Anhängerpflege: Der Sicherheit zuliebe
Von Andreas Haude, geschrieben am 22.08.2011
Damit ein Pferd sein Transportziel sicher und entspannt erreicht, muss dem Anhänger ein Mindestmaß an Aufmerksamkeit zuteil werden. Mit-Pferden-reisen.de hat Experten befragt, was bei Wartung und Pflege zu beachten ist.
Wer ein Pferd transportieren möchte, braucht zwangsläufig einen Pferdeanhänger – sofern man die Strecke nicht gleich reitend zurücklegen will. Schon die Wahl des Materials, aus dem der Hänger sein soll, ist nicht ganz einfach und hat viele Konsequenzen. Aufbauten aus Vollpolyester oder Metall sind zwar schwerer und teurer als jene aus Holz, dafür in der Regel aber auch langlebiger. Gleiches gilt für den Anhängerboden. Bei korrekter Wartung und regelmäßiger Pflege sind beim Pferdeanhänger keine hohen Aufwendungen für Reparaturen zu erwarten. Um Unfallrisiken zu mindern, ist pro Jahr mindestens eine Überprüfung ratsam. Denn kommt es zum Unfall, sind die anfallenden Tierarztrechnungen allemal höher als die notwendigen Wartungs- und Inspektionskosten. Was aber ist bei Wartung und Pflege zu beachten?
Die Bremsen
Das Wichtigste: Bremsen, Beleuchtung, Bereifung und Ladeboden müssen intakt sein, sind sich die Experten einig. „Bei den Bremsen ist auf die Auflaufvorrichtung an der Deichsel zu achten“, sagt Bert Korporal, amtlich anerkannter Kfz-Sachverständiger beim TÜV Nord in Hannover. Denn Auflaufvorrichtung und -dämpfer arbeiten mit den Bremsen zusammen, indem sie sie über einen Umlenkhebel aktivieren. „Die Führung der Auflaufvorrichtung muss regelmäßig mit Lagerfett geschmiert werden, damit sie nicht rostet“, empfiehlt Lothar Angermund, ADAC-Testleiter für Anhänger in München.
Auch die Seilzüge der Bremsen müssen über normalerweise vorhandene Schmiernippel etwa zweimal im Jahr geölt werden, da sie anderenfalls von innen korrodieren und langfristig sogar festrosten können, ergänzt Angermund. Bert Korporal weist darauf hin, dass die Bremszüge auf keinen Fall geknickt sein dürfen – was auf einer Wiese oder einem Acker leicht passieren könne: „Das führt zu meist einseitig verschlissenen Bremsbelägen.“
Ein weiteres Problem sei durch lange Standzeiten verursachtes Schwitzwasser in den Bremstrommeln, das ebenfalls Korrosion bewirken könne. Daher ist es nach längerer Nichtbenutzung des Anhängers ratsam, vor dem Aufladen des Pferdes einige Male aus niedriger Geschwindigkeit zu bremsen, um so in der Trommel entstandenen Flugrost zu entfernen.
Nicht bewusst ist vielen Pferdebesitzern, dass die Bremsen in aller Regel nicht selbst nachstellend seien, sagt Hängertester Angermund. „Deshalb müssen sie regelmäßig in einer Fachwerkstatt nachgestellt werden, je mehr man fährt, umso öfter.“ Bei 5000 bis 10.000 km jährlicher Fahrleistung empfiehlt er mindestens eine Justierung pro Jahr.
Einen ganz speziellen Tipp hat Andreas Bauer, Wörmann-Serviceleiter in Hebertshausen: „Im Winter sollte man den Anhänger nicht mit angezogener Bremse abstellen, da sie festfrieren kann.“ Müsse man dann doch mal fahren, könne das zu erheblichen Schäden führen. Stattdessen soll man lieber einen Unterlegkeil nutzen.
Der Ladeboden
Die Ladeböden der meisten Hänger bestehen aus mehrfach verleimten Siebdruckplatten, die rund acht bis 14 Jahre halten – allerdings nur bei entsprechender Pflege. Denn dauerhafte Feuchtigkeit, die dem Boden von unten z.B. durch nasses Gras und von oben durch kot- und urindurchtränkte Einstreu zusetzt, verkürzt diese Spanne erheblich. Einfach und sehr lebensverlängernd ist es daher, Stroh- und Heureste sowie Pferdeäpfel nach der Benutzung des Hängers zu entfernen. Wenigstens besenrein sollte es schon sein, betont Horst Moser, Geschäftsführer der Firma Anhängerprofi Moser in Mainhardt.
Wer mehr tun möchte, sollte auf Folgendes achten: Wenn man den Innenraum per Hochdruckreiniger säubert, muss der Anhänger anschließend vorn hochgestellt und gut belüftet – also nicht direkt verschlossen – werden, damit das Wasser ablaufen und der Boden abtrocknen kann. Mindestens zweimal pro Jahr sollten die Scharniere der Laderampe geschmiert werden, sagt Moser, denn sie seien sowohl Kot und Urin als auch dem Hochdruckreiniger stark ausgesetzt.
Generell zu unverrottbaren Böden aus Aluminium oder Kunststoff rät Iris Biegner, Geschäftsführerin der Firma Pferdetrailer in Waldalgesheim. Da jedoch auch Vollpolyesteraufbauten einen einlaminierten Holzkern haben, müssen sie mit der gleichen Sorgfalt behandelt werden wie reine Holzböden, sagt Wörmann-Serviceleiter Bauer. „Überhaupt keine Probleme gibt es mit Aluplastböden.“ Dabei handelt es sich um eine Alu-Kunststoff-Alu-Konstruktion.
Auf keinen Fall defekt sein darf die zwischen Bordwand und Boden befindliche, umgangssprachlich Silikon genannte, Dichtmasse. Sie muss regelmäßig kontrolliert werden. Denn sonst führt bei Holz- und Polyesterböden das durch undichte Ritzen eindringende Wasser zur Verrottung. „Muss man die Bodenplatte komplett austauschen, rate ich zu Alueinlegeböden mit fixierter Gummimatte“, sagt Iris Biegner.
Die Kupplung
„Die Zugkugelkupplung darf keinen Verschleiß aufweisen“, unterstreicht der TÜV-Sachverständige Bert Korporal. Das Normmaß betrage 50, das minimale Verschleißmaß 49 Millimeter. Selbst dann dürfe sie kein Spiel haben. Ganz wichtig: „Die Kupplung darf auf keinen Fall ausgeschlagen sein, damit der Hänger sich nicht im Extremfall selbst abhängt“, ergänzt Erika Bayha, Geschäftsführerin von Münz Fahrzeugbau in Pliezhausen.
Die Beleuchtung
„Eigentlich sollte man vor jedem Losfahren die Beleuchtung überprüfen“, sagt Erika Bayha. Funktioniere sie nicht korrekt, müsse man zunächst die Steckverbindung und anschließend gegebenenfalls die Leuchten überprüfen. Häufig ist zudem ein zur Überbrückung verschiedenpoliger Anschlüsse genutzter Adapter nicht richtig angebracht. Auch Kabel und deren Verbindungen seien oft schadhaft.
„Wenn längere Zeit kein Hänger am Auto angehängt war, kann man die Pkw-Steckdose mit Kontaktspray behandeln“, sagt Bayha. Außerdem kann man den Hänger versuchsweise an ein anderes Auto ankuppeln. Wenn die Beleuchtung dann immer noch nicht funktioniert, sei eine Überprüfung in der Werkstatt sehr anzuraten.
Die Reifen
Ebenfalls immer wieder gern vergessen wird die Kontrolle der Reifen, vor allem wenn der Hänger nicht häufig genutzt wird. Was fatale Folgen haben kann, denn nicht korrekter Luftdruck oder ein zu hohes Alter können zum Platzen führen.
„Reifen sollen niemals älter als sechs Jahre sein“, betont ADAC-Anhänger-Testleiter Angermund. Denn durch das Austreten der enthaltenen Weichmacher werden sie spröder und härter, was zu schlechterer Straßenhaftung führt. Über die Jahre entstehen so viele winzige Risse, die sich hauptsächlich an den Flanken zeigen. Langes Stehen und Sonneneinstrahlung beschleunigen diesen Vorgang noch.
Daher sollen alle Reifen, auch der des meist außen montierten Reserverads, nach sechs Jahren selbst ohne erkennbare Mängel erneuert werden. Zur Verlängerung der Lebensdauer empfiehlt Lothar Angermund darüber hinaus, bei längeren Standzeiten 0,5 bis 1 bar mehr Druck in die Reifen zu füllen: „Auf diese Weise vermeidet man flache Stellen, die den Reifen unrund laufen lassen.“
Schönheitspflege
Beileibe nicht nur dem äußeren Erscheinungsbild des Pferdehängers dient das Waschen. Sowohl Vollpolyesteraufbauten als auch Polydächer seien werksseitig mit ungefähr ein Jahr haltbarem Polyesterversiegler versehen, sagt Thorsten Thiel, Technischer Leiter von Thiel Pferdeanhänger in Pfullendorf. „Die Versiegelung soll verhindern, dass die Oberfläche mit der Zeit rau oder gar rissig wird.“
Bevor man eine neue Versiegelung aufträgt, muss die alte mit Wasser und sanftem Spülmittel gereinigt bzw. entfernt werden. In gleicher Weise sind auch Planendächer zu behandeln. Ebenfalls wichtig ist es, außen am Aufbau anhaftenden Dreck zu entfernen. Denn Schmutz am Aufbau begünstigt wie auch beim Ladeboden frühzeitige Verrottung.
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