ANZEIGE

LKW-Test Böckmann Compact TL: Kleiner König der Landstraße

Von Doris Jessen, geschrieben am 31. Januar 2010

Schönfeld_2020
3_Boeckmann_schraeg_re_

Wer zwei Pferde jeweils nur für einen Tag zu einer Veranstaltung, in eine Klinik oder zum Decken mit einem Höchstmaß an Sicherheit transportieren, viel Platz für Pferdeequipment und Turnierkleidung sowie ein wenig „Wohnkomfort“ möchte, ist mit dem kleinsten Modell aus der Böckmann-LKW-Serie, dem Compact TL, gut bedient.
Der 3,5-Tonner basiert auf einem Kleintransporter der Marke Renault Master mit 2,5 Liter Hubraum und einem 150 PS CDi Motor. Die Aufbauten stammen von Böckmann (Testzeitraum Sommer 2008).

 

 

 

Wer das erste Mal als Fahrer(in) in den Böckmann Compact TL klettert, erfährt im wahrsten Sinne des Wortes das „LKW-Gefühl“: Schon der Einstieg ist hoch, das Lenkrad beeindruckend groß und nicht verstellbar. Der 150 PS starke Common Rail Diesel Einspritzmotor startet mit dem typischen Brummi-Sound – und los geht’s. Aufgrund des im Vergleich zu einem PKW-Gespann deutlich höheren Schwerpunktes sollte man auch unbeladen vorsichtig in die Kurven gehen. Überhaupt muss man sich hier zunächst einmal an die etwas schwerfällige Lenkweise gewöhnen, was aber nach der dritten Kurve kein Problem mehr ist. Die Instrumente sind übersichtlich und bieten alle aus dem PKW gewöhnten Informationen. Auch der Fahrkomfort – angefangen von sechs leicht schaltbaren Gängen des Quickshift-Getriebes über den Tempomat und das Navigationsgerät bis hin zur Klimaanlage – ist sehr gut.

Flott unterwegs

Die Beschleunigung ist bis zu einer Geschwindigkeitsbereich von etwa 100 km/h gut, so dass man auch durchaus komfortabel überholen kann. Ein großer Vorteil ist, dass der Böckmann Compact TL in der Standardausführung mit einer 3,5 t-Zulassung ausgeliefert wird und damit noch keiner LKW-Geschwindigkeitsbegrenzung unterliegt.

Sicherheit, Praktikabilität und die Bequemlichkeit, einen Teil des Equipments im LKW lassen zu können und schnell vom Hof und ans Ziel zu kommen, sind für die Hauptkäufergruppe, Profireiter, Gestütspersonal und engagierte Amateure ohne LKW-Führerschein die wichtigen Argumente. Angenehm ist der 100 Liter fassende Tank, der bei einem durchschnittlichen Verbrauch von rund 10 Litern eine große Reichweite ermöglicht.

Um zusätzlich noch zwei Pferde in einem Anhänger mitzunehmen, ist das Fahrzeug serienmäßig mit einer leicht montierbaren abnehmbaren Anhängerkupplung ausgestattet. Allerdings darf der LKW nur zwei Tonnen ziehen. Mit einem Polyesteranhänger und zwei größeren Warmblütern wird es also knapp.

Komfort auf dem Turnierplatz

5_Boeckmann_LKW_Innenraum_Der Compact TL verfügt über zwei Sitze und hat im Dach über den Fahrersitzen ein bequemes Bett für eine Person. Für längere Fahrten oder Tagesaufenthalte auf Veranstaltungen ist der Kühlschrank praktisch, der über die LKW-Batterie oder – soweit am Parkplatz verfügbar – über Strom gespeist wird.

Ein abklappbarer Tisch bietet genügend Platz für einen kurzen Imbiss. Zum gemütlichen Sitzen ist der Beifahrersitz drehbar, zusätzlich gibt es eine kleine Bank mit Polsterauflage. Dahinter, oberhalb des Kühlschrankes, befinden sich hinter elegant polierten Holzwänden ein Kleiderschrank und zahlreiche Schubfächer, die mit Druckknöpfen gegen unbeabsichtigtes Öffnen während der Fahrt gesichert sind.


Viel Platz für die Pferde

4_Boeckmann_TL_Rampe_Obwohl der Transportraum für die Pferde auf den ersten Anblick relativ klein wirkt, ist er durch seine Abmessungen von 2,10 Länge und 2,10 m Breite deutlich größer als ein herkömmlicher Anhänger. Die Pferde stehen hier mit dem Kopf entgegen der Fahrtrichtung, was ihnen nach Aussage des Herstellers vor allem abrupte Bremsmanöver angenehmer macht, weil sie sich gegen eine Wand und keine relativ dünnen Bruststangen lehnen können.

Die Beladung erfolgt über die seitlich angebrachte Rampe, die wie bei allen Böckmann-Fahrzeugen mit einer robusten Gummimatte, Querstreben und rechts Seitenstoppern ausgestattet ist. Nach oben hin ist das Fahrzeug durch eine Klappe verschlossen. Sowohl Rampe als auch Klappe sind leichtgängig zu bedienen.

Der stabile Boden besteht aus dem LKW-Bodenblech plus Holzplatte, die mit einem Hammerschlaggummiboden verklebt und versiegelt ist. Die Seitenwände sind bis auf eine Höhe von etwa 1,20 m mit schlagfestem Kunststoff beschichtet, im Kopfbereich glänzt bissfestes Aluminiumriffelblech.

Ein etwas anderes Verladekonzept

7_Boeckmann_LKW_Pferd_ohne_TRennwand2_An einem Freitag, dem 13. Juni startete der erste Versuch, eines der „Testpferde“ einzuladen. Da die neunjährige Quarter Horse Stute normalerweise ein Verladeprofi ist und in jeden Anhänger einsteigt, waren eigentlich keine Probleme zu erwarten. Dieser Optimismus erwies sich leider als Irrtum. Das Pferd muss über eine – für die Größe des Fahrzeuges – relativ schmale Rampe ohne Rampenbegrenzung (optional erhältlich für 592 Euro) einsteigen und im Innenraum mit der Hüfte nach rechts schwenken, um parallel zur Transportwand und mit dem Kopf nach hinten angebunden werden zu können. Anschließend wird die leichtgängige Mitteltrennwand geschlossen, die in verschiedenen Stufen verstellbar ist.

Während die Stute noch willig in den Transporter folgte und sogar ein paar Happen Hafer aus der hochnoblen Edelstahlkrippe fraß, verweigerte sie die Drehung an die Wand vehement und legte zielstrebig den Rückwärtsgang ein. Da sie nun schräg im Transporter stand, lief sie nicht gerade über die Rampe zurück, was aber glücklicherweise gut ging. Nach einigen erfolglosen Versuchen errangen wir einen „Teilsieg“, indem wir die Stute zu ihrem Paddock-Kollegen einluden, der völlig problemlos mit der Drehung zurecht kam. Als zweites Pferd musste sie sich nun schon auf der Rampe nach rechts drehen. Das ging nach drei Anläufen endlich gut. Nun konnte auch die Kunststoff-ummantelte Kette als Barriere nach außen eingehakt und die Rampe sowie Klappe geschlossen werden.

Fazit: Man sollte den ersten Versuch nicht unbedingt an einem Abend oder gar Morgen vor einem Turnier starten. Selbst grundsätzlich verladefreundliche Pferde können ihre gute Erziehung bei neuen Konzepten durchaus einmal vergessen. Hier hilft nur eines: Ruhig heranführen und geduldig üben…

Ordnung in der Sattelkammer

15_Boeckmann_LKW_Sattelkammer_beladen_Sehr praktisch, gut zu be- und entladen ist die geräumige Sattelkammer, die sich am Heck des Fahrzeuges befindet. Auf der linken Seite findet allerlei Kleinkram in ordentlichen Schubfächern Platz, zwei herausnehmbare Sattelhalter und Trensenhaken sorgen für Ordnung. Weil manche Teile zwangsläufig hoch angebracht sind (zum Beispiel die Kopftrennwand), liefert Böckmann einen Hocker mit. Als sehr praktisch für die Reinigung erwiesen sich die Abläufe sowohl in der Futterkrippen als auch in der Sattelkammer.

Sichere Fahrt

Die erste Fahrt mit den Pferden sollte man ebenso ruhig angehen lassen wie die Einsteigeübungen. Da die Pferde relativ viel Platz in der Breite haben, treten sie in Kurven etwas mehr hin und her, um sich auszubalancieren. In der Wendung ist also sehr langsames Fahren angesagt. Der Blick in die Videoüberwachung, deren Bild im Rückspiegel wieder gegeben wird, beweist aber, dass die Pferde insgesamt sicher stehen. Wichtig ist es, auch bei kühleren Temperaturen die beiden Schiebefenster sowie die Dachluke zu öffnen und zusätzlich den elektrischen Lüfter zu betätigen.

Einmal erfolgreich „gepackt“, ist der Compact TL für die Pferde (und Menschen) ein sehr sicheres Fahrzeug: Da es keine Boxenstangen gibt, können die Pferde vorne auch nicht darüber klettern oder hinten mit der Kruppe darunter geraten. Das Fahrzeug ist stabiler gegen Seitenwind als ein Gespann, nichts kann ins Schlingern kommen.

Aufgrund der Konstruktion aus 25 mm starker GFK-Sandwich-Bauweise ist der Aufbau sehr stabil. Vor allem bei Unfällen kommt ein PKW mit Anhänger leichter zu Schaden als der vergleichsweise schwere LKW, in dem Pferde und Menschen zudem relativ hoch stehen bzw. sitzen. Das gesamte Fahrzeug erhält eine einheitliche PKW-Lackierung, die anders als die GFK-Farben hochglänzend und lichtbeständig ist.

Wer mit dem Rangieren von Anhängern Schwierigkeiten hat, wird hier positiv überrascht: Durch die Rückfahrkamera, die sich automatisch mit dem Rückwärtsgang einschaltet und das Bild ebenfalls im Rückspiegel wiedergibt, hat der Fahrer nach hinten hin alles gut im Blick. Der Wendekreis von 15,6 Metern liegt nur wenig über dem großer PKW-Zugmaschinen.

14_Boeckmann_TL_Angebunden_am_Heck_Am Ziel angekommen, haben wir bei diesem Modell Möglichkeiten zum Anbinden der Pferde vermisst. Mit zwei längeren Führstricken konnten wir aber die stabilen Ketten aus dem Transporter durch die offene Sattelkammertür hindurch leicht verlängern und die Pferde am Heck sicher zum Satteln vertäuen. Auf Wunsch bringt Böckmann auch einen Anbindebügel an der linken Transportwand an (ab 168 Euro).

Fazit

Nach den ersten Kilometern lenkt sich der Kleintransporter gut und vermittelt ein sehr sicheres Fahrgefühl. Speziell Vielfahrern zu Tagesveranstaltungen bietet der Böckmann Compact TL ein flottes und dennoch sehr sicheres Fortkommen mit einem Kraftstoffverbrauch, der nicht über dem eines entsprechend starken Zugfahrzeuges liegt. Weitere Vorteile sind die große Sattelkammer, der Wohnmobil-ähnliche Komfort am Parkplatz und auch einmal ein Bett für die Nacht. Den Luxus muss man sich allerdings leisten können: In der High-End-Ausstattung des Testfahrzeuges kostet der Compact TL 86.870 Euro, die Basisausstattung ist ab 55.900 Euro zu haben.

ANZEIGE