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Praktisch oder Firlefanz? Pferdeanhänger mit Vorderausstieg

Von Doris Jessen, geschrieben am 31. August 2020

Pferdeanhänger Ifor Williams HBX 511Doris Jessen
Schönfeld_2020

Pferdeanhaenger-Ifor-Williams-51-von-56-1Briten und Amerikaner und auch unsere französischen Nachbarn schwören auf Pferdeanhänger mit Vorderausstieg. Doch was ist wirklich dran an der vermeintlich bequemen Verladevariante und welche Modelle gibt es?

In Deutschland steigen die Pferde in den traditionellen Pferdeanhänger hinten über eine Rampe ein und im Rückwärtsgang auch wieder aus. Vor allem das rückwärtige Aussteigen erfordert etwas Übung, weil die Tiere quasi ins Nichts zurücktreten müssen und dies in vielen Fällen anfangs nicht gerne tun. Da ist beim Verladetraining mitunter Geduld angesagt. Allerdings kann jedes Pferd prinzipiell problemlos rückwärtsgehen und hierzulande beweisen zigtausende von Pferden, dass dies überhaupt kein Problem darstellt. Dies wird sicherlich auch der Grund sein, warum sich bei Pferdeanhänger mit einer Rampe für das Ein- und Aussteigen etabliert haben.


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ChevalLiberteTouring-10-von-23Blickt man allerdings nach Großbritannien und Frankreich oder auch in die USA, so steigen Pferde dort am Heck ein – über eine Rampe oder sogar Stufe – und verlassen das Fahrzeug über einen Vorderausstieg. „Für das Pferd ist die Stufe sogar einfacher als die Rampe. Wenn man sie nah genug ans Fahrzeug führt, stehen sie mit dem Kopf schon drin und müssen nur noch eine Stufe steigen. Das ist viel stressfreier als die manchmal klappernde Rampe“, meint Quarter Horse Züchter Volker Laves, der seit 30 Jahren Quarter Horses züchtet.

Mit der zunehmenden Vielfalt von Pferdeanhängern kamen auch britische Modelle auf den deutschen Markt – allen voran der Marke Ifor Williams, die ausschließlich mit Vorderausstieg gebaut werden, ebenso wie die Modelle von Richardson und Rice. Hier ist immer eine Rampe vorhanden, allerdings ist sie bei den Williams-Modellen auf Wunsch als Flügeltür teilbar, so dass auch der Einstieg über die Stufe gewählt werden kann.

Auch der französische Hersteller Fautras setzt auf den Vorderausstieg. Während bei den älteren Fahrzeuge der Modellserie Provan noch eine kleine Rampe zum Herausziehen unter dem Ladeboden montiert war, bieten die neuen Modelle nur noch den Ein- und Ausstieg über die Stufe.

Mittlerweile haben auch die deutschen Hersteller den Bedarf erkannt und bieten nahezu alle – von Böckmann über Humbaur und Thiel bis WM Meyer – eigene Vorderausstiegmodelle oder diese Konstruktion als Zusatzausstattung an.

Vorteile des Vorderausstiegs

5b_IW_Vorderausstieg_FohlenDer Hauptvorteil ist ohne Zweifel das einfachere Entladen, vor allem wenn es um Fohlen oder Jungpferde geht, die noch kein Verladetraining durchlaufen haben. Speziell für Züchter oder Händler, die viele Youngsters oder auch verladeunerfahrene Pferde transportieren müssen, ist der Vorderausstieg also eine gute Sache. Auch für das Training von Pferden mit Platzangst hat sich die Konstruktion, die vorne viel Licht ins Gefährt lässt und zudem die Möglichkeit bietet, die Pferde anfangs einfach nur durchzuführen, bewährt. Mehr dazu hier.

Ein weiterer Vorteil zum Beispiel für Turnierreiter ist, dass die Pferde während der Standzeiten auf dem Parkplatz immer zwei große Ausblicke nach draußen und vor allem frische Luft haben.

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Der Vorderausstieg erfordert zwingend auch eine etwas andere Trennwandkonstruktion: Sie muss im Brustbereich zu öffnen und schwenkbar sein, damit das links stehende Pferd über den die rechte Tür aussteigen kann. Diese Schwenkkonstruktion bringt den praktischen Vorteil, dass die Bruststangen schnell auszuhängen und die Trennwand zu schwenken sind, was sich auch bei der Reinigung bewährt: Man steht quasi auf einer freien Fläche und kann den Boden bequem ausfegen oder abspritzen. Hat das Fahrzeug keine Rampe, so kann auch kein Mist auf dieser und den meistens vorhandenen Querrippen hängen bleiben.

Der Vorderausstieg ist im Übrigen nicht nur für die Pferde angenehm. Auch als Mensch geht man leichter ohne Kopfstoßen durch die hohe und breite Tür.

Nachteile

Aber wo Licht ist, ist auch Schatten: So muss das Fahrzeug immer so geparkt werden, dass auf der Vorderausstiegsseite ausreichend Platz für die etwa zwei Meter lange Rampe ist, was auf engen Turnierplätzen manchmal problematisch ist. Auch muss immer zunächst das an der Ablaufklappe stehende Pferd aussteigen, es sei denn, man lässt sie konventionell nach hinten hinaus, was ja aber nicht Sinn der Sache ist.

Ein weiterer, speziell für Turnierreiter oder Vielreiser, großer Nachteil ist die bei kleineren Modellen fehlende Sattelkammer, weil dafür aufgrund der Grundkonstruktion schlicht der Platz fehlt. Mobile Sattelkisten, neuerdings auch auf eigenen Schwenkmechanismen speziell im Ifor Williams, sind immer nur ein Kompromiss.


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Allerdings haben die Hersteller dies erkannt und bieten nun bei größeren Fahrzeugen eine Sattelkammer oder sogar einen begehbaren Sattelraum an. Diese bewegen sich dann bereits im Luxussektor.

Fautras_im_EinsatzBesitzt ein Anhänger wie zum Beispiel das Modell Fautras Provan weder vorne noch hinten eine Rampe, hat man beim Transport lahmer Pferde zur Klinik das Risiko, dass sie das entsprechende Bein überlasten können, wenn die die etwa 35 bis 40 Zentimeter hohe Stufe aussteigen müssen.







Testberichte zu Modellen mit Vorderausstieg

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