Pferdeanhänger-Trends 2018: Größe und Eleganz, Sicherheit und Nachhaltigkeit

Von Claudia Stefan, geschrieben am 10.04.2018

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BM_Big_Portax_rechts.JPGWenn wir uns heute auf die Suche nach einem neuen Pferdeanhänger begeben und dies zunächst einmal tun, ohne den Preis zu beachten, so wird deutlich, dass die Hersteller vor allem in den letzten Jahren viel Neues an Design und Ausstattungsmerkmalen entwickelt haben.  Vorerst finden sich die Innovationen überwiegend im Hochpreissegment großer Modelle, aber ähnlich wie im Automobilmarkt ist zu vermuten, dass sich vor allem Lösungen, welche die Sicherheit und den Komfort erhöhen, auch im Einsteigerbereich zu haben sind – wenigstens als Zusatzausstattung.

Es gab einmal eine Zeit, da sahen alle Pferdeanhänger gleich aus: Braunes Holz, darauf ein Metallgestell mit Plane oder – und das galt schon als modern – eine weiße Polyesterhaube, alle in derselben Größe. Heute dagegen haben wir die Qual der Wahl aus vielfältigen Modellen, Größen, Materialen, Farben und Ausstattungsmerkmalen. Abgesehen vom Geschmack geht der Trend beim modernen Anhänger allerdings mehr und mehr in Richtung Raumgröße, Sicherheit und – für den, der es sich leisten kann – top Komfort für Pferd und Mensch.  

Auffallend: Zunehmende Größe

Humbaur_NotosPlus_Web__15_von_19_.jpgAm auffallendsten ist bei vielen Herstellern der ungebrochene Trend zu immer größeren Pferdeanhängern, die selbst für zwei Pferde nicht selten Innenmaße bis zu viereinhalb Metern und Breiten bis über zwei Meter erreichen.

Auf den ersten Blick scheint dies gerade für viele kleineren Pferde völlig überflüssig. Ganz falsch, wie Volker Laves, seit 35 Jahren erfahrener Züchter von Quarter Horses und Show-Reiter weiß: „Pferde neigen als Fluchttiere leicht zu Platzangst. Außerdem haben sie es in einem großen Anhänger leichter, sich auszubalancieren. Daher ist Platz kein Luxus, sondern steigert durchaus das Wohlfühlen der Pferde in dem für sie unheimlichen Gefährt. In einem normalen Zweier-Pferdeanhänger fahre ich auch Pferde ohne Transportproblem daher immer mit der weitesten Boxenstangeneinstellung oder sogar ohne Trennwand“, so Laves.

Da die Brust- und Heckstangen in modernen Anhängern sowohl in der Höhe als auch in der Länge verstellbar sind und die niedrige Einstellung oft auch mit der kürzeren einhergeht, sollte man diese vom Fachmann eventuell an das meistens niedrigere Stockmaß anpassen lassen.

wm_m_Alissimo_mit_pferd_Web__3_von_3_.jpgGroße Anhänger müssen nicht automatisch immer die teuersten sein: „Wir haben in unserer Klientel festgestellt, dass durchaus die Nachfrage nach großen und speziell hohen Pferdeanhängern besteht, aber nicht unbedingt nach einer Vollausstattung bis hin zu Alufelgen. Daher bieten wir unsere großen Fahrzeuge wie die Modelle Alissimo oder Oklahoma, übrigens mit 1,46 m Innenhöhe der  höchsten am Markt, auch in einer guten Basisausstattung, zu der genau nach Kundenwunsch weitere Details hinzubestellt werden können. So verzichten zum Beispiel Käufer auf eine Sattelkammer, weil sie ein großes Auto oder einen Pickup haben, in dem sie die Sättel leicht transportieren können“, erklärt Dr. Uwe Meyer, Mitglied der Geschäftsleitung der WM Meyer AG.

Pferde mögen’s schräg


Und wenn wir schon beim Wohlfühlfaktor sind: Am liebsten scheinen Pferde in Fahrzeugen mit Diagonalverladung zu reisen. Das zeigte eine Untersuchung, in der Pferde nicht angebunden frei in einem großen Pferdeanhänger transportiert wurden. Alle stellten sich schräg mit dem Kopf gegen die Fahrtrichtung auf.

Stufe kein Problem

Einsteigen_Rampe.jpgDas Einsteigen betreffend scheinen die einfacheren Lösungen – der typisch amerikanische Stufeneinstieg ohne hohl klingende oder gar klappernde Rampe – den Pferden eher entgegen zu kommen. Führt man sie nahe ans Heck heran, stehen sie mit dem Kopf und Hals bereits im Fahrzeug und der Schritt, mag er auch 40 cm hoch sein, ist dann kein Problem mehr. Verfügt der Anhänger wie zum Beispiel die Modelle von Ifor Williams oder Fautras dann noch über Flügeltüren, tun diese quasi als seitliche Begrenzungen ein Übriges, um das Pferd zum Einsteigen zu motivieren.

1_Thiel_Matrix_rechts.jpgAuch für diese Anforderung bietet der Markt neuerdings ausreichend Modelle: Waren die Anhänger mit Diagonalverladung früher überwiegend für drei und mehr Pferde gedacht, so gibt es heute auch für zwei Pferde diese Variante. Die Inneneinrichtung, d.h. in welche Richtung die Pferde bei der Fahrt stehen, kann dann beim Hersteller individuell bestellt werden. Beispiele sind u.a. Böckmann mit seinen Traveller-Modellen, der Minimax und Optimax von Cheval Liberté, Thiel Matrix und Mexx sowie einige Modelle der Firma Fautras.

Die Diagonalstellung hat speziell für Turnier- oder Showreiter, die mit mehreren, auch großen Western- oder Barocksätteln und umfangreichem „Sack und Pack“ auf die Reise gehen, den unschlagbaren Vorteil einer begehbaren Sattelkammer, in der wirklich alles bis zur Futtertone und Paddockzaunpfählen seinen ordentlichen Platz findet.  

Klein, aber fein

BM_Duo_halbrechts_300.JPGNun muss oder kann es nicht immer der XL-Anhänger sein. Auch im Einsteiger- und Mittelpreissegment finden sich schicke und sichere Fahrzeuge in allen Materialien, die teilweise bereits in der Serie eine auf jeden Fall sichere und auch praktische Ausstattung bieten. So sind die meisten Sattelkammern heute bereits wenigstens für normale Westernsättel ausreichend groß, Panikgestänge am Heck kann hinzu bestellt werden. Dasselbe gilt für eine Trittschutzplatte, einen Vorderausstieg oder die sog. Rampe-/Türkombination, die ebenfalls oft optional erhältlich ist und neben dem Stufeneinstieg für das Pferd auch das Beladen mit großen und sperrigen Gütern ermöglicht.

Immer beliebter: Aluminium-Anhänger

1_Humbaur_Xanthos_Front_re.jpg„Qualität, Sicherheit und Langlebigkeit sind für den kritischen Käufer heute die wichtigsten Kriterien, wenn es um die Anschaffung eines neuen Pferdeanhängers geht. Gerade in Sachen Nachhaltigkeit hat sich daher in den letzten Jahren die Nachfrage nach Aluminium-Polyesteranhängern sehr erhöht. In unserem Sortiment sind die Champion-, Portax- und Traveller-Modelle“, berichtet Josef Hespe, Vertriebsleiter bei Deutschlands Marktführer für Pferdeanhänger Böckmann. Ein Trend, den auch Dr. Uwe Meyer bestätigt: „Diese Fahrzeuge sind sehr stabil und robust. Daran haben die Käufer sehr lange Freude, vor allem dann, wenn sie mit einem Aluminiumboden ausgerüstet sind.“

Nachteile des steifen Materials Aluminium ist die begrenzte Formbarkeit, weswegen die Hersteller dazu übergangen sind, Bug und Dach aus Polyester herzustellen, um einerseits in der Front eine große Sattelkammer unterzubringen und andererseits auch etwas mehr Farbenvielfalt anzubieten.

Runde Sache: Der Poly-Anhänger

Wer es nun runder, bunter und eleganter möchte, findet sich schnell im Polyesterbereich wieder. So erkennt Thorsten Thiel, Geschäftsführer des gleichnamigen Pferdeanhängererstellers im schwäbischen Pfullendorf, seit 2017 eher eine wachsende Nachfrage in diesem Sektor: „Wenn ich im Verkaufsgespräch meinen Kunden die Eigenschaften aller Materialen erkläre, entscheiden sich die meisten am Ende für die Poly-Variante, die meines Erachtens nach viele Vorteile hat. Die Fahrzeuge sind bei gleicher Größe 30 bis 40 Kilogramm etwas leichter als die Aluanhänger und klimatisch günstiger, da sie sich im Sommer nicht so schnell aufheizen und umgekehrt im Winter nicht so extrem kalt werden.“

Auch Verkaufsleiter Franz der Firma Wörmann ist von den bunten Kunststoffanhängern überzeugt: „Fahren Sie einmal bei höherer Geschwindigkeit mit, da werden Sie merken, dass es im Poly-Fahrzeug deutlich leiser ist als in einem Alu-Pferdeanhänger, weil Metall Schall mehr überträgt. Wer also viel und lange Fahrten unternimmt, sollte dem Pferd zuliebe eher einen Poly-Pferdeanhänger kaufen“, so Herr Franz.

Careliner2__2_von_10_.jpgEiner der Newcomer, der in Sachen Design in den letzten beiden Jahren Zeichen gesetzt hat, ist die Firma Bücker mit ihrem Careliner, den es mittlerweile in drei Größen gibt: Als Anderthalber für Ein Pferd oder Stute mit Fohlen, das mittelgroße Modell M sowie die Großraumvariante L.

Allerdings gibt es beim Polyester durchaus auch Qualitätsunterschiede: Im Thiel-Werk arbeitet man mit dem sog. Handauflegeverfahren, bei dem die Glasfasermatten tatsächlich per Hand in die Form eingelegt werden. Humbaur nutzt das RTM-Verfahren (Resin Transfer Moulding), das auch auf der Innenseite der Fahrzeuge eine extrem glatte Oberfläche mit sich bringt.  

Wer viele Jahre an seinem Polyester-Pferdeanhänger Freude haben will, so Thorsten Thiel, sollte ihn allerdings alle zwei Jahre mit gründlich reinigen und versiegeln, um den Glanz zu erhalten. Dasselbe gilt natürlich für die Dächer und fallweise Buggestaltngen der Alu- und Holzpferdeanhänger, die ebenfalls aus Polyester bestehen

Zunehmend bunter und besser: Holz-Poly-Pferdeanhänger

1_WM_Meyer_Arizona.jpgNicht jeder kann es sich leisten, aus dem obersten Regal einzukaufen. Aber auch im preiswerten Einsteigerbereich hat sich das Design betreffend viel getan: So bieten die Hersteller mittlerweile auch schicke im Holzpferdeanhänger – auch als „Plywood“ bezeichnet - mit robusten farbigen Beschichtungen und Polyesterdächern, die bei guter Pflege durchaus lange leben. „Wer auf lange Haltbarkeit setzen möchte, sollte auch bei einem Holzpferdeanhänger einen Aluminiumboden als Sonderausstattung wählen“, empfiehlt Dr. Uwe Meyer.

Holz-Polymodelle finden sich im unteren Preisbereich beispielsweise bei den Firmen Blyss oder Cheval Liberté. Aber auch die deutschen Traditionshersteller wie Böckmann, Humbaur, Thiel oder WM Meyer und Wörmann bedienen Kunden mit diesem Bedarf.

Unverzichtbar: Sicherheit

In allen Anhängern gibt es als wichtigstes Sicherheitsmerkmal heute die Panikentriegelung, d.h. von außen bedienbare Boxenstangen. In den höherwertigen Modellen gehen die Hersteller dazu über, diese auch am Heck einzubauen, falls ein Pferd mit der Kruppe unter die Stange gerät und sich dort verklemmt. Es gibt auch Anbieter wie z.B. Fautras, deren Bruststangen sich automatisch lösen, wenn sie mit großem Gewicht belastet werden.

BM_Portax_E_Web__21_von_33_.jpgFür die bessere Bedienbarkeit der Boxenstangen bieten einige Hersteller anstatt der üblichen Steckmechanismen schneckenförmige Halterungen, in die man die Stange mit einer Hand eindrehen kann und ohne Sicherheitshäkchen auskommt. Bei dieser Technik können sich keine Schweifhaare mehr verhaken und auch keine Splinte verloren gehen. Ein weiterer Vorteil ist, dass diese Technik blitzschnell zu schließen und im Notfall auch wieder leicht zu öffnen ist.

Lange Haltbarkeit und damit ein Sicherheitsmerkmal ist auch der moderne Boden, der selbst bei mittelpreisigen Modellen heute aus Aluminium oder einer Alu-Kunststoff-Sandwichplatte besteht. Thiel brachte diese innovative Lösung im Jahr 2002 auf den Markt und gibt auf seine AluPlast-Böden 15 Jahre Garantie. „Bisher haben wir noch keinen Schadenfall gehabt“, so Thorsten Thiel. Selbst bei einem günstigen Holzanhänger sollte man sich die Investition in einen Aluminiumboden überlegen, weil Holzböden auf Dauer vor allem im hinteren Bereich verrotten. Da meistens eine Gummimatte darüber liegt, wird dies aber meistens nicht erkannt und kann, bricht ein Pferd mit einem Bein durch den morschen Boden, lebensgefährlich werden.

Keine Kompromisse beim Fahrverhalten

Alle modernen Pferdeanhänger – so zumindest das Ergebnis nach rund 60 Fahrzeugtests, die wir durchgeführt haben – weisen heute ein sehr gutes Fahrverhalten auf. Grund sind die gut ausgewogenen Gummifederachsen mit Einzelradaufhängung namhafter Qualitätshersteller wie Alko, Knott oder WAP, die in den meisten Modellen serienmäßig mit Radstoßdämpfern ausgestattet sind.   

Als „i-Tüpfelchen“ in Sachen Fahrkomfort gelten die Schraubenfederfahrwerke nach Automobilstandard, wie sie in hochpreisigen Modellen oft serienmäßig verbaut sind. Wer sich von dem eventuellen Unterschied überzeugen möchte, sollte einen Händler um Probefahrten beider Varianten bitten und sich selbst ein Bild machen.

Nice to have: Top-Komfort


Die größten Entwicklungsschritte und moderne Trends gibt es ohne Zweifel im Bereich der vielfältigen Ausstattungsmerkmale. So haben die Großraumanhänger vorne zwischen den Bruststangen und der Sattelkammer ausreichend Platz für das bequeme Anbinden der Pferde. Die ehemaligen Futtermulden, welche in der oberen Abdeckung der Sattelkammer eingelassen waren, gehören heute in den meisten Modellen der Vergangenheit an und sind durch mobile Futtereimer ersetzt worden, die an Metallösen eingehängt werden. Das ist deutlich hygienischer als die nur mit viel Aufwand zu reinigenden Mulden.


Ein weiterer Vorteil der großen Fahrzeuge ist die immer beliebtere große Sattelkammer. Denn wer möchte seinen empfindlichen Sattel samt müffeligen Schabracken oder Pads  schon gerne im Auto transportieren. Western- und Barockreiter sollten auch für ihre Sattelform speziell große Sattelhalter in Betracht ziehen und, wie Herr Franz von der Firma Wörmann empfiehlt: „Da die Westernsättel schwer und unhandlich sind, ist eine ausziehbare Sattelhalterung sehr praktisch. Allerdings sollte man die Gelenke regelmäßig schmieren, damit sie leichtgängig bleiben“. In der brandneu gestalteten Sattelkammer des Böckmann-Modells Portax L SR (für Sattelraum...) gibt es große und schwenkbare Sattelhalter, die mit einem handlichen Griff auf beliebigen Positionen fest arretiert werden können.


Weitere Nettigkeiten sind dann der für Turnierreiterinnen unerlässliche Schminkspiegel, Schaufel und Besen für die unvermeidliche Reinigung des Fahrzeuges auch unterwegs sowie Regalsysteme und mehr als die nur zwei Trensenhaken, um auch Helme und Sporen aufhängen zu können. Großraumanhänger mit begehbaren Sattelkammern bieten auch Klappsitze oder Bänke und fest eingebaute Stiefelknechte. „Für einen Kunden haben wir sogar einmal eine Aufhängevorrichtung für ein Holzbrett eingebaut, auf dem er sein Nachtlager aufschlagen konnte“, berichtet Herr Franz. Nun ja, nichts ist unmöglich, nicht nur bei Toyota.




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