Pferdeanhänger-Reifen platt – was tun?

Von Doris Jessen, geschrieben am 24.04.2017

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Reserverad_IFOR.jpgHat ein Pferdeanhänger eine Reifenpanne, ist das Ersatzrad immer noch die sicherste Lösung. Ist keines vorhanden oder mehr als ein Reifen betroffen, hat man allerdings ein Problem. Die Lösung können Nothilfesets bestehend aus transportablen Kompressoren oder Reifenpannensets mit Reparaturschaum sein. Wir haben uns bei Anhängerherstellern und Reifenspezialisten informiert, wie so etwas funktioniert, und ob es tatsächlich zu empfehlen ist.

Zugegeben, es passiert selten, dass alle vier Reifen platt sind. Allerdings ist dieser unschöne Vorfall, der sich als Vandalismus eines kriminellen Nachbarn herausstellte, Anlass für diese Recherche gewesen.

Um den Schaden zumindest für die Fahrt zum Reifenhändler notdürftig zu flicken, wurde der ADAC wie so oft zum rettenden Engel. Im Gepäck des gelben Pannenmobils befand sich ein tragbarer Kompressor zusammen mit einer kleinen Batterie, die den Strom lieferte. Alle vier Reifen wurden aufgepumpt und fachgerecht mit kleinen Stöpseln verschlossen, so dass eine kurze Fahrt möglich war – sicherheitshalber begleitet vom ADAC, falls unterwegs nochmals sprichwörtlich die Luft ausgehen sollte.

Wem ein Missgeschick wie oben geschildert widerfährt, der braucht professionelle Hilfe. Das passiert aber glücklicherweise nicht alle Tage. Aber auch wenn nur ein Reifen platt ist, ist es je nach Ort und Zeit ein mehr oder weniger großes Desaster.

Günstige Lösung Reifenpannenset?


Während früher in Autos immer ein Reserverad vorhanden war, sind viele Modelle heute – wohl aus Kosten-, Platz  und Gewichtsgründen – nur mit einem Reifenreparaturset ausgestattet. Im KFZ-Zubehör oder in Baumärkten (und natürlich in Internet-Shops) finden sich dazu jede Menge Produkte, angefangen von einfachen Sprühdosen mit einem Reparaturschaum bis hin zu kleinen Kompressoren wie sie der oben genannte ADAC-Service genutzt hat. Diese nutzen – das ist nahe liegend – jedoch nur bei kleinen Löchern.

Reifenspezialist Eckhard Lietz vom Hamburger Reifenhaus Singelmann erklärt, wie das Prinzip funktioniert und wie man es nutzt: „Wenn zum Beispiel ein Nagel in die Lauffläche eingedrungen ist, darf man diesen auf keinen Fall entfernen. Mit der Sprühdose allein wird man bei einem Pferdeanhänger nicht genug Druck aufbauen können, daher muss das Dichtmittel, meistens eine Kautschukmilch, zusätzlich mit dem Kompressor eingeblasen werden. Sie setzt sich um das Loch und verschließt es notdürftig. Damit kommen Sie bis zum nächsten Reifenhändler. Mit dem Dichtmittel kann man den Reifen allerdings nicht mehr reparieren, sondern muss ihn ersetzen.“

Für den Anhängerhändler Wörmann in Dachau nördlich von München reichen diese Sets durchaus aus, wie Stephanie Klammer, Marketing-Leiterin von Wörmann, bestätigt: „Ein Reserverad wird oft erst nach vielen Jahren gebraucht und muss zwischenzeitlich gewartet werden. Zudem ist das Wechseln eines Reifens – gerade mit voll beladenem Anhänger – umständlich, schwierig und nicht immer ungefährlich. Wir empfehlen unseren Kunden daher das Mitführen eines speziellen Pannensets mit einem Kompressor, der am Zigarettenanzünder angeschlossen werden kann.“

Nach Ansicht des ADAC können die Reifenreparatursets den Reservereifen Notrad nicht voll ersetzen. Damit Reifenpannen gar nicht erst entstehen, empfiehlt der Club ein Reifendruckkontrollsystem. Es kann viele Reifenschäden schon im Ansatz erkennen, bevor es überhaupt zur Panne kommt.Ersatzrad auch bei Reifenplatzer die sicherste Lösung

Für die sichere Weiterfahrt: das Reserverad

Leider ghibt es nur wenige Pferdeanhängerhersteller, die ihre Modelle ohne Aufpreis mit Ersatzreifen ausrüsten. Cheval LIberté, Ifor Williams und Rice machen da eine rühmliche Ausnahme und liefern nicht nur Ersatzräder, sondern auch gleich die passende Hülle dazu.


Die Mehrzahl der Pferdeanhängerhersteller und Händler empfehlen auch, ein Reserverad mitzuführen: „Ich rate immer zum Ersatzrad, weil es auch dann hilft, wenn der Reifen geplatzt und daher völlig kaputt ist. Allerdings sollte es bei der ohnehin üblichen jährlichen Wartung auf Risse und Brüchigkeit überprüft und natürlich entsprechend aufgepumpt werden“, so Thorsten Thiel von den Thiel Anhängerwerken in Pfullendorf.

Dem pflichtet auch Manfred Ruser bei, der in Schleswig-Holstein bei Plön die Firma Ruser Importanhänger betreibt: „Die alte Methode „Reserverad dabei“ ist nach wie vor gültig. Früher konnte man oft auch das Ersatzrad des Zugfahrzeuges benutzen, das hat sich allerdings heute in den meisten Fällen erledigt, weil die Zugfahrzeuge eine zu große Vielfalt an Reifen aufweisen, die meistens auch größer sind als das gängige 14 oder 15 Zollrad des Pferdeanhängers. Allerdings ist es mit dem Reserverad allein nicht getan. Man braucht entweder einen starken Wagenheber oder besser noch einen Keil, auf dem man mit dem noch intakten Rad fährt, um das kaputte anzuheben. Wir empfehlen dafür das „Traileraid“, einen kleinen und leichten Plastikkeil, den man in jedem Zugfahrzeug verstauen kann. Dann muss man vorher nur noch die Radmuttern lösen, fährt auf den Keil und kann in Ruhe das Reserverad montieren. Das ist auch mit voller Ladung möglich“, so Ruser.

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Auf den Reifendruck und Schäden achten!

In jedem Fall ist es aus Expertensicht wichtig, bei allen Reifen regelmäßig den Luftdruck zu messen. „Immer wieder gesündigt wird beim Reifendruck. Beim Service stellen wir oft genug fest, dass die Leute mit viel zu geringem Druck fahren, was nicht nur mehr Kraftstoffverbrauch verursacht, sondern die Reifen auch schädigt. Natürlich muss auch das Ersatzrad geprüft werden,“ mahnt Manfred Ruser.

Nicht jeder fährt – auch wenn es vom Hersteller empfohlen wird – einmal jährlich zum Service. Diesen Pferdeanhängerbesitzern ist dringend zu empfehlen, die Reifen regelmäßig auf Risse zu untersuchen. Auch dürfen sie bei einem Anhänger mit 100 km/h-Zulassung nicht älter als sechs Jahre sein. „Der Gummi leidet sehr unter den UV-Strahlen. Das gilt besonders für den Reservereifen, weil sie nicht wie die anderen Reifen durch die Kotflügel geschützt werden. Daher sollten sie durch die bekannten Hüllen geschützt werden“, empfiehlt Roland Wolz, Meister bei dem fränkischen Anhängerhersteller wm meyer.



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