Zeit nutzen in der Corona-Krise: Frühjahrs-Fitness-Check für Pferdeanhänger

Von Doris Jessen, geschrieben am 23.03.2020

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BM_Duo_halbrechts.JPGPferdesportler, die in Corona-Zeiten unverhofft zu viel Freizeit kommen und  Gelegenheit haben, zu ihrem Pferdeanhänger zu fahren, können diese bestens für den nötigen Frühjahrs-Check nutzen. Denn in Monaten, in denen der Pferdeanhänger in den meisten Fällen eher selten bewegt wurde, ist es nun Zeit, ihn wieder fit für die kommende Saison zu machen. Denn gerade durch Kälte und Nässe können der Holzboden oder die Seitenwände gelitten haben, auch Bremsen und Beleuchtung sollten kontrolliert werden. Wir haben ein paar Experten um Rat gefragt und viele interessante Tipps erhalten.

Auch wenn der Pferdeanhänger im Winter überwiegend gestanden hat, heißt das nicht, dass keinerlei Schäden entstanden sein können, im Gegenteil: Gerade Schneelast von oben, Feuchtigkeit von unten und gelegentliche Fahrten über salzgestreute Straßen hinterlassen ihre Spuren. „Der Check sollte dann nicht nur die klassischen Verschleißteile wie Bremsen und Radlager, Beleuchtungsanlagen, Kupplungen und Scharniere umfassen, sondern auch die Transportböden und Seitenwände. Denn vor allem hier können sich kleine versteckte Schäden finden, die vor allem in der nass-kalten Jahreszeit auf lange Sicht zur Verrottung des ganzen Fahrzeuges führen können“, erklärt Dr. Uwe Meyer, Mitglied der Geschäftsleitung des fränkischen Anhängerherstellers WM Meyer.

Abschmieren nicht vergessen!

10_Thiel_Matrix_Schmiernippel.jpgBesondere Beachtung bei der Anhängerüberprüfung erfordern die Bremsen in Verbindung mit der Auflaufeinrichtung und -dämpfer. In der langen Standzeit ist vielleicht Schwitzwasser entstanden, daher sollte man jetzt alle wichtigen Stellen abschmieren. Dazu gehören in erster Linie die Bremsseilzüge, die eigens dafür vorgesehene Schmiernippel haben. Wer eine für Pferdeanhänger eher seltene hydraulische Bremsanlage hat, braucht sich weniger Sorgen zu machen, weil hier keine Seilzüge kaputt gehen können. Allerdings sollte der Behälter der Bremsflüssigkeit regelmäßig kontrolliert werden.
Bei der Führung der Auflaufvorrichtung hat sich vielleicht Flugrost gebildet, sie sollte daher sorgfältig gereinigt und erneut mit Lagerfett geschmiert werden.
Aber auch alle anderen beweglichen Teile müssen kontrolliert und vorsorglich geschmiert werden, damit sie fit für die neue Saison sind. Dazu gehören zum Beispiel alle Bolzen und Gelenkteile, das Stützrad, Scharniere an der Heckklappe und den Türen. Sinnvoll ist hier der Einsatz einer Fettpresse, die es im Autozubehör oder Baumarkt gibt.

Die Kupplung

BM_Trav_W3_Kupplungsschloss.jpgWer sie vor dem "Einmotten" nicht kontrolliert hat, sollte das jetzt tun und einen kritischen Blick auf die Kupplung werfen. Um die Abnutzung sowohl des Kugelkopfes als auch des Kupplungsmauls am Anhänger anzuzeigen, verfügen die klassischen Zugkugelkupplungen über eine sog. Verschleißanzeige. „Da die üblichen Kugelköpfe 50 mm Durchmesser haben, liegt das  Normmaß auch bei 50 mm Durchmesser, das minimale Verschleißmaß beträgt 49 mm. Der Kugelkopf des Zugwagens darf nie spürbares Spiel aufweisen, sonst könnte sich der Anhänger im schlimmsten Fall „losrütteln“, so Dr. Uwe Meyer. Wenn die Kupplung des Anhängers nach starkem Gebrauch ausgeschlagen oder der Kugelkopf des Zugfahrzeuges abgenutzt ist, hilft nur der Austausch der jeweiligen Komponente.

Die Beleuchtung

9_Humbaur_Maximus_Beleuchtung_2.jpgEigentlich vor jeder Fahrt, aber vor allem nach längeren Standpausen sollte die Beleuchtung geprüft werden. Dazu gehören die Rück-, Brems-, Blink- und Nebelschlussleuchten sowie und Umriss- und Begrenzungsleuchten. Wenn eine Leuchte nicht funktioniert, kann dies natürlich in erster Linie an den Glühlampen oder LEDs liegen. „Die Lichtscheiben sind leicht zu entfernen, dann sollte man die Glühlampen auf festen Sitz in der Halterung kontrollieren. Sind die Halterungen der Lampen korrodiert, kann man sie oft noch reinigen. Eine weitere Fehlerquelle können beschädigte Kontakte der Steckverbindung des Verbindungssteckers zum Zugfahrzeug sein, vor allem, wenn Adapter zum Anschluss älterer Anhänger mit siebenpoligen Steckern an modernen 13-poligen PKW-Steckdosen genutzt werden. Mit der Zeit können auch Kabel und deren Verbindungen schadhaft sein. Als Notmaßnahme hilft oft ein Kontaktspray an der Steckverbindung. Bringt das nichts, kann man den Stecker auch an einem anderen PKW testen, um so herauszufinden, wo sich der Fehler verbirgt“, erläutert Oliver Czech von Humbaur.

Kaputt durch langes Stehen: die Reifen

Gerade wegen der langen Standzeit leiden auch die Reifen und sollten daher auf Haarrisse und spröde Stellen an den Seiten überprüft, die Radmuttern nachgezogen werden. Oft berichten Fachwerkstätten, dass mit zu wenig Luft in den Reifen gefahren wird. Das aber ist riskant, weil sie dadurch heiß laufen und platzen könnten. Daher wird empfohlen, den Druck nach längeren Standzeiten auf jeden Fall zu prüfen. 

Knackpunkt Anhängerboden

GammeligerBoden_Neu.jpgEin Knackpunkt im wahrsten Sinne des Wortes ist der Anhängerboden. Er besteht zumindest bei älteren und auch neueren preiswerteren Modellen aus mehrfach verleimten Holz-Siebdruckplatten in einer Stärke von mindestens 18, meistens aber 21 mm. Auch bei guter Pflege leidet das Material durch dauerhafte Feuchtigkeit. Diese kommt einmal von unten durch Spritzwasser während der Fahrten und auf Parkplätzen im Freien durch nasses Gras. Auch wenn Kot und Urin nach jeder Fahrt sorgfältig entfernt werden, kommt es nach jahrelangem Gebrauch unweigerlich zu Schwachstellen vor allem im hinteren Bereich und je nach Beschlag und Pferdeverhalten auch unter den Vorderhufen.
Die Suche nach verrotteten Stellen geschieht am besten durch Abklopfen und durch „Stichproben“ mit einem Schraubendreher an den genannten Stellen. Wer den Anhänger über eine Grube in einer Kfz-Werkstatt fahren kann, kann den Boden auch einmal von unten überprüfen.

Oft wird auch empfohlen, die Gummimatte lose einzulegen und den Boden regelmäßig zu lüften. Das ist in der Theorie gut gemeint, wird aber in der Praxis selten gemacht. Die Matten wiegen gut 50 Kilo und sind nicht sehr handlich. Also bleiben sie doch liegen und bieten gerade an den Rändern beste Eintrittsmöglichkeiten für Fäulnisbakterien.

Seitenwände: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Bei Holzanhängern sind oft am Bodenansatz auch die Seitenwände angegriffen, weil die Feuchtigkeit aus dem Boden nach oben kriecht. Im Winter kann das Wasser dann bei Minusgraden in der Holzwand auch einfrieren.

Sollte das der Falls ein, müssen die bereits verrottenden Seitenwandteile entfernt werden, damit der Schaden nicht noch größer wird. Bei der Reparatur von Holzanhängern wird das faule Holz herausgeschnitten und mit einem neuen Plattenstück ersetzt. Innen kommt eine Trittschutzplatte und außen eine Aluleiste über die reparierten Stellen.

4_RR_Check_Schadhafte_Innenwand_eines_Polyanh__ngers.JPGPolyester-Anhänger sind sicherlich deutlich robuster gegen Verrottung, aber auch hier können Schäden in den Wänden auftreten, wie Frank Biernoth von Meyer Landtechnik weiß, der im niedersächsischen Wittingen die Anhängerrestaurierung zu seinem Kerngeschäft gemacht hat: „Neuerdings bekommen wir zunehmend die ältere Polyesteranhänger auf den Hof, weil sie massive Schäden am Boden und in den Seitenwänden aufweisen. Das erscheint überraschend, aber die meisten Seitenwände sind in Sandwichbauweise mit einem innen liegenden Holzkern gebaut. Hier sind die Bohrstellen die empfindlichsten Stellen, weil nach einiger Zeit Regenwasser bis zum Holz eindringen kann. Dasselbe gilt natürlich bei Schäden durch Huftritte. Vor allem nach den Frostmonaten taut das Wasser dann auf und das Holz zerbröselt nach und nach.“ Oft sieht man bei Polyesteranhängern dann bei Sonnenschein an den Seitenwänden von unten nach oben aufsteigend unterschiedlich beschlagene Flächen.

Jetzt kann nur noch eine aufwändige Reparatur helfen. „Wir haben dafür eine spezielle Methode entwickelt, so dass wir den Holzkern von innen heraus schälen können. Dann wird die Wand meistens mit einem Schaumsystem neu verfüllt und alles glatt gezogen. Anschließend setzen wir innen eine Aluminiumwand dagegen, die verleimt und verschraubt wird“, erklärt Frank Biernoth. Das sieht gut aus und bringt einen zusätzlichen Trittschutz mit sich.

Am besten unter Dach

Capa_rot_klein.jpgViele Anhängerbesitzer bringen ihre Fahrzeuge im Winter in eine Halle, um das Fahrzeug nicht beständig Regen und Witterung anzusetzen. Allerdings ist es auch im Sommer klug, den Pferdeanhänger gegen Witterungseinflüsse zu schützen, da auch die UV-Strahlen vor allem den Polyesterteilen auf Dauer arg zusetzen. 

Der Fachhandel hält Abdeckhauben für die Auflaufbremse und sogar für das ganze Fahrzeug bereit. Wenn möglich, sollte man das Fahrzeug nicht auf Wiesenböden abstellen, da die Feuchtigkeit von unten langfristig Schäden anrichten kann. „Anstatt der Handbremse schiebt man vor der Winterpause besser Keile unter die Räder, weil die Bremsbacken an den Trommeln auch festkleben können“, ergänzt Dr. Uwe Meyer.






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