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Pferdeanhängertest Humbaur Carrus: Vielmehr als ein „Karren“!

Von Doris Jessen, geschrieben am 19. Oktober 2008

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Humbaur_Carrus_Front-300x214Das Aluminium-Pferdeanhängermodell Humbaur „Carrus“ ist vielmehr als nur ein „Karren“, wie der Pferdeanhängertest bewies: Aufgrund seines Materials praktisch unverrottbar, bedienungsfreundlich und mit satter Straßenlage ist er eine gute, wenn nicht „die“ Alternative zu preislich ähnlichen Polyestermodellen.

Die Namensfindung des Pferdeanhängers „Carrus“ zeugt aus bayerischem Munde schon fast von hanseatischem Understatement: Denn das Premiummodell der Alu-Polyklasse ist deutlich mehr als nur ein Karren (so die Übersetzung aus dem Lateinischen), bei dem man ja im Allgemeinen eher einen unattraktiven verrotteten fahrbaren Untersatz assoziiert.

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Für lange Lebensdauer

Ganz anders dieser Pferdeanhänger: Seine Besonderheit ist nämlich gerade die Unverrottbarkeit, die durch das im Pferdeanhängerbau immer mehr verbreitete Aluminium erreicht wird. Der Aufbau besteht aus doppelwandigen 25 mm starken Aluminiumprofilen, deren Oberflächen nach dem Eloxal-Verfahren (elektrolytische Oxidation von Aluminium) veredelt sind. Mit dieser Oberflächentechnik entsteht eine fünf bis 25 Mikrometer dünne korrosionsschützende Schicht. Sie sorgt dafür, dass der Aufbau auch nach vielen Jahren sein nobles mattglänzendes Aussehen behält – vorausgesetzt, er wird gelegentlich einfach mit Wasser und Bürste gewaschen. Bei starken Verschmutzungen, zum Beispiel nach dem Einsatz auf matschigen Turnierparkplätzen, darf auch ein Hochdruckreiniger ran. Selbst wenn Wasser eindringt, was durch die Profilkonstruktion bedingt möglich ist, kann es keinen Schaden anrichten.

Gegen Huftritte von innen ist es sinnvoll, die Bordwände mit einer etwa 10 mm dicken Seitentrittschutzwand auszustatten (280 €), wie dies im Testmodell auch der Fall war.

Die Aluplatten bestehen aus Gewichtsgründen aus Hohlkammerprofilen, die durch Snaplock-Technik dauerhaft miteinander verbunden werden. Theoretisch sind die Profile einzeln austauschbar, was aber nach Aussage des Herstellers aufwändig ist.

Auch alle Einfassungen an den Türen für Sattelkammer und Inspektionsschlupf sind aus eloxierten Aluminiumprofilen. Der Außenrahmen, die hintere und vordere seitliche Abstützung so wie die Heckscharniere sind aus feuerverzinktem Stahlblech gefertigt, das zusätzlich pulverbeschichtet wurde.

Erfahrungsgemäß war bisher das am ehesten kritische Element eines Pferdeanhängers der Holzboden. Daher – wie sollte es bei einem Alu-Anhänger anders sein – besteht auch der Boden serienmäßig aus unverrottbarem Material. Humbaur setzt hier auf die sog. AluBiComp Platte, die aus einem Polypropylen-Hartschaumkern mit zwei Deckschichten aus Aluminiumblech besteht. Zusätzlich ist der Boden mit einem acht mm starken Gummiboden mit Hammerschlagoberfläche belegt, verklebt und versiegelt.

Der Einsatz von GFK (glasfaserverstärkter Kunststoff) ist auf drei Stellen beschränkt: Um die Front eleganter zu gestalten und mehr Platz im Innenraum, ggf. für eine Sattelkammer zu gewinnen, besteht die Stirnwand aus einer leicht bogenförmigen GFK-Bugschürze.

Die Dachhaube – beim Testmodell in schwarz – ist ebenfalls aus GFK, das aus Stabilitätsgründen mit rippenartigen Verstärkungen versehen ist. Auch die Radkästen sind serienmäßig aus schwarzem Kunststoff.

Sicherheit ist das A&O

Neben der Robustheit kann der Pferdeanhänger auch hinsichtlich der Sicherheit punkten: So sind die je zwei Seitenstreben vorne und hinten quasi aus einem Guss, so dass kein Pferdehuf in irgendwelche Zwischenräume treten kann. Die gesamte Beleuchtungsanlage ist in die Heckstütze integriert. Der serienmäßig 13polige Stecker ermöglicht einen bei Dunkelheit durchaus praktischen Rückscheinwerfer und eine Nebelschlussleuchte.

Selbstverständlicher Standard sind die geteilten Bruststangen mit Panikverriegelung, die sich von außen lösen lässt. Die Heckstangen sind, wie bei nahezu allen Anhängermodellen, hängend angebracht, und bedarfsgemäß für kürzere oder längere Pferde in Längsrichtung dreifach verstellbar. Auch bei schiefem Stand, der gerade auf unebenen Wald- oder Turnierparkplätzen schon einmal vorkommen kann, bleibt der Aufbau in sich gerade und die Stangen sind mit einem Griff einzurasten.

Die geschraubte Mitteltrennwand besteht aus durchsichtigem Weich-PVC, das den Eindruck des sehr hellen Innenraums noch verstärkt. Die Mitteltrennwand ist mechanisch im Boden arretiert, so dass sie auch bei offener Heckklappe fest verriegelt bleibt und nicht durch Trittbewegungen der Pferde verschoben werden kann.

Geht es ans Einsteigen, so bietet die solide Verladerampe mit 1,50 Meter Länge einen noch komfortablen Einstiegswinkel. Dank sehr leichtgängiger Verriegelungen ist sie gut zu öffnen und zu schließen. Das ist wichtig, wenn es einmal schnell gehen muss. Die Pferde finden auf dem Heckklappengummi mit Trittleisten und Seitenstopps guten Halt. Durch die Gasdruckfedern lässt sich die Heckklappe trotz ihres Gewichtes leicht öffnen und wieder schließen.

Die Inspektionstür für die Menschen ist auch von innen mit einem Drehknopf zu öffnen, den aber auch sehr verspielte Pferde nicht „bedienen“ können.

Verschlossen wird der Carrus am Heck durch ein nahezu wasserundurchlässiges Windschott, das nicht nur Luft, sondern auch Licht hindurch lässt, so dass es im Pferdeanhänger auch im geschlossenen Zustand nie dunkel wird. Das Schott ist über einen Planenlift schnell zu öffnen und durch die mittlere längere Gummistrippe auch für kleinere Personen leicht herunter zu ziehen und mit einem Griff zu schließen.

Ein kleines Manko in Sachen Praktikabilität und Sicherheit, wenn man ein Pferd schnell an- oder losbinden muss, sind die relativ kleinen äußeren Anbindeösen. Vorne lässt sich ein dickerer Strick noch einigermaßen durchfädeln, am Heck funktioniert das nicht, so dass die Pferde zum Beispiel zum Satteln links und rechts anzubinden sind. Beim Weg zur Sattelkammer muss man dann von rechts über die Deichselholme klettern oder hinten herum gehen. Sehr sinnvoll ist hier eine stabile Anbindestange, die man als Zusatzausstattung (82 €) erweben kann.

Fahrkomfort: Lust für sensible Lasten

Tests haben ergeben, dass Pferde auf Transporten durchaus einen gewissen Stress erleiden, auch wenn sie dies nicht immer deutlich zeigen. Daher ist ein ruhiges Fahrverhalten auch über ruppige und kurvenreiche Landstraßen nicht nur ein Komfortmerkmal, sondern auch ein Sicherheitsaspekt.

Regelmäßigen Lesern der Anhängertestberichte wird das schon oft erwähnte feuerverzinkte Champ-Längsträgerfahrgestell von Humbaur bekannt vorkommen, das auch dem Carrus zusammen mit den gut federnden Radstoßdämpfern seine satte Straßenlage verleiht.

Natürlich verfügt der Carrus in der Serienausstattung über ein Automatikstützrad und eine leichtgängige Kupplungsvorrichtung, die durch eine optische Sichtkontrolle das korrekte Einrasten des Anhängerkugelkopfes signalisiert. Gegen Aufpreis ist sie auch abschließbar.

Für Vielreiser unverzichtbar: die Sattelkammer

Humbaur_Carrus_SK-300x225Wer einmal eine hatte, möchte nicht mehr auf sie verzichten: die Sattelkammer (692 €). Beim Carrus fällt sie ausreichend geräumig aus und bietet sogar zwei Westernsätteln, Putzkisten und Wassereimern gut Platz. Trotz der starren Sattelhalter waren diese gut zu verstauen und fielen auch in Kurven nicht herunter. Selbstverständlicher Standard sind die beiden innen liegenden Trensenhalter und die gut (ab)schließbare Tür mit Dreipunktverriegelung und griffiger Klinke. Angenehm ist die Gasdruckfeder, die ein Zufallen der Tür bei Wind verhindert.

Konstruktionsbedingt muss allen Alu-Pferdeanhängern die Sattelkammer als eigenes Modul eingebaut und mit dem Aufbau sicher verschraubt werden. Das hat den Nachteil, dass durch die Alu-Profile vor allem der Tür trotz guter Abdichtung bei Fahrten in starkem Regen Wasser eindringen kann, das durch einen kleinen Abfluss wieder abläuft. Bei entsprechenden Witterungsverhältnissen ist es aber dennoch angeraten, keine wasserempfindlichen Sachen auf dem Sattelkammerboden zu lagern.

Fazit

Wer einen Pferdeanhänger mit langer Haltbarkeit, guten Fahreigenschaften und großer Bedienungsfreundlichkeit sucht, ist mit dem Humbaur Carrus gut bedient. Der „Anhänger fürs Leben“ kostet in der Standardausstattung mit zwei Tonnen Gesamtgewicht 7.345 Euro (2,4 t 7.529 €) und ist damit etwas preiswerter als die vergleichbaren Wettbewerbsmodelle.

Technische Daten

Gesamtlänge: 4,63 m

Innenlänge: 3,37 m

Gesamtbreite: 2,26 m

Innenbreite: 1,71 m

Gesamthöhe: 2,86 m

Innenhöhe: 2,30 m

Heckklappenscharniere: 4

Gesamtgewicht: 2400 kg

Zuladung: 1570 kg

Stützlast: 75 kg

100 km/h Zulassung: ja

Zubehör

100 km/h Zulassung: ja

Fahrwerk: Champ

Schraubenfederfahrwerk: nein

Radstoßdämpfer: ja

Bodenmaterial: ja

Gummiboden: ja

Seitenpolster: ja

Trittschutz: ja

Automatikstützrad: ja

Sattelkammer: ja

Höhenverst. Brust/Heckstange: ja

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