

BMW iX3 50
Nach den Modellen iX50 und iX60 ist es bereits das dritte vollelektrische BMW SUV, das wir vor den Pferdeanhänger spannten: Der BMW iX3 50 xDrive, den der bayerische Hersteller zu Recht als die „Neue Klase“ bezeichnet. Das Fahrzeug war mit seinen 345 kW (469 PS), 645 Nm und 2 Tonnen Anhängelast als kräftiges Zugfahrzeug nicht nur auf allen Geläufen über jeden Zweifel erhaben, sondern machte mit maximalem Fahrkomfort auf der Langstrecke (Reichweite nach WLTP 741 km) seinem Motto „Freude am Fahren“ alle Ehre. Angesichts der Leistung wirkt der Einstiegspreis von rund 70.900 für die Serienausstattung durchaus angemessen.
Exterieur: zurück zur sportlich-eleganten Tradition
Im Gegensatz zu letzten Modellen mit ihrem massigen, steil stehenden Kühler und der dominierenden BMW-Niere wirkt der neue iX3 deutlich leichter, eleganter und sportlicher: die schmalen Scheinwerfer betonen die Fahrzeugbreite, die Seitenansicht fällt durch kurze Überhänge und den 2,90 m langen Radstand auf, der komfortable Laufruhe verspricht. Mit einer Länge von 4,78 m und einer Breite von 1,85 m erwies sich das Fahrzeug sowohl beim Einparken als auch in Parkhäusern als sehr handlich.
Interieur: Willkommen in der neuen Welt
Der ersten Eindruck nach dem Öffnen der massiven Tür mit versenkbaren Griffen lässt sich am besten mit dem englischen „geflasht“ geschreiben: Auf dem komfortablen, natürlich elektrisch verstellbaren und topbequemen Sportsitz Platz genommen, fällt als erstes das serienmäßige(!) Panoramic Vision Display ins Auge, das sich über nahezu die gesamte Breite der Frontscheibe erstreckt.

PanoramicVision
Dadurch wirkt der Innenraum nach vorne tief, breit und luftig. Dort werden Fahrinformationen, Navigation und Assistenzsysteme direkt im unteren Sichtbereich der Windschutzscheibe eingeblendet. Die Inhalte sind aber individuell konfigrierbar und so können auch Datum, Uhrzeit oder Verbrauch auf den Screen gezaubert werden. Speziell in der Nacht ist auch dieses Display ganz besonders beeindruckend.

Touchscreen in Trapezform
Zentrales Bedienelement ist der trapezförmig gestaltete Touchscreen, auf dem sich nahezu alle Funktionen einstellen und steuern lassen. Auf dem Multifunktionslenkrad schließlich finden sie die üblichen Funnktionen Tempomat, Lautsprechereinstellung und Aktvierung der Sprachfunktion.
Der Eindruck räumlicher Großzügigkeit und Luftigkeit wird noch durch da ebenfalls serienmäßige Panorama-Glasdach verstärkt, das allerdings nicht zu öffnen ist.
Platz: überall mehr als genug
Der schönste Innenraum nützt wenig, wenn er nicht praktisch gestaltet ist. Im neuen iX3 finden wir für kurze Fahrten zum Stall und längere Reisen zum Reiterurlaub alles was wir brauchen: Zwischen den Vordersitzen eine große Mittelkonsole mit zahlreichen Ablagen, Smartphones lassen sich induktiv sogar mit Schutzcase und per Kabel an zwei Buchsen laden, Getränkehalter unter einer eleganten Abdeckung, Türtaschen sowie weitere Staufächer.
Per Knopf an der Fahrertür, Schlüssel oder auch am Heck direkt öffnet sich die große Kofferraumklappe weit nach oben und gibt den nahezu rechteckigen Laderaum frei. Das Beladeniveau ist erfreulich tief, so dass man schwerere Objekte wie Futtersäcke oder Westernsättel einfach hineinbugsieren kann. Bei aufgestellten Rückbänken fasst der Raum 520 Liter, mit per Knopfdruck umgelegten Sitzen werden es maximal 1.750 Liter. Die dadurch entstehende Fläche wird allerdings nicht komplett eben, auch die Länge dürfte für ein Notbett nur für sehr kleine Personen ausreichen.

Frunk: Laderaum unter Fronthaube
Kleinere und nicht oft gebrauchte Gegenstände finden in einem kleinen doppelten Boden Platz oder man nutzt dafür den unter der Fronthaube liegenden „Frunk“, der nochmals 58 Liter bietet.
Infotainment: nach ein wenig Übung super
Das neue BMW Operating System – kurz auch als Infotainment bezeichnet – hat uns nach ein wenig Einarbeitungszeit wirklich überzeugt: Navigation, Medien, Fahrzeugfunktionen und Ladeplanung sind logisch aufgebaut und überschtlich angeordnet.
Etwas weniger glücklich gelöst erscheint uns die Klimabedienung. So haben wir die manuell bedienbaren Düsen vermisst und uns erst nacheinigem Fluchen und längerem „Trial and Error“ an die per Touch auf dem Monitor einstellbaren Luftausströmer gewöhnt. Technisch funktioniert das ausgezeichnet, im Alltag lenkte es jedoch weniger vom Fahrgeschehen ab, den Luftstrom mit einem kurzen Handgriff direkt auf Gesicht oder Oberkörper auszurichten. Die Zukunft wird zeigen, ob man je nach Kundenakzeptanz vielleicht doch wieder zur Tradition zurückfindet, ebenso wir andere Hersteller reumütig anstatt der Touchslider auf die bekannt Druck- und Drehregler zurückgefunden haben.
Unser Fokus: mit Pferdeanhänger unterwegs

Im Einsatz
Wie es sich bei SUVs dieser Preisklasse durchgesetzt hat, fährt auch hier die Anhängerkupplung elektrisch aus ihrer Halterung. Das zielgenaue Heranfahren an die Anhängerdeichsel geschieht dank Rückfahrkamera zügig. Das Stromkabel ist schnell eingedreht, das Bremsseil befestigt und los kann es gehen.
Bereits auf den ersten Metern noch auf feuchtem Wiesenboden zeigt sich: Das wird eine entspannte Fahrt. Der Elektroantrieb liefert sein maximales Drehmoment von 645 Nm praktisch aus dem Stand, sodass sich das Gespann gleichmäßig und ohne jedes Rucken in Bewegung setzt. Rangieren auf dem Hof oder das Anfahren an Ampeln oder auch an Steigungen lassen sich fein dosieren – ein Vorteil, den wir nach mittlerweile vielen Elektrofahrzeugtests gegenüber Verbrennern zu schätzen gelernt haben.
Nun sind die nassen Wiesenverhältnisse oder schlammigen Turnier-Parkplatzeinfahrten glücklichweise die Ausnahme und so genießen wir nach wenigen hundert Metern das wirklich perfekte Fahren auf der Straße: Leise gleitet er dahin, den Pferdeanhänger quasi unbemerkt im Schlepp. Dank des hohen Eigengewichtes von 2.360 kg bleibt das Gespann jederzeit, auch bei flotteren Überholmanövern souverän und satt auf der Bahn. Selbst bei Autobahntempo – wir dürfen ja nun 100 km/h fahren (mehr dazu hier: 100-km/h-Regelung – fühlten wir uns immer satt und damit sicher auf der Straße. Auch die beiden Quarter Horse Sturen reis7en so ausgesprochen komfortabel und steigen am Ziel relaxed aus.
Großartig: Fast schon autonomes Fahren
Auf allen Fahrten, speziell aber mit Pferdeanhänger genossen wir die perfekten Fahrassistenten, die schon fast an autonomes Fahren herankommen. Tempomaten mit Abstandsregelung, Totwinkelassistenten und Kennzeichenerkennung gehören ja in Fahrzeugen dieser Klasse schon zur Serienausstattung. Der Autobahnassistent mit automatisiertem Spurwechsel unterstützt die absolut entspannte Fahrt: Erkennt das System ein vorausfahrendes langsameres Fahrzeug und eine freie Nachbarspur, erscheint im Display die Frage „Überholvorgang einleiten?“. Blickt man dann als Fahrer nach links in den Rückspiegel, setzt das Fahrzeug selbstständig den Blinker, schert kontrolliert aus, überholt das Langsamere und ordnet sich anschließend wieder rechts ein. Das Ganze geschieht erstaunlich harmonisch und mit einer Ruhe, die schnell Vertrauen schafft. Nach anfänglicher Skepsis verlässt man sich nach kurzer Zeit ganz selbstverständlich auf diese Technik.
Nachts erhellt das automatische Fernlicht ab 50 km/h die Straße gefühlt kilometerweit. Wie bei modernem Fernlicht üblich, blendet es den Gegenverkehr aber nicht.
Großartig ist auch das Headup-Display, das der „Neuen Klasse“ alle Ehre macht: Wie lange Finger zeigen die Richtungsanzeigen nach vorne, scheinen sich quasi in die Straße zu bohren und ersparen so den Seitenblick aufs Navi. Noch nie waren lange Fahrten entspannter…
Ach ja, und wenn es – ohne Anhang natürlich – etwas flotter gehen soll, beschleunigen uns 469 PS in 4,3 Sekunden von 0 auf 100 km/h, und die Spitzengeschwindigkeit von 210 km/h ist schnell erreicht.
Nach zwei Wochen Testzeit und rund 2.500 Kilometern erwies sich dieses Assistenzpaket ohne Zweifel als einer der besten, die wir bislang erlebt haben.
Neben den modernen Assistenten trägt auch das adaptive Fahrwerk seinen Teil zur entspannten Fahrt bei: So überzeugten auf der Langstrecke der hohe Federungskomfort und die erstaunlich geringen Karosseriebewegungen. Selbst auf schlechten Landstraßen bleibt der Aufbau ruhig, Schlaglöcher und Querfugen werden sauber herausgefiltert. Gleichzeitig vermittelt die Lenkung jederzeit genügend Rückmeldung, sodass wir das Fahrzeug trotz seines Gewichts jederzeit angenehm präzise dirigieren konnten.
Die spannende Frage: Verbrauch und Reichweite
Nun kann für Pferdesportler bei der Entscheidung für oder gegen ein E-Fahrzeug eine Frage kaufentscheidend sein: Wie hoch ist der Verbrauch bzw. die daraus resultierende Reichweite mit Pferdeanhänger? Im Vergleich zu dem älteren, hier ebenfalls vorgestellten BMW iX xDrive 60 hat BMW für den iX 3 die komplette Antriebstechnik neu entwickelt. Die Elektromotoren arbeiten effizienter als bisher, hinzu kommen eine moderne 800-Volt-Architektur, eine deutlich verbesserte Batterietechnik und die gute Aerodynamik.
Unser BMW iX3 50 xDrive ist mit einem 108,7 kWh Akku ausgestattet, den wir im Solo-Betrieb im Drittelmix Stadt-Land-Autobahn mit einem Verbrauch zwischen 17 und 19 kWh pro 100 Kilometer gefahren haben. Die theoretisch maximale Reichweite von 740 Kilometern reizt man sicherheitshalber nicht aus. So haben wir auf unserer 850 Kilometer langen Fahrt von München nach Hamburg nach gut 500 Kilometern einen kurzen Ladestopp an einer Schnellladesäule eingelegt und in knapp 15 Minuten auf 80 Prozent geladen.
Mit Pferdeanhänger fällt die Bilanz natürlich anders aus. Moderat mit 80 km/h gefahren kamen wir auf Landtraßen und Autobahnen mit 30 kWh aus, nutzt man die 100 km/h, werden es bis 35 kWh pro 100 Kilometer. Das ist angesichts der Leistungsstärke des 469 PS kräftigen Gefährts ein eher sparsamer Wert.
Für längere Reisen mit Pferden ist natürlich herauszufinden, wo sich Ladestationen mit Durchfahrmöglichkeit finden. Auf der Website eTrucker finden sich dazu ausführliche Informationen. Auch eine App, auf der alle entsprechenden Ladesäulen mit Verfügbarkeiten angezeigt werden, ist bereits verfügbar.
Fazit
Wir erlebten den neuen BMW iX3 als eines der modernsten und für den Einsatz als Zugfahrzeug überzeugendsten Elektroautos, die wir jemals vor den Pferdeahänger gespannt haben: Für E-Autos eine vergleichsweise hohe Anhängelast, mehr als ausreichend PS und Drehmoment für Überholmanöver und ruppiges Geläuf, komfortable Platzverhältnisse für Passagiere und Reitergepäck. Dazu mit durchschnittlich 17 bis 19 kWh pro 100 km ein überraschend geringer Verbrauch – wenigstens ohne Anhang. Mit einem Serienpreis von rund 70.800 Euro ist der iX3 50 xDrive fair bezahlt. Natürlich kommen auch hier zum perfekten Erlenbnis noch Sonderausstattungen hinzu, so dass für das Testfahzeug am ende 87.560,00 Euro fällig wären.
Technische Daten BMW iX3 50 xDrive
| Länge (mm) | 4.782 |
| Breite (mm) | 1.895 |
| Breite mit Außenspiegeln (mm) | 2.093 |
| Höhe (mm) | 1.635 |
| Bodenfreiheit (mm) | 176 |
| Wendekreis (m) | 12,1 |
| Kofferraumvolumen (Liter) | 520 - 1.750 |
| Front Kofferraumvolumen (Liter) | 58 |
| Zul. Gesamtgewicht (kg) | 2.825 |
| Leergewicht (kg) | 2.360 |
| Zuladung | 540 |
| Anhängelast (kg) | 2.000 |
| Stützlast (kg) | 80 |
| Motor | vollelektrisch |
| Maximale Leistung (kW/PS) | 345 (469) |
| Drehmoment (Nm) | 645 |
| Beschleunigung 0 - 100 km/h | 4,9 sek |
| Getriebe | Automatik |
| Höchstgeschwindigkeit km/h | 210 |
| Stromverbrauch kombiniert WLTP | 17,9 - 15,1 |
| CO2-Effizienzklasse | A |
| Batterie-Kapazität in kWh | 108,7 |
| Batterietyp/Brutto Batterie-Kapazität | Lithium-Ionen |
| Maximale Ladeleistung kW | 400 |
| Elektrische Reichweite, kombiniert (WLTP) | 673 - 805 |
| Ladezeit 10 - 80 % mit max. Ladeleistung DC (195 kW) | 21 Minuten |
| Ladezeit 0 - 100 % mit max. Ladeleistung AC an Wallbox (11 kW) | 11 Stunden |
| Versicherungsklassen Haftpflicht - Teilkasko - Vollkasko | HP 19 / TK 22 / VK 27 |
| Neupreis (Serie) | 70.900 inkl. USt. (Stand 9/2026) |
| Neupreis Testwagenausstattung | 87.560 inkl. USt. (Stand 7/2026) |
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