Routine-Check für Pferdeanhänger

Von Doris Jessen, geschrieben am 07.03.2011

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01_Gepflegter_gebrauchter_Anh__nger_hde.JPGWer seinen Pferdeanhänger längere Zeit nicht bewegt hat, tut gut daran, das Fahrzeug genau zu überprüfen. Wir haben ein paar Experten um Rat gefragt und viele interessante Tipps erhalten.

Wenn der Pferdeanhänger oft mehr als ein halbes Jahr meistens im Freien gestanden hat, war er oft längeren Frostperioden ausgesetzt, die an vielen Fahrzeugen ihre Spuren hinterlassen haben. „Jetzt ist es an der Zeit, das Fahrzeug innen und außen am bestem mit klarem Wasser zu reinigen. Der jährliche Frühjahrs-Check sollte dann nicht nur die klassischen Verschleißteile wie Bremsen und Radlager, Beleuchtungsanlagen, Kupplungen und Scharniere umfassen, sondern auch die Transportböden und Seitenwände. Denn vor allem hier können sich kleine versteckte Schäden finden, die, werden sie nicht rechtzeitig repariert, auf lange Sicht zur Verrottung des ganzen Fahrzeuges führen können“, erklärt Dr. Uwe Meyer, Mitglied der Geschäftsleitung des fränkischen Anhängerherstellers WM Meyer.

Die Bremsen

Besondere Beachtung bei der Anhängerüberprüfung erfordern die Bremsen in Verbindung mit der Auflaufeinrichtung und -dämpfer. Beides kann durch lange Standzeiten verursachtes Schwitzwasser rosten, daher ist jetzt im Frühjahr das Abschmieren der Bremsseilzüge an den dafür vorgesehenen Schmiernippeln wichtig. „Die Bremsen sind in aller Regel nicht selbst nachstellend und müssen daher regelmäßig in einer Fachwerkstatt nachgestellt werden. Bei 5.000 bis 10.000 km jährlicher Fahrleistung ist mindestens eine Justierung pro Jahr empfehlenswert – der perfekte Zeitpunkt ist also jetzt im Frühjahr für eine sichere Fahrt durch den Sommer“, empfiehlt Klaus Böckmann.

Wer eine für Pferdeanhänger eher seltene hydraulische Bremsanlage hat, braucht sich weniger Sorgen zu machen, weil hier keine Seilzüge kaputt gehen können. Allerdings sollte der Behälter der Bremsflüssigkeit regelmäßig kontrolliert werden. Die Führung der Auflaufvorrichtung muss ebenfalls gegen Verrosten regelmäßig mit Lagerfett geschmiert werden. Bei Schäden kann die Auflaufeinrichtung auch komplett ausgetauscht werden. Beim Service sollte auch das Radlagerspiel an den Achsen überprüft werden: Dafür wird der Anhänger aufgebockt und die Räder auf vertikales Spiel getestet.

Die Kupplung5_RR_Check_Kupplung_Verschleissanzeige.JPG

Um die Abnutzung sowohl des Kugelkopfes als auch des Kupplungsmauls am Anhänger anzuzeigen, verfügen die klassischen Zugkugelkupplungen über eine sog. Verschleißanzeige mit roten und grünen Feldern. „Da die üblichen Kugelköpfe 50 mm Durchmesser haben, liegt das  Normmaß auch bei 50 mm Durchmesser, das minimale Verschleißmaß beträgt 49 mm. Der Kugelkopf des Zugwagens darf nie spürbares Spiel aufweisen, sonst könnte sich der Anhänger im schlimmsten Fall „losrütteln“, so Dr. Uwe Meyer. Wenn die Kupplung des Anhängers ausgeschlagen oder der Kugelkopf des Zugfahrzeuges abgenutzt ist, hilft nur der Austausch der jeweiligen Komponente.

Die Beleuchtung

11_RR_Check_WM_Meyer_NevReno_Beleuchtung.JPGEigentlich vor jeder Fahrt, besonders aber im Frühjahr oder nach einer längeren Standpause sollte die Beleuchtung geprüft werden. Dazu gehören die Rück-, Brems-, Blink- und Nebelschlussleuchten sowie und Umriss- und Begrenzungsleuchten. Wenn eine Leuchte   nicht funktioniert, kann dies natürlich in erster Linie an den Glühlampen oder LEDs  liegen. „Die Lichtscheiben sind leicht zu entfernen, dann sollte man die Glühlampen auf festen Sitz in der Halterung kontrollieren. Sind die Halterungen der Lampen korrodiert, kann man sie oft noch reinigen.  Eine weitere Fehlerquelle können beschädigte Kontakte der Steckverbindung  des Verbindungssteckers zum Zugfahrzeug sein, vor allem, wenn Adapter zum Anschluss älterer siebenpoliger Stecker an modernen 13-poligen PKW-Steckdosen genutzt werden. Mit der Zeit können auch Kabel und deren Verbindungen schadhaft sein. Als Notmaßnahme hilft oft ein Kontaktspray an der Steckverbindung. Bringt das nichts,  kann man den Stecker auch an einem anderen PKW testen, um so herauszufinden, wo sich der Fehler verbirgt“, erläutert Oliver Czech von Humbaur.

Kaputt durch langes Stehen: die Reifen

7_RR_Check_Reifenalter.JPGGerade wegen der langen Standzeit leiden auch die Reifen und sollten daher vor allem vor der grünen Saison auf Haarrisse und spröde Stellen an den Seiten überprüft, die Radmuttern nachgezogen werden. Klaus Großmann, autorisierter Böckmann-Händler und Betreiber von Horsetruckpowerservice aus dem schwäbischen Neuweiler berichtet, dass oft mit zu wenig Luft in den Reifen gefahren wird. Das sei riskant, weil sie dadurch heiß liefen und platzen könnten. Daher empfiehlt er, vor längeren Standzeiten 0,5 bis 1 bar mehr Druck in die Reifen zu füllen. Bei Pferdeanhängern mit 100 km/h-Zulassung dürfen sie auf keinen Fall älter als sechs Jahre sein, weil sonst diese Erlaubnis erlischt.

Knackpunkt Anhängerboden

GammeligerBoden_Neu.jpgEin Knackpunkt im wahrsten Sinne des Wortes ist der Anhängerboden. Er besteht zumindest bei älteren und auch neueren preiswerteren Modellen aus mehrfach verleimten Holz-Siebdruckplatten in einer Stärke von mindestens 18, meistens aber 21 mm. Auch bei guter Pflege leidet das Material durch dauerhafte Feuchtigkeit. Diese kommt einmal von unten durch Spritzwasser während der Fahrten und auf Parkplätzen im Freien durch nasses Gras. Auch wenn Kot und Urin nach jeder Fahrt sorgfältig entfernt werden, kommt es nach jahrelangem Gebrauch unweigerlich zu Schwachstellen vor allem im hinteren Bereich und je nach Beschlag und Pferdeverhalten auch unter den Vorderhufen.

„Gerade im Frühjahr sollte daher die Dichtmasse zwischen Bordwand und Holzboden kontrolliert und ausgebessert werden, weil andernfalls Wasser in den Boden eindringen kann“, empfiehlt Thorsten Thiel, seit 1989 Jahren technischer Leiter der Firma Thiel Anhängerbau in Pfullendorf.

Die Suche nach verrotteten Stellen geschieht am besten durch Abklopfen und durch „Stichproben“ mit einem Schraubendreher an den genannten Stellen. Wer den Anhänger über eine Grube in einer Kfz-Werkstatt fahren kann, kann den Boden auch einmal von unten überprüfen.

„Wenn der Boden verfault ist, kommt es auf den Grad des Schadens an, ob er ganz oder teilweise ersetzt werden muss. Manchmal reicht es aus, einen Teil der Holzplatte bis zur Kante auszuschneiden und nur dieses Teil zu ersetzen. Die Kosten beginnen hier bei etwa 100 Euro. Wenn Platte mehr als 40 Prozent kaputt ist, lohnt sich ein kompletter Austausch, für den man je nach Aufwand zwischen 500 und 1000 Euro rechnen muss“, erklärt Böckmann-Spezialist Klaus Großmann.

Dr. Uwe Meyer allerdings rät in einem gut erhaltenen Holzanhänger durchaus zu einem witterungsbeständigen Aluminiumboden, dessen Kosten etwa 600 Euro betragen.

Sollte ein Aluminiumboden beschädigt sein, sind die einzelnen Aluprofile einfach zu tauschen. Wenn gegossene Gummiböden oder Matten schadhaft sind, werden sie ebenfalls ganz oder teilweise ersetzt.

Oft wird auch empfohlen, die Gummimatte lose einzulegen und den Boden regelmäßig zu lüften. „Das ist in der Theorie gut gemeint, wird aber in der Praxis selten gemacht. Die Matten wiegen gut 50 Kilo und sind nicht sehr handlich. Also bleiben sie doch liegen und bieten gerade an den Rändern beste Eintrittsmöglichkeiten für Fäulnisbakterien“, so Großmann.

„Grundsätzlich ist für eine lange Lebensdauer ist eine sog. Verschleißmatte zu empfehlen, die im vorderen Bereich auf den Gummiboden gelegt wird. Sie schützt vor allem gegen die Belastung durch Turnierpferde, die Eisen mit Stollen tragen“, ergänzt Oliver Czech von Humbaur.

Um ein sicheres Einsteigen zu gewährleisten, sollten nun auch die Scharniere der Laderampe regelmäßig geschmiert werden.

Seitenwände: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Bei Holzanhängern sind oft am Bodenansatz auch die Seitenwände angegriffen, weil die Feuchtigkeit aus dem Boden nach oben kriecht. Auch hier empfiehlt Klaus Großmann schnell zu handeln, damit der Schaden nicht noch höher wandert. Bei der Reparatur wird das faule Holz herausgeschnitten und mit einem neuen Plattenstück ersetzt. Innen kommt eine Trittschutzplatte und außen eine Aluleiste über die reparierten Stellen.

Polyester-Anhänger sind sicherlich deutlich robuster gegen Verrottung, aber auch hier können Schäden in den Wänden auftreten, wie Frank Biernoth von Meyer Landtechnik weiß, der im niedersächsischen Wittingen die Anhängerrestaurierung zu seinem Kerngeschäft gemacht hat: „Neuerdings bekommen wir zunehmend die ältere  Polyesteranhänger auf den Hof, weil sie massive Schäden am Boden und in den Seitenwänden aufweisen. Das erscheint überraschend, aber die meisten Seitenwände sind in Sandwichbauweise mit einem innen liegenden Holzkern gebaut. Hier sind die Bohrstellen die empfindlichsten Stellen, weil nach einiger Zeit Regenwasser bis zum Holz eindringen kann. Dasselbe gilt natürlich bei Schäden durch Huftritte. Vor allem nach den Frostmonaten taut das Wasser dann auf und das Holz zerbröselt nach und nach.“

Jetzt kann nur noch eine aufwändige Reparatur helfen. „Wir haben dafür eine spezielle Methode entwickelt, so dass wir den Holzkern von innen heraus schälen können. Dann wird die Wand meistens mit einem Schaumsystem neu verfüllt und alles glatt gezogen. Anschließend setzen wir innen eine Aluminiumwand dagegen, die verleimt und verschraubt wird“, erklärt Frank Biernoth. Das sieht gut aus und bringt einen zusätzlichen Trittschutz mit sich.

Tipps zur Werterhaltung

8_RR_Check_Reinigung.JPGVor allem aus Sicherheitsgründen empfiehlt Klaus Böckmann wie beim Auto einmal jährlich eine Inspektion des Pferdeanhängers bei einem Fachbetrieb: „Kontrolliert werden Bremsen, Beleuchtung und Boden sowie alle mechanischen Teile, die regelmäßig abgeschmiert werden müssen.“

Eine Selbstverständlichkeit ist, Mist und eventuellen Urin nicht einfach stehen zu lassen. Zur Reinigung sollte man innen nur ausfegen oder mit einem Wasserschlauch abspritzen, weil der aggressive Wasserstrahl eines Hochdruckreinigers die Lackierung und Gummiversiegelung beschädigen kann. Wichtig ist, den Pferdeanhänger anschließend schräg zu stellen, damit das Wasser ablaufen kann. Nach Aussage von Thorsten Thiel sind Vollpolyesteraufbauten und Polydächer werksseitig mit ungefähr ein Jahr haltbarer Polyesterversiegelung versehen, die verhindern soll, dass die Oberfläche mit der Zeit rau oder gar rissig wird. Für die anschließende Pflege gibt es Spezialpoliermittel im Anhängerbedarf.

Um das Fahrzeug nicht beständig Regen und Witterung anzusetzen, ist natürlich ein ebener, überdachter Standplatz ideal. Mittlerweile kann man Abdeckhauben für die Auflaufbremse aus dem Wohnwagenbereich oder sogar für das ganze Fahrzeug kaufen. Wenn möglich, sollte man das Fahrzeug auch nicht auf Wiesenboden abstellen, da die Feuchtigkeit von unten langfristig in den überwiegend aus Holz hergestellten Boden eindringt. „Anstatt der Handbremse schiebt man besser Keile unter die Räder, weil die Bremsbacken an den Trommeln auch festkleben können“, ergänzt Dr. Uwe Meyer.

Wird der Pferdeanhänger gut gepflegt und regelmäßig auf Schäden überprüft, die dann sofort repariert werden, kann er seinem Eigentümer lange Freude machen – bis zu zwanzig Jahre Lebensdauer sind bei qualitativ hochwertigen Fahrzeugen keine Seltenheit.



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