Lust auf die Nordsee? Reiturlaub in Watt und Wald rund um Cuxhaven-Sahlenburg

Von Doris Jessen, geschrieben am 13.04.2017

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Cuxhaven_Watt_allein_.JPGWenn der Wetterbericht Sonne satt verspricht und kurzfristig ein Reiturlaub planbar ist, kann  frische Seeluft in Cuxhaven-Sahlenburg die richtige Wahl sein. Neben dem bekannten Watt bietet die Gegend auch ausreichend Waldgebiete für flotte Galoppaden oder gemütliche Ausritte. Eine gute Unterkunft für Reiter bietet Dirk Fock mit Apartments in seinem Haus Nordwind, die Pferde sind im nahe gelegenen Küstenreiterhof komfortabel untergebracht. Auf jeden Fall zu empfehlen ist ein Ritt durchs Watt nach Neuwerk.

Dabei sollte man nicht unbedingt in einer Kolonne von Wattwagen reiten, sondern individuell geplant in einer kleinen Gruppe.


Cuxhaven scheint auf den ersten Anblick für einen kurzen Reiturlaub sogar von Hamburg ziemlich weit entfernt zu liegen. Denn es ist überwiegend über Landstraßen zu erreichen und sind mit Pferdeanhänger für die rund 180 Kilometer von unserem Stall bis zum Ziel gut drei Stunden einzuplanen. Daher hat es auch ziemlich lange gebraucht, bis wir uns entschlossen, tatsächlich einmal ein verlängertes Wochenende dort zu verbringen: Mit zwei Paaren, bestehend aus drei Reitern und zwei Pferden (das dritte war gerade in Mutterschutz) ging es los.

Gebucht hatten wir zwei Unterkünfte bei Dirk Fock im Haus Nordwind. Wegen der späten Planung unserer kurzen Reiterferien bekamen wir gerade noch ein frisch renoviertes Gartenhaus und den Ruheraum der Sauna. Das schien zunächst eine Notlösung, erwies sich für die kurze Zeit aber als brauchbar. Wer zeitig bucht, kann zwischen komfortablen Ferienwohnungen und Appartements unterschiedlicher Größe wählen.

Die Pferde bezogen im neu erbauten Küstenreiterhof der Familie Fock zwei der 39 großzügigen Außenboxen und konnten morgens nach dem Füttern entweder auf Sandpaddocks oder kleine Weiden gebracht werden. Gefüttert wurde Heu, Silage und Hafer, wobei man die jeweilige Ration in einem Eimer vor die Box stellen musste. Die Boxen waren mit Stroh eingestreut, Späne sind gegen einen Aufpreis ebenfalls erhältlich.

Das Schöne an den Unterkünften für Mensch und Tier ist die Lage nur wenige Reit- oder Gehminuten vom Strand oder – ein paar hundert Meter weiter – zum Waldgebiet, das wir am ersten Abend für einen anderthalbstündigen Ausritt „zum Eingewöhnen“ auch gleich erforschten.

Obwohl Reitwege ausgeschildert sind, empfiehlt es sich wie in den meisten Gebieten eine Karte oder ein GPS-Handy mitzunehmen, um nicht die Orientierung zu verlieren.

Bei Regenwetter bietet sich die 20 x 40 Meter große helle Reithalle an, in der sogar einige Sprünge zur Verfügung stehen.

Für Neulinge ein Abenteuer: Wattritt nach Neuwerk

Während eines Reiterurlaubs direkt am Watt und noch dazu nur zehn Kilometer vor dem Inselchen Neuwerk gelegen, ist ein Ausflug dorthin quasi Reiterpflicht. Da wir ein Pferd mieten mussten – Dirk Fock hält dafür eine Auswahl bereit – und uns außerdem mit den Prielen, also den trotz Niedrigwassers übrigbleibenden mehr oder weniger tiefen Wasserläufen nicht auskannten, entschieden wir uns, zusammen mit den Wattwagen zu reiten, die ebenfalls von Küstenreiterhof aus starten.


Die Ritte sind natürlich nur bei Niedrigwasser möglich und so muss man sich an den Tidenkalender halten. An diesem Nachmittag sollte es gegen 17.00 Uhr losgehen. Gespannt machten wir uns mit der Kolonne von gelben Wagen auf den Weg. Geplant war, mit der Fockschen Gesellschaft zur Insel zu reiten, dort einzukehren und einen Imbiss zu nehmen und rechtzeitig vor dem wieder auflaufenden Wasser zurückzukehren.

Um es gleich vorweg zu sagen: Es war die falsche Entscheidung. Wir ritten in einer Kolonne von etwa zwanzig Wagen, die sich aus der gesamten Umgebung sammelten. Relativ kurz nach dem Einritt ins Watt kam auch schon der erste Priel, in dem die Wagenpferde – und unsere ebenfalls – bis zum Bauch im Wasser versanken. Da wären Gummistiefel aus frühen Tagen angeraten gewesen … Da speziell eines unserer Pferde sich durch die vielen und ungewohnten Wagen aufregte und im Wasser zu steigen begann, war das Vergnügen zunächst durchaus begrenzt und der Ritt wurde trotz der frischen Temperaturen zu einer schweißtreibenden Angelegenheit.

Im zweiten Priel kam es sogar zu einem Unfall, in dem ein Pferd – auf dem Rückweg sollten wir erkennen warum – vor dem Wagen stürzte, platt im Wasser lag und ausgeschirrt werden musste. Bei fünfzehn Grad Luft- und acht Grad Wassertemperatur nicht gerade ein Vergnügen…

Da wir uns mehr oder weniger in der Kolonne bewegten, war an ein Ausscheren auch nicht zu denken und so kamen wir auf dem Hinweg nur wenig zu dem, was man im Watt eigentlich erwartet: endlose Galoppaden auf federndem Boden.

Nichts wie zurück …

Heil auf Neuwerk angekommen, hatten wir nicht die rechte Ruhe für eine ausgedehnte Pause. Außerdem graute uns vor dem Ritt im Pulk zurück. Daher trafen wir jetzt nach kurzer Überlegung die richtige Entscheidung des Tages: Nach einer Viertelstunde Verschnaufpause für die Pferde ritten wir zurück. Die Rechnung war einfach: Wenn wir mit gerade ablaufendem Wasser gekommen waren und man sich prinzipiell eine Stunde Aufenthalt leisten konnte, bevor die Flut wieder anstieg, musste jetzt eigentlich der niedrigste Wasserstand sein. Und den Weg durch die Priele kannten wir ja nun.  

Und nun war es tatsächlich das reinste Vergnügen: Keine Wagen, keine Reiter vor uns – nur das feste, aber federnde Watt. Die Priele waren nur noch ein paar Zentimeter tief und man konnte die Pferde nach Herzenslust laufen lassen. Was für ein Traum!

An der Stelle angekommen, wo das Pferd gestürzt war, erkannten wir nun den Grund: In diesem Priel war eine künstliche Schotterbefestigung aufgebracht worden, um es bei tieferem Wasser sicher durchqueren zu können. An einer Stelle bildet sich eine ziemlich scharfe Kante zum tieferen Wasser, die man im Wasser natürlich nicht sieht. Dort war das Pferd offensichtlich abgerutscht. Den Gedanken, dass wir mit unseren Reitpferden dort ebenfalls ein ungewolltes Bad (Temperaturen siehe oben…) hätten nehmen können, schoben wir schnell weg. Jetzt war alles gut…

Nach gut einer Stunde flotten Rückrittes kamen wir wieder im Stall an, wo die Pferde ihr wohlverdienter Abendhafer erwartete.

Quintessenz nach dem Ritt: Wer eine längere Pause machen möchte, sollte während des ersten Niedrigwassers am Tag nach Neuwerk reiten, das Pferd dort unterstellen (Halfter nicht vergessen…) und ein paar schöne Stunden verbringen. Beim zweiten Niedrigwasser kann man dann ebenso genüsslich zurück reiten.

Werner Wald und Küstenheide

Ein anderes lohnendes Ausreitgelände sind der Werner Wald südlich von Sahlenburg, ein nicht mehr benutztes Truppenübungsgelände mit Heide-artigem Landschaftsbild und die Küstenheide. Man erreicht es vom Küstenreiterhof in etwa einer Viertelstunde, wobei hier ein kleiner Teil von Sahlenburg auf Straßen zu durchreiten ist. Der Weg ist so kurz, dass normal barhuf laufende Pferde dafür keinen Hufschutz benötigen.


Dasselbe gilt für den Werner Wald und seine Umgebung, wo es herrliche, kilometerlange und breite Sandwege gibt, auf denen man irgendwann freiwillig Schritt geht. Gerade in sommerlicher Hitze mögen diese schattigen Wege in abwechslungsreicher Landschaft dem Watt durchaus vorzuziehen sein. Leider gibt es keine Gaststätten zum Einkehren mit Anbindemöglichkeiten für die Pferde, so dass man sich für längere Ritte vielleicht wenigstens ein paar Müsliriegel und ein Getränk mitnehmen sollte – Satteltaschen einmal vorausgesetzt.

Kulinarische Genüsse

Ein Plus der Region ist sicherlich ihr umfangreiches gastronomisches Angebot – vom Krabbenbrötchen in der „Kombüse“ direkt am Strand über gutbürgerliche (Fisch-)Restaurants bis zum italienischen Eiscafé. Alles ist zu Fuß gut erreichbar, so dass man sich auch ein Glas Wein leisten kann, ohne um den Führerschein fürchten zu müssen.

Besonders wohl gefühlt haben wir uns im Restaurant „Kupferkessel“  und im „Störtebecker“. Letzteres bietet bei schönem eine große, geschützte Sonnenterrasse mit traumhaftem Blick aufs Wasser und die Insel Neuwerk.

Auch die Nichtreiter…

… kommen hier zu ihrem Recht: Neben Spaziergängen an Nordseeküste mit ihrem gesunden Reizklima gibt es unzählige Sport- und Freizeitmöglichkeiten. Der genannte Wernerwald, Heidelandschaft, Sandstrand und Waldfreibad sind nur wenige Gehminuten entfernt. Das Haus Nordwind bietet auch Sauna, Solarium und einen Fitnessraum.

Für einen Ausflug nach Cuxhaven bietet es sich an, Fahrräder zu mieten.

Fazit

Das Nordseestädtchen Cuxhaven-Sahlenburg ist eine Reise wert – für Reiter und Nichtreiter gleichermaßen.



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