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Pferdeanhänger-Zugfahrzeugtest Hyundai Santa Fe 2010: Vom SUV zum Sportsroader

Von Doris Jessen, geschrieben am 7. Mai 2010

Schoenfeld_2020_neu

HY_SF_AufmacherBereits im Jahr 2007 verlief der Test des damaligen Hyundai Santa Fe als Zugfahrzeug für Pferdeanhänger sehr positiv. Dieser Eindruck hat sich mit dem neuen Modell 2010– diesmal das Modell Santa Fe 2.2 CRDi 4WD mit 2,2 Liter Dieselmotor und 197 PS in der Premiumausstattung – noch einmal bestätigt: Das SUV macht seinem Namen alle Ehre und ist eine gelungene Kombination aus geländegängigem Allradler und bequemer, Reiselimousine mit viel Platz.
Für Turnier- und/oder Urlaubs-Reiter besonders wichtig: Die hervorragenden Zugeigenschaften für Pferdeanhänger und das große Raumangebot im Laderaum.

 

Der Santa Fe begründete 2001 den Einstieg von Hyundai in das SUV-Segment und steht seit Januar 2010 als Facelifting-Modell der zweiter Generation beim Händler. Das Fahrzeug wurde in vielen weiteren Details gründlich überarbeitet – beginnend bei der etwas geglätteten Linienführung, deren wie vor runde Kotflügel nicht mehr so „aufgeblasen“ wirken über den veredelten Innenraum bis zur stärkeren Leistung von 197 PS beim hier vorgestellten 2,2 Liter Common-Rail-Diesel-Motor. In drei Wochen Testfahrzeit soll die neue Version nun ihren Dienst vor allem als Reiterfahrzeug beweisen.

HY_SF_Innenraum_links_Das Einsteigen ist dank der breiten und weit öffnenden Türen und 75 cm hohen Sitze für Fahrer und Beifahrer sehr bequem – typisch SUV eben. Die hohe Sitzposition vermittelt dann auch gleich eine sehr gute Rundumsicht. Dies gilt vor allem für den Rückblick durch das weit herunter gezogene Heckfenster und die schmalen Dachsäulen, die ein sicheres Überholen und leichtes Einparken ermöglichen. Durch die großflächige Verglasung wirkt das Fahrzeug innen sehr geräumig, die steilen Seitenfenster sollen starkes Aufheizen abmildern. Wird es doch einmal zu heiß, schaltet man die Klimaanlage ein: Sie ist im Testmodell für Fahrer und Beifahrer getrennt einzustellen und höchst wirksam.

Das in der Werbebroschüre als „Panoramadach“ bezeichnete Schiebedach macht seinem Namen nicht unbedingt Ehre, funktioniert aber in diversen Einstellungen gut für ausreichend Frischluftzufuhr.

Sehr komfortables Innenleben

Das erste Einstellen der elektrischen beigen Ledersitze (beim Fahrersitz mit Lordosestütze) und des höhen- und neigungsverstellbaren Lenkrades ist selbsterklärend und einfach. Der Sicherheitsgurt kann am Seitenholm durch hohe bzw. niedrige Einstellung ebenfalls auf große und kleine Personen angepasst werden. Ein Plus an Sicherheit bilden die aktiven Kopfstützen, die sich bei einem Heckaufprall blitzschnell nach vorne bewegen, so den Abstand zwischen Kopf und Kopfstütze verringern und damit Verletzungen im Bereich der Halswirbelsäule vorbeugen.

Die Sitzheizung war im Testzeitraum nicht wirklich erforderlich, hat sich aber im Testbetrieb als sehr schnell und effektiv heizend erwiesen.

Die Beinfreiheit auf den Rücksitzen ist hervorragend, auch die Klimaanlage erreicht diese Region gut. Fahrer/innen mit Kindern können für diese auch im Isofix-System einen Kindersitz anbringen.

Übersichtliches Cockpit

Alle Instrumente sind übersichtlich direkt im Blick des Fahrers angeordnet, haben einen weißen Hintergrund und sind blau beleuchtet. Neu ist die Fernbedienung am griffsympathischen Lederlenkrad für das Audiosystem mit sechs Lautsprechern, RDS-Radio und CD-Spieler sowie das Navigationssystem, das allerdings nur im Premiumpaket inklusive ist. Im Testmodell ist ein Pioneer-Gerät mit Bluetooth-Funktionalität für ein Handy eingebaut. Allerdings ist dieses „Navigate-System“ leider nicht völlig selbsterklärend ist und soll daher nach Herstellerangaben schon bald durch eine Werkslösung ersetzt werden. Zusätzlich gibt es in der Mittelkonsole Anschlüsse für USB-Geräte und iPods. Rechts am Lenkrad befindet sich die Tempomat-Bedienungsleiste. Der Bordcomputer mit den Informationen über Verbrauch, Kraftstoffreichweite, Durchschnittsgeschwindigkeit etc. ist im Armaturenbrett untergebracht. Die Knöpfe sind allerdings nicht beleuchtet und daher bei Dunkelheit nur zu ertasten. HY_SF_Fahrersitz_Instrumente_

Apropos Dunkelheit: Geradezu taghell und weit voraus erleuchtet wird die Strecke durch das sehr effektive Xenonlicht. Das ist ein klares Plus für Nachtfahrten. Auch dass das Licht automatisch beim Abschalten des Motors ausgeht, ist recht angenehm.

Schön wären noch ein Regensensor und eine Antippfunktion für den Blinker, die vor allem für das Überholen auf der Autobahn oder Abbiegen sehr praktisch ist.

Und los geht’s!

Gestartet wird der Santa Fe konventionell mit dem Schlüssel. Ein sog. Smart Key System, bei dem das Fahrzeug per Knopfdruck angelassen wird, ist als Zusatzausstattung im Rahmen des Automatikpaketes erhältlich. Negativ ist aufgefallen, dass man das Fahrzeug mit Automatikgetriebe auch in der D(rive)-Funktion abstellen und den Schlüssel abziehen kann. Das birgt vor allem bei Fahrern, die bisher überwiegend manuelle Schaltungen gewöhnt waren, das Risiko, dass das sich Auto auf abschüssigen Straßen ungewollt selbstständig macht.

Der Motor schnurrt nur leise, auch gibt es kaum Diesel-typische Vibrationen. Dies ist einerseits der passgenau verschweißten Karosseriekonstruktion aus hochfestem Stahl und andererseits dem Einsatz von Dämmmaterialien wie zum Beispiel Schaumpolster auf dem Bodenblech, in den Türausschnitten oder auf den Seitenschwellern zu verdanken.

Für den Fahrbetrieb bietet der Santa Fe zwei Einstellungen: „Eco“ und „Eco off“. In der Eco-Einstellung schaltet die Automatik früher auf den nächst höheren Gang, was sich in geringerem Verbrauch niederschlagen soll. Eco off vermittelt – wie sollte es anders sein – eine sportlichere Beschleunigung: In 10,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h ist für ein rund zwei Tonnen schweres Allradfahrzeug ein guter Wert. Speziell für den Betrieb mit Pferdeanhänger auf Landstraßen ist die „Eco off- Einstellung“ sicherer, weil auch flottes Überholen der sommerlichen Erntefahrzeuge problemlos möglich ist.

Der Kraftstoffverbrauch hält sich für ein SUV dieser Größe mit 197 PS in Grenzen: Im gemischten Betrieb haben wir zwischen acht und neun Liter Diesel gebraucht, wobei sich der Eco off-Betrieb nicht besonders bemerkbar gemacht hat. Allerdings waren die Teststrecken für einen aussagekräftigen Vergleich vielleicht nicht lange genug. Mit Pferdeanhänger stieg der Verbrauch geschwindigkeitsabhängig auf bis zu zwölf Liter/100 Kilometer, wobei hier die Unterschiede zwischen leerem und beladenem Anhänger nur minimal waren. Den CO2-Ausstoß gibt der Hersteller mit 192 g/km an, das Fahrzeug ist in die Euronorm 5 eingestuft. Ein Plus für den Anhängerbetrieb: Der hohe Drehmomentgipfel von 437 Nm zwischen 1.800 und 2.500 Umdrehungen/Minute.

Das Automatikgetriebe schaltet weich und nahezu übergangslos. Die Lenkung ist direkt. Aufgrund des Wendekreises von 10,9 m lässt sich das Fahrzeug auch auf engeren Straßen oder auf Turnierparkplätzen gut wenden, was gerade mit Pferdeanhänger durchaus von Vorteil ist. Denn wer rangiert damit schon gerne hin und her… HY_SF_Matsch_

Apropos Turnierparkplatz: Nasser Wiesengrund sind für den Santa Fe selbst mit 2 Tonnen Last am Haken auch im Normalbetrieb kein Problem, weil er je nach Bodenbeschaffenheit dank des „Interactive Torque Managements“ automatisch auf den Allradantrieb umstellt. Für Fahrten auf sehr matschigem Boden oder in steilem Gelände gibt es außerdem die Möglichkeit, auf permanenten Allradantrieb umzustellen.

Geschwindigkeiten bis 160/170 km/h auf längeren Reisen waren durchaus angenehm zu fahren, bei noch höhere Tempo wirkt sich wie bei vielen SUVs die Fahrzeughöhe auf die Straßenlage allerdings schon aus, vor allem wenn Seitenwind hinzu kommt.

Großes Gepäck kein Problem

Der Laderaum ist gerade für Reitsportler ein wichtiger Aspekt, gerade wenn sie im Pferdeanhänger keine Sattelkammer haben. Dafür bietet der Santa Fe jede Menge Platz und ist zudem praktisch zu bedienen: Die Rückbank ist einfach mitsamt Kopfstützen umzulegen, so dass sich dann eine ebene Ladefläche von zwei Metern Länge (ohne Umklappen 80 cm) und 1,16 Metern Breite ergibt. Dort hat sogar ein großes Fahrrad Platz. Insgesamt ergibt das ein Gepäckvolumen von 528 bis 1.582 Litern.HY_SF_Laderaum_umgeklappt

Sehr sinnvoll ist das Gepäcknetz, unter dem auch kleine Gegenstände sicher fixiert liegen. Weniger praktisch ist der Teppichfilzboden, in dem Hundehaare und Krümel aller Art hängenbleiben.

Im Fahrerraum und in den hinteren Türen befinden sich zahlreiche Unterbringungsmöglichkeiten für CDs und allerlei Kleinkram, Getränkehalter auch für große Flaschen und sogar eine sehr gut funktionierende Kühlbox in der Mittelkonsole.

Drei Griffe bis zum Zugfahrzeug

Die meisten Fahrzeughersteller bieten heute eine abnehmbare Anhängerkupplung an, die relativ schnell in die dafür vorgesehene Steckvorrichtung eingehakt werden kann. Hyundai liefert den abschließbaren Kupplungskopf in einem Stoffsack zusammen mit Handschuhen. Wer das System noch nie bedient hat, benötigt die Gebrauchsanweisung – und zum Einklinken nach oben etwas Kraft. Die Steckdose ist elegant versenkt und wird mit einem Handgriff nach unten geklickt.

Sinnvoller Luxus: Die Rückfahrkamera

HY_SF_Rueckfahrkamera_Ist alles montiert, geht es ans Heranfahren zum Anhänger. Dafür war das Testmodell mit einer Rückfahrkamera ausgestattet, deren Bild nach Einlegen des Rückwärtsganges automatisch mit einem Signalton im linken Drittel des Spiegels erscheint. Und das ist einfach genial! Der Kupplungskopf kann zentimetergenau unter dem Zugmaul platziert werden, das lästige mehrmalige Aussteigen und Kontrollieren entfällt. Endlich einmal ein sinnvoller Luxus, wenn man morgens um fünf ohne hilfswillige Turnierbegleiter ankuppeln muss.

Garantien und Wartung

Sehr positiv sind die langen Wartungsintervalle von 30.000 Kilometern und die Dreijahresgarantie ohne Laufleistungsbegrenzung. Gegen Durchrostung von innen nach außen gibt Hyundai zwölf Jahre Garantie.

Fazit

Der Hyundai Santa Fe ist eine gelungene Kombination aus sportlicher Alltagslimousine und Gelände-Allradler. Das Fahrzeug eignet sich für Reiter vor allem aufgrund seines großzügigen Platzangebotes und der guten Zugeigenschaften bis zwei Tonnen in der im Testbericht beschriebenen Automatikversion, als Schaltwagen darf der Santa Fe sogar 2,5 Tonnen ziehen. Das Fahrzeug kostet in der 2.2 CRDi 4WD in der Grundausstattung 34.640 Euro, für die Premiumvariante sind 39.990 Euro fällig. Hinzu kommen eventuelle Farbwünsche für 530 Euro – im Standard gibt’s nur Vanilla White.

Technische Daten:

 Länge (mm)  4.660
 Breite (mm)  1.890
 Höhe (mm)  1.760
Wendekreis (m) 10,9
Bodenfreiheit (mm) 200
Watttiefe (mm) 500
Kofferraumvolumen 528-1.582
Leergewicht2 (kg) 1.941 – 2.021
Zuladung (kg) 549 – 629
Anhängestützlast (kg) 80
Anhängelast gebremst, bis 12 % Steigung (kg) 2.000
Motor 2,2CRDi, 4-Zylinderreihen-Dieselmotor mit Common-
Rail-Direkteinspritzung
Maximale Leistung 145 kW (197 PS) bei 3.800-1
Maximales Drehmoment 437 Nm bei 1.800-2.500-1
Beschleunigung 0-100km/h 9,8 sec
Verbrauch (Herstellerangaben) Stadt: 8,8 l; Außerhalb: 5,6; Gesamt: 6,8
Abgas-Norm Euro 5 mit Partikelfilter
CO2-Emission (g/km) 197
Versicherungseinstufung Haftpflicht + Teilkasko 20 (HP) 19 (TK)
Neupreis Ab 34.640