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Pferdeanhänger-Zugfahrzeugtest SEAT Tarraco FR 1.4 eHybrid: Komfortabel, großräumig und sparsam

Von Doris Jessen, geschrieben am 29. November 2021

Pferdeanhänger-Zugfahrzeug Seat Tarraco eHybrid
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Seat-Tarraco-eHybrid-12Seit Januar 2021 auf dem Markt, stellte sich der SEAT Tarraco FR eHybrid im September auch bei Mit-Pferden-reisen.de als großräumiges und komfortables Pferdeanhänger-Zugfahrzeug vor. Auf der Kurzstrecke flüsterleise und flott auf der Langstrecke, war er trotz seiner stattlichen 180 kW (245 PS) und 400 Nm Systemdrehmoment sehr sparsam unterwegs. Mit bis zu 2 Tonnen Anhängelast eignet er sich für kleine bis mittelgroße Pferdeanhänger. Der Einstiegspreis liegt für die hier getestete Ausstattungslinie FR bei 47.180 Euro.

Plug-in-Hybridfahrzeuge werden immer beliebter: Im Vergleich zum Vorjahr sind die Verkaufszahlen im Jahr 2020 allein in Europa um 210 Prozent gestiegen; verkauft wurden insgesamt 619.129 Plug-in-Hybridmodelle – Tendenz steigend. Insofern war es nur konsequent, auch im Hause SEAT nach dem Modell Leon das Fullsize-SUV als Plug-in-Modell anzubieten. Damit erweitert SEAT als Konzernmitglied der Volkswagen-Familie die Produktpalette um ein sowohl den Kaufpreis als auch den Verbrauch erschwingliches Großraum-SUV.

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Designer-Auftritt: Sportlich-dynamisch

Rein äußerlich hat sich der Tarraco gegenüber dem bereits 2018 als Pferdeanhänger-Zugfahrzeug vorgestellten Modell wenig verändert: „Stylish-dynamisch“ haben wir ihn damals betitelt und so tritt er auch heute wieder auf: Selbstbewusster Frontgrill, schräg nach hinten verlaufende LED-Scheinwerfer, quer durchlaufendes Lichtband am Heck. Die sportliche Top-Ausstattung FR gefällt zudem durch seine sportlichen Seitenschweller, Stoßstangen, Außenspiegel und Kühlerrahmen in noblem Cosmo Grau. Wer es gerne etwas großspuriger mag, wählt wie hier gezeigt die 20 Zoll-Leichtmetallräder mit glanzgedrehter Oberfläche, die einen edlen Kontrast zwischen hell und dunkel zeigt.

Innere Größe

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Hochkomfortabler Innenraum

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Verschiebbare Rücksitze

Auf den ersten Blick wirkt der Tarraco trotz seiner stattlichen Länge von 4,77 m nicht wuchtig. Dennoch präsentiert er für Mensch und Ladung innere Größe. Selbst 1,90 m lange Mitfahrer hatten vorne wie hinten auf den verschiebbaren Rücksitzen sehr gut Platz. Schon fast als Selbstverständlichkeit registrierten wir die elektrisch einstellbaren Sportsitze mit anpassbarer Wirbelsäulenstütze und integrierten Kopfstützen. Mit Winterpaket haben es auch die Hinterbänkler auf den äußeren Sitzen mollig warm. Auch die Lenkradheizung erfreut uns an kühlen Tagen.

Komfortables Beladen

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Hier kann einiges Gepäck mitreisen

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Ladekabel sauber verstaut

Und weil wir gerade bei der inneren Größe sind: Die Lademöglichkeiten reichen trotz der Batterien, die unterhalb des Kofferraumes untergebracht sind, mit einem Volumen von 610 Litern für größeres Reiter- und/oder Familiengepäck aus. Die Sitze sind wie üblich leicht umlegbar, dann ergeben sich sogar 1.870 Liter. Beidseits hinter den Radkästen finden wir noch kleine Staufächer. Das einfache Beladen auch schwerer Gegenstände wird durch die elektrische Ladeklappe und die mit dem Ladeboden abschließende Ladekante unterstützt. Die Laderaumabdeckung ist als Planenrollo leicht herauszuziehen und wieder einzurollen, wenn zum Beispiel ein Hund mitreist.

Einen doppelten Boden gibt es, dort sind allerdings die Ladekabel untergebracht – eines für die 220-V-Steckdose und das Typ2-Kabel für öffentliche Ladestationen oder Wallboxen.

Flüsterleiser Start

Seat-Tarraco-eHybrid-24Ein Druck auf „Start“ und lediglich das Wort „Ready“ signalisiert Fahrbereitschaft im Elektromodus auf dem großen Active Display. Es ersetzt die einst analogen Rundinstrumente und liefert zwischen der Tacho- und Tourenanzeige beliebige Informationen: Auf Wunsch hat der Fahrer so auch die Navigationskarte (in der FR-Ausstattung übrigens serienmäßig) in voller Breite direkt im Blick.

Seat-Tarraco-eHybrid-26Gleichzeitig begrüßt uns der 9,2 Zoll große Touch Screen des Infotainments, das wir in sehr ähnlicher Form schon in vielen Fahrzeugen des Wolfsburger Konzerns kennengelernt haben. Topmodern, aber nicht wirklich immer praktisch ist die glatte Oberfläche ohne Drehräder oder Knöpfe, die einen zum Umschalten von einer Funktion zur anderen immer über den Menübildschirm zwingt. Aber abgesehen davon (und ja, man gewöhnt sich daran) liefert das System so ziemlich alles, was die Fahrt sicherer und den Aufenthalt im Wagen angenehm macht: Sprachsteuerung für Navigation, Telefon und Mediennutzung, Staumeldungen, Verkehrszeichenerkennung und Warnung bei Geschwindigkeitsübertretung, UKW und Digital-Radio.

Mit Einführung der neuen Plug-in-Hybridvariante ist das Fahrzeug vollständig vernetzt und bietet eine Reihe von fortschrittlichen Konnektivitätslösungen. So können wir über die SEAT Connect App aus der Ferne auf wichtige Daten zugreifen, den Ladevorgang und sogar die Klimaanlage steuern.

Neu an der Bedienung sind auch die sog. Touch Slider für die Steuerung der Laustärke am Multifunktionslenkrad und der Klimatisierung. Die ersten Bedienversuche geraten etwas ungenau, nach kurzer Zeit lernt man die stylishen Elemente aber zu schätzen.

Fokus E-Mobility

Durch die Kombination aus Elektro- und Benzinmotor können wir auch als Pferdesportler jede beliebige Strecke bewältigen, ohne Bedenken haben zu müssen, ob wir das Gespann an eine Ladestation bugsieren können. Im Zweifel gibt’s nämlich doch (noch) einen 1.4 TSI-Benzinmotor. Er leistet 110 kW (150 PS), zusammen mit dem 85-kW-Elektromotor (115 PS) addiert sich das auf beachtliche 180 kW (245 PS) bei einem maximalen Drehmoment von 400 Nm. Die Antriebskraft des Verbrennungsmotors gibt das bewährte automatisch und weich schaltende 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (DSG) an die Räder weiter.

Als Energiespeicher für den E-Motor dient eine Lithium-Ionen-Batterie mit einer Kapazität von 13 kWh, die laut Herstellerangaben für eine rein elektrische Reichweite von bis zu 55 Kilometern (nach NEFZ, 46 nach WLTP) ausreichen soll.

Im Economy-Modus bis zu 50 Kilometer Reichweite

Also erstmal an den Strom zum Aufladen. Die Steckdose befindet sich am linken vorderen Kotflügel hinter einer etwas fragilen Tankklappe. Es dauerte an der Haushaltssteckdose in der Garage an der Haushaltssteckdose bei 2,3 kWh gut fünf Stunden. Danach zeigte der Bordcomputer nur enttäuschende 37 Kilometer Reichweite. Das lag, wie sich im Laufe des zweiwöchigen Tests ergab, an der zuvor offensichtlich forschen Fahrweise. Bereits am dritten Tag unserer Nutzung stieg die Reichweite auf 47 Kilometer, Spitzenleistung waren 51 Kilometer.

Das Fahrzeug errechnet die Reichweiten aus den voran gegangenen Fahrweisen: Überwiegend im Economy-Modus auf Stadt- und Landstraßen, wo die Batterie durch häufiges Bremsen über Rekuperation immer wieder ein klein wenig geladen wird, schafften wir es, 50 Kilometer zu erreichen.

Damit fällt der Tarraco eHybrid genau in das durchschnittliche Fahrprofil in Deutschland: Laut einer Studie des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur* sind hier 95 Prozent aller täglichen Fahrten mit dem Auto kürzer als 50 Kilometer. Der SEAT Tarraco e-Hybrid erwies sich daher auch in unserem Testbetrieb perfekt für das lokal emissionsfreie Fahren.

Allerdings macht das SUV trotz seiner Größe auch im höheren Tempo Spaß: Bis 140 km/h kann man elektrisch fahren, darüber geht es dann mit Benzin weiter. Für den typischen Sprint von 0 auf 100 weisen die technischen Daten 7,5 Sekunden aus, die Spitze ist bei 205 km/h erreicht.

Im Test bewiesen: Kostengünstiger Verbrauch

Neben dem Umweltaspekt (unser Garagenstrom ist „grün“) interessant sind auch die Kosten: Wir sind in acht Tagen insgesamt 463 Kilometer rein elektrisch gefahren und haben dafür 82,5 kWh Strom „gesaugt“, was einem Verbrauch von rund 17,8 kWh pro 100 Kilometern entspricht. Bei 30 Cent/kWh errechnen sich daraus 5,34 Euro für 100 Kilometer – ein Wert, der im September 2021 nicht einmal mit einem extrem sparsamen Dieselfahrzeug zu erreichen war.

Ist der interne Stromspeicher leer, lässt er sich in rund fünf Stunden (bei 2,3 kWh Ladeleistung) oder in rund dreieinhalb Stunden (bei 3,6 kWh an einer Wallbox) wieder voll aufladen.

Mit leeren Batterien gestartet und gefahren, lag der Verbrauch bei rund 6 Litern Benzin, was auch kein schlechter Wert ist.

Perfekt vor dem Pferdeanhänger

Im Einsatz als Pferdeanhänger-Zugfahrzeug bringt das eHybrid-Modell denselben Komfort wie der Verbrenner: Die teilelektrische Anhängerkupplung wird per Knopfdruck ausgeklappt und per Hand oder mit einem Fußtritt arretiert. Eines hat sich allerdings gegenüber den Vorgängermodellen geändert: Die Stromsteckdose ist jetzt rechts am Kupplungshals zu finden, was wir nicht besonders ergonomisch fanden, weil man nach dem Aussteigen aus dem Auto immer an der linken Seite steht. Aber auch daran gewöhnt man sich.

Wieder eingestiegen, weist die Rückfahrkamera den exakten Weg zur Anhängerdeichsel. Dank 400 Nm Drehmoment zieht der Tarraco eHybrid den 2 Tonnen schweren Anhänger problemlos vom Fleck, das Fahrverhalten war auf allen Straßen bis hin zum erlaubten Tempo von 80 km/h tadellos. Und wenn es für Überholvorgänge einmal etwas flotter werden musste, war auch das zügig möglich. Für die flotte Beschleunigung aktiviert man die Taste „S-Boost“, die kurzzeitig die maximale Leistung ermöglicht.

Mit dem Leergewicht von 1.868 kg hätten wir die 100 km/h-Erlaubnis nur mit einem 2-Tonnen-Pferdeanhänger nutzen dürfen, der auf 2,7 Tonnen zugelassene Ifor Williams erlaubte das nicht.

Das rückwärtige Fahren und Einparken erleichtert der VW-Konzern eigene Anhängerrangierassistent.

Verbrauch mit Pferdeanhänger

Um den Stromverbrauch mit Anhänger zu ermitteln, mussten wir am Stall mit voller Batterie ankommen. Dafür kann im E-Manager das Fahrprofil eigens auf Verbrenner eingestellt werden. Mit Anhänger war es dann auch schnell – konkret nach 30 Kilometern – vorbei mit dem emissionslosen Vergnügen. Die Umstellung vom E-Betrieb auf den Verbrenner während der Fahrt ist nur daran zu erkennen, dass im Informationsdisplay der Tourenzähler anspringt und die blaue „Power-Linie“ aufgebraucht ist. Das Motorengeräusch ist kaum wahrzunehmen.

Im Hybridmodus, in dem sich wie oben beschrieben, die Batterien durch Rekuperation immer ein wenig aufladen und dadurch streckenweise wieder elektrisches Fahren ermöglichen, waren wir auch mit Anhänger sehr sparsam unterwegs: 8 Liter Benzinverbrauch zeigte der Bordcomputer am Ende der Testfahrten.

Travel Assist & Co.

Seat-Tarraco-eHybrid-21Der Testwagen kam mit einer umfangreichen Assistenzausstattung. Dazu gehören u.a. die gerade im Anhängerbetrieb sehr angenehme (serienmäßige) automatische Distanzregelung, die allerdings in niedrigen Geschwindigkeiten gelegentlich Gespenster sah und unnötig abbremste. Dafür beachtete die vorausschauende Geschwindigkeitsregelung alle Tempovorgaben. Sehr hilfreich bei Nacht: Die weit leuchtenden Voll-LED Scheinwerfer mit Fernlichtassistent.

Fazit

Der SEAT Tarraco eHybrid in der sehr umfangreichen FR-Ausstattung ist ein schickes und hochkomfortables Reisefahrzeug, dessen Stärke vor allem in seiner inneren Größe liegt. Mit 1,8 Tonnen Anhängelast bis 12 Prozent Steigung (2 Tonnen bis 8%) eignet er sich auch für den Anhängerbetrieb. Pferdesportler, deren durchschnittliche Tagesfahrleistung unter 50 Kilometern liegt, können mit dem Plug-in Antrieb sehr sparsam unterwegs sein. Voraussetzung ist allerdings eine preisgünstige Lademöglichkeit zuhause oder an der Arbeitsstelle. Der Serienpreis des SEAT Tarraco FR eHybrid beginnt bei 47.180 Euro, der Testwagenpreis betrug 54.956.

*Mobilität in Deutschland – MiD. Ergebnisbericht. Eine Studie des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur. Version 1.1 vom Februar 2019

Technische Daten SEAT Tarraco eHybrid

Länge (mm)4735
Breite (mm)1835
Breite mit Außenspiegeln (mm)2118
Höhe (mm)1674
Bodenfreiheit (mm)190
Kofferraumvolumen (Liter)610 - 1.870
Zul. Gesamtgewicht (kg)2.390
Leergewicht (kg)1.868
Zuladung597
Anhängelast (kg)1800 bei 12 %
2000 bei 8 % Steigung
Stützlast (kg)100
Motor (Verbrenner)1.395 ccm 4-Zylinder TSI
Maximae Leistung Verbrenner (kW/PS)110 / 150
Elektromotor Leistung (kW/PS)85 / 115
Batterie13 kWh Litium-Ionen
Maximale Systemleistung kombiniert180 / 245
Max. Drehmoment Verbrenner Nm/m250 / 1550 - 3500
Max. Systemdrehmoment (kurzzeitig) Nm/m400
Beschleunigung 0 - 100 km/h7,5 sek
Höchstgeschwindigkeit205
Verbrauch WLTP (Herstellerangaben) kombiniert l/100 km1,9 - 2,1
Stromverbrauch WLTP (Herstellerangaben) kombiniert kW/H/100 km16,9 - 18,0
Reichweite WLTP km49
Ladedauer AC 2,3 kWh5 Std.
Ladedauer AC 3,6 kWh3 Std. 30 Min. Std.
CO2-Emission WLTP (g/kg)44 - 47
SchadstoffklasseEuro 6 AP
CO2-EffizienzklasseA+
KFZ Steuer/Jahr28 Euro
Versicherungsklassen Haftpflicht - Teilkasko - VollkaskoHP 19 / TK 22/ VK 24
Neupreis (Serie)47.180 Euro
Neupreis Testwagenausstattung54.956 Euro

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