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Pferdeanhängertest Humbaur Maximus: Platz da!

Von Doris Jessen, geschrieben am 30. Oktober 2016

Humbaur Maximus
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Humbaur_Maximus_Web__1_von_26_-e1589192261772Nachdem Humbaur seit 2015 seine gesamte Pferdeanhänger-Palette überarbeitet hatte, fehlte am Ende nur noch einer: Das Spitzenmodell Maximus, das quasi als Sahnehäubchen alle anderen Modelle an Größe und Chic noch toppen sollte. Die Silhouette des Vollpolyester-Fahrzeuges wurde der modernen Formensprache mit den fließenden Linien angepasst, zudem kann der Kunde aus einem bunten Farbenmix wählen. Seinem Namen „Maximus“ macht er nun alle Ehre, ist er doch deutlich gewachsen und zählt damit tatsächlich zu den Größten seiner Klasse, wie sich Test im Oktober 2016 erwies.

Wir haben in allen unseren Pferdeanhänger-Testberichten der letzten Jahre vergebens gesucht, um einen klassischen Zweipferdeanhänger zu finden, der innen 1,80 Meter breit und 3,56 Meter lang ist. Das schaffen sonst nur die Großraumanhänger mit begehbarer Sattelkammer und solche mit Diagonalverladung, die aber technisch und meistens auch preislich in eine andere Kategorie fallen.

Aber nicht nur die Pferde haben’s komfortabel: Auch der Mensch freut sich, dass er aufrechten Hauptes durch die hohe Inspektionstür vorne einsteigen und ohne Baucheinziehen seine Pferde versorgen kann. Ein weiterer Vorteil des Platzangebotes: Flexibel nutzbare mobile Futtertröge.

Dem Gardemaß entsprechend beträgt das zulässige Gesamtgewicht nun 2,7 Tonnen bei einem respektablen Leergewicht von 1070 kg. Nichts für schwache Zugfahrzeuge, die selbst mit leichteren Vierbeinern und einer vollen Sattelkammer eine Anhängelast von wenigstens 2,1 Tonnen schleppen müssen.

Aus einem Guss

Trotz der Größe ist der neue „Luxusliner“, wie Humbaur ihn stolz nennt, nicht klobig, sondern ein elegantes Fahrzeug, das in seiner Formensprache dem neuen Trend bei Vollpolyester-Pferdeanhängern folgt: Optisch erscheint alles aus einem hochglänzenden Guss, das Dach geht in einer fließenden Linie direkt in den Bug über, sogar in den Kotflügeln setzt sich der sanfte Schwung fort. Die Heckleuchten sind ebenfalls komplett in ein Formteil in Wagenfarbe eingelassen. Konsequent passend: Die schwarz-silbernen Alufelgen, die allerdings einen Aufpreis von 365 Euro kosten.

Apropos Farbe: Der Testanhänger fuhr im noblen schwarz mit weißem Dach und Bug vor. Damit fällt man sicherlich auf, ob es angesichts der sommerlichen Insekten sinnvoll ist, ausgerechnet die Front in Weiß zu gestalten, bleibt fraglich. Es gibt aber jede Menge anderer bunter Kombinationen, so dass die Anpassung an die Zugwagenfarbe kein Problem sein dürfte.

Großer Kraftakt für kleine Leute

Die 1,50 Meter lange Heckklappe ermöglicht einen flachen Einstieg, ist mit vier Heckstreben recht stabil und mit Trittleistengummi und Seitenstoppern versehen. An dieser Stelle muss Humbaur allerdings ein bisschen nachbessern: Die Rampe ist für kleinere nicht allzu kräftige Personen nur unter Einsatz ihres Körpergewichtes zu öffnen, weil sie sehr knapp in den Rahmen passt. Umgekehrt muss man sie mit großem Schwung wieder schließen und an beiden Seiten noch etwas nachdrücken, um die Riegel einhaken zu können. Letzteres hat sich allerdings im Laufe des Gebrauchs verbessert.

Bedienerfreundlich und sicher

Humbaur-Maximus_Web-14-von-26Abgesehen von dieser Kleinigkeit (die bei den Folgemodellen behoben werden soll), ist der Anhänger extrem leicht zu handhaben. Die Trennwand, klassisch aus stabilem Stahl mit PVC-Schürze, bleibt sicher stehen, auch wenn beide Heckriegel geöffnet sind. Das erleichtert das schnelle Verladen. Die gepolsterten, anatomisch geformten Brust- und Heckstangen sind durch schräg verlaufende Halterungen längen- und höhenverstellbar, zu sichern sind sie mit den üblichen Drahthäkchen. Alle Stangen ließen sich mit einem Griff einfach ein- und aushängen, da stimmte das Maß perfekt.


Humbaur-Maximus_Web-26-von-26Die Ösen am vorderen Brustgestänge sind zum Anbinden der Pferde ausreichend groß, um auch dicke Stricke doppelt in einer Schlaufe durchziehen zu können. Dasselbe gilt für die äußeren Ringe. Sie dienen nicht nur zum Anbinden der Pferde, sondern gleichzeitig zum Öffnen der Panikentriegelung, die beim Maximus nun vorne und am Heck installiert ist. Zum Aufdrehen der eventuell nach Jahren fest sitzenden Schraube kann der Besenstiel aus dem „Sattelkammerpaket“ eingesetzt werden. Schon dafür wird sich im Notfall dessen Aufpreis von 46 Euro lohnen. All dies dient nicht nur der Praktikabilität, sondern auch der Sicherheit von Mensch und Tier.

Als Bodenmaterial kommt das seit vielen Jahren bewährte 21 Millimeter starke Sandwichprinzip AluBiComp zum Einsatz, bestehend aus zwei gegen Oxydation beschichteten Aluminiumblechen mit Polypropylen-Hartschaumkern. Darauf liegt eine reinighungsfreundliche, aber dennoch rutschfeste acht Millimeter starke Gumminatte, die fest verklebt und an den Rändern versiegelt ist. Die Wände links und rechts tragen Seitentrittschutzplatten aus schwarzem Kunststoff, darüber laden weiche Seitenpolster zum Anlehnen der Pferde ein.

Humbaur-Maximus_Web-9-von-26Ist der Anhänger geschlossen, ist das Windschott an einer längeren Mittelstrippe leicht zu schließen und wieder zu öffnen. An dieser mittleren Strippe kann es auch nur soweit geschlossen werden, dass etwa zehn Zentimeter offen bleiben. In komplett geschlossenem Zustand strömt bei Regen in ausreichend Luft in den Innenraum, Tropfen bleiben aber draußen hängen und der Pferderücken damit trocken. Im Bug sorgen fünffach klappbare Fenster für weitere gute Durchlüftung.

Sicher und praktisch bei Dunkelheit: Die im hinteren Drittel installierte Leuchte, die beim Verladen im Dunklen auch auf der Rampe Licht spendet.


Für die große Reise: Die Sattelkammer

Humbaur-Maximus_Web-21-von-26 Humbaur-Maximus_Web-3-von-26Eine wahre Freude ist die sehr voluminöse Sattelkammer, deren breite Tür ein leichtes Beladen ermöglicht. Ein wenig ärgerlich ist der Gasdruckdämpfer, der die Tür zwar zuverlässig offen hält, aber so kurz ist, dass sie im rechten Winkel vom Aufbau absteht. Das fällt erst im Praxiseinsatz auf, wenn zum Beispiel Satteldecken oder Gamaschen im Transportraum zum Trocknen aufgehängt werden und man dafür um diese abstehende Tür herum gehen muss. Auch wenn ein angebundenes Pferd erschrickt und in Richtung Sattelkammer springen sollte, könnte es die Tür leicht abbrechen. Einfacher wäre es, anstatt des Gasdruckdämpfers einen Gummistopper mit Saugnapf an der Transportwand zu installieren, wie das bei der Inspektionstür der Fall ist. Auch hier hat Humbaur versprochen, das zu optimieren.

Die ausziehbaren Sattelhalter sind, obwohl stangenförmig für englische Sättel konzipiert, auch groß genug für große Western- oder Barocksättel, letztere lagen auch sicher, ohne zu verrutschen oder gar herunterzufallen. Die gesamte Konstruktion ist einfach bedienbar. Perfekt ausgestattet ist die Sattelkammer mit Aufhängevorrichtungen: Zwei stabile Trensenhaken und darunter zwei kleinere Doppelhäkchen zum, Beispiel für Sporen oder Helme.

Auch bei der Beleuchtung geht Humbaur einen eigenen, aber sehr praktischen Weg: Sie ist als Bewegungsmelder konzipiert und springt sofort an, sobald man in die Kammer greift. Zudem ist sie batteriebetrieben und damit unabhängig von der PKW-Stromversorgung. Die 34 Euro dafür sind allemal gut angelegtes Geld.

Sowohl Sattelkammer- als auch Inspektionstür haben eine Dreipunktverriegelung, die mit griffigen Klinken geschlossen und mit einem Schlüssel abgesperrt werden können.

Die Inspektionstür ist im Übrigen auch von innen mit einer Klinke zu öffnen. Sie liegt so eng an, dass sich kein Strick darin verfangen kann.

Entspanntes Rollen und Reisen

Wie alle Humbaur-Pferdeanhänger fährt auch der neue Maximus auf dem EquiDrive Plus Fahrwerk mit Radstoßdämpfern und automatisch nachstellbarer Bremse aus dem Hause Al-Ko, dessen hervorragendes Fahrverhalten für eine entspannte Reise sorgt. Auf der langen Überführungsfahrt vom Humbaur-Werk in Gersthofen bei Augsburg ins gut 750 Kilometer entfernte Hamburg – und nach dem Test wieder zurück – haben wir den Anhänger so gut wie nicht gemerkt. Auch auf den mit zwei Pferden und voller Sattelkammer beladenen Fahrten lag er immer satt hinter dem Zugfahrzeug. Dabei war es egal, ob er von einem relativ schweren AUDI Q5 oder einem deutlich leichteren KIA Sportage gezogen wurde.

Fazit

Mit dem neuen Maximus ist Humbaur ein luxuriöser Vollpolyester-Pferdeanhänger mit elegant-aerodynamischem Exterieur, großzügigen Abmessungen und umfangreicher Serienausstattung gelungen. Er überzeugt durch zahlreiche Sicherheitseinrichtungen wie zum Beispiel doppelte Panikverriegelung und hervorragendem Fahrverhalten. Mit 15.490 Euro (Stand 10/22) für die Serienausstattung liegt er im oberen Bereich der Vollpolyester-Pferdanhänger für zwei Pferde.

Technische Daten

Gesamtlänge

Innenlänge

Gesamtbreite

Innenbreite

Gesamthöhe

Innenhöhe

Heckklappenscharniere

Gesamtgewicht

Zuladung

Stützlast

Bereifung

100 km/h Zulassung

Zubehör

Fahrwerk

Radstoßdämpfer

Bodenmaterial

Gummiboden

Seitenpolster

Trittschutz

Automatikstützrad

Sattelkammer

Höhenverst. Brust/Heckstange

Besonderheite

Weitere Pferdeanhängertestberichte über Humbaur

Weitere Informationen auf der Humbaur-Webseite.

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