Vom Schrotthaufen zum Schmuckstück
Von Doris Jessen, geschrieben am 05.10.2011
Neue Pferdeanhänger kosten viel Geld und so lohnt es in vielen Fällen, einen alten Anhänger, dessen Achsen, Fahrgestell und Rahmen noch gut sind, neu aufzubauen. Das ist das Kerngeschäft der Firma Meyer Landtechnik im niedersächsischen Wittingen, die aus scheinbar alten Schrotthaufen neue Schmuckstückchen macht.
Angefangen haben Michaela Meyer und Frank Biernoth mit der Restaurierung alter Traktoranhänger, den sog. Gummiwagen. „Das trat dann aber in den Hintergrund, weil die Fahrzeuge aufgrund ihrer Bremsen meistens keine Zulassung mehr erhalten. Heute ist unser Hauptgeschäft der Komplettservice rund um den Pferdeanhänger – von Routinewartungsarbeiten über den Austausch von Böden oder Wandreparaturen bis hin zur Komplettrestaurierung“, erklärt Frank Biernoth.
Bis dass der TÜV uns scheidet
Vor allem seit im Rahmen der TÜV-Überprüfungen nicht mehr nur Bremsen, Zugvorrichtungen und Lichtanlagen, sondern auch die Böden überprüft werden, bekommt so mancher Pferdeanhänger – glücklicherweise muss man schon fast sagen – keine TÜV-Plakette mehr. „Manche Leute fallen aus allen Wolken, wenn Ihnen gezeigt wird, welche Löcher sich unter den Gummimatten verbergen. Aber nach mehr als zehn Jahren ist das ja gerade bei schlechter Pflege auch keine Überraschung“, so der Frank Biernoth, der als gelernter Autowart, einer Vorstufe zum Mechatroniker, der mit der Wartung und Pflege von Fahrzeugen aller Art bestens vertraut ist.
Vom Schrotthaufen zum Schmuckstuck
Die meisten Altanhänger, die von Meyer Landtechnik von Grund auf neu restauriert werden, sind Holz-Polyester-Anhänger oder Anhänger mit Plane und Spriegel.

Je nach Zustand wird das Fahrzeug zunächst komplett entkernt, so dass nur noch das Fahrgestell und der Rahmen stehen. Dann werden alle Teile, also auch die Bremsanlage, komplett gereinigt und wieder zusammengebaut. Sind neue Seitenwände erforderlich, sind die Platten dann allerdings nur in braun erhältlich.
Auch Polyesteranhänger vom Verfall betroffen
„Neuerdings bekommen wir zunehmend die ältere Generation der Polyesteranhänger auf den Hof. Auch diese haben oft massive Schäden am Boden und in den Seitenwänden. Das erscheint überraschend, aber die meisten Seitenwände sind in Sandwichbauweise mit einem innen liegenden Holzkern gebaut. Hier sind die Bohrstellen die empfindlichsten Stellen, weil nach einiger Zeit Regenwasser bis zum Holz eindringen kann. Vor allem nach den Frostmonaten taut das Wasser dort auf und das Holz zerbröselt nach und nach“, so Biernoth.
Es ist zwar deutlich aufwändiger, aber auch Polyester kann saniert werden. Weil die meist glänzende Außenhaut unversehrt bleiben muss, wird die Seitenwand von innen neu aufgebaut. Da die gesamte Wand inklusive Holzkern meistens nur 1,8 Zentimeter dick ist, wovon allein 1,2 bis 1,5 Zentimeter auf das Holz entfallen, kann man sich leicht vorstellen, wie dünn die Polyesterschichten sind. „Wir haben dafür eine spezielle Methode entwickelt, so dass wir den Holzkern von innen heraus schälen können. Dann wird die Wand meistens mit einem Schaumsystem neu verfüllt und alles glatt gezogen. Anschließend setzen wir innen eine Aluminiumwand dagegen, die verleimt und verschraubt wird“, erklärt Frank Biernoth. Das sieht gut aus und bringt einen zusätzlichen Trittschutz mit sich.
Für rund 2.500 Euro einen neuen Anhänger
Trotz der vielen Arbeit sind die Aufbauarbeiten relativ preiswert, wenn man bedenkt, dass der Anhänger dann fast wieder wie neu ist: Ein Boden kostet je nach Aufwand, ob er nur ausgetauscht werden kann oder der Aufbau angehoben werden muss, ab 800 Euro, für die Komplettrestaurierung muss man rund 2.000 bis 3.000 Euro rechnen. „Da sind dann aber auch Verschleißteile wie Bremsbeläge, neue Radlager und Reifen mit drin“, rechnet Biernoth.
Zwar sind heute bereits Billiganhänger für etwas über 3.000 Euro am Markt, aber ob deren Fahrgestelle und Rahmen so lange halten wie ein gut restaurierter solider alter Anhänger, wird die Zukunft zeigen.
Keine Katze im Sack kaufen
Vor den Arbeiten erhält der Kunde einen Kostenvoranschlag, der als Maximalgrenze zu verstehen ist, oft wird die Rechnung am Ende sogar niedriger als geplant. „Das Wichtigste ist uns, dass der Kunde zufrieden ist und wieder kommt – sei es nur für einfache Wartungsarbeiten oder eine neue Sanierung in 20 Jahren“, so Biernoth abschließend.
Weitere Informationen:
Landtechnik Meyer
Michaela Meyer und Frank Biernoth
Rade 25
29378 Wittingen
Tel.: 05831 / 993483
Mobil: 0170 / 7215083
info@gummiwagen.de
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