ANZEIGE

Pferdeanhänger-Zugfahrzeugtest Range Rover Sport 3.0 SDV6 HSE: Athletischer Kraftprotz mit Fahrspaß-Garantie

Von Doris Jessen, geschrieben am 28. Juli 2015

Pferdeanhänger-Zugfahrzeugtest Range Rover Sport
Schoenfeld_2020_neu

RangeRoverSport-Web-17Voluminös und luxuriös, komfortabel und dynamisch: Im Pferdeanhänger-Zugfahrzeugtest bot der Range Rover Sport, nun in seiner zweiten Generation auf dem Markt, alles, was das Reiterherz für eine bequeme Reise mit bis zu 3,5 Tonnen schwerem Anhang begehrt: Viel Platz für fünf Personen und Gepäck, sportliches Fahren bis zu 220 km/h und sicheres Durchkommen auch im unwegsamen Gelände. Aber der Luxus hat seinen Preis: Gut 80.000 Euro kostet das Modell 3.0 SDV6 HSE Dynamic mit 292 PS inklusive elektrischer Anhängerkupplung.

Langstreckenfahrten mit einem Pferdeanhänger, speziell zur Überführung, wenn kein Turnier oder Reiturlaub am Ende lockt, sind normalerweise eine öde Sache. Besonders dann, wenn es über viele hundert Kilometer von München nach Hamburg geht. Eine öde Sache, wie gesagt. Es sei denn, vor dem Pferdeanhänger arbeiten die 292 PS eines Range Rover Sport. Damit werden die gut 800 Kilometer zum reinen Fahrvergnügen, kurvt man beschwingt durchs hügelige Frankenland und braust dynamisch über die Kasseler Berge. Mit 2,1 Tonnen Leergewicht darf die 100 km/h-Zulassung des Pferdeanhängers getrost ausgenutzt werden, und wenn es an allzu bummeligen LKW vorbei einmal etwas schneller gehen muss – dank des maximalen Drehmoments von 600 Newtonmetern bei 2000 Umdrehungen -, auch kein Problem. Hätte man den Pferdeanhänger nicht im Blick des Rückspiegels, man könnte ihn glatt vergessen.

Lediglich der Tankstellenstopp zwischendurch wird zum ernüchternden Erlebnis, flossen auf der sportlichen Pferdeanhängerfahrt doch 70 Liter Diesel auf nur 430 Autobahnkilometern, das sind rund 16 Liter auf 100 Kilometer. Im Autobahn-Landstraßen-Mix waren es dann gut 15 Liter. Auf späteren Reisen mit Pferden und Geschwindigkeiten um die 80 bis 90 km/h lag der Verbrauch dann wieder bei moderaten zehn bis elf Litern.

Vom soften Stressless-Sessel zum strammen Sportsitz

Von seinem „großen Range Rover Bruder“ unterscheidet sich der „Sport“ durch ein sportlicheres und flacheres Karosseriedesign. Unser Testwagen trat in der neuen Metallic-Farbe „Montalcino Red“ an, die Spiegelkappen und Türholme schimmern matt schwarz. Wie bei praktisch ausgestatteten Geländewagen sind die unteren Partien der vorderen Stoßfänger, die Heckstoßfänger und der Unterfahrschutz in robustem schwarzem Kunststoff gehalten, der so manchen Kratzer vor allem beim Ankuppeln von (Pferde)Anhängern verzeiht.

RangeRoverSport_Web_39Schon das erste Einsteigen in das britische Sport-SUV war ein beeindruckendes Erlebnis, wenn man als relativ kurz geratene Person von 1,62 m in das große Auto kletterte und auf den noblen Sitzen aus schwarzem perforierten Oxfordleder Platz nahm. Super bequem, fast wie im Stressless-Fernsehsessel im heimatlichen Wohnzimmer. Ebenso vielfach kann man Fahrer- und Beifahrersitze auch verstellen, nämlich exakt 16(!)fach, 14 davon elektrisch versteht sich, nur bei den Kopfstützen muss man noch Hand anlegen. Länge, Höhe und Lehnenneigung zu verstellen ist ja bekannt, die Lordosenstütze ebenfalls. Aber auf Knopfdruck wird aus dem Fernsehsessel ein strammer Sportsitz, der den Fahrer links und rechts angenehm umfängt – nicht zu eng und nicht zu weit. Gerade passend eben und mit Memory-Funktion gespeichert. Dasselbe gilt, selbstverständlich, auch für das lederbezogene Multifunktionslenkrad.

Sportlich-elegant

Optisch dominiert im Innenraum sportlich-elegantes Ambiente. Schwarze Lederverkleidung an den Türen und auf dem Armaturenbrett, darunter um die Bedienkonsolen herum fein strukturiertes Aluminiumdekor mit „Soft Touch Oberfläche“, wie sich das neuerdings nennt.

Der Testwagen war zudem mit einem Glaspanoramadach ausgestattet, das allerdings nicht zu öffnen war. Gegen die Sonne gibt es ein elektrisch bedienbares weißes feines Netz, das Licht hereinlässt, die grelle Sonne aber abblendet.

Flaschen, CDs und größeres Gepäck

Wer lange reist, hat meistens auch eine Menge „Kleinkram“ unterzubringen, wofür sich hier allerlei große und kleine Ablagen finden. So gibt es in der Mittelkonsole zwei Becherhalter, wobei ein Einsatz flexibel herausnehmbar ist, so dass auch eine 1-Liter-Flasche sicher aufrecht steht. Eine große Box unterhalb der Mittelarmlehne (mit verstellbarer Armstütze), zum Beispiel für CDs, verbirgt zwei USB- und einen 12V-Anschluss. Lediglich die Ablage im Türfach ist ein wenig eng, so dass man mit der Hand nur mühsam hinein greifen kann.

RangeRoverSport_Web_11Für Gepäck steht ein SUV-typischer Laderaum mit 489 bis 1.761 Litern Volumen zur Verfügung, auf Wunsch mit teilweise oder ganz einfach auf einen Knopfdruck komplett umklappbaren Rücksitzen. Das ist für das große Fahrzeug nicht außerordentlich viel, reicht aber für größeres Gepäck aus. Nicht ganz so praktisch für den robusten Einsatz ist der komplett mit Teppichboden ausgelegte Raum, hier wären schmutzabweisende und abwischbare Kunststoffflächen reinigungsfreundlicher. Die Heckklappe öffnet sich elektrisch, die Ladekante liegt allerdings mit 79 cm relativ hoch.

Automatische Anhängerkupplung

Die Höhe der gesamten Karosse hat speziell für den Zugbetrieb aber auch ihre Vorteile: Man muss sich kaum bücken. Zwar hat das luxuriöse Modell natürlich – wer mag sich schon die Finger schmutzig machen – eine elektrische Anhängerkupplung, die sich elegant unter einer abnehmbaren Verkleidung verbirgt. Die Steckdose, links daneben, ist leicht erreichbar und der Pferdeanhänger somit in Sekundenschnelle angekuppelt.

Die Übersichtlichkeit nach hinten ist durch das große Heckfenster sehr gut. Das Parken und Ankuppeln an den Pferdeanhänger wird durch das gestochen scharfe Bild der Rückfahrkamera erleichtert.

RangeRoverSport-Web-29 RangeRoverSport-Web-28-1Der Kamerawinkel ist zwar so eingestellt, dass er die Anhängerkupplung selbst nicht im Blick hat (warum, sei dahingestellt), dafür gibt aber eine Linie die exakte Position vor, die optisch auf der Stoßstange endet, wo sich der Kugelkopf befindet. Dadurch ist ein zentimetergenaues Heranfahren leicht möglich. Lediglich die Parksensoren sollte man dabei ausschalten, weil sie andernfalls ununterbrochen piepen.

Intuitive Bedienelemente

RangeRoverSport_Web_38Die analogen Zeiger im Tachometer und Tourenzähler haben ausgedient. Im Range Rover Sport dominieren Informationsanzeigen im hochauflösenden 12,3-Zoll-Display für die Instrumente direkt im Fahrerblick und ein 8-Zoll Touchscreen zur Steuerung zum Beispiel der Sitzheizung und fürs Infotainment. Alles ist, wie auch die mittige Bedienkonsole für Klima und Fahrmodi, übersichtlich und intuitiv bedienbar. Die Kopplung des Smartphones inklusive Kontaktübernahme und Audiostreaming klappte sofort, die Musik aus dem 250-Watt-Audiosystem mit acht Lautsprechern klang hervorragend. Die Sprachsteuerung versteht jedes Wort und macht das Telefonieren und Navigieren noch ein wenig sicherer.

Dynamischer Fahrspaß

Selbst Vielreiser in Sachen Turniersport oder Reiterausflüge werden die meiste Zeit doch ohne Anhang unterwegs sein. Vor allem in der Stadt und im Stau ermöglicht die unbemerkt schaltende Achtstufenautomatik eine entspannte Fahrt, lediglich beim Einparken oder in Garagen macht sich natürlich die Größe von 4,85 m Länge und 2,07 m Breite (mit eingeklappten Seitenspiegel, ausgeklappt 2,22 m) bemerkbar. Dank der Parksensoren vorne und hinten sowie der gestochen scharfen Rückfahrkamerabilder ist der verfügbare Raum aber wenigstens weitestgehend auszunutzen. Sobald das Auto steht, sei es an einer Ampel oder im Stau, soll die Start-Stopp-Automatik dabei helfen, Sprit zu sparen.

So richtig genießen wird man den Range Rover aber auf Landstraßen, Autobahnen und unbefestigten Strecken, wo der 3-Liter-Sechszylinder Fahrdynamik und Sportlichkeit bzw. Geländetauglichkeit ausleben kann. Die Sportlichkeit und das agile Handling sind natürlich dem exzellenten Fahrwerk und auch der Aluminium-Leichtbauweise für Karosserie und Fahrwerk zu verdanken.

RangeRoverSport_Web_AlukarosserieInnovativ ist hier die Aluminium-Monocoque-Karosserie, die aus einer Kombination gepresster, gegossener und gewalzter Aluminiumkomponenten besteht – mit einer eminent wichtigen Eigenschaft: Die Struktur ist dort am stabilsten, wo die Belastungen am höchsten sind. So hat das Fahrzeug zum Beispiel 150 kg Stützlast, wie sie für schwere Pferdeanhänger erforderlich sind.

Daneben helfen zahlreiche weitere Elemente Gewicht zu sparen: So bestehen die Türkonstruktionen aus Vollaluminium, Armaturenbrettträger und Frontend-Montageträger aus präzise gefertigtem, leichtem Magnesiumguss und die Heckklappe aus einem Faser-Kunststoff-Verbund.

Zwar wiegt das Fahrzeug immer noch 2.115 kg, laut Hersteller ist dies aber eine Einsparung von 39 Prozent oder 420 kg gegenüber konventionellem Stahl. Großenteils wird dadurch –immer in Relation zur Leistung natürlich – die Umwelt geschont: die CO2-Emission liegt bei 199 g/km. Im Drittelmix kamen wir auf unseren Fahrten mit neun bis zehn Litern Kraftstoff aus (offizielle Herstellerangabe: 7,5 l).

Im Modell HSE Dynamic arbeitet ein permanenter Vierradantrieb mit Geländeuntersetzung und einer 50:50-Verteilung der Antriebskraft zwischen beiden Achsen. Dazu kommt eine geschwindigkeitsabhängige Fahrwerkssteuerung mit stufenlos verstellbaren Dämpfern. Das „Torque Vectoring“ sorgt durch Bremseingriffe dafür, dass das Drehmoment in Kurven optimal zwischen den Hinterrädern verteilt wird.

Befreit von allen Geschwindigkeitsbeschränkungen beschleunigt man das Sport-SUV zügig (die Herstellerangabe lautet von 0 auf 100 in 7,2 Sekunden) auf 160, 170 km/h, und bis 200 km/h liegt das Fahrzeug satt auf der Straße. Darüber, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 222 km/h, dabei wird die Fahrt dann ein wenig unruhiger.

Lust auf Gelände?

Wer kennt sie nicht, die grundlosen Wege zu oder auf manchen Turnierplätzen und die zu Parkplätzen umfunktionierten Weiden, nach wochenlangem Regen matschig und rutschig. Kein Problem für den Range Rover Sport: Das Terrain Response System stellt für alle Geländearten passende Offroad-Programme zur Verfügung, die auch schwere Gespanne sicher durch tiefen Sand und Matsch oder über nasse Wiesen spuren lassen. Auch wenn es in unseren Breiten eher selten vorkommt, soll es der Vollständigkeit halber gesagt werden: Selbst Wasserdurchquerungen bis 85 cm Tiefe sollen kein Problem sein, ausprobiert haben wir es allerdings nicht.

Fazit

Das britische SUV Range Rover Sport 3.0 SDV6 HSE Dynamic macht seinem Namen alle Ehre: Er kommt überall durch und ist, wenn es darauf ankommt, sehr sportlich und dynamisch. Vor allem für Reiter, Profittrainer oder Züchter, die häufig mit schweren Anhängern unterwegs sind, garantiert er entspannte Fahrten in bequemem Ambiente. Mit reichlich PS unter der Haube lassen sich auf Landstraßen Traktoren und Sonntagsfahrer jederzeit sicher überholen und auch tiefe oder matschige Fahrwege sind für ihn ein Kinderspiel. Wer also ein Fahrzeug quasi für den Arbeitseinsatz braucht oder sich ganz einfach den Luxus gönnen will, ist mit dem 80.000 Euro teuren Briten sehr gut „beritten“.

Technische Daten

* Motor: 3.0-Liter-Diesel
* Getriebe: Achtstufen-Automatik, Allradantrieb
* Leistung: 215 kW/292 PS
* Drehmoment: 600 Nm
* Höchstgeschwindigkeit: 222 km/h
* 0-100 km/h: 7,2 s
* Normverbrauch in l/100 km: innerstädtisch 8,7/außerstädtisch 6,8/gesamt 7,5
* CO2-Ausstoß 177 g/km
* Länge x Breite x Höhe in m: 4,85 x 1,98 (ohne Außenspiegel) x 1,78 m
* Radstand in Metern: 2,92 m
* Kofferraumvolumen: 489 – 1.761 l (Fünfsitzer)
* Grundpreis: ca. 79.400 Euro
* Testwagenpreis: ca. 83.710 Euro