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Pferdeanhänger-Zugfahrzeugtest Škoda Octavia Combi L&K 2,0 TDI: Reiter-Raumwunder mit begeisternder Technik

Von Doris Jessen, geschrieben am 13. April 2015

Pferdeanhänger-Zugfahrzeugtest Škoda Octavia Combi Scheinwerfer
Böckmann-Esprit

Skoda-Ocativa-3Simply Clever – so lautet der Slogan von Škoda und er ist wahrlich wörtlich zu nehmen: Speziell als kompaktes „Reiterauto“, das Mittel zum Zweck und täglicher Gebrauchsgegenstand ist, erfüllt das Fahrzeug alle Anforderungen für Besitzer leichterer Pferde. In der getesteten Luxus-Ausstattung „L&K“ mit 150 PS starkem 2,0 TDI Motor und Automatikgetriebe zieht er im Flachland 1,8 und bis 12 % Steigung 1,6 Tonnen. Mit Schaltgetriebe sind überall 1,8 Tonnen möglich und das geländegängige Allrad-Modell Scout darf sogar 2 Tonnen schleppen. Dazu kommt ein sehr großes und flexibel nutzbares Raumangebot und jede Menge intelligenter Assistenten. Ab 33.350 ist das hier vorgestellte Fahrzeug in der Serienausstattung zu haben. 

Skoda_Ocativa_2Schnörkellos schick: Das ist der erste Eindruck des Škoda Octavia Combi, der Mit-Pferden-reisen.de speziell für den Reitereinsatz mit und ohne Pferdeanhänger auf insgesamt rund 1.500 Kilometern sicher gefahren hat. Von vorne und im Seitenbild betrachtet, kommt noch ein Schuss dynamischer Sportlichkeit hinzu, optisch vor allem unterstützt durch die stromlinienförmige Silhouette, die fünfkantigen schnittigen Scheinwerfer und die tief unten liegenden schwarzen Wabengitter mit den Nebelscheinwerfern.

Viel Platz und Raum

Schick allein reicht aber nicht aus – das gilt für Autos ebenso wie für unsere vierbeinigen Freunde. Und genau wie ein gutes Pferd weiß der Octavia Combi auch durch seine inneren Werte und Leistungsbereitschaft zu überzeugen.

Der Passagierraum, geöffnet durch das „Keyless Entry, Start and Exit System“ KESSY, bei dem der Schlüssel in der Tasche bleiben kann, bietet mehr als ausreichend Platz für Fahrer und Beifahrer, im Fonds sitzende Passagiere, ggf. einen Hund und Gepäck im Laderaum.

Legt man die 3:2 teilbaren Rücksitze um, wächst der Kofferraum von 610 auf 1.740 Liter Ladevolumen, die Länge reicht bei umgelegtem Vordersitz sogar für 2,92 Meter lange Gegenstände. Die Ladekante liegt mit 63 Zentimetern angenehm tief.

Beide Hände voll, erwies sich die auf Knopfdruck am Schlüssel elektrisch bedienbare Heckklappe als besonders praktisch. Die Sichtabdeckung fährt auf eine leichte Berührung in ihren Schienen zurück. Unterhalb der Hauptladefläche befindet sich ein doppelter Boden für flache Gegenstände. Wir haben ihn für zwei Sattelpads und Trensen genutzt. Noch eine Ebene tiefer liegt das Ersatzrad. Ist alles eingeladen, senkt sich die Heckklappe automatisch wieder nach unten, sobald ein leicht erreichbarer Schalter gedrückt wurde.

Skoda_Ocativa_22Wer für eine längere Reise Flaschen, Knabbereien oder andere Kleinigkeiten unterbringen möchte, kann dies in den zahlreichen Ablagen tun. Das Smartphone, kinderleicht via Bluetooth angekoppelt, findet in einem Schlitz einer runden Halterung Platz, die entweder ins Flaschenfach der Mittelkonsole oder der Fahrertür sicher steht. Am Ende der Fahrt erscheint auf dem Multifunktionsdisplay der Hinweis „Mobiltelefon nicht vergessen“. Herzlichen Dank dafür – da hat doch ein Ingenieur einmal praktisch gedacht!

Und wohin mit benutzten Taschentüchern, Schokoladepapier und Drehverschlüssen der Getränkewasserflaschen? Kein Problem: Ein kleiner Mülleimer mit innenliegendem Tütchen in der Fahrertür-Ablage garantiert die saubere Entsorgung.

Eine ebenso witzige wie praktische Idee in Sachen Sauberkeit und Ordnung ist der Eiskratzer in der Tankklappe: Ist das Auto im Winter verschneit, kommt man an den kleinen Helfer, ohne die Türen öffnen zu müssen.

Selbsterklärende Instrumente

Skoda-Ocativa-18Fahrer und Beifahrer nehmen auf äußerst bequem auf den Alcantara-bezogenen und bei Bedarf mollig warmen heizbaren Sitzen Platz, die elektrisch in Länge und Höhe sowie Neigung verstellbar sind. Der stressgeplagte Reiterrücken freut sich zudem über eine Lordosestütze, die auf Knopfdruck einstellbar ist. Auch die Fonds-Passagiere dürfen sich übrigens hier über ordentliche Beinfreiheit und eine Sitzheizung freuen.

Skoda-Ocativa-1-1Einmal Platz genommen, fällt der Blick auf das übersichtliche Armaturenbrett und das rechts davon angeordnete Multifunktionsdisplay für Bordcomputer, „Columbus“ Navigation und Entertainmentanlage.

Anders als sein Namensgeber, der auf seiner Santa Maria nicht so genau wusste, wo es langgeht, hat der Kapitän im Octavia mit der Streckenführung keine Probleme. Und das ohne eine viele hundert Seiten starke Bedienungsanleitung zu konsultieren: Alle Elemente sind selbsterklärend, egal, ob es sich um die Adresseingabe, das Radio oder die Kopplung des Bluetooth-Smartphones handelt. Ein paarmal auf den 8-Zoll Touchscreen getapst und alles „funzt“, wie es neuerdings so schön heißt. (See-)Navigationserfahrene Menschen freuen sich zudem über eine Kompassrose, die ihnen zusätzlich die Richtung weist.

Höchst praktisch, unter dem Monitor in der Mittelkonsole zugänglich, können externe Geräte wie zum Beispiel ein IPad oder Smartphone abgeschlossen werden, um Musik oder Hörbücher aus den sechs Lautsprechern zu genießen. Kommt ein Telefonat über Bluetooth herein, wird diese Wiedergabe unterbrochen.

Vorbereitung zum Pferdetransport: Die Anhängerkupplung

Skoda_Ocativa_27Vor der Fahrt mit Pferdeanhänger ist nun natürlich noch die abnehmbare Anhängerkupplung zu montieren, die ordentlich aufgeräumt in einem Fach neben dem Ersatzrad liegt. Dafür benötigten wir allerdings tatsächlich die Gebrauchsanweisung und für das Spannen eines Hebels sowie den gleichzeitigen Knopfdruck größere und kräftigere Hände als die einer – man traut es sich ja kaum zu sagen – schwachen Frau. Das Einklinken funktionierte dann aber problemlos und auch die Steckdose ließ sich leicht herunterklappen. Hier allerdings hat die Eleganz der versteckten Anordnung doch ihren Preis: Es empfiehlt sich dringend, ein Tuch oder Polster auf den Boden zu legen, da man sich für die Montage auf die Knie begeben muss.

Los geht’s: Von ökonomisch bis sportlich

Skoda_Ocativa_19Das 150 PS starke TDI Dieselaggregat startet auf Knopfdruck mit einem leisen Brummen, das als „DSG“ bezeichnete automatische Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe schaltet unmerklich. Je nach Lust und Laune können vier Fahrmodi gewählt werden: Eco, Normal und Sport oder auch „Individuell“, in dem sich diverse „Stellschrauben“ finden. So ist es möglich, zum Beispiel die Klimaanlage ökonomisch, Motor und Lenkung aber sportlich zu wählen. Im „Eco“-Betrieb lief der Motor fast ein wenig untertourig, daher bewährten sich speziell im Pferdeanhängerbetrieb eher die Einstellungen „Normal“ oder „Sport“, in denen auch das Fahrwerk entsprechend weicher oder straffer eingestellt wird.

Flott vom Fleck weg

Trotz der vergleichsweise geringen zugelassenen Anhängelast von 1,8 Tonnen bis 8 % Steigung zog das Fahrzeug den Zweipferde-Anhänger mit zwei Quarter Horses fast unmerklich und flott vom Fleck, sei es auf Dorf- und Landstraßen oder auch Autobahnen. Das liegt u.a. auch an dem für die Kompaktklasse relativ langen Radstand von 2,68 Metern. Lediglich auf einer regelrechten Sturmfahrt am 31. März von Augsburg nach Frankfurt mit Windböen von teilweise 130 km/h schwankte das gesamte Gespann ein wenig, ließ sich aber dennoch jederzeit sicher auf der Spur halten.

Einzig die 100 km/h-Zulassung des Anhängers durften wir nicht ausnutzen, da das Leergewicht mit nur 1.367 Kilogramm dafür deutlich zu niedrig ist. Mehr dazu hier. Und um den Fahrer an diese Tatsache zu erinnern, erscheint sofort nach dem Ankuppeln auf dem Monitor ein kleines Anhängersymbol mit der bekannten Geschwindigkeitsbegrenzung auf 80 km/h. Auch die sonst sehr empfindlichen Parksensoren am Heck hüllten sich nun in Schweigen.

Das geringe Leergewicht hat aber auch seine guten Seiten: Selbst mit dem Zweipferdeanhänger verbrauchte der Octavia im Drittelmix nur 8,6 Liter Diesel, ohne Anhänger lag er bei rund 5,6 bis 6 Litern.

Ohne Anhang sprintstark

Natürlich waren wir mit dem Octavia auch ohne Anhang auf allen Straßentypen unterwegs. Speziell auf Landstraßen, wo auch einmal ein kurzer Sprint zum Überholen nötig ist, beschleunigte das Fahrzeug mit Kickdown sehr zügig und wäre – hätte man es darauf angelegt – in 8,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h gewesen. Auf der Autobahn präsentierte er sich auch in hohen Geschwindigkeiten mit einer satten Straßenlage und bis um die 200 km/h ohne Aufwand sicher nur mit einer Hand lenkbar. Und selbst bei Tempo 140 war, drängte wieder einmal ein frecher Bayer von hinten, noch „Musik“ drin.

Im Ernstfall lebensrettende Assistenten

Volle Begeisterung kam bei den Fahrerassistenzsystemen auf: Im Octavia sorgt – allerdings als Zusatzausstattung – das Fahrassistenzpaket Traveller für eine wirklich entspannte und sichere Reise, die wir vor allem beim eintönigen Trödeln auf der rechten Autobahnspur in der nie enden wollenden LKW-Schlange von Hamburg nach Dachau bei München geradezu genossen: Ist der Tempomat am Hebel neben dem sympathisch griffigen Multifunktionslenkrad auf 80 km/h eingestellt, hält das Fahrzeug nicht nur die Geschwindigkeit, sondern bremst auch je nach Tempo des vorausfahrenden Fahrzeuges automatisch ab und beschleunigt wieder. Bremst das vordere Fahrzeug unerwartet plötzlich ab oder fährt einem eines zu nah vor den Bug, warnen ein rotes Licht im Armaturenbrett und ein lauter Ton – Signale, die jeden Autofahrer ultimativ auf die Bremse treten lassen. Arme Pferde, aber womöglich ein lebensrettendes Manöver…

Ebenso beeindruckend ist der Lane Assistant, der den Octavia sicher auf der Spur hält, indem er, falls der Fahrer zu nahe an eine der weißen Begrenzungslinien gerät, das Fahrzeug sanft, aber bestimmt wieder zurücklenkt. Überlässt man das System allerdings komplett sich selbst, ertönt situationsabhängig eine Warnung und der Hinweis „Lenkvorgang einleiten“. Allerdings muss man in diesem Modus in Kauf nehmen, dass die Lenkung etwas schwergängiger ist.

Licht im Dunkel

Skoda_Ocativa_8Im Dunklen blendet der Lichtassistent automatisch das Xenon-Fernlicht auf und ab, wenn ein Fahrzeug entgegen kommt oder man in eine Ortschaft fährt. Auch sieht das dynamische Kurvenlicht quasi vorausschauend um die Ecke. Gerade für Frauen, deren Sehvermögen bei Nacht grundsätzlich schlechter ist als bei Männern, ist das ein höchst sinnvoller Sicherheitsaspekt.

Sehr angenehm war das enge Wenden, Rangieren und Einparken mit Anhänger. Der 10,4 Meter-Wendekreis erlaubt auch auf relativ engem Raum einen U-Turn, das Rückwärtsrangieren ist gar kein Problem. Überhaupt bietet das Fahrzeug nach hinten eine sehr gute Rundumsicht, vor allem natürlich wenn man – wie meistens – ohne Anhänger unterwegs ist.

Apropos Parken: Das Fahrzeug ist vorne und hinten sowie an den Seiten mit Parksensoren ausgerüstet, die einem auch im Parkhaus anzeigen, wenn man dem Nachbarn oder einem Stützpfeiler zu nahe kommt.

Fazit

Der Škoda Octavia 2,0 TDI mit 150 PS und Automatikgetriebe bietet bereits in der Grundausstattung eine schicke Optik sowie viel Raum und Leistung fürs Geld. Die hier getestete Luxus-Version „L&K“ (das L&K steht übrigens für den Namen der ŠKODA Gründerväter Laurin & Klement) mit der beschriebenen Zusatzausstattung ist ein sportlich-schicker und bequemer Kompaktwagen mit zahlreichen Ausstattungsmerkmalen aus der Luxusklasse, die Menschen und Pferden im Anhänger ein hohes Maß an Sicherheit garantieren. Mit 33.350 Euro für die Grundausstattung und 40.890 Euro mit allen Optionen ist er fair bezahlt.

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