daher ein wenig klapprig. Das sollte bei einem Premiumfahrzeug eigentlich vermieden werden.

Perfektion im Detail: Der Sattelraum

SR steht für (hier begehbaren) Sattelraum, der auch als Umkleidekabine dienen kann und hinsichtlich der Einrichtung keine Wünsche offenlässt: Drei Sattelhalter und neun Haken für Trensen, Helme und Sporen sowie ein Gertenhalter. Kleinkram wie z.B. Gamaschen findet in zwei Regalen Platz, im Dachraum gibt es zusätzlich einen Stauraum für Decken. Zum An- und Ausziehen der Stiefel finden wir einen Klappsitz und Stiefelknecht. Dazu die bekannten Reinigungsgeräte Schaufel und Besen mit Teleskopstielen. Und – für kleinere Personen unerlässlich – zwei verschieden hohe Falthocker. Wie es sich gehört, im schwarz-roten Böckmann-Design. Der kleinere dient als Stufe vor der Sattelkammer, weil der Einstieg samt Polyestertürrahmen einen großen Schritt erfordert, der zweite zum Öffnen und Schließen des Dachlüfters im Pferdetransportraum. Beim Beladen stellt sich heraus, dass die Sättel zum Schluss auf den dreh- und schwenkbaren Sattelhaltern verstaut werden müssen, wie sie andernfalls beim Ein- und Ausgehen im Wege sind. Für Western- oder iberische Sättel empfiehlt es sich zudem, größere Sattelhalter zu bestellen, das die vorhandenen Stangen dafür zu kurz sind. Und gerade weil so viel Platz ist, kann man sie auch nur schlecht zwischen wänden festklemmen.

Von der Sattelkammer erreicht man über eine hohe Tür direkt den Transportraum für die Vierbeiner. Dies ist, wie sich beim Beladen herausgestellt hat, äußerst praktisch, weil man über die Rampe gehend alles bequemer hineintragen kann als dies über die Sattelraumtüren der Fall ist.

Fahrverhalten ohne Fehl und Tadel

Die Kugelkupplung mit dem bekannten rot-grünen Kontrollfenster und Softtop-Schutz von Knott rastet leicht ein ist mit dem auch an allen anderen Türen passenden Schlüssel einfach abschließbar, was das lästige große Schloss erspart. Vorsicht allerdings mit dem Schlüssel – wer ihn vergessen oder gar verloren hat, steht zunächst dumm da. Das sehr große automatische Stützrad lässt sich leicht nach oben kurbeln, so dass auch ein Parkplatz auf weichem Wiesenboden kein Problem darstellt. Das Bremsseil hat den üblichen Karabiner, der leider zu klein ist, um ihn in der in einigen europäischen Ländern vorgeschriebenen Öse der Fahrzeugkupplung einzuhaken. Dieses Problem teilt er sich aber mit den meisten anderen Anhängermodellen – vielleicht sollten die Hersteller hier einmal nachbessern.

Der Neo fährt serienmäßig auf dem besonders leicht gängigen und vor allem für unebene Straßenbeläge hervorragend geeigneten WCFplus: Diese im Fahrzeugbau übliche Einzelradaufhängung auf der Basis von Schraubenfederung sorgt dafür, dass sich bei Unebenheiten jedes Rad einzeln anhebt und nicht der gesamte Anhänger. Damit fuhr es sich sowohl mit dem SUV Kia Sorento als auch einem Mercedes E-Cabriolet trotz des großen Gewichts – bereits leer bringt das Fahrzeug rund 1260 kg auf die Waage – ganz hervorragend. Bei der Nutzung der 100-km-Zulassung ist allerdings zu bedenken, dass hierfür aufgrund der 2,7-Tonnen Gesamtmasse ein sehr schweres Zugfahrzeug erforderlich ist. Trotz der Maße benötigte der KIA Sorento als Zugfahrzeug mit dem Neo bei Tempo 80 nicht deutlich mehr Kraftstoff als mit einem „normaler“ Anhänger. Auch beim Einparken ergaben sich – erstaunlicherweise – keine Probleme, im Gegenteil: Durch die lange Deichsel ist das Fahrzeug auch rückwärts sehr leicht zu rangieren.

Fazit

Das Modell Böckmann Neo L ist ein Zweipferde-Anhänger der Premium-Klasse, der sich vor allem für Pferdesportler eignet, die auf außergewöhnliches Design, viel Platz für großes Gepäck und maximalen Komfort Wert legen. Der Luxus hat allerdings auch seinen stolzen Preis: Mit rund 18.500 Euro liegt er in der Spitzengruppe der Polyesteranhänger, mit ein wenig mehr Farbe lag der Testanhänger bei 18.797 Euro.

Technische Daten Pferdeanhänger Böckmann Neo L

Gesamtlänge (mm)5335
Innenlänge (mm)4080
Gesamtbreite (mm)2320
Innenbreite (mm)1755
Gesamthöhe (mm)2830
Innenhöhe (mm)2400
Zul. Gesamtgewicht (kg)2700
Leergewicht (kg)1265
Zuladung (kg)1434
Stützlast (kg)100
FahrwerkTiefgelegtes WCF-Fahrwerk
Radstoßdämpferja
100 km/h-Zulassungja
Räder/Bereifung14" auf Aluminiumfelgen
Aufbau-MaterialHolzfreies Vollpolyester
Trennwand-TypMittelpfosten-Trennwand
BodenmaterialAluminium-Profilboden
BodenmaterialAluminium-Profilboden
Fenstertyp5-fach Klappfenster
Deckenlüfterja, 5-fach klappbar
Trittschutzplattenja
Autoatikstützradja
Sattelkammerbegehbarer Sattelraum mit zwei Außentüren und Innentür zum Pferderaum
Höhen-/Lägenverstellbares Boxengestängeja
Abschließbare Kuppplungja
Serienpreis /Preis des Testanhängers18.511 € / 18.897
BesonderheitenExtrem geräumiger Pferdeanhänger mit großen Fenstern und Lichtband.

Alle Testberichte über Böckmann Pferdeanhänger

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