Pferdeanhängertest Fautras Oblic + 2: Zimmer mit Aussicht

Von Doris Jessen, geschrieben am 01.08.2019

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Pferdeanhaengertest_Fautras_Oblic_2__3_von_29_.jpgDas Vollpolyester-Pferdeanhängermodell Oblic 2+ des französischen Herstellers Fautras unterscheidet sich durch zwei Konstruktionsmerkmale von „normalen“ Fahrzeugen: Am Heck geht’s über eine Stufe rein, die Pferde stehen schräg in Fahrtrichtung und steigen vorne aus. Nach vielen Testfahrten mit einem extrem verladeunwilligen Pferd hat sich der Oblic +2 bestens bewährt. Allerdings erfordert er aufgrund seiner 1.160 kg Leergewicht und 2,6 Tonnen Gesamtgewicht je nach Pferdegröße(n) ein kräftiges Zugfahrzeug. Der Grundpreis liegt bei 12.990 Euro.


Auf Reitstall- und Turnierparkplätzen traditioneller Pferdesportler ist die Marke Fautras eher selten vertreten. Etwas öfter sieht man sie in Westernreiterkreisen, in denen man gerne „Typisches“ aus den USA benutzt. Und dazu gehört u.a. eine Anhängerkonstruktion mit Flügeltüren, in den die Pferde über eine Stufe einsteigen. Auch der schräge Stand hat überzeugte Fans, weil es (recherchiert man dazu einmal in einschlägigen Foren) viele leidgeprüfte Pferdesportler gibt, deren Pferde nur in diese Anhänger freiwillig einstiegen und stressfrei fuhren. Das bestätigt auch das Experiment der Zeitschrift Cavallo 2001, in dem sich freistehende Pferde freiwillig diagonal zur Fahrtrichtung stellten, offensichtlich weil sie sich so besser ausbalancieren können. Belastbare wissenschaftliche Studien dazu haben wir allerdings nicht gefunden.

Eines unserer beiden Testpferde, die Quarter Horse Stute Mara, war die perfekte Kandidatin für den Oblic +2 und speziell für die Kombination „schräg“ („oblic“ kommt vom französischen „oblique“ für schräg) in Kombination mit Vorderausstieg. Denn sie fährt äußerst ungern in „normalen“ Anhängern und steigt nach mehreren Transporten von Mal zu Mal unwilliger ein, bis sie sich am Ende schlicht völlig weigert. Und sage hier keiner, wir hätten es zu wenig oder falsch trainiert. Das Pferd hat eine nicht zu kurierende Klaustrophobie und/oder kann sich schlecht ausbalancieren.

Robust und unverrottbar: Holzfreier Polyester-Sandwichaufbau

Die Grundkonstruktion des Fautras oblic +2 besteht aus einer Stahl- und Aluminiumkonstruktion mit drei stabilen Rahmen. Beim Aufbau setzt Fautras auf Vollpolyester. Die 2 cm starken und doppelt isolierten Seitenwände kommen ohne Holzverstärkungen aus. Sie sind etwa 2 m hoch. Dementsprechend ist das aus thermischen Gründen ebenfalls mit einer Schaumstofffüllung versehene weiße Polydach sehr klein. Die Seitenwändeund die Innenseite der Hecktüren sind mit stabilen Kunststoff-Trittschutzplatten verkleidet. Der Bug ist aerodynamisch rund gehalten und bildet Raum für eine Sattelkammer. An dafür angebrachten Trennwand zum Transportraum hin kann sich das Pferd an einem weichen Seitenpolster anlehnen.

Auf dem 1,8 cm dicken Polyethylen-Kunststoffboden ist eine 8 mm-Gummimatte lose verlegt und fest gespannt. Dies hat laut Hersteller zwei Vorteile: Es entsteht keine Blasenbildung, wenn Pferde scharren und der Gummiboden lässt sich bei Bedarf auch einfach erneuern.

Bequemer Zugang durch mannshohe Seitentüren

Diese Bauweise erlaubt mannshohe Seitentüren, die durch Spangenverschlüsse gesichert sind. Sie waren anfangs etwas schwergängig, was sich aber mit der Zeit schnell gab. Die oberen Griffe sind auf einer Höhe von etwa zwei Metern angebracht (warum so hoch erschließt sich uns nicht), so dass sich Kleinere zum Öffnen entweder strecken oder den stabilen kleinen Auftritt nutzen müssen. Beide Seitentüren sind durch stabile Gummisaugstopper zu arretieren, so dass sie auch bei Wind offen bleiben.

Pferdeanhaengertest_Fautras_Oblic_2__11_von_29_.jpgDie Spangen – wie auch die Containerverschlüsse an den Flügeltüren am Heck - sind mit kleinen Löchern versehen, in die Vorhängeschlösser eingesetzt werden könnten, um den Anhänger abzusperren. Um sicherzugehen, brauchte man aber fünf Schlösser.



Zimmer mit Aussicht

Pferdeanhaengertest_Fautras_Oblic_2__6_von_29_.jpgDie Belüftung erfolgt über von außen bedienbare Schiebefenster mit Sicherheitsgittern: Eines in der linken Seitenür, ein weiteres Fenster an der rechten Wand und im Testanhänger in der nach oben aufschwingenden Seitenklappe. Sie ist eine – allerdings mit 1.150 Euro ziemlich kostspielige optionale, aber hervorragende Einrichtung, weil sie viel Licht und Luft ins Gefährt lässt. Das erleichtert das Einsteigen und erhöht den Komfort für Turnierpferde ganz entscheided, wenn sie oft mehrere Stunden im Anhänger auf ihre nächste Prüfung warten müssn.

Pferdeanhaengertest_Fautras_Oblic_2__24_von_29_.jpgIn unserem Fall war sie zunächst extrem schwer zu öffnen, was sich aber durch Schmieren mit Silikonöl beheben ließ. Für die Fahrt muss die Klappe geschlossen werden, dafür dient ein Band, an dem sie nach unten gezogen wird. Das ist allerdings recht hoch und damit für kleinere Personen von außen unerreichbar angebracht und dazu in einem recht ungünstigen Winkel, der viel Zugkraft erfordert. Die Lösung ist entweder ein großer und kräftiger Mann oder das Schließen von innen.

Empfehlenswert: Vorderausstieg mit Rampe

Pferdeanhaengertest_Fautras_Oblic_2__10_von_29_.jpgLinks in Fahrtrichtung befindet sich der Vorderausstieg. Er ist von außen durch die genannte große Tür verschlossen. Das Testfahrzeug war überdies mit einer optionalen Rampe mit Gummibelag und Trittleisten (350 Euro) ausgestattet, die einfach auszuklappen ist. Sie ist relativ schmal, so dass Mensch und Pfred nebeinander nicht durchpassen, erfüllt aber dennoch ihren Zweck. Obwohl natürlich jedes Pferd auch über eine 40 cm niedrige Stufe aussteigen kann, ist diese Einrichtung ist auf jeden Fall zu empfehlen, falls  einmal ein verletztes Pferd transportiert werden muss. Dann dann kann das Aussteigen über die Stufe möglicherweise problematisch sein. Hochgeklappt ist sie zudem recht praktisch, um dort für das vorne stehende Pferd zum Beispiel auf dem Turnier einen Futtereimer einzuhängen.




Einfacheres Ausbalancieren durch flexible Trennwände

Pferdeanhaengertest_Fautras_Oblic_2__20_von_29_.jpgZwischen dem ersten und zweiten Pferd stattet Fautras seinen Oblic +2 mit einer zweiflügeligen und daher beweglichen „Fautras Tech“ Trennwand aus, die den Pferden in gewissen Grenzen einen Freiraum zum Ausbalancieren gibt. Sie reicht nahezu bis unters Dach und schottet damit auch Streithähne und –hennen sicher voneinander ab. In der unteren Hälfte ist die übliche PVC-Schürze angebracht.

Pferdeanhaengertest_Fautras_Oblic_2__2_von_29_.jpgDer Verschluss ist zunächst etwas gewöhnungsbedürftig: Es handelt sich um einen Lederriemen mit stabiler Schnalle, der je nach Position der Trennwände wie ein Gürtel in der Länge verstellt werden kann. Zum Öffnen und Schließen muss nicht die Schalle geöffnet, sondern lediglich ein Metallstab durch die Riemenschlaufe gesteckt werden. Bei schiefem Stand oder Wind kann es passieren, dass die eine oder andere nach hinten geschwenkte Wand zufällt, wogegen es leider keine Feststeller gibt. Wir haben uns mit einfachen Gummistrippen beholfen.

Pferdeanhaengertest_Fautras_Oblic_2__1_von_29_.jpgDie Trennwände sind an je zwei Positionen an einer Metallschiene befestigt und mit Muttern gesichert. Um sie zu verschieben, benötigt man einen 17er Schraubenschlüssel. Sie waren vom Werk aus so fest angezogen, dass es schon Männerkräfte brauchte, um sie zu öffnen, anschließend war das Verschieben an die neue Position einfach möglich. Am besten geschieht dies zu zweit, weil die zweite Person leichter kontrollieren kann, ob die Wand auch gerade sitzt.

Eine Fehlkonstruktion ist die Anbringung des Brustgurtes, der das Vorderpferd am ungewollten Herauslaufen durch Frontausstieg hindert: Er hängt fest an der Trennwand und ist zu kurz, wenn diese, um das Fach zu erweitern, nach hinten verschoben wird. Die Lösung war ein simpler Verlängerungsstrick.

Heckstange und Flügeltüren

Am Heck wird das Transportabteil mit einer langen Querstange geschlossen. Sie ist an der linken Seite teleskopierbar, falls man sie nicht einfach quer, sondern parallel zum Pferd diagonal anbringen möchte. Zum Verladen kann man die Stange entweder komplett aushängen oder in der rechten Halterung belassen, nach hinten schwenken und das Ende auf den Boden legen. Dann kann es allerdings passieren, dass der teleskopierbare Teil trotz eines Feststellrades ein wenig nach innen rutscht und die Halterung anschließend nicht sofort einzuhaken ist. Einmal passiert, weiß man sich zu helfen und dreht das Rad am besten gleich ein wenig auf, um das schelle Einhaken sicher zu stellen.

Pferdeanhaengertest_Fautras_Oblic_2__21_von_29_.jpgAnstatt einer Rampe gibt es zwei Flügeltüren, die sich nach beiden Seiten öffnen und auch fest arretiert werden können, so dass sie beim Einsteigen der Pferde nicht zufallen können. Der Mechanismus ist mit einem Fußstritt schnell wieder zu öffnen. Geschlossen werden die Türen durch LKW- oder Container-typische Drehstangen, die oben und unten einhaken und mit einem Metallplättchen gesichert werden. Zusätzlich gibt es noch eine dritte Sicherung durch einen Metallsplint, der in der Mitte die beiden Türen zusammenhält.

Geräumige Sattelkammer

Pferdeanhaengertest_Fautras_Oblic_2__23_von_29_.jpgAuf der rechten Seite öffnet sich die große Tür mit Staufach zur ebenfalls mannshohen und geräumigen Sattelkammer, wobei diese im Grunde nur aus einer stabilen, mit einem Stahlrahmen eingefassten Abtrennung zum Pferdetransportraum besteht und damit nach oben offen ist. Sie ist an beiden Seiten eingehakt und damit, wenn man möchte, auch herauszunehmen. An dem Stahlrahmen befinden sich auch sechs Trensenhaken, in der Ecke finden zwei – auch große Westernsättel – auf in der Höhe einstellbaren Haltern einen sicheren Platz. Zum Öffnen der Muttern ist der genannte 17er Schraubenschlüssel erforderlich.

Aufgrund des runden Buges bietet der Raum außer für Putzbeutel, Sättel & Co. ausreichend Platz: Futtereimer und/oder Tonnen, Mistboy, Longierpeitschen oder auch die beliebten langen Paddockstangen können hier ganz einfach verstaut werden. So ausgerüstet, steht auch längeren Turniereinsätzen nichts im Wege.

Was anfangs im Gegensatz zu den hermetisch abgeschlossenen Sattelkammern ein wenig hemdsärmelig wirkte, erwies sich gerade in den heißen Testtagen mit durchgeschwitzten Satteldecken und -gurten durchaus als Vorteil, weil der offene Raum dadurch perfekt durchlüftet ist. Außerdem gibt es keine waagerechte Fläche, die ohnehin immer nur einstaubt. Nachteil dieser Konstruktion ist, dass eventueller Urin (was auf unseren Fahrten nicht passierte) in die Sattelkammer fließen kann. Dagegen empfiehlt es sich, den Transportraum ausreichend mit Spänen einzustreuen. Aber das ist laut Viehverkehrsordnung ohnehin Pflicht (https://www.gesetze-im-internet.de/viehverkv_2007/BJNR127400007.html).

Noch nie war Verladen so einfach

Endlich ging es auch ans Verladen, was seit der Anschaffung der transportfeindlichen Mara in gewisser Weise immer ein unkalkulierbares (Zeit)Risiko darstellt. Also sollte der in dieser Hinsicht in vielen einschlägigen Foren so hoch gelobte Fautras Oblic +2 seine Pferdefreundlichkeit unter Beweis stellen. Und – was soll man sagen – die Leute haben Recht.

Wir öffneten den Vorderausstieg und die Seitenklappe nach oben, um möglichst viel Freiraum zu suggerieren. Das Pferd stieg nach nur kurzer Skepsis (und eine Minute sei erlaubt) über die niedrige Stufe in den 1,80 m breiten Raum problemlos ein, durfte einmal vorne wieder hinaus und kletterte dann sofort wieder vertrauensvoll in die Kiste. Beim Einsteigen steht der Anhänger völlig stabil, nichts wackelt oder schwankt.

Pferdeanhaengertest_Fautras_Oblic_2__28_von_29_.jpgVorne mit Futter zur Entspannung beschäftigt, konnte der Brustgurt eingehakt und die Trennwand problemlos geschlossen werden. Anschließend wurde die Frontrampe nach oben geklappt und diente während des Verladens des zweiten Pferdes zum Einhängen der mobilen Futterkrippe. Auch die zweite Stute kannte das Prinzip nicht, stieg aber sofort ein, fand den von außen eingehängten Futtereimer, ließ ohne Fluchtversuch nach hinten die Stange einhängen und die Flügeltüren schließen. Abschließend wurden die langen Verladestricke von außen ausgehakt und gegen die bereits zuvor an der oberen Schiene angebrachten Anbinder ersetzt. Vordere Seitentür zu, Seitenklappe zu, Stricke in die Sattelkammer und ab die Post.  

Fahrverhalten ohne Fehl und Tadel

Pferdeanhaengertest_Fautras_Oblic_2__12_von_29_.jpgDas Ankuppeln war wie bei den meisten Pferdeanhängern unproblematisch gewesen, wenn man sich hier auch an das nur halbautomatische Stützrade gewöhnen muss, bei dem ein Hebel zu lösen ist, bevor das Rad nach dem Anschließen an das Zugfahrzeug hochgekurbelt werden kann. Es wird dann mit einem Splint gesichert. Der Elektrostecker lässt sich leicht in die Steckdose eindrehen und das Bremsseil in der Öse der Anhängerkupplung einhaken.Die stabile Guss-Kupplung von Knott ist mit einem Schlüssel abschließbar.

Schon auf der rund 500 Kilometer langen Überführungsfahrt vom Fautras Generalimporteur Radermacher Pferdetransporter GR von Eschweiler bei Aachen nach Hamburg hatte der Pferdeanhänger ein hervorragendes Fahrverhalten bewiesen. Er fährt auf einem Fahrgestell der Firma Knott mit Gummifederachsen und Stoßdämpfern und hat dadurch auch eine 100 km/h-Zulassung. Aufgrund seines zulässigen Gesamtgewichtes von 2,6 Tonnen hätte das Zugfahrzeug allerdings mindestens 2.363 kg wiegen müssen, um tatsächlich so schnell fahren zu dürfen (zur 100 km/h-Regelung hier). Wir haben es leer mit einem Seat Tarraco dennoch einmal ausprobiert und der Oblic 2+ lag wie ein Brett auch auf unebenen Straßenbelägen. Das blieb auch mit voller Beladung so. Gegen Aufpreis kann das Fahrzeug bis auf maximal 3,4 Tonnen aufgelastet werden.

Nach der Fahrt stiegen beide Pferde entspannt aus und auch der Kotabsatz, oft Indikator für Nervosität, hielt sich in Grenzen. Speziell bei der problematischen Stute bleibt noch zu erwähnen, dass sie auch nach vielen Fahrten nach wie vor freiwillig einsteigt.

Fazit

Wer seinen Pferden einen maximal stressfreien Transport und durch viel Licht und Luft angenehmen Aufenthalt auf längeren Turnieren gönnen möchte, trifft mit dem Vollpolyester-Pferdeanhänger Fautras Oblic + 2eine sehr gute Wahl. Denn er hält mit der Kombination aus Stufenein- und Vorderausstieg sowie Diagonalstellung den Verlade- und Pferdekomfort betreffend in jeder Hinsicht, was er verspricht. Das gilt im Grunde für alle Pferde, speziell aber für solche, die mit den bei uns üblichen Anhängern Schwierigkeiten haben.
Durch den holzfreien Vollpolyesteraufbau und den Kunststoffboden ist er robust und entsprechend langlebig. Auch die Bedienung ist nach kurzer Eingewöhnungszeit einfach und praktisch, die nach oben offene Sattelkammer eher ein Vorteil. Der Komfort für unsere Virbeiner hat allerdings seinen Preis: Die Serienausstattung kostet (Stand Sommer 2019) 12.990 Euro inklusive Reserverad, für Vorderausstiegsrampe und Seitenklappe kommen noch einmal 350 bzw. 1.150 Euro hinzu. Damit liegt er im oberen Preissegement der Volllpolyester-Pferdeanhänger für zwei Pferde.




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