Große Pferdeanhänger richtig beladen!

Von Doris Jessen, geschrieben am 07.04.2017

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16_Equitrek_Showtreka_Pferd_in_Box1.jpgSie werden zunehmend beliebt: Die Großraum-Pferdeanhänger, die nicht nur zwei bis drei Vierbeiner transportieren, sondern auch komfortablen Stauraum in einer begehbaren Sattelkammer bieten. Für ein sicheres Fahrverhalten des gesamten Gespannes ist bei diesen Großraummodellen die ausgewogene Lastverteilung wichtig. Das gilt umso mehr, wenn ein relativ leichtes Zugfahrzeug im Einsatz ist. www.mit-Pferden-reisen.de hat dazu einige Experten befragt.

Ein Fall aus der Praxis

Vor vielen Jahren – konkret im Frühjahr 2009 – hatten wir das damals neue Pferdeanhängermodell Thiel Mexx im Test. Darin können – schräg gegen die Fahrtrichtung stehend - zwei große oder drei kleinere Pferde transportiert werden. Vorne gibt es eine große begehbare Sattelkammer.

Die erste Fahrt erfolgte mit zwei Pferden, die in das erste und zweite „Fach“ eingeladen wurden. Zudem war die Sattelkammer für einen kurzen Reiturlaub mit zwei Westernsätteln und dem üblichen weiteren Equipment voll beladen. Zugfahrzeug war ein Nissan Xtrail mit 2,4 Tonnen Anhängelast und gut 1800 kg Leergewicht. Das Fahrverhalten mit der beschriebenen Beladung war top.

Der Zufall wollte es nun, dass bei der nächsten Fahrt nur eine Quarter Horse Stute zur Deckstation gebracht werden musste. Weil das Pferd sehr ungern allein in dem engen Diagonalfach stand, stellten wir es etwas weiter und ließen ihr damit viel Platz. Die Sattelkammer war leer. Auffallend war nun das relativ „schwabbelige“ Fahrverhalten desselben Nissan, vor allem in den Kurven. Als wir den Anhänger leer wieder zurückfuhren, war das Fahrverhalten wieder perfekt.

Was war passiert? Anstelle der beiden mittig stehenden Pferde hatte nun ein Pferd das Gewicht relativ weit nach hinten gebracht. Dadurch war das schwabbelige Fahrverhalten entstanden.

Falsche Gewichtsverteilung: Wo liegen die Risiken?

Dennis Ahrens von den Ahrens + Ullmann Anhänger-Centren bei Bremen erklärt, welche Risiken bei falscher Beladung entstehen können: „Am gefährlichsten ist die negative Stützlast, d.h. eine Überladung am Heck, weil dadurch das Zugfahrzeug fast angehoben werden und sich sogar drehen kann. Aber auch eine zu hohe Stützlast auf der Anhängerkupplung ist natürlich zu vermeiden, weil dann das Zugfahrzeug oder die Anhängerkupplung leiden können,“ so Dennis Ahrens. „Optimal ist eine gleichmäßige Gewichtsverteilung. Gesetzlich vorgegeben ist eine Stützlast von 4 Prozent des Anhängergewichtes, bei einem 2-Tonnen-Anhänger sind das also rund 80 kg. Im Zweifel ist es aber weniger riskant, etwas mehr Gewicht auf die Anhängerkupplung zu bringen“, ergänzt Daniel Roock vom Böckmann Anhängercenter R+P im schwäbischen Freiberg am Neckar.

Problemlos: Klassische Zweipferdeanhänger

4_BoeckmannChampionR_Heckoffen.JPGHerkömmliche Zweipferdeanhänger mit Sattelkammer sind kaum falsch zu beladen, weil die Aufbauten so konstruiert sind, dass die Pferde immer über der Achse stehen. „Wir nennen das achsnahe Beladung. Bei diesen Anhängern kann dann zusätzlich zum Sattel- und Zaumzeug ruhig eine Futtertonne mit 25 Kilo Hafer in der Sattelkammer stehen, das sollte kein Problem sein“, meint Josef Hespe, Vertriebsleiter bei den Böckmann Fahrzeugwerken in Lastrup. Noch sicherer geht man mit Heckstützen, die hinten angebracht werden können.

Aufpassen bei großen Anhängern

Auch bei den Großraumanhängern für zwei Pferde wie zum Beispiel Böckmann Big Portax, Humbaur Notos oder Thiel Matrix gibt es konstruktionsbedingt kaum Probleme, es sei denn, die große Sattelklammer wird mit extrem schweren Schränken oder Wassertanks überladen.

Thiel_Mexx_Heck.jpgAnders sieht die Sache bei den Drei- und Vierpferdeanhängern mit Schrägstellung aus, wenn sie, wie eingangs beschrieben, mit nur einem oder zwei kleinen Pferden beladen werden und diese zu weit hinten stehen. Im Großraumanhänger mit Wohnabteil Ifor Willams Eventa gibt deshalb eine Schemazeichnung Empfehlungen, an welchen Positionen die Trennwände für die entsprechende Anzahl von Pferden einzuhängen sind. GrosserANhaenger_Einteilung.jpg

Auf Nummer Sicher: Stützlast ermitteln

Im Zweifel empfiehlt Josef Hespe, die Stützlast genau zu ermitteln und eventuell große Sattelkisten zu verschieben. „Mit einer Stützlastwaage kann man die Position einmal genau herausfinden und ist auf der sicheren Seite“, so Hespe. Das Vorgehen ist relativ einfach: Man platziert den Stützlastwaagenstab im Kupplungsmaul und dreht dann das Stützrad soweit nach oben, bis die Last ausschließlich auf dem Stab lastet. Bei stabilen Pferdeanhängern sollte es laut Josef Hespe auch kein Problem sein, Pferde ohne angeschlossenes Zugfahrzeug einzuladen.

Muss es eine Stützlastwaage sein?

Eine kurze Recherche im Internet ergibt, dass jede Menge Stützlastwaagen im Angebot sind, die preiswertesten sogar unter 10 Euro. Aber Vorsicht: Die meisten preiswerten Modelle können nur bis zu 100 kg verkraften und das ist gerade die Stützlast, die für die meisten Großraum-Pferdeanhänger angegeben ist, bei manchen sogar noch mehr. Überladungen wären mit diesen Produkten also nicht genau zu messen. „Sie können aber auch einfach stabilen Holzstab auf eine Personenwaage stellen, die messen meistens bis 150 Kilo“, sagt Arno Speck, Anhängerhändler aus dem hessischen Haiger. Und da die Messung in den meisten Fällen nur einmal erforderlich ist, ist das wohl die einfachste Lösung.

Weitere Informationen

Einen ausführlichen Bericht über die richtige Stützlast und worauf hier zu achten ist, gibt es auf dem Web-Portal Caravaning.

Das folgende Video zeigt, wie eine derartige Waage eingesetzt werden kann.



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