Winter-Check und Pflege für Pferdeanhänger

Von Doris Jessen, geschrieben am 12.11.2018

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10_RR_Check_Anhnger_im_Schnee.JPGNach der Reise- und Turniersaison ist es nun Zeit, den Pferdeanhänger winterfest zu machen. Denn in den meisten Fällen steht er im Freien und ist den Witterungseinflüssen ungeschützt ausgesetzt. Wir haben ein paar Experten um Rat gefragt und viele interessante Tipps erhalten.

Wenn der Pferdeanhänger im Sommer viel unterwegs war, hat der häufige Gebrauch so manche Spuren hinterlassen, gerade wenn es spät abends nach dem Turnier wieder einmal schnell gehen musste und nicht peinlich genau ausgefegt oder gar gewaschen wurde. „Vor dem Winter sollte das Fahrzeug auf jeden Fall innen und außen am bestem mit klarem Wasser gereinigt werden. Das gilt natürlich auch nach Fahrten durch salzigen Schneematsch. Der Winter-Check sollte dann nicht nur die klassischen Verschleißteile wie Bremsen und Radlager, Beleuchtungsanlagen, Kupplungen und Scharniere umfassen, sondern auch die Transportböden und Seitenwände. Denn vor allem hier können sich kleine versteckte Schäden finden, die vor allem in der nass-kalten Jahreszeit auf lange Sicht zur Verrottung des ganzen Fahrzeuges führen können“, erklärt Dr. Uwe Meyer, Mitglied der Geschäftsleitung des fränkischen Anhängerherstellers WM Meyer.

Die vorsichtige Nutzung eines Hochdruckreinigers ist außen und an glatten Stellen durchaus möglich, innen und vor allem an den Dichtungen ist sie nicht zu empfehlen. 

Abschmieren nicht vergessen!

Besondere Beachtung bei der Anhängerüberprüfung erfordern die Bremsen in Verbindung mit der Auflaufeinrichtung und -dämpfer. In der wahrscheinlich langen Standzeit kann Schwitzwasser entstehen, daher sollte man jetzt alle wichtigen Stellen abschmieren. Dazu gehören in erster Linie die Bremsseilzüge, die eigens dafür vorgesehene Schmiernippel haben. Wer eine für Pferdeanhänger eher seltene hydraulische Bremsanlage hat, braucht sich weniger Sorgen zu machen, weil hier keine Seilzüge kaputt gehen können. Allerdings sollte der Behälter der Bremsflüssigkeit regelmäßig kontrolliert werden.

Die Führung der Auflaufvorrichtung muss ebenfalls gegen Verrosten regelmäßig mit Lagerfett geschmiert werden.

Aber auch alle anderen beweglichen Teile sollten kontrolliert und vorsorglich geschmiert werden, damit sie den Winter gut überstehen und gegen vorzeitiges Altern bestmöglich geschützt werden. Dazu gehören zum Beispiel alle Bolzen und Gelenkteile, das Stützrad, Scharniere an der Heckklappe und den Türen. Sinnvoll ist hier der Einsatz einer Fettpresse, die es im Autozubehör oder Baumarkt gibt.

Die Kupplung

Verschleissanzeige.jpgUm die Abnutzung sowohl des Kugelkopfes als auch des Kupplungsmauls am Anhänger anzuzeigen, verfügen die klassischen Zugkugelkupplungen über eine sog. Verschleißanzeige. „Da die üblichen Kugelköpfe 50 mm Durchmesser haben, liegt das  Normmaß auch bei 50 mm Durchmesser, das minimale Verschleißmaß beträgt 49 mm. Der Kugelkopf des Zugwagens darf nie spürbares Spiel aufweisen, sonst könnte sich der Anhänger im schlimmsten Fall „losrütteln“, so Dr. Uwe Meyer. Wenn die Kupplung des Anhängers nach starkem Gebrauch ausgeschlagen oder der Kugelkopf des Zugfahrzeuges abgenutzt ist, hilft nur der Austausch der jeweiligen Komponente.

Die Beleuchtung

11_RR_Check_WM_Meyer_NevReno_Beleuchtung.JPGEigentlich vor jeder Fahrt, aber vor allem nach dem intensiven Gebrauch im Sommer und vor einer längeren Standpause sollte die Beleuchtung geprüft werden. Dazu gehören die Rück-, Brems-, Blink- und Nebelschlussleuchten sowie und Umriss- und Begrenzungsleuchten. Wenn eine Leuchte nicht funktioniert, kann dies natürlich in erster Linie an den Glühlampen oder LEDs liegen. „Die Lichtscheiben sind leicht zu entfernen, dann sollte man die Glühlampen auf festen Sitz in der Halterung kontrollieren. Sind die Halterungen der Lampen korrodiert, kann man sie oft noch reinigen. Eine weitere Fehlerquelle können beschädigte Kontakte der Steckverbindung des Verbindungssteckers zum Zugfahrzeug sein, vor allem, wenn Adapter zum Anschluss älterer siebenpoliger Stecker an modernen 13-poligen PKW-Steckdosen genutzt werden. Mit der Zeit können auch Kabel und deren Verbindungen schadhaft sein. Als Notmaßnahme hilft oft ein Kontaktspray an der Steckverbindung. Bringt das nichts, kann man den Stecker auch an einem anderen PKW testen, um so herauszufinden, wo sich der Fehler verbirgt“, erläutert Oliver Czech von Humbaur.

Kaputt durch langes Stehen: die Reifen

Gerade wegen der langen Standzeit leiden auch die Reifen und sollten daher auf Haarrisse und spröde Stellen an den Seiten überprüft, die Radmuttern nachgezogen werden. Oft wird nämlich mit zu wenig Luft in den Reifen gefahren. Das sei riskant, weil sie dadurch heiß liefen und platzen könnten. Daher ist es anzuraten, vor längeren Standzeiten 0,5 bis 1 bar mehr Druck in die Reifen zu füllen. Dr. Meyer empfiehlt, den Anhänger nach acht Tagen und danach alle zwei Monate um eine Viertelradumdrehung weiterzudrehen, um Standplatten zu vermeiden. Um das Reserverad zu schützen, ist eine Schutzhülle sinnvoll.

Knackpunkt Anhängerboden

4_RR_Check_Schadhafte_Innenwand_eines_Polyanh__ngers.JPGEin Knackpunkt im wahrsten Sinne des Wortes ist der Anhängerboden. Er besteht zumindest bei älteren und auch neueren preiswerteren Modellen aus mehrfach verleimten Holz-Siebdruckplatten in einer Stärke von mindestens 18, meistens aber 21 mm. Auch bei guter Pflege leidet das Material durch dauerhafte Feuchtigkeit. Diese kommt einmal von unten durch Spritzwasser während der Fahrten und auf Parkplätzen im Freien durch nasses Gras. Auch wenn Kot und Urin nach jeder Fahrt sorgfältig entfernt werden, kommt es nach jahrelangem Gebrauch unweigerlich zu Schwachstellen vor allem im hinteren Bereich und je nach Beschlag und Pferdeverhalten auch unter den Vorderhufen.

„Damit gerade in der feuchten Winterzeit kein Wasser in den Boden eindringen kann, empfiehlt es sich jetzt, die Dichtmasse zwischen Bordwand und Holzboden zu kontrollieren und vorsorglich auszubessern“, empfiehlt Thorsten Thiel, seit 1989 Jahren technischer Leiter der Firma Thiel Anhängerbau in Pfullendorf.

Die Suche nach verrotteten Stellen geschieht am besten durch Abklopfen und durch „Stichproben“ mit einem Schraubendreher an den genannten Stellen. Wer den Anhänger über eine Grube in einer Kfz-Werkstatt fahren kann, kann den Boden auch einmal von unten überprüfen.

Oft wird auch empfohlen, die Gummimatte lose einzulegen und den Boden regelmäßig zu lüften. Das ist in der Theorie gut gemeint, wird aber in der Praxis selten gemacht. Die Matten wiegen gut 50 Kilo und sind nicht sehr handlich. Also bleiben sie doch liegen und bieten gerade an den Rändern beste Eintrittsmöglichkeiten für Fäulnisbakterien.

Seitenwände: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Bei Holzanhängern sind oft am Bodenansatz auch die Seitenwände angegriffen, weil die Feuchtigkeit aus dem Boden nach oben kriecht. Auch hier ist noch vor der Winterpause zu handeln, damit der Schaden nicht noch höher wandert. Eine Fachwerkstatt kann das faule Holz herausschneiden und mit einem neuen Plattenstück ersetzen. Innen kommt eine Trittschutzplatte und außen eine Aluleiste über die reparierten Stellen.

Polyester-Anhänger sind sicherlich deutlich robuster gegen Verrottung, aber auch hier können Schäden in den Wänden auftreten, weil die meisten Seitenwände in Sandwichbauweise mit einem innen liegenden Holzkern gefertigt sind. Hier sind die Bohrstellen die empfindlichsten Stellen, weil nach einiger Zeit Regenwasser bis zum Holz eindringen kann. Dasselbe gilt natürlich bei Schäden durch Huftritte. Vor allem nach den Frostmonaten taut das Wasser dann auf und das Holz zerbröselt nach und nach.

Jetzt kann nur noch eine aufwändige Reparatur helfen, für die der Pferdeanhänger auf jeden in einen spezialisierte Fachwerkstatt muss, welche die geschädigte Wand ersetzen kann.

Standplatz im Winter

Capa_rot_klein.jpgUm das Fahrzeug nicht beständig Regen und Witterung anzusetzen, ist natürlich vor allem im Winter ein ebener, überdachter Standplatz ideal. Mittlerweile kann man Abdeckhauben für die Auflaufbremse aus dem Wohnwagenbereich oder sogar für das ganze Fahrzeug kaufen. Wenn möglich, sollte man das Fahrzeug nicht auf Wiesenboden abstellen, da die Feuchtigkeit von unten langfristig Schäden anrichten kann. „Anstatt der Handbremse schiebt man vor der Winterpause besser Keile unter die Räder, weil die Bremsbacken an den Trommeln während langer Standzeiten auch festkleben können“, ergänzt Dr. Uwe Meyer.

Steht der Anhänger doch im Freien, muss er regelmäßig von eventuellem Eis, Schnee und Wasser befreit werden, weil das Dach nicht für höhere Lasten ausgelegt ist.

Wird der Pferdeanhänger gut gepflegt und regelmäßig auf Schäden überprüft, die dann sofort repariert werden, kann er seinem Eigentümer lange Freude machen – bis zu zwanzig Jahre Lebensdauer sind bei qualitativ hochwertigen Fahrzeugen keine Seltenheit.




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