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Pferdeanhänger-Zugfahrzeugtest Peugeot 4007 HDi 2011: Allrad-Löwe für Pferdefreunde

Von Doris Jessen, geschrieben am 8. September 2011

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Peugeot_frontMit dem Modell 4007 brachte Peugeot erstmals ein SUV auf den Markt und kooperiert dabei mit der japanischen Mitsubishi Motors Corporation (MMC). Mit seinem 156 PS starken 2.2 Liter HDi Motor mit automatischem Doppelkupplungsgetriebe liefert er aber genügend Kraft, um auch einen zwei Tonnen schweren Pferdeanhänger nicht nur auf der Straße, sondern über raue Wiesenparkplätze zu ziehen. Mit 34.250 Euro in der Sportversion liegt er im Mittelfeld des Wettbewerbs. Das Testfahrzeug hatte allerdings die luxuriösere Platinum-Ausstattung.

Der erste Eindruck des Franzosen ist sportlich: Denn mit seinem großen, tief nach unten reichenden Kühler und den mandelförmigen Scheinwerfern folgt der 4007 konsequent der aktuellen Design-Philosophie von Peugeot und hat daher wenig vom typischen Offroad-Gesicht.

Viel Platz im Innenraum

Peugeot_BeifajhrerBeim Einsteigen überrascht das 4,64 m lange und ohne Außenspiegel 1,81 m breite Fahrzeug mit seinem sehr großen Innenraum, der vor allem hinteren Passagieren mehr als ausreichend Beinraum lässt. Das liegt an dem Platz für die – prinzipiell vorhandene – dritte Sitzreihe, die im Testfahrzeug aber im Boden komplett unsichtbar versenkt war.

Die SUV-typisch hohen Sitze, hier alle im praktischen schwarzen Leder gehalten und mit sehr schnell reagierender Sitzheizung ausgestattet, sind sehr bequem und in alle Richtungen elektrisch zu verstellen: Nicht nur nach vorne und hinten, sondern auch nach oben und in der Neigung zum Lenkrad hin zu kippen.

Eleganter Armaturenbereich

Sehr elegant gestaltet ist das gesamte Interieur im Armaturenbereich mit feinem Korbmuster und matter Chromverzierung an den Bedienelementen. Die Instrumente selbst sind sehr übersichtlich mit roten Zeigern auf weißem Grund. In der Mitte zwischen Tachometer und Tourenzähler kann man zentrale Informationen wie Tageskilometerzähler, Reichweite des Tanks u.ä. an einem Knopf links vom Lenkrad einstellen. Blaue Säulen zeigen den Tankstand und die Öl-Temperatur an. Das Lenkrad griff sympathisch gut in der Hand. Peugeot_Cockpit

Die Kommunikations- und Navigationsanlage verdient höchstes Lob: Einfach und selbst erklärend bedienbar, großes, nicht spiegelndes Display und mit schnell aktivierbarer Bluetooth-Freisprecheinrichtung für alle gängigen Mobiltelefone ausgestattet. In diesem Kombinationsgerät ist auch ein sehr umfangreiches Informationssystem zu allen Daten des Fahrbertriebs integriert, der die Kurzinfos in der Instrumentenanzeige noch ergänzt. Der Luxus hat allerdings mit 2.490 Euro auch seinen Preis.

Recht praktisch sind die zahlreichen Ablagen. Das geteilte Handschuhfach ist im oberen Bereich sogar klimatisiert, so dass kleinere Getränkeflaschen oder Schokolade im Sommer kühl bleiben.

Leiser Start

Gestartet wird der 4007 mit einem aus dem Fernbedienungsmodul ausklappbarem Schlüssel. Der 2.2 Liter HDi-Diesel, eine Eigenentwicklung von Peugeot, mit einer Leistung von 115 kW bzw. 156 PS startet weich und angenehm leise, und los geht die Fahrt.

Aufgrund der hydraulischen Lenkung mit geschwindigkeitsabhängiger Servounterstützung lenkt sich der 4007 bei niedrigen Geschwindigkeiten extrem leicht und vermittelt bei flotterem Tempo guten Fahrbahnkontakt.

Das Testfahrzeug war mit dem neuen Doppelkupplungsgetriebe ausgestattet. Dabei handelt es sich um ein Automatik-Schaltgetriebe mit sechs Gangstufen, das nach dem Doppelkupplungsprinzip arbeitet. Die beiden Teilgetriebe ermöglichen einen vollautomatischen Gangwechsel ohne Zugkraftunterbrechung, so dass der Fahrer die extrem leisen Umschaltvorgänge wirklich kaum bemerkt.

Sport mit Spaßfaktor

Man hat die Wahl zwischen den beiden Fahrmodi „Normal“ und „Sport“, außerdem gibt es zwei Schaltwippen am Lenkrad, mit denen jeweils ein Gang hinaus oder herunter geschaltet werden kann. Bereits nach den ersten Anfahrten und Beschleunigungen im Stadt- und Landstraßenverkehr war allerdings klar, dass der Sportmodus die deutlich flottere Variante mit höherem Spaßfaktor ist, weil hier das Getriebe später in den nächst höheren Gang schaltet. Für die Fahrt mit Anhänger ist dies – mit Ausnahme von Autobahnfahrten – angenehmer, weil das Fahrzeug mehr Antritt hat. Der jeweilige Fahrmodus wird in der Instrumententafel angezeigt.

Natürlich gibt es auch einen Tempomat, der die Geschwindigkeit peinlich genau einhält. Beschleunigt man allerdings mit der „Accel“-Funktion per Hand, braucht das Getriebe relativ lange, um wieder in den 6. Gang hoch zu schalten.

Die Beschleunigungszeit von 0 auf 100 km/h beträgt 11,1 Sekunden und als angenehme Reisegeschwindigkeit empfanden wir den Bereich zwischen 120 und 180 km/h auf guten Autobahnen, bei schlechtem Belag fühlt man sich nur bis etwa 150 km/h wohl. Der 4007 erreicht zwar ein Spitzentempo von 200 km/h, das sich aber nur sehr kurzfristig zum Überholen eignet. Obwohl das Fahrstabilitätsprogramm ESP zur Serienausstattung gehört, sollte man bei stärkerem Seitenwind moderater fahren, weil das Fahrzeug dann etwas instabil wird.

Moderate Verbrauchswerte

Der Hersteller gibt als durchschnittlichen Norm-Verbrauch im gemischten Betrieb (Stadt, Landstraße, Autobahn) nur 7,2 Liter Diesel und 192 g/km CO2-Ausstoß an (Euronorm 5). Das war allerdings ein Wert, der auf den diversen Testfahrten ohne Anhänger nur im moderaten Tempo auf der Autobahn zu erreichen war, in der Sporteinstellung wird die Maschine deutlich durstiger. Mit Anhänger stieg der Verbrauch teilweise auf gut 11,5 bis 12 Liter. Serienmäßig ist das Rußpartikelfiltersystem FAP.

Im Reiter-Einsatz

Vor dem ersten Einsatz als Zugfahrzeug war zunächst einmal die abnehmbare Anhängerkupplung – ein Modell von Thule – zu montieren, was nach Durchlesen der Gebrauchsanweisung auch gelang. Allerdings ist peinlich genau auf die Schlüsselstellung zu achten, um die Kupplung einrasten zu können. Sie ragt ebenso wie die Steckdose für die Anhängerbeleuchtung relativ weit unter der Stoßstange hervor, was nicht besonders elegant aussieht, aber sehr praktisch zugänglich ist.

Enttäuschung bei der Rückfahrkamera

Hoch erfreut waren wir zunächst über die Rückfahrkamera, weil sie das Einparken sehr erleichtert. Für das Heranfahren an das Kupplungsmaul des Anhängers ist sie jedoch eine Enttäuschung, weil der Blickwinkel die Anhängerkupplung kaum erfasst und nur mit einem winzigen Teil zeigt. Hier sollte Peugeot nachbessern, weil die Kamera für diesen Zweck grundsätzlich ideal wäre.

Sehr hilfreich ist wiederum die akustische Warnfunktion, wenn eines der Anhängerlichter nicht funktioniert. So weiß man gleich, dass man einen eventuellen Fehler suchen muss und als erstes überprüft, ob der Stecker auch richtig sitzt.

Da der Motor das maximale Drehmoment von 380 Newtonmeter bereits bei 2000 Umdrehungen erreicht, ist der der Antritt mit dem Anhänger sehr gut. Das gilt sowohl für glatte Straßen als auch für matschige Wiesenparkplätze, von denen das Fahrzeug den zwei Tonnen-Pferdeanhänger samt Ladung problemlos mitzog.

Fahrverhalten als Gespann

Das Fahrverhalten des Gespannes ist insgesamt sehr gut, wobei für Stadt- und Landstraßenfahrten die Sporteinstellung vorzuziehen ist. Auf der Autobahn kann man während der fahrt auch auf normal umstellen und nur bei eventuellen Überholmanövern mit den Wahlhebeln einen Gang tiefer schalten.

Wer viel auf Turnieren mit oft matschigen Wiesenparkplätzen unterwegs ist, wird den Allradantrieb benötigen, der bei allen Peugeot 4007 serienmäßig vorhanden ist. Peugeot setzt hier auf das System AWC® (All Wheel Control), einen „aktiven Allradantrieb“ mit elektronischer Steuerung. Dieses von der Mitsubishi Motors Corporation entwickelte „On-Demand“-System erlaubt dem Fahrer die Wahl zwischen drei Antriebsmodi (2WD, 4WD, LOCK), die je nach Fahrbahnbelag und Fahrsituation für eine optimale Traktion der Antriebsräder sorgen. Für den normalen Fahrbetrieb sind wir im Testbetrieb sowohl im etwas kraftsstoffsparenderen 2WD-Betrieb und im 4WD-Modus gefahren. Bei letzterem ist auf normalen Fahrbahnen überwiegend der Vorderradantrieb im Einsatz, bedarfsabhängig – zum Beispiel bei Glätte – werden 15 bis 55 Prozent der Kraft der Hinterräder automatisch zugeschaltet.

Das Umschalten auf den „LOCK“-Betrieb geschieht mit einem Drehrad in der Mittelkonsole und leitet 50 Prozent mehr Kraft auf die Hinterräder als im normalen 4WD. Getestet wurde es auf matschigem Boden und funktionierte einwandfrei, so dass das Fahrzeug auch den vollen Pferdeanhänger problemlos von der Weide schleppte.

Vor allem mit einem Gespann ist bei einem Schaltwagen der Berganfahrassistent sehr praktisch: Sobald das Fahrzeug bereits bei leichtem Gefälle steht, braucht man kein Zurückrollen mehr zu befürchten, weil das Fahrzeug nach starken Druck auf die Bremse bis zum nächsten Anfahren stehen bleibt. Für Fahrzeuge mit Automatikgetriebe ist diese Komfortfunktion weniger von Bedeutung, weil das Fahrzeug in der Einstellung „D“ ohnehin nicht zurückrollen kann.

Praktische Ladekante

Peugeot_LaderaumDer Laderaum ist mit einem Volumen von mindestens 441 Litern bei normal genutzter Rückbank und 1.686 Litern bei voll umgeklappten Sitzen recht ordentlich. Er reicht weit ins Fahrzeug hinein, was beim Herausholen am Ende gelagerter Objekte lange Arme erfordert. Sehr praktisch ist die per Hebel abklappbare Ladekante, die auf diese Weise sehr niedrig wird und das Ein- und vor allem Ausladen auch schwerer und unhandlicher Objekte wie zum Beispiel Futtersäcke sehr erleichtert. Auch kleinere Hunde können so leicht hineinspringen und finden im Inneren einen gemütlichen Liegeplatz. Weniger praktisch ist der Filzteppichboden, weil sich von dort Pferde- und Hundehaare nur schwer absaugen lassen.Peugeot_Laderaum2_1

Wer mit (Groß-)Familie unterwegs ist, mag die Version als Siebensitzer bevorzugen, wobei die beiden Plätze in der dritten Reihe eher Notsitze sind, die im Kofferraumboden verschwinden können. Das Umlegen der normalen Rückbank ist mit wenigen Handgriffen geschehen: Mit einem Zug an einer Schlaufe klappen die Sitze – auf Wunsch 60:40 geteilt – nach vorne.

Fazit

Der Peugeot 4007 HDi ist ein sportliches SUV, das sich sowohl für den Straßeneinsatz als auch für die Fahrt auf reitertypisch rauem Gelände eignet. Auffällig ist der sehr komfortable und große Innenraum, der vor allem hinten sitzenden Passagieren viel Beinfreiheit gibt und dennoch einen anständig großen Kofferraum bietet. Der Peugeot 4007 HDi ist in der Ausstattungsstufe Sport ab 34.250 Euro erhältlich, in Verbindung mit dem Doppelkupplungsgetriebe DCS kostet er ab 35.750 Euro.