Böckmann Master 2009: Wahrhaft meisterlich

Von Doris Jessen, geschrieben am 02.05.2009

Anzeige

BM_MAster_1.jpgBei dem Modell, das bis 2009 aktuell war, handelt es sich ohne jeden Zweifel um einen Pferdeanhänger der Spitzenklasse: Zeitlos elegant im Design, mit vielen Kleinigkeiten, die das Verladen und Fahren für Pferde und Menschen sicher machen. Eines fiel uns aber bei den Testfahrten vor allem auf: Die absolute Laufruhe auf jedem Straßenbelag. (Testzeitraum: Sommer 2005 im Auftrag der Zeitschrift PferdeForum Oldenburg; Die Böckmann Master-Serie wurde zum Frühjahr 2009 grundlegend überarbeitet, s. auch aktueller Testbericht „Böckmann Top Master)


 

Das Ereignis war ebenso überraschend wie beeindruckend: Wir fuhren mit zwei Pferden in Urlaub, lenkten das Gespann aus BMW 530 und Böckmann Master wie gewohnt auf die Autobahn. Nach ein paar hundert Metern der Kontrollblick auf den Tachometer: 140 km/h. Und dabei eine Laufruhe, als wären wir ohne Anhang unterwegs. War er überhaupt noch am Haken?

Natürlich verlangsamten wir sofort auf die gewohnten 80 km/h, um die Reise von Hamburg nach Königstein bei Frankfurt vorschriftsmäßig zu absolvieren. Nach der rund 500 Kilometer langen Fahrt, die über Harz, Kasseler Berge und schließlich in den Taunus über Autobahn und Landstraßen jeder Qualität geführt hatte, kamen wir trotz kilometerlangen Staus und strömendem Regen fast erholt an. Angenehm empfanden wir auch die gelochte Heckstrebe, in welche die großen, mit integriertem Rückstrahldreieck und Rückfahrscheinwerfer ausgestatteten Heckleuchten eingelassen sind: Sie gewährt den vollen Durchblick auf den nachkommenden Verkehr und bietet doch Schutz dagegen, falls ein Pferd beim Verladen einmal ungestüm dagegen tritt. Das für ungeübte Fahrer(innen) umständliche Rangieren zum Rückwärtseinparken erwies sich als wahres Kinderspiel.

Anzeige

Das wirkungsvolle Plus

Dies ist nach Aussage des Geschäftsführers Klaus Böckmann dem seit 2003 serienmäßigen Comfort-Federungs-Fahrgestell CFFplus zu verdanken. Die Konstruktion besteht aus einem feuerverzinkten Stahlrahmen mit Längsträgern, die in Fahrtrichtung direkt unter den Pferden angeordnet sind und für hohe Robustheit und Fahrsicherheit sorgen. Der Test-Master war zudem mit einem vollhydraulischen Bremssystem ausgestattet, das für den Master de Luxe im Standard geliefert wird. Während traditionelle mechanische oder teilhydraulische Bremsen durch die Übertragung mit Seilen etwas härter und verzögert wirken, reagiert das vollhydraulische System schneller, direkter und zugleich weicher.

Was aussieht wie eine Kleinigkeit, nämlich die Tieferlegung um zehn Zentimeter, hat sich spürbar bewährt: Die verbesserte Straßenlage und äußerst gutmütige Fahreigenschaften sind ein für den Menschen angenehmer Effekt, die Pferde profitieren von dem niedrigeren Einstiegswinkel oder können bei der Variante mit Klappe / Flügeltür auch „amerikanisch“ über die Funktion Tür ganz ohne Rampe einsteigen und über die Funktion Klappe wieder aussteigen. Die serienmäßigen Radstoßdämpfer tun ihr Übriges für die komfortable Fahrt der Vierbeiner.

Groß, rund und doch elegant

Insgesamt ist der Böckmann Master eine runde und elegante Erscheinung, die im Frontbereich ohne Seitenstreben auskommt. Das hat nicht nur ästhetische, sondern vor allem praktische Aspekte: Der vorne rundlaufende Polyester-Aufbau auf der Basis eines eloxierten Aluminium-Stegrahmens mit rostfreier VA-Edelstahlverschraubung bietet im Frontbereich viel Platz auch für große Pferde. Das Dach ist im hinteren Bereich Spoiler-förmig etwas nach oben gezogen, um für große Pferde noch mehr Einstiegshöhe zu erreichen. Die Größe, besonders schmale Kanten an der Polyesterhaube, der helle Innenraum sowie die reinigungsfreundliche PVC-Klarsichttrennwand mögen auch bei Verlademuffeln dazu führen, dass sie etwas freiwilliger einsteigen und sich dann spontan wohlfühlen.

Sicherheit beim Verladen bietet auch die massive Rampe, die nicht verbiegt oder wackelt und mit einem griffigen Gummibelag mit Trittleisten und Seitenstoppern belegt ist. Dieser Hinterklappenbelag ist eine von Böckmann erfundene und geschützte Konzeption, der hohe Sicherheit, Komfort und Langlebigkeit verspricht: Die länglichen Seitenstopps verhindern das Abrutschen des Pferdehufes beim Verladen, die schuppenförmig gestalteten Quertrittleisten geben zusätzlichen Halt auch für beschlagene Pferde. Durch die Stopper ist die Rampe allerdings nicht sehr fegefreundlich, weil der Pferdemist dort leicht hängen bleibt. Allerdings hat die Klappe, die zur besseren Haltbarkeit rundum mit Aluschienen eingefasst ist, in der Mitte eine Ablaufrinne, durch die Waschwasser wiederum gut ablaufen kann. Gut zu reinigen ist dagegen der 10 mm dicke verklebte und versiegelte Gummiboden im Fahrzeug selbst. Das Boxengestänge ist natürlich als Paniksystem (ebenfalls ursprünglich von Böckmann entwickelt) und mit gepolsterten, auch vorne geteilten Stangen ausgestattet. Für Kleinpferde lässt es sich zudem nach unten und in der Höhe verstellen. Die Seitenwände sind ebenfalls serienmäßig gepolstert, um den Pferden an Anlehnen in Kurven angenehmer zu machen.

Viele kleine Details

Auch für die tägliche Handhabung hat sich die Firma Böckmann durchaus Gedanken gemacht. „Wir sind seit Jahrzehnten eine Reiterfamilie und haben daher immer den praktischen Bezug zum Pferd. Da wir auch züchten, verladen und fahren wir viel und wollen es dabei natürlich auch den Menschen bequem machen“, erklärt Klaus Böckmann. Sehr praktisch ist daher die abschließbare Gusskupplung von Knott mit integriertem Zylinderschloss und Soft-Top aus Kunststoff, das die Stoßstange bei leichtem Kontakt vor Verkratzen schont. Schnell angehängt und mit Kontrollfenstern versehen, ob die Kupplung auch sicher am Haken sitzt, kann man den Pferdeanhänger auch am Zugfahrzeug anschließen. Die umständlichen „Diebstahlschuhe“ sind damit passee. Auch das serienmäßige Automatikstützrad lässt sich leicht nach oben drehen.

Die Fenster mit zahlreichen Verstellmöglichkeiten wurden ganz bewusst seitlich und nicht in der Front angebracht, weil dadurch so mancher ungestüme Youngster schon einmal aussteigen wollte. Sie sind außerdem mit einer speziellen Folie versehen, um intensive und störende Sonneneinstrahlung sowie Lichtreflexe zu reduzieren. Zusätzliche Seitenlüfter sorgen für Frischluftzufuhr während der Fahrt.

Viel gedacht haben sich die Produktmanager auch bei der für Englisch-Sättel großen Sattelkammer: Die Sattelhalter sind einzeln ausziehbar sowie horizontal und vertikal verstellbar, um den Sätteln optimalen Halt zu garantieren. Dazu kommen jede Menge Haken für Trensen und anderes Zubehör, ein Türnetz für Kleinigkeiten und sogar ein Spiegel für den letzten Beauty-Check vor dem Show-Auftritt. Als sehr praktisch erwies sich auch der kleine Besen mit Teleskopstiel und die Schaufel, die als Zubehör in eigenen Halterungen in der Sattelkammer untergebracht sind.

Ein paar Verbesserungsvorschläge

Nach dem ersten Eindruck an Perfektion haben wir dann doch ein paar Details gefunden, die man vielleicht noch optimieren könnte. Dazu gehört sicherlich die Anbringung für das Heunetz. Der Haken befindet sich etwa oberhalb der Bruststangen im Dach, so dass das Netz zunächst frei baumelt und an einem – offensichtlich dafür gedachten – weiteren Haken oberhalb der Futterkrippe oder an den Fenstergittern zusätzlich fixiert werden sollte.

Die Winkelhebelverschlüsse an der Heckklappe sind zwar aus Sicherheitsgründen um 180 Grad umlegbar und bieten dadurch eine geringere Verletzungsgefahr für das Pferd, sie könnten aber etwas leichtgängiger funktionieren. Die Hebevorrichtung mit ihren Stoßdämpfern ist in Profilstreben zum Schutz vor Beschädigungen versenkt, allerdings braucht man zum Öffnen ordentlich Kraft. Wer die Hebelkräfte für sich arbeiten lassen will, kann sich auch auf die Heckauftrittsklappe stellen und dann die Klappe öffnen. Last not least ist für kleinere Reiter(innen) das Herunterziehen des innenliegenden Planenlifts eine Streckübung: Der Einfachheit halber haben wir daher ein Zusatzband angebracht.

Fazit

Der Böckmann Master kommt dem perfekten Pferdeanhänger gerade wegen vieler durchdachter Details schon recht nahe. Als größten Vorteil haben wir die hervorragende Straßenlage empfunden, die auch lange Fahrten zunächst für den Menschen geradezu zu einem Vergnügen werden lässt – bei den Pferden sprach das entspannte Aussteigen und völlig alltägliche Verhalten auch nach acht Stunden Reise für sich. Insofern wird das Fahrzeug dem Werbeslogan der Firma tatsächlich gerecht: Anhang erster Klasse.

Testberichte zu weiterem "Böckmannern" finden Sie hier:


Ideen und Tipps, Meinung zum Beitrag? Kommentieren

Zurück zur Rubrik

ANZEIGE

WM Meyer
http://www.careliner.com/konfigurator
http://www.thiel-anhaenger.de/home/ Arno Speck Anhängervertrieb