Rückfahrkameras: Bestechend einfach?

Von Doris Jessen, geschrieben am 03.03.2016

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RFC_PAssat_.jpgJeder Anhängerfahrer kennt das Problem: Beim rückwärtigen Andocken ist Millimeterarbeit gefragt. Sehr erleichtert wird dies durch eine Rückfahrkamera. Aber welche ist die Passende für das jeweilige Gespann? Am einfachsten – und im Übrigen auch am empfehlenswertesten – ist es, ein neues Fahrzeug mit eingebauter Rückfahrkamera zu kaufen. Diese funktioniert, liefert ein in der Regel ein gutes Bild und erspart jeglichen Ärger mit nachträglich ein- oder angebauten Produkten. Wer aber nun nicht das Glück hat, so ein „fertiges“ Auto zu besitzen, begibt sich auf die Recherche nach dem Kamerasystem. Und die Internetsuchmaschine liefert eine schier unübersichtliche Auswahl an Funk- und Kabel-gebundenen Varianten.

Betrachtet man die Produkte näher, erscheinen sie, vor allem die Funk-gesteuerten, praktisch klein und fast „Plug & Play“: „Drahtlose Rückfahrkamera im Nummernschild integriert – robust, zuverlässig, einfach zu montieren.“

Wirklich einfach?

Klingt bestechend einfach. Und so haben wir es ausprobiert und die Nummernschildkamera samt Monitor mit Saugnapfhalterung per Internet gekauft. Ganz so simpel war dann die „einfache Montage“, die ja den Schluss nahelegt, jeder mittelmäßig begabte Mensch könne die Kamera selbst einbauen, aber doch nicht: Wichtigste Frage: Woher kommt der Strom? Der Monitor wird einfach an die 12-V-Steckdose angeschlossen, aber die Kamera am Heck? Am Kabel für die Kennzeichenbeleuchtung? Oder mit dem Rückfahrscheinwerfer kombiniert, was am meisten Sinn machte?

Nun haben wir glücklicherweise einen gelernten Telekommunikationstechniker mit allumfassender Begabung für alles Handwerkliche im Reiterkreis, der sich des Problems annahm.Bei dem vorhandenen Nissan X-Trail ist das Kennzeichen in die Heckklappe integriert, also musste die Innenverkleidung dafür abgenommen werden, um an die Stromverkabelung zu gelangen. Dafür ist schon etwas mehr Know-how erforderlich. Das gilt dann umso mehr für das Auffinden der richtigen Kabel. Mit der Kennzeichenbeleuchtung ging es – warum auch immer nicht, mit dem Rückfahrscheinwerfer auch nicht.

Kurz gesagt: Am Ende hat es funktioniert (übrigens in Kombination mit dem Rücklicht), die „leichte Montage“ dauerte drei Stunden und das Monitorbild war durch unschöne Streifen oder Ruckeln gestört. Auskunft des Herstellers: „Manchmal werden die Funksignale durch die Autoelektrik gestört, leider weiß man aber nie, mit welchen Modellen das passiert“. Ah ja. Nun blickten wir beim Ankuppeln auf das wackelige Bild, aber für die wenigen Minuten der Positionierung des Kugelkopfes unterhalb des Kupplungsmauls des Pferdeanhängers war die Übertragungsqualität ausreichend. Nach fünf Jahren blieb der Bildschirm schwarz, was nun die Frage nach einem neuen System aufwarf.

Kabel- oder Funksystem?

Diesmal erschien es sinnvoll, sich gleich an einen Fachmann zu wenden. Wieder lieferte Google tausende Ergebnisse, darunter auch den Technikshop24, dessen sehr kompetenter Herr Urbat auch umfassend Auskunft gab: „Wenn Sie eine vernünftige Lösung einbauen möchten, kann ich eher Kabel-gebundene als Funksysteme empfehlen. Das gilt besonders dann, wenn Sie zusätzlich eine Kamera am Pferdeanhängerheck installieren möchten. Die Funkstrecke ist dafür einfach zu lang. Der Einbau sollte in einer Fachwerkstatt erfolgen, die mit diesen Systemen ERfahrung haben“, so die Auskunft. Am besten, so Urbat weiter, wende man sich an seine Werkstatt und frage dort nach, welches System sie für welches Fahrzeugmodell empfehlen, denn auch da gebe es wiederum Unterschiede.

Problematisch an den günstigen Funksystemen ist auch, dass sie nicht immer die hierzulande erforderliche ECE-Zulassung haben und daher gar nicht für den Einsatz auf deutschen Straßen zugelassen sind.

Zudem gibt es nur vier Funkfrequenzen, die für derlei Übertragungen zugelassen sind und so kann es passieren, dass auch Überwachungsbereiche anderer Kameras in der Nähe auf den eigenen Monitor geraten. Allerdings wird dieses Risiko an den Orten, an denen der Pferdeanhänger typischerweise angekuppelt wird, nämlich auf den Parkplätzen eines Reitstalls, eines Reiterhotels oder auch auf einem Turnier, wohl eher gering sein.

Am besten im Fachbetrieb

Dass auch die „normale“ freie Autowerkstatt für den Einbau einer Rückfahrkamera lieber einen Betrieb empfiehlt, der sich auf Kommunikationssysteme im Auto spezialisiert hat, zeigte sich beim ersten Testanruf der eigenen Werkstatt: „Da empfehle ich Ihnen car akustik Billstedt, die kennen sich mit sowas aus. Bei uns dauerte eine Nachrüstung zu lange und würde damit zu teuer“, so das Autohaus Turan in Hamburg.

Gesagt, getan und auf zum Fachbetrieb. Rainer Klimeck bei car akustik Billstedt bestätigte die Empfehlung für ein kabelgebundenes System, wobei die Kamera mit ab rund 100 Euro noch das preisgünstigste Element der Lösung ist. Dazu kommen die stundenlohnabhängige Kameramontage und natürlich der Monitor, ebenfalls in verschiedenen Preiskategorien. Sie beginnen im kleinsten Format ähnlich wie bei den preiswerten mobilen Navigationssystemen zum Einstecken in die 12V-Buchse. Die nächst komfortablere Version ist ein etwas größerer Monitor zum Auf- und Abklappen mit festem Stromanschluss, wobei dieser natürlich am Armaturenbrett fachgerecht angebracht werden muss. Wer es noch eleganter möchte, kann auch ein (neues) Autoradio mit Touchscreen-Display einbauen lassen, das mit der Kamera kompatibel ist und verbunden wird. Mit Glück und entsprechendem Montageaufwand ist es sogar mit den heute meistens vorhandenen Lautstärkeregelungen am Lenkrad kombinierbar.

Kostengünstig sind derlei Profi-Nachrüstungen allerdings nicht: Mit Kauf und Einbau in einer Fachwerkstatt summieren sich die Teile mit Montage je nach Luxusgrad schnell auf mehrere hundert bis tausend Euro.

Auf im Internet gekaufte Systeme lassen sich Fachwerkstätten ungern ein, da sie mit ihren eigenen Produkten mehr Erfahrung haben und auch genau wissen, wo beim Einbau und er Funktionalität die Tücke im Detail liegen kann. Und da ein guter Anteil der Kosten stundenabhängig ist, kann so eine vermeintlich billige Lösung am Ende durch zwei bis drei Arbeitsstunden Mehraufwand am Ende doch sehr teuer werden.

Praktisch und gut: WLAN-Kameras mit Handy-App

dnt_bild.jpgNeben den aufwändig verkabelten und Funksystemen mit Monitor gibt es auch Rückfahrkameras mit WLAN-Sendern und spezieller App, die ihr Bild auf ein Smartphone übertragen, sobald diese App (für Iphone und Android gleichermaßen kostenlos erhältlich) installiert ist. Dafür ist keine Verkabelung erforderlich. Eine nach Auskunft des Herstellers Lescars am Markt auslaufende Lösung (noch erhältlich über PEARL) sieht sogar vor, das Stromkabel nicht fest anzuschließen, sondern dies via 12-V-Stecker an der entsprechenden Steckdose zu tun.

Dieses System klang auch für Laien einfach installierbar und die Firma dnt war so freundlich, ihre RFK WIFI als Testsystem zur Verfügung zu stellen. Es funktionierte tatsächlich einfach und gut - mehr dazu im Testbericht auf diesem Portal.



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