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Pferdeanhänger-Zugfahrzeugtest BMW X5: Für die sportlich aktive Großpferde-Familie

Von Doris Jessen, geschrieben am 18. Oktober 2016

Pferdeanhänger-Zugfahrzeugtest BMW X 5
Böckmann-Esprit

BMW-X5-Web-7-von-68Mit seiner hohen Anhängelast von 3,5 Tonnen, dem großen Laderaum und der BMW-typischen kräftigen Motorisierung bewies sich der X5 – hier im Test das Modell xDrive40d mit 6-Zylinder-3-Liter Doppelturbo-Diesel und 313 PS – hervorragend als Zugfahrzeug für den Dreipferdeanhänger Cheval Liberté Minimax. Durch den Allradantrieb und eine dynamische Traktionskontrolle lässt er einen auch auf matschigen Untergründen nicht im Stich. BMW-typisch ist allerdings auch der Preis: ohne Extras kostet er 66.300 Euro, für die hochkomfortable Testwagenausstattung kommen noch gut 22.000 Euro dazu (Stand 2016). 

Mit dem Modell X5 war BMW im Jahr 1999 einer der ersten deutschen Automobilhersteller der heute als „SUV“ bezeichneten Hybride aus Kombi und Geländewagen. Auch heute noch den USA für große Straßen und Parkplätze und weniger für unwegsames Gelände gebaut, hat BMW für seine X-Klasse den Begriff „SAV“ (Sports Activity Vehicle“) geprägt. Womit natürlich – unter anderem – auch der Reitsport und damit Pferdetransport gemeint ist.

Und genau in diesem Einsatz, speziell wenn große Lasten zu schleppen und voluminöses Gepäck zu transportieren sind, hat sich das große und gleichermaßen sportlich-elegante Fahrzeug im zweiwöchigen Test mit einem Dreipferdeanhänger bestens bewährt.

BMW X5: Kraft und Eleganz

Im Exterieur ist sich der Klassiker treu geblieben, wenn auch die Front heute durch die großen Lufteinlässe und dominanten Scheinwerfer etwas sportlich-aggressiver wirkt. Positiv am Heck: Die auf Höhe der Anhängerkupplung schwarzen Kunststoffstoßfänger, falls man doch einmal beim Ankuppeln anstoßen sollte.

Komfortabler geht’s nicht

In Sachen Komfort haben die Konstrukteure und Designer beim X5 speziell für den Einsatz als Zugfahrzeug keine halben Sachen gemacht. Das beginnt bereits bei der elektrischen Anhängerkupplung, die – hat man den Bedienknopf unter einer Abdeckung im Kofferraum gefunden – lautlos aus ihrer Halterung gleitet mit einem leisen Klick einrastet. Soweit ist alles in Sekundenschnelle vorbereitet und die Hände bleiben sauber.

Nun geht es ans Ankuppeln, das nicht nur durch eine einfache Rückfahrkamera (die hat ja nun bald jedes Fahrzeug) erleichtert wird. Diese Kamera bietet zusätzlich eine Zoomfunktion, die den Kupplungskopf und damit auch die sich langsam nähernde Anhängerkupplung zentral ins Visier nimmt. Die Entfernung zur Anhängerkupplung kann mithilfe zweier statischer Kreissegmente abgeschätzt werden, eine vom Lenkeinschlag abhängige Linie hilft, das Ziel genau anzuvisieren. Da kann wirklich nichts mehr schief gehen, selbst Neulinge oder solche, die nur selten einen Anhänger ankuppeln, kommen damit ganz einfach zurecht.

Passend platziert, muss der Anhänger nun nur noch angeschlossen werden. Die Steckdose befindet sich wie bei allen elektrisch bedienbaren Kupplungen direkt am Kupplungshals: Ausreichend Platz zur Stoßstange, kein Bücken, kein Gefummel, um den Stecker einzudrehen.

Kraftreserven für jede Situation

Die Motorbezeichnung „xDrive40d“ assoziiert zu Recht Kraft, weil man dahinter eine 4-Liter-Maschine vermutet. Das ist zwar nicht der Fall, aber auch das 3-Liter 6-Zylinder Dieselaggregat mit 313 PS und einem Drehmoment von 630 Newtonmeter (bei 1.500 bis 2.500 Umdrehungen) bringt mehr als ausreichend Kraft auf die Straße und bewältigt selbst mit schwerer Last jede Fahrsituation hervorragend. So dienen die Kraftreserven nicht nur dem Fahrvergnügen, sondern gerade im Anhängerbetrieb auch der Sicherheit.

Die Größe vermittelt, sobald man den hohen Einstieg überwunden und es sich auf den bequemen elektrisch einstellbaren Ledersportsitzen bequem gemacht hat, den Eindruck einer gewissen Souveränität. Man blickt über die Breite des nobel lederbezogenen Armaturenbrettes, freut sich, dass in den vielen Ablagen jedes Ding seinen Platz findet, vom Schlüssel im kleinen Kästchen links unter dem Beleuchtungsschalter über die Flaschenhalter bis hin zu den Türfächern, dem großen Fach mit Handy-Ladestation unter der Mittelarmlehne und dem Handschuhfach, das so einiges wegschluckt. Auch die hinteren Passagiere können es sich mit großer Bein- und Kopffreiheit super bequem machen.

Den Pferdeanhänger am Haken, rollen wir zwischen 80 und 100 km/h im Komfort-Modus gemütlich dahin. Mit einem Eigengewicht von gut 2.200 kg und Anhängerstabilitätssystem kann uns so schnell nichts aus der Bahn werfen. Von Trägheit dennoch keine Spur: Wird man aber auf der Landstraße von einem Traktor ausgebremst, so reicht ein leichter Druck aufs Gaspedal und das Gespann schnurrt flott vorbei. Das kann gerne auch auf einer Steigung passieren, bis 100 km/h – und in kurzen Momenten auch ein wenig darüber – eine Kleinigkeit. Soll es noch etwas zügiger vorangehen werden – der „Fahrerlebnisschalter“ bringt uns in den Modus Sport oder Sport plus. Wie es sich für ein komfortables Fahrzeug gehört, hat der X5 eine 8-Gang-Automatik serienmäßig an Bord.

Vor allem in langen LKW-Schlangen, aber auch auf Landstraßen in der oft üblichen Kolonnenfahrt, unterstützen diverse Fahrassistenzsysteme die sichere und bequeme Fahrt: Tempomat mit Abstandshalter, Spurverlasswarner und Totwinkelwarner.

BMW%20X5%20Web%20(67%20von%2068)_1BMW_X5_Web__9_von_68_Eine tolle Sache ist das Headup-Display, das alle wichtigen Daten – Geschwindigkeit, Tempomat ein oder aus sowie Verkehrsschilder – direkt vor das Auge des Fahrers auf die Windschutzscheibe projiziert.

Für gute Sicht in der Nacht sorgen nicht nur das extrem helle Fahr- und Fernlicht, sondern auch ein Infrarot-Nachtsichtsystem, das warme Objekte wie Personen oder Tiere wahrnimmt und davor warnt. Glücklicherweise kamen diese aber während der Testfahrten nicht ins Visier.

Speziell bei nassen Straßen oder auf Schneematsch, wenn es doch einmal rutschig werden sollte, kann der BMW X5 noch mit seinem Xdrive Allradsystem punkten. Durch das Zusammenwirken von Xdrive und dynamischer Stabilitätskontrolle (DSC) werden die Bodenhaftung und Fahrdynamik weiter optimiert, indem das Allradsystem die Antriebskräfte je nach Fahrsituation und Fahrbahnbeschaffenheit variabel auf Vorder- und Hinterachse verteilt.

BMW_X5_Web__61_von_68_Geht es einmal ins moderate Gelände – auf mehr als rumpelige und oft genug verschlammte Turnierparkplätze wagen wir uns mit Gespann ohnehin nicht – steht für die maximale Traktion auf losem Untergrund die dynamische Traktionskontrolle DTC zur Verfügung.

In Relation zur Leistung bleibt der Verbrauch mit Anhänger im Rahmen: Rund 11 Liter flossen auf der 300 Kilometer-Tour über Dorf-, Landstraßen und Autobahn durch die Leitungen.

Alles kann mit

Was wir rundum den Transport von Gütern in Sachen Pferd und insbesondere für Reiterreisen – sei es in den Urlaub oder zum Turnier – meistens benötigen, ist viel Platz für Gepäck und möglichst praktische Lademöglichkeiten. Das gilt besonders dann, wenn im Pferdeanhänger gar keine oder nur eine begrenzte Sattelkammer vorhanden ist. Jetzt macht sich die stattliche Größe – das Fahrzeug ist 4,85 m lang, 1,93 m breit und 1,77 m hoch – positiv bemerkbar. Besonders gefallen hat uns beim X5 die elektrisch bedienbare geteilte Heckklappe, deren Unterteil mit bis zu 250 kg belastbar ist. Da kann schon der eine oder andere Zentner-schwere Futtersack abgelegt werden oder eine kräftige Dogge einsteigen, ohne dass etwas bricht.

Bereits bei normal stehenden Rücksitzen bietet der Kofferraum rund 650 Liter, bei umgeklappten Sitzen sind es stolze 1.870 Liter. Die Zuladung beträgt 715 kg. Ganz praktisch ist, speziell für mitfahrende Hunde, ein herausziehbares Netz hinter der Rückbank, die natürlich 2:3 geteilt umgelegt werden kann. Auch eine Durchladefunktion für einen Skisack (von Reitern eher für Paddockstangen zu benutzen) erleichtert die Ordnung im Gepäck.

SAV mit Betonung auf Sport

Auch wenn in unseren Testberichten der Schwerpunkt auf der Eignung für den Zugbetrieb liegt, werden die Autos in den meisten Fällen auch fürs Alltagsleben genutzt. Haben wir die Leistung mit Anhänger für das zügige und damit sichere Überholen in allen Lebenslagen schätzen gelernt, geht es ohne Anhang natürlich sportlicher zur Sache – jetzt kommen wir endlich dazu, nach dem biederen Eco Pro- und Komfort-Modus die 313 Pferdchen unter der Motorhaube auch in höheren Geschwindigkeiten zu Sport- und Sport Plus-Leistungen anzutreiben. Jetzt wird die Lenkung direkter, die Dämpfung härter, auch die 8-Gang-Automatik reizt die Gänge jetzt mehr aus. Bis 190 km/h auf der Autobahn fährt es sich immer noch sehr relaxed, darüber wird es SUV-typisch ein wenig unruhiger. Wer es dennoch auf die Spitze treiben will, hat diese bei 236 km/h erreicht.

Flott gefahren, benötigte der X5 im Stadt-Land-Autobahnmix 8,8 Liter Diesel.

Wie auf Schienen

Ein sehr praktischer Helfer ist der Stauassistent, der bis zu einer Geschwindigkeit von 60 km/h die Geschwindigkeit hält und das Fahrzeug bei erkannten Begrenzungen selbsttätig in der Spur hält, ja sogar in sanfte Kurven lenkt. Leider funktioniert das System nicht im Anhängerbetrieb.

Umfangreiches Infotainment

Für Nicht-BMW-Fahrer gewöhnungsbedürftig ist die Bedienung des Infotainment-Systems, zu dessen zentraler Steuerung ein Drehknopf mit zusätzlicher Touch-Oberfläche dient, der sog. Controller. Damit werden im Navigationssystem oder Telefon kreisförmig angeordnete Buchstaben angeklickt. Bis das quasi blind funktioniert, braucht es eine Weile, alternativ sind aber auch Sprachbefehle möglich. Sehr angenehm ist der breite, teilbare Bildschirm, auf dem zum Beispiel neben der Navigation auch die Verbrauchsdaten angezeigt werden können.

Parken (fast) leicht gemacht

Ist die Größe für Passagiere und Gepäck ein Vorteil, kann sie einem beim Parken schon die Schweißperlen auf die Stirn treiben. Das gilt nicht nur für zu kurze, sondern in Parkhäusern oder eigenen Privatgaragen vor allem für zu schmale Parklücken. Aber auch darüber haben sich die Assistenz-Programmierer Gedanken gemacht: Die Kamerasysteme für die Park Distance Control liefern nicht nur die Abstände zu Objekten vorne und am Heck, sondern einen Top und Side View. Damit erscheint der Wagen im Display quasi von oben betrachtet, so dass auch seitliche Hindernisse – sprich Wände oder Nachbarautos – im Blick sind. Und das ist auch gut so, selbst mit dieser visuellen Unterstützung bedarf es noch einiger Übung, das große Gefährt in die Garage zu rangieren.

Fazit

Die Auswahl an Fahrzeugen mit 3,5 Tonnen Anhängelast ist nicht allzu groß und bringt die Käufergruppe automatisch in die Klasse der großen SUVs, Geländewagen oder Pickups. Wer für zwei oder drei große Pferde und entsprechende Trailer ein leistungsstarkes Zugfahrzeug mit viel Platz benötigt, auch im Alltag gerne sportlich unterwegs ist und dabei noch – immer in Relation zur Motorisierung – ökonomisch im Spritverbrauch bleiben möchte, ist mit dem BMW X5 sicher gut beraten. Der Dieselverbrauch von elf Litern im Anhängerbetrieb und „solo“ mit 8,8 Litern ist angemessen, der Kaufpreis – naja – BMW-typisch eher fürs volle Portemonnaie: In der genannten 40d-Motorisierung beginnt die Grundausstattung bei 66.300 Euro – mit sicherheits- und spaßorientierter Zusatzausstattung darfs auch deutlich mehr werden.

Technischen Daten

Länge (mm) 4.857
Breite (mm) 1.933
Höhe (mm) 1.776
Bodenfreiheit (mm) 222
Kofferraumvolumen (Liter) 650 – 1.870
Wendekreis (m) 12,8
Leergewicht (kg) 2.185
Zul. Gesamtgewicht 2.795
Zuladung (kg) 715
Anhängelast gebremst, bis 12 % Steigung (kg) 3.500
Stützlast 140 kg
Motor 2,99 6-Zylinder Dieselmotor (Doppelturbo)
Getriebe 8-Gang-Steptronic
Maximale Leistung 230 kW (313 PS)
Maximales Drehmoment 630 Nm bei 1.500 bis 2.500 Umdrehungen/min
Beschleunigung 0 – 100 in 5,9 sec
Höchstgeschwindigkeit 236 km/h
Verbrauch in Litern (Herstellerangaben) Stadt: 6,8; außerhalb 5,6; gesamt 6,0
CO2-Emission (g/km) 157-159
Schadstoffklasse Euro 6
Effizienzlabel A
Versicherungsklasse Haftpflicht + Teilkasko + Vollkasko 24 (HP), 30 (TK) 29 (VK)
Neupreis € Ab 66.300 Euro; Testwagenausstattung 88.360 Euro