Endlose Ritte im Mecklenburger ParkLand: Weiter reiten mit den WeiterReitern

Von Doris Jessen, geschrieben am 04.03.2016

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Seminarfoto__26.jpgEs ist ein idyllisches Fleckchen Erde, das sich Carolin Brauer und ihr Lebensgefährte Lothar Preuss für ihre Wanderreitstation und ihren Reiter-Ferienhof in Wardow im Mecklenburger ParkLand auserkoren haben. Das Rundumangebot für Reiter und Pferde trägt den beziehungsreichen Namen „WeiterReiter“. Wir waren dort und waren begeistert von der Unterbringung für Mensch und Tier. Ganz besonders hat uns die familiäre Atmosphäre gefallen, die wir vom Frühstück bis zum gemütlichen Abendessen genossen haben.
Ganz aktuell: am Wochenende vom 5. bis 6. März gibt es wieder zwei Ritte mit Führung, so dass man sich um die Streckenplanung keine Gerdanken machen muss.

Die Fahrt nach Wardow, etwa 30 Kilometer südsüdöstlich von Rostock, ist wie zu den meisten mecklenburgischen Dörfern auf den letzten Kilometern ein wenig rustikal. Aber das ist eben der Preis für den Reiturlaub an einem Ort, an dem man morgens nur von Vogelgezwitscher und Hahnenkrähen geweckt wird, tagsüber durch nahezu unberührte nahezu unberührte Landschaften reiten und über Stilllegungen galoppieren kann und nachts der Sternenhimmel so klar ist, dass man tatsächlich glaubt ins Unendliche zu blicken.

Seminarfoto__14.jpgTrotz aller gefühlten Einsamkeit ist munteres Leben auf der Hofanlage der „WeiterReiter“, die Carolin Brauer und Lothar Preuss seit 2010 im Nebenerwerb betreiben.


Mit viel Liebe haben sie einen alten, sehr großen Kuhstall mit einer Wohnung für sich, einem großen Ferienapartment für sechs Personen und einem kleineren für zwei Personen ausgebaut, die auch miteinander verbunden werden können, so dass kleine Gruppen oder große Familien hier bequem wohnen können.

Seminarfoto__49.jpgIm angrenzenden Gebäudeteil finden die Pferde – vier eigene und zwei Gastpferde geräumige Boxen. Außerdem gibt es drei Boxen mit sehr großen angrenzenden Paddocks, in denen drei Pferde gemeinsam oder – wie in unserem Fall zwei Pferde und ein weiteres durch einen Zaun getrennt – sozusagen ein Haus mit Garten beziehen können. Zwischen Mai und November können Gastpferde auch Koppeln nutzen. In einer alten ehemaligen Gutsremise bieten derzeit zwei großzügige und perfekt eingerichtete Ferienwohnungen jeweils vier Personen gemütlichen Raum.

Den Gästen steht auch ein großer Bauerngarten zur freien Verfügung, in dem Jahreszeiten-abhängig diverse Obst- und Beerensorten geerntet werden. Für lange Abende unter freiem Himmel sind Grillplätze vorhanden.

Weiterreiter im wahrsten Sinne des Wortes

Seminarfoto__29.jpgAber das Wichtigste an der Region rund um die „WeiterReiter“ ist ja – wie der Name vermuten lässt – das „weite Reiten“. Und dafür gibt es hier mehr als ausreichend Gelegenheit für Menschen mit eigenen Pferden, die es sich hier für ein paar Tage gut gehen lassen möchten, oder auch für Wandereiter auf ihrer Reise durchs Mecklenburger Parkland.

Das Osterwochenende 2015 stand unter dem Motto „Oster Trainingslager für Distanzreiter“, an dem wir ausreichend Gelegenheit hatten, die Region auf langen Ausritten, teils in sehr sportlichem Tempo, kennenzulernen. Auch im Jahr 2016 finden wieder Trainingswochenenden statt.

Alternativ hätten wir uns auch entweder eine Reitwegekarte oder ein GPS-Gerät mit entsprechendem Kartenmaterial leihen können, um die Gegend allein zu erkunden.

Seminarfoto__19.jpgAuch außerhalb fester Termine begleiten Caro, Wanderrittführer VFD & FN, und/oder Lothar auf Wunsch ihre Gäste quasi privat und zeigen ihnen auf Halb- oder Ganztagestouren die schönsten Reitwege – oder besser – Wege, auf denen man auch reiten kann. Denn ausgeschilderte Strecken sucht man hier vergebens. So können sich Reitergruppen z. B. zu den umliegenden Gutshäusern oder ins Recknitztal führen lassen. Auch individuelle Wünsche wie Trainingsritte fürs Distanzreiten oder Ausbildung von Pferd und Reiter versuchen die beiden zu erfüllen.

Wie einst mecklenburgische Junker

Die Runde am ersten Tag führte uns auf insgesamt 26 Kilometern von Wardow über Vipernitz und das Griewer Holz bis zum Feriengut Dalwitz. Die Wege wechseln zwischen federndem Waldboden, betonierten Feldstraßen mit Grasmittelstreifen und weichen Feldwegen. Gelegentlich wird es etwas hart, so dass Hufschutz zu empfehlen ist. Mitten im Wald liegen idyllische Sumpflandschaften, von weitem ist schon der laute krächzende Schrei der Kraniche zu hören, die auf den weiten Wiesen bei der Futtersuche zu beobachten sind.

Seminarfoto__6.jpgIn Dalwitz angekommen, reitet man durch den Durchgang des historischen Torhauses und fühlt sich angesichts des kleinen Schlösschens des Grafen Bassewitz kurz in die Zeit der mecklenburgischen Junker zurückversetzt. Heute können sich Pferde und Menschen ein wenig ausruhen und ganz entspannt kühle oder heiße Getränke genießen.

Seminarfoto__7.jpgFür die Pferde gibt es einen Anbindebalken und, falls man sich vorher anmeldet, sicherlich sogar eine Box, so dass man auch, ein bisschen mehr Zeit vorausgesetzt, ausführlich Kaffee und Kuchen oder sogar ein schmackhaftes Essen im Hof-Restaurant „Remise“ genießen könnte.

Seminarfoto__20.jpgAm zweiten Tag ging es – diesmal über 33 Kilometer mit einer Pause auf einer großen Stilllegung – ins Recknitztal und durch die hügelige „Hölle“. Kilometerlange herrliche Wege, romantische Flusslandschaften und hügelige Stilllegungen beeindrucken uns auf dieser Tour. Zudem kamen wir an beeindruckenden Gutshäusern Wesselstorf und Kobrow vorbei, die teilweise auch als Feriendomizile gebucht werden können.

Nach zwei anstrengenderen Reittagen gab es am Sonntag auf Wunsch der Gäste nur einen gemütlichen Ritt durch die an das Gut angrenzenden Felder und Wälder, am vierten Tag führte uns der Weg von Wardow über Vipernitz und Wozeten wieder zurück zum heimatlichen Stall.

Ein bisschen Theorie

Seminarfoto__46.jpgEin Thema während des Oster Trainingslagers für Distanzreiter war auch eine Lehrstunde zu den sog. „Vet-Checks“, wie die Routine-Gesundheitsuntersuchungen vor und während der Distanzritte heißen. Wie es der Zufall so will, war eine Teilnehmerin des Osterlehrganges Tierärztin, die anschaulich erklärte, wie man an den Ganaschen Puls misst, die Pferdebeine abtastet und die Atemzüge zählt. Auch das Vorführen an der Hand zur Überprüfung des Gangbildes wurde demonstriert.

Gemütliches Miteinander

Besonderes Lob erhielten Caro und Lothar für ihre Gastfreundschaft und die gemütlichen Mahlzeiten morgens und abends, die nach dem Motto „jeder hilft mit“ abliefen. So begannen die Tage mit einem umfangreichen späten Frühstück, am ersten Abend genossen wir ein schmackhaftes Eintopfgericht mit süffigem Rotwein, am Sonntagabend ein Vier-Gänge-Menü u.a. mit leckerem Wildschwein.

Seminarfoto__37.jpgAm Ostersamstagabend wartete eine besondere Attraktion auf uns: Ein großes Osterfeuer in einer ehemals englischen, jetzt aber doch eher wilden Parkanlage mit Jahrhunderte alten Bäumen und bunten Pfauen, und anschließend ein ausladendes Candlelight Dinner-Buffet mit Schweine- und Rinderbraten sowie jeder Menge Salate. Dazu lädt Gastgeber Knut Splett-Henning in sein Gutshaus Rensow regelmäßig ein und bemerkt bescheiden, man solle in einen Spartopf als Honorar das hineinlegen, das es einem Wert gewesen sei.

Zuvor hatten wir die Gelegenheit, das barocke Gutshaus mit seinen für Feriengäste liebevoll restaurierten Räumen und antikem Mobiliar, alten Öfen und aufmerksam platzierten ausgesuchten komplementierenden Einzelstücken aus Porzellan, Metall oder Glas näher zu besichtigen.

Rundum perfekte Erholung

Seminarfoto__32.jpgEin paar Tage bei den WeiterReitern auf Gut Wardow, im Einklang mit seinen Pferden und der auf weiten Strecken unberührten Natur, ist Erholung pur. Die Wegestrecken können je nach Kondition von Ross und Reiter von kleinen Runden bis hin zu vielen Kilometern langen Ritten gewählt werden. Auf Wunsch und nach vorheriger Anmeldung ist es auch möglich, in einigen der benachbarten Gutshäuser einzukehren. Auch Wanderreitern bieten die WeiterReiter gerne ein Quartier und, falls es gerade gut passt, einen fröhlichen Abend mit schier unendlichem Fachsimpeln über das schönste Hobby der Welt.

Weitere Informationen

WeiterReiter
Caroline Brauer
Dorfstrasse 14
18299 Wardow
Telefon 038459-67867
Mobil: 0174 - 9858821
Mail: info@weiterreiter.de
Web: www.weiterreiter.de

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Gut Wardows Geschichte

Der Name Wardow taucht im Jahre 1270 erstmalig in einer Urkunde auf. Damals führte zu dieser Zeit eine nördliche „Via Regia“ von West nach Ost. An dieser königlichen Handelsroute war in Polchow eine Raststätte, während nordöstlich des heutigen Gutshauses in Wardow eine Wallburg lag. Die Erdanlage des Burgwalls ist noch erhalten.

Während zu Beginn noch von Klein Wardow und Groß Wardow die Rede war, sprach man ab dem 16. Jahrhundert nur noch von einem Gut Wardow. Klein Wardow gehörte damals der Familie von Hahn aus Basedow. Das Gut Klein Wardow wurde im Jahre 1405 an die von Lehsten verpfändet. Im Laufe des 15. Jahrhunderts erwarben sie auch Groß Wardow. Wardow blieb über mehrere Jahrhunderte hinweg Stammgut der Familie von Lehsten. Im Jahre 1728 erwarb Heinrich Graf von Bassewitz das Gut Wardow mit Jahmen und Wozeten. Dieses wird unter anderem auch durch den „Reisebericht“ aus „Nimrods Tagebuch“ aus dem Jahre 1828 bestätigt. 1870 erwarb dann Johann Mierendorf das Gut. Als dieser dann um 1900 herum verstarb, vererbte er das Gut an seine vier Töchter. Zwei, namentlich Hedwig Groth und Amanda von Ammon behielten es bis zu seiner Auflösung 1934. Bis zum weiteren Verkauf an Frau Bertha Mauch im Jahre 1941 gehörte das Gut der Mecklenburgischen Landgesellschaft. Bereits ein Jahr später wurde das Gebäude als „Maidenlager“ genutzt. Nach 1945 gab es unterschiedliche Nutzungen: Ab Mitte der 1950 er Jahre wurde das Gutshaus bis 2002 als Schule genutzt. Seit dem Sommer 2008 hat das inzwischen sehr stark vereinfachte Gutshaus neue Eigentümer, die Gebäude und Park renovieren.

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