Pferdeanhänger-Zugfahrzeugtest Ford Edge Titanium 2,0 l EcoBlue, 140 kW (190 PS): Auffallend schick, geräumig und sparsam

Von Doris Jessen, geschrieben am 06.01.2020

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Mit dem Ford Edge kam im Herbst 2019 zum ersten Mal ein SUV des Traditionsherstellers zu Mit-Pferden-reisen.de in den Test. Seit 2016 in Europa auf dem Markt und kürzlich mit einem Facelift versehen, überzeugte das 190 PS starke Allrad-Fahrzeug durch Größe, luxuriöse Komfort-Ausstattung und sehr gutes Fahrverhalten auch vor dem Pferdeanhänger, der maximal 2,2 Tonnen schwer sein darf. In der hier vorgestellten der Titanium-Ausstattung beginnt die Preisgestaltung bei 47.200 Euro.


Schon auf der Internationalen Automobilausstellung IAA 2015 fiel uns das damals neue SUV-Modell Edge aus dem Hause Ford auf. Endlich kam es nun in den Test und fuhr im Dezember 2019 in leuchtendem Ruby-Rot-Metallic vor. Mit seinem ersten Facelift haben ihm die Designer eine markante Front, hell strahlende LED-Scheinwerfer und Rückleuchten sowie einen breiteren Innenraum mit luxuriösem Ambiente verpasst. Alles in allem auf den ersten Blick: Ein superschickes Fahrzeug mit sportlichem Touch, das überall eine repräsentative Figur macht. Mit seinen Abmessungen – der Edge ist 4,82 m lang und 1,93 m breit, mit Außenspiegeln sogar 2,15 m, und wiegt rund 2 Tonnen – reiht er sich in die Gruppe größerer SUVs ein. Da wäre eigentlich eine hohe Anhängelast zu vermuten, aber die hat man bei 2,2 Tonnen bis 8 Prozent Steigung und 2 Tonnen bis 12 Prozent belassen. Für mittelgroße Pferdeanhänger mit nicht allzu schweren Vierbeinern sollte das aber ausreichen.

Top-komfortabler Innenraum


Wie in der Topausstattung „Titanium“ zu erwarten, öffnet sich die Tür schlüssellos zu dem sehr großzügigen Innenraum, aus dem man nach allen Seiten eine sehr gute Übersicht hat. Platz genommen wird auf bequemem Ledergestühl mit weißen Kontrastnähten, das die Fahrerin wie eine gut sitzende Schale umfasst. Die Komfortausstattung der Sportsitze ermöglicht die Programmierung für drei Personen und nachdem der Motor ausgeschaltet ist, gleitet der Sitz zum bequemen Aussteigen zurück. In den kalten Wintertagen haben wir nicht nur die dreistufige Sitzheizung, sondern vor allem auch die sehr schnell anspringende die Lenkradheizung genossen, die über die Klimafunktionen im Infotainment einzustellen ist. Auch die Rückbank bot für eine längere Fahrt den beiden Passagieren mehr als ausreichend Bein- und Kopffreiheit.

Die gesamte Inneneinrichtung ist sehr hochwertig gehalten, die Türen sind im oberen Drittel mit Leder bezogen, Ablagen bzw. Stellplätze für kleinere und größere Utensilien bis hin zu Flaschen finden sich dort, wo man sie erwartet: In den Türen, in der Mittelkonsole und – zum Beispiel für Schlüssel oder Taschentücher – zum Aufklappen im sehr weit nach vorne reichenden Armaturenbrett. Die Lese- und/oder Sonnenbrille findet im Dachhimmel Platz und ist ebenso stets griffbereit wie die Handschuhe im gleichnamigen Fach. In einem tiefen Fach vor dem Schalthebel für das manuelle Getriebe haben auch große Smartphones Platz und können an zwei USB-Buchsen geladen werden. An der Rückseite der Mittelkonsole befinden sich eine 12- und sogar 230-V-Steckdose, eine weitere 12-V-Buchse sitzt im Kofferraum.

Intuitives Infotainment


Die Klimatisierung ist über Schaltwippen und den 8 Zoll großen Touchscreen des Infotainments zu steuern, das viele praktische Funktionen bietet und weitestgehend selbsterklärend ist. Die Bedienung geht schnell von der Hand, weil es Icons für die direkte Anwahl von Audio, Klimatisierung, Telefon, Navigation, Apps sowie generelle Einstellungen gibt. Sehr verständig ist die Spracheingabe, die das lästige Tippen überflüssig macht.

Dasselbe gilt für den Bordcomputer, auf dem Informationen vom Tageskilometerstand über den aktuellen und Durchschnittsverbrauch bis hin zur gefahrenen Zeit individuell einzustellen und abzulesen sind. Sehr anerkennenswert ist die Ehrlichkeit der Verbrauchsanzeige: Sie stimmt exakt mit der tatsächlich getankten Menge überein.

Die Integration des Smartphones geschieht über die neue Generation „Sync 3“, welche dafür sorgt, dass man nicht nur telefonieren, sondern auch Textnachrichten und eigene, zum Bespiel Spotify-Musik, hören oder auch via Apple Carplay/Android Auto eigene Apps nutzen kann. Auch fördert die Tankstellensuche nicht nur die Marke, sondern praktischerweise auch gleich die Preise auf den Schirm.

Konzertsaal auf vier Rädern

Wirklich erstklassig ist das Klangerlebnis der Highend Bang & Olufson Stereoanlage mit 1.000 Watt und zwölf Lautsprechern, die den Edge nahezu in einen Konzertsaal verwandelt. Das ist allerdings nicht nur dem Audiosystem zu verdanken, sondern vor allem der serienmäßigen „aktiven Geräuschkompensation“, die weniger durch gedämmte Scheiben, sondern vielmehr durch die Überlagerung von Frequenzen erreicht wird: Um unerwünschte Geräusche insbesondere von Motor und Getriebe zu unterdrücken, wird eine künstliche Gegenfrequenz erzeugt. Störgeräusche werden von drei Mikrophonen erkannt und durch gegenläufige Frequenzen ausgeglichen. Diese werden über die Lautsprecher der Audioanlage ausgestrahlt, ohne allerdings den Klang der Musik zu beeinflussen.

Viel Platz für (Pferdesport)Gepäck


Speziell für uns Pferdesportler ist ein multifunktionaler Laderaum von unschätzbarem Wert. Vom umfangreichen Reisegepäck inklusive Sattel und Zaumzeug (falls der Anhänger keine Sattelkammer hat) bis hin zu Paddockstangen oder Späneballen und Futtersäcken – all das findet im bis zu rund 1.850 Liter großen Laderaum des Ford Edge gut Platz, je nach Anforderung mit aufgestellten oder per Knopfdruck aus dem Kofferraum umgeklappten Rücksitzen. Praktisch sind die elektrisch bedienbare Heckklappe, Taschenhaken und Gepäcknetz. Sehr lobenswert ist der in diesem Testmodell serienmäßig vorhandene Reservereifen im doppelten Boden des Laderaumes. Bei anderen Herstellern findet sich dort nur eine große Mulde und ein Reifenpannenset mit Kompressor, das wenig nutzt, wenn der Reifen ein großes Loch hat oder gar geplatzt ist.

Der Laderaumsichtschutz ist vor allem für Hundebesitzer praktisch, weil der als Planenrollo für den Vierbeiner einfach ein- und – falls Gepäck vor neugierigen Blicken gesichert werden soll – mit einem Handgriff ausgerollt werden kann.

Übung macht den Meister: Die abnehmbare Anhängerkupplung


Der Mensch ist zunehmend verwöhnt und hat sich – jedenfalls als Autotester – an die Annehmlichkeiten einer elektrisch ausschwenkbaren Anhängerkupplung gewöhnt, die sich bei Fahrzeugen in der Preisklasse um die 50.000 Euro erfreulicherweise so schön langsam durchsetzt. Umso enttäuschter waren wir, als sich im sonst so luxuriösen Ford Edge der klassische abnehmbare schwere „Haken“ im doppelten Boden des Kofferraumes fand. Da hieß es nun, die Gebrauchsanweisung zu studieren. Diese ist – und das wiederum ist lobend anzumerken – erfreulich verständlich und so war die Installation theoretisch schnell umsetzbar. In der Praxis muss man sich allerdings auf die Knie oder den Hosenboden begeben (Handtuch mitnehmen, falls das alles auf nassem Boden geschehen muss!), um die Öffnung zu erstasten, in welche die Kupplung eingeklinkt wird. Nach einigem Suchen findet sich links davon auch die Steckdose, die um 90° nach rechts unten zu drehen ist. Dankenswerterweise standen dafür kräftige Männerhände zur Verfügung. Alles in allem nach ein paarmal Üben kein Problem, aber halt ein bisschen lästig.

Letztlich bleibt noch zu bemerken, dass an der Anhängerkupplung die in vielen europäischen Ländern mittlerweile vorgeschriebene Öse zum einhaken des Bremsseiles fehlt. Das ist für Fahrten in Deutschland kein Problem, „Grenzgänger“ riskieren zum Beispiel in den Niederlanden aber Bußgelder.

Fahren mit Pferdeanhänger: Ordentlich Kraft

Derart vorbereitet, ging es an die erste Fahrt mit Pferdeanhänger, dessen Ankuppeln nun dank der Rückfahrkamera kein Problem war.

Unser Testwagen kam mit einem 2,0 Liter EcoBlue-Diesel und Euro 6d-temp Abgasnorm, 140 kW (190 PS) und 400 Nm Drehmoment, die bei 2.000 bis 3.000 Touren anliegen und somit gerade für Anhängerfahrten eine ausreichend hohe Anzugskraft bieten. Ein weiteres Positivum: Alle Ford Edge-Modelle verfügen serienmäßig über ein intelligentes Allradantriebssystem mit elektronisch geregelter Drehmomentverteilung. Einfacher ausgedrückt: Je nach Bodenverhältnissen greifen entweder nur die Vorderräder oder alle vier Räder gleichzeitig. So war auch die Schlammkuhle an der Ausfahrt vom Anhängerparkplatz auf einer feuchten Wiese kein Problem. Die Bodenfreiheit von 15,2 cm ist nicht sensationell, aber für die üblichen Einsätze ausreichend.

Das Fahrverhalten erwies sich auf allen Straßen und Bodenverhältnissen als sehr gut. Die Gangschaltung kommt weich und ohne großen Kraftaufwand für die Kupplung bis in den sechsten Gang, Schalthinweise im Bordcomputer empfehlen, wann hinauf- oder herunter geschaltet werden soll, um eine möglichst effiziente Fahrweise zu gewährleisten. An LKW oder Traktoren schnurrten wir auch mit Pferdeanhänger souverän vorbei.

Sehr zur Entspannung tragen auch die Fahrassistenten bei. Ford stattet den Edge mit dem vollen Programm aus: Der Abstandstempomat behält die Geschwindigkeit auch nach Gangwechseln bei, die Geschwindigkeitswarnung blinkt auf Basis der Verkehrszeichenerkennung penetrant, wenn man zu schnell fährt und piept auf Wunsch lautstark. Auch kann man ein Limit festsetzen. Der Spurhalter reagiert mit Brummen und lenkt auch auf die Spur zurück. Genial funktioniert das automatische LED- Fernlicht, das bei Gegenverkehr punktgenau abblendet und die Fahrbahn anschließend wieder voll ausleuchtet.

Aufgrund des relativ hohen Leergewichtes von zwei Tonnen darf der Edge Pferdeanhänger bis zu 2,2 Tonnen Gesamtgewicht mit 100 km/h fahren – eine angenehme Sache, wenn man häufig längere Strecken fährt.

Eine praktische Einrichtung fand sich beim ersten Tanken: Anstatt der üblichen Tankdeckel mit Drehverschluss schiebt man hier nur den Tankrüssel in die sich dann automatisch öffnende „Easy Fuel“ Öffnung. Kein Risiko für Diesel-verschmierte Finger mehr!

Lobenswert ist der geringe Verbrauch: Im Betrieb mit einem Ifor Williams HB 511 Pferdeanhänger lag er bei 9,4 Litern Diesel, allerdings mit nur 80 km/h gefahren, weil der Anhänger mit seinen 2,6 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht für die 1000 km/h doch zu schwer war.

Super Straßenlage, sanft federnd

Auch auf den „Solo-Fahrten“ überzeugte uns der Edge durch sein sehr ausgewogenes und daher entspannendes Fahrverhalten. Dank Stabilitätskontrolle und Wankstabilisierung liegt er sanft federnd auf der Straße ohne schaukelig zu werden, meistert auch unruhige Fahrbahnbeläge gelassen, kommt im zweiten und dritte Gang agil durch engere Kurven und lässt sich auf der Autobahn satt bis zu seiner Maximalgeschwindigkeit von 203 km/h fahren. Und das ist für ein SUV keine Selbstverständlichkeit. Lediglich für sportliche Sprints ist er wohl aufgrund seines erwähnten hohen Eigengewichts weniger zu haben: Die technischen Daten geben für die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h 10,4 Sekunden an.

Hypersensibel ist der „Pre Collision Assist System“, der lautstark warnt, wenn man zu nahe an ein anderes Fahrzeug herankommt. Er würde auch aktiv bremsen, was wir allerdings aus Sicherheitsgründen nicht ausgereizt haben.

Geht es ans Parken, kann man dies dem Assistenten überlassen, der allerdings eine etwas großzügige Lücke zum Gehsteig lässt. In engen Gassen steht das Fahrzeug dann aufgrund seiner großen Breite recht weit auf der Fahrbahn. Daher haben wir uns auf die „Parkpiepser“ mit Abstandslinien verlassen, die seitlich einen Bereich bis zu 60 cm, vorne 70 cm und hinten 1,80 cm überwachen.

Der Verbrauch lag im Solo-Betrieb je nach Fahrweise zwischen 7 und 8 Litern Diesel.

Fazit

Mit dem Modell Edge ist Ford ein sehr luxuriöses und vor allem topbequemes, großräumiges SUV gelungen, das für Passagiere und Gepäck viel Platz bietet. Die Motorisierung mit 190 PS und automatischem Allradantrieb bietet ausreichend Kraft für sichere und entspannte Fahrten mit oder ohne Pferdeanhänger. Der Grundpreis des hier vorgestellten Fahrzeugs beläuft sich auf 47.200 Euro, inklusive aller Extras fallen 53.680 Euro an.




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