Tipps für das Pferdeanhänger-Training: Kommunikation ist alles

Von Sabine Justiz Reyna, Trainerin B Westernreiten, geschrieben am 15.08.2010

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Die richtige Kommunikation mit dem Fluchttier Pferd ist das A&O für das erfolgreiche Verladetraining und eine sichere Fahrt.

Sabine Justiz Reyna, Trainerin B Westernreiten,  informiert in dem folgenden Beitrag über zwei verschiedene Verladetechniken und die entscheidenden Sicherheitsaspekte beim Be- und Entladen und während der Fahrt.

Das Pferd ist ein Flucht- und Herdentier. Die Herde ist eine Gemeinschaft, in der klare Regeln herrschen. Jedes Mitglied der Gemeinschaft hat eine Position in der Rangfolge. Das Alpha-Tier ist das ranghöchste. Seine Aufgabe ist es, Gefahren rechtzeitig zu erkennen, Entscheidungen zu treffen und für Ordnung zu sorgen. Wenn das Alpha-Tier Schwäche zeigt, wird seine Position sofort in Frage gestellt. Die Herde folgt dem Leittier nur, wenn sie ihm vertraut.

In der Arbeit mit dem Pferd musst du die Position des Alphas einnehmen. Als Alpha- oder Leittier wird das Pferd dir freiwillig folgen und angstfrei das tun, was du von ihm erwartest – zum Beispiel in einen Anhänger steigen.


Kommunikation ist die Basis...

...für das gegenseitige Verstehen. Die Kommunikation der Pferde untereinander läuft nach einem sehr einfachen Muster: Mit ihrer Körpersprache strahlen sie eindeutige Signale aus, die von den anderen Herdenmitgliedern klar empfangen werden und nicht in Frage gestellt werden, sie sind klar, eindeutig und direkt!

Das Pferd wird für den Menschen nur freiwillig etwas tun, wenn es ihm vertraut. Damit dein Pferd dir vertrauen kann, wenn du es verlädst, du also in eine angemessene Alpha-Rolle schlüpfst, sind ein paar Regeln der Körpersprache zu beherrschen:

Wenn du dein Pferd verladen musst, sei es um zum Turnier zu fahren, in die Klinik oder in einen neuen Stall, versetze dich immer in die Lage des Pferdes. Pferde, die häufigen Transport nicht gewohnt sind, reagieren oft mit Angst oder gar Panik: schlechte Voraussetzungen, um sicher zu verladen.

Immer mit der Ruhe!

Schaffe eine ruhige Atmosphäre, in der sich das Pferd und du selbst wohl fühlen.

Anhänger an einem dem Pferd bekannten Platz, evtl. entlang eines Zauns parken


Es gibt grundsätzlich zwei verschiedene Situationen:

Die erste Möglichkeit ist sicher die einfachere. Nimm dir zwei Helfer, die schon öfter Pferde verladen haben und nicht nur zugesehen haben! Positioniere sie links und rechts der Rampe, ein Stück vom Anhänger entfernt. Beiden gibst du eine Longe in die Hand, die zusätzlich seitlich am Anhänger befestigt wird. Du führst das Pferd auf die Rampe (nicht zum Pferd umdrehen – es wird dies als Angriffshaltung verstehen!) und gibst dem Pferd genug Seil, dass es nicht gezogen wird.

Die Helfer gehen nun hinter dem Pferd (Abstand halten) herum und tauschen die Plätze. Dabei werden die Longen ganz locker um das Pferd gelegt. Dabei bitte darauf achten, dass das Seil oberhalb des Sprunggelenks liegt. Nicht so hoch, dass das Pferd darunter durch laufen kann, aber nicht so tief, dass es sich mit den Beinen verheddert.

Die Seile geben dem Pferd nun eine Anlehnung und Sicherheit. Wichtig ist, dass die Helfer erfahren sind, sie müssen wissen, wann sie etwas Druck am Seil ausüben müssen und wann nicht. Wenn dein Pferd sich an diese Verladetechnik gewöhnt hat, wirst du es auch ohne Seile, nur mit 2 Helfern, die sich links und rechts positionieren, verladen können. Die Helfer können dann unterstützend ihren vom Hänger weg zeigenden Arm an das Pferd legen, um ihm Sicherheit zu vermitteln.

Steht das Pferd nun auf dem Anhänger, schließt einer der Helfer die Stange (Achtung: nicht hinter dem Pferd stehen, sondern seitlich) und beide Helfer nehmen die Klappe seitlich hoch und verschließen sie. Erst danach (!!) kannst du dein Pferd anbinden und hinaus gehen. Belohne dein Pferd mit einem Leckerbissen.

Beim Abladen gilt unbedingt diese Reihenfolge:


Die Helfer platzieren sich wieder seitlich neben der Rampe links und rechts und helfen dem Pferd beim Rückwärtstreten, indem sie ihre Hände leicht an die Flanke legen. Du musst beim Herausführen deines Pferdes darauf achten, dass es nicht seitlich von der Klappe rutschen kann. Richte den Kopf des Pferdes ganz leicht zur Wandseite und führe es hinaus, es wird dann eher in die Mitte der Rampe treten.

Alleine verladen

Solltest du in Situation 2 sein, also dein Pferd ganz alleine verladen müssen, ist es notwendig, das Verladen so zu üben, dass das Pferd alleine auf dein Kommando hinein geht. Wenn du voraus gehst, das Pferd auf den Anhänger stellst und durch die Tür wieder hinaus gehst, um die Stange hinten zu schließen, besteht die Gefahr, dass dein Pferd in der Zwischenzeit wieder rückwärts vom Anhänger steigt.

Es gibt die Möglichkeit, mit Hilfe einer sehr langen Longe (etwa 30 m) zu trainieren, dass das Pferd auch ohne den Menschen auf den Anhänger steigt. Nimm dein Pferd an die Longe. Das andere Ende wird im Innenraum über die vordere Stange geschlungen. Du hältst es von draußen fest und gehst beim Verladen hinten um dein Pferd herum, genauso wie es in Möglichkeit 1 die Helfer getan haben.

Steht das Pferd auf dem Anhänger, schließt du die Stange und die Klappe und gehst dann erst vorne durch die Tür hinein, um dein Pferd anzubinden. Wenn du dein Pferd trainieren möchtest, alleine auf den Anhänger zu gehen, starte zunächst mit heraus genommener oder zur Seite geklappter Trennwand, dann fällt es dem Pferd erheblich leichter.

Es ist nicht leicht, dieses Training alleine durchzuführen, wenn du wenig Erfahrung hast. Es empfiehlt sich immer, ein Verladetraining bei einem professionellen Trainer zu buchen. Besonders dann, wenn du ein ängstliches Pferd hast oder dein Pferd schlechte Erfahrungen gemacht hat.

Nicht gleich losfahren!

Denke immer daran, dass du dein Pferd öfter verladen möchtest. Das heißt, wenn du es nach einigem Üben »endlich« geschafft hast, dass das Pferd auf dem Anhänger steht, fahre nicht sofort los, sondern bring es zurück auf die Weide und wiederhole die Übungen in den nächsten Tagen. Nur so schaffst du eine solide Vertrauensbasis und die bevorstehende Fahrt auf dem Anhänger wird für dein Pferd zur Selbstverständlichkeit.

Während der Fahrt beachte stets, dass es keineswegs einfach für ein Pferd ist, Kurven, bremsen und beschleunigen im Stehen auszugleichen. Wer schon einmal in einem vollen Bus stand ohne eine Möglichkeit sich festzuhalten, kann in etwa nachvollziehen wie es sich für das Pferd anfühlen muss.




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