Mit schlauer Strategie Schnäppchen sichern: Gebrauchte Zugfahrzeuge unter 5.000 Euro

Von Doris Jessen, geschrieben am 23.02.2016

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JeepGRandCherokee2000_Range_of_Motors.JPGWer ein leistungsstarkes Zugfahrzeug in der Größenordnung ab 2,5 Tonnen Anhängelast benötigt, muss entweder tief in die Tasche greifen oder einen Gebrauchtwagen im Alter von zehn Jahren und mehr mit vielen Kilometern auf der Uhr kaufen: In dieser Kategorie gibt es ausreichend Auswahl an großen SUVs und Geländewagen ab 3.000 Euro. Allerdings ist hier strategisches Vorgehen angesagt: Genau zu prüfen, welche Modelle „langlebig“ sind, wo eventuelle bekannte Schwachstellen sitzen, eine Probefahrt vereinbaren und möglichst ein Gebrauchtwagengutachten einholen. Das kostet ein wenig Zeit, kann aber viele tausend Euro sparen.

Sie brauchen ein Zugfahrzeug für Ihren Pferdeanhänger und wissen nicht so genau, worauf hier zu achten ist? Grundsätzlich wichtige Informationen finden Sie hier.

Hauptfahrzeug oder Zweitwagen?

Ein Pferdeanhänger-Zugfahrzeug als Zweitwagen? Warum nicht! Diese Frage stellt sich für Reiter, die zuhause arbeiten, in der Stadt wohnen und täglich mit der Bahn zur Arbeit fahren und / oder sogar zur Stallfahrt kein Auto brauchen. Oder nur für kurze Stadtstrecken, für die sich Hybridfahrzeuge oder gar die neuen Elektroautos eignen, die ihre Energie komplett aus der Steckdose beziehen. Sie haben viele Vorteile, nur eines können sie mit Sicherheit nicht: Einen schweren Pferdeanhänger mit zwei Tonnen und mehr schleppen. Dafür braucht man schwereres Gerät. Wenn das auch noch günstig in der Anschaffung sein soll, gilt es genau zu überlegen, was man wirklich braucht.

Das Bild zeigt zwei Toyota Landcruiser Modelle aus den späten 90er Jahren, die heute relativ günstig zu bekommen sind.

Groß = teuer?

Soll der Pferdeanhänger überwiegend zur Sommerzeit an den Wochenenden für kürzere Ausreittrips oder zu gelegentlichen Turnierbesuchen angehängt werden, kommen im Jahr kaum mehr als 3.000 bis 6.000 Kilometer zusammen, und dafür ist der Kraftstoffverbrauch des Zugfahrzeuges nicht das führende Kriterium. Hier zählen eher der Anschaffungspreis und die KFZ-Steuer, die bei alten Dieselfahrzeugen fast doppelt so teuer ist wie bei „Benzinern“.

SchnaeppchenAUfmacher.jpgAls „Zweitwagen“ für Pferdeanhängerfahrten – speziell, wenn er viel Platz bieten und schwere Lasten ziehen soll – können ältere SUVs oder Geländewagen in der Benzin-Variante, die viele Kilometer gefahren und daher vergleichsweise preisgünstig sind, durchaus noch viele Jahre treue Dienste tun. Sie haben zudem den Vorteil, dass die ältere Technik einfacher zu reparieren ist als die hochmoderne Elektronik. Alte Dieselfahrzeuge sind in der Anschaffung meistens teurer und haben oft den Nachteil, noch keine Zulassung für Umweltzonen zu besitzen, und will’s der Teufel, muss man einmal wegen eines Staus auch mitten durch eine Stadt. Als Beispiele seien hier – in alphabetischer Reihenfolge und ohne Wertung - genannt: BMW X5, Jeep Grand Cherokee, Mercedes ML, Mitsubishi Pajero, Range Rover, Toyota Landcruiser, oder VW Touareg.

Der ADAC bietet auf seiner Webseite Fahrzeugtests von bereits nicht mehr aktuellen Modellen und Gebrauchtwagen an, in denen so ziemlich jedes Detail bis zu den monatlichen Kosten erfasst ist. Auf der Homepage der DEKRA lassen sich unter "Gebrauchtwagenreport"  verschiedene Modelle bis zu einer Laufleistung von 150.000 km vergleichen.

Guter Rat günstig: Networking nutzen!

Eine halber Stunde „Surfen“ durch die einschlägigen Internetverkaufsplattformen gibt bereits einen guten Überblick, welche Fahrzeuge ab rund 3.000 Euro zu haben sind. Obwohl Hersteller und Modelle Geschmackssache sind, lohnt es sich, bei Auto- oder noch besser Geländewagen-erfahrenen Freunden und Bekannten – in den meisten Reitställen gibt es solche „Fans“ – nachzufragen, ob hier oder da auf in Insiderkreisen bekannte Schwachstellen zu achten ist.

Leider ist eine pauschale Aussage, bis zu welchem Baujahr und/oder welcher Kilometerleistung man ein Fahrzeug guten Gewissens kaufen kann, nicht möglich. Wir haben Heiko Wolfram vom ADAC-Technikzentrum in Landsberg am Lech gefragt, worauf zu achten ist: „Der Zustand eines gebrauchten Fahrzeugs hängt von vielen Faktoren ab. Wesentlich dabei ist natürlich die Laufleistung, allerdings durchaus in Verbindung mit den Nutzungsbedingungen wie Langstrecke oder Stadtfahrzeug, Flachland oder Berge sowie Anhängerbetrieb. Hinzu kommt das Alter, wobei bestimmte Fahrzeugteile auch unabhängig von der Laufleistung altern“, so der Techniker.

Auch Internetplattformen wie z.B. das Offroad-Forum (mit Kaufberatung), Viermalvier oder auch Motor-Talk bieten jede Menge Ratschläge, wenn es darum geht, spezielle Fragen zu bestimmten Modellen zu beantworten. Vielleicht kennt der eine oder andere sogar eine freie Werkstatt am Wohnort, die Hilfestellung geben kann und später für Serviceleistungen und Reparaturen zur Verfügung steht.

TÜV neu und technisch einwandfrei?

Auf jeden Fall ist es anzuraten, einen Wagen mit relativ neuer Hauptuntersuchung zu kaufen. Die bekannte Scheckheftpflege kann sicherlich nicht schaden, ist aber oft bei alten Autos nicht mehr aktuell, da die Garantien schon lange abgelaufen sind und der Fahrer sich auf Ölwechsel und nötige Reparaturen von Verschleißteilen wie Bremsen beschränkt hat.

Ein sicherer Weg ist, für die Beurteilung des aktuellen Status einen erfahrenen Fachmann hinzuziehen, oder eine unabhängige Gebrauchtwagenprüfung (ADAC, GTÜ, TPV, DEKRA o.ä.) durchführen lassen, um sich vor unliebsamen Überraschungen zu schützen.

Anhängerkupplung ja oder nein?

Auf den ersten Blick mag es naheliegen, sich von vorneherein auf Wagen mit Anhängerkupplung zu konzentrieren. Doch dabei ist Vorsicht geboten, wie Heiko Wolfram weiß: „Bei Anhängerfahrten wird naturgemäß das Zugfahrzeug höher belastet, als ohne Anhänger. Das betrifft in erster Linie den Antriebsstrang vom Motor über Kupplung/Wandler und Getriebe zu den Antriebsrädern. Auch kann die Bremsanlage höher belastet werden, insbesondere bei falsch eingestellter oder verschlissener Auflaufbremse des Anhängers. Besondere Beachtung beim Gebrauchtwagenkauf verdienen also die Kupplung und die Bremsen.“

Im Zweifel ist es also günstiger, einen Wagen mit einer neuen Anhängerkupplung auszustatten (SUVs und Geländewagen können damit in manchen Fällen sogar eine Anhängelasterhöhung bekommen), als einen bereits vorbelasteten Lastenesel zu kaufen. Sind letztere im Betrieb von Garten- und Landschaftsbauern, Imbissbudenbesitzern oder Marktbeschickern gelaufen, sollte man eher die Finger davon lassen. Wurde mit dem Fahrzeug dagegen nur zweimal pro Jahr ein Segelboot vom Trockendock zum nahegelegenen See transportiert oder gelegentlich ein Pferd zu einem Turnier gefahren, ist das sicherlich kein Grund, das Fahrzeug nicht zu kaufen.

Vom Händler oder privat?

Die Mehrzahl der angebotenen alten Fahrzeuge wird von Händlern angeboten. Hier hat der Käufer den Vorteil, dass er auch bei einem Gebrauchtwagen zwölf Monate Gewährleistungsrechte hat. Umgekehrt sind die Preise bei Privatanbietern oft etwas günstiger.

Vorsicht bei „besonderen Schnäppchen“!

„Bei überraschend billigen Schnäppchen sollten Sie das Fahrzeug besonders kritisch begutachten“, warnt die Initiative „Sicherer Autokauf im Internet“, die Anfang 2007 von den führenden Internet-Fahrzeugmärkten AutoScout24 und Mobile.de zusammen mit den ADAC ins Leben gerufen wurde, auf ihrer Webseite "Sicherer Autokauf": „Es könnte sich dabei um ein Importfahrzeug aus den USA handeln, das als nicht mehr straßentauglich deklariert wurde und daher in den USA nicht mehr verkauft werden kann. Vereinzelt kommt es vor, dass Fahrzeuge mit Flut- oder Unfallschäden nicht, wie durch die dortigen Versicherungen vorgesehen, ausgeschlachtet, sondern nach Europa exportiert und weiterverkauft werden. Die Fahrzeuge werden in Ländern wie Polen oder Litauen möglichst billig und nicht fachgerecht repariert. So werden teilweise bereits ausgelöste Airbags nicht durch neue ersetzt, sondern durch elektrische Wiederstände nur simuliert. Im Fall der Fälle sind solche Mängel möglicherweise lebensgefährlich.“

Zeit und Geduld

Sicherlich ist es zeitaufwändig und man braucht wohl auch ein wenig Geduld, um alle wichtigen Informationen zu dem gewünschten Modell zusammenzutragen. Am Ende kann es sich aber lohnen, weil auf diese Weise viel Geld gespart werden kann schließlich ein Fahrzeug auf dem Hof steht, das noch viele Jahre einen ordentlichen Job macht.

Und nun viel Spaß bei der Suche nach dem geplanten Fahrzeug und allzeit gute Fahrt!



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