Texas - Faszination der Weite, Freiheit, viele Pferde

Von Doris Jessen, geschrieben am 11.07.2013

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TX_BB_AUsritt_Tagesausritt_Aufmacher.jpgWas wollt ihr denn in Texas…? Da gibt’s doch nur Ranches, Rinder und Öl! Naja, und etwa eine Million Pferde. Letztere – und die „Western Cowboy Tradition“ sollten Pferdefreunden und noch dazu Quarter Horse Reitern Grund genug sein für einen dreiwöchigen Urlaub. Doch wir fanden viel mehr: Pulsierende Städte, Ruhe am Golf von Mexiko, mexikanische Tradition, sprichwörtlich unendliche Weiten, schroffe Berge – und natürlich jede Menge Pferde…

„Bei uns können Sie außer Abfahrtslauf fast das ganze Jahr über alle Sportarten betreiben“ sagt Mike Davidson, Leiter des Convention & Visitor Bureau im Big Bend State Park, der an die Nordgrenze von Mexiko grenzt. Er umschreibt damit in einem Satz die Vielfalt des zweitgrößten Staates der USA. Drei Wochen Zeit sollten sich Texas-Reisende allerdings schon nehmen, um auf einer großen Runde Vielfalt und Faszination nahezu aller Landschaften zu erleben: Piniendüfte in den Wäldern im Südosten, frische Seeluft an der Golfküste, auf und ab im Hill Country, heiße Wüstenwinde an Grenze zu Mexiko, Rinderherden, Ölpumpen und Windräder in der endlosen Weite des „Panhandle“ sowie schließlich saftige Wiesen und Weiden des „Horse Country“ in Nordtexas.

Beeindruckend war aber nicht nur das Land, sondern auch die „southern hospitality“ der Texaner, die den Fremden – wie es wohl zu Pionierzeiten gewesen sein muss – als Freund aufnehmen.

Weiterführende Links zu den Einzelberichten:

Back to the Basics im Cowboy Campout bei Houston und Family Fun am Golf von Mexiko und San Antonio
Westernreiten Lernen im Hill Country bei Bandera, Cowboy Capital of the World
Scenic Rides in den atemberaubenden Landschaften des Big Bend State Parks
Pionierleben, Palo Duro Canyon und American Quarter Horse Musuem and Hall of Fame in Amarillo
Horses unlimited: North Texas Horse Country von Gainesville bis Fort Worth
Fort Worth – City of Cowboys and Culture

Jederzeit hilfsbereit ist auch das in München beheimatete Fremdenverkehrsamt von Texas.

Wer Lust auf den ganzen Bericht hat, kann ihn natürlich auch in einem Stück lesen... Viel Spaß dabei!

Back to the Basics

TX_Don_Porch.jpgBack to the basics – das ist das Prinzip von Don Hutson auf seiner Ranch „The Cowboy Solution“. Wir bzw. unser Navi findet die Ranch nach einer etwa anderthalb stündigen Fahrt, u.a. durch den Sam Houston National Forest  etwa 90 Kilometer nördlich der Metropole Houston in einem Nest namens Richards. Nach dem Trubel am Flughafen kann man hier die Stille hören – etwas verspätetes abendliches Vogelgezwitscher, sonst nichts. Und nach Sonnenuntergang finsterste Nacht unter einem weiten Sternenhimmel.

Don empfängt uns herzlich. Das tun fast alle Texaner, stolz auf ihre „Southern Hospitality“, die seit Jahrhunderten gute Tradition in diesem weiten Land ist. Und es tut gut, nach einer insgesamt fast 20-stündigen Reise freundlich aufgenommen zu werden. Als Don sagt „let me show you our barn“ glauben wir es nicht.

TX_Don_Scheunenzimmer.jpgFür 500 Dollar Übernachtungspreis im Stall schlafen? Dabei kann es sich nur um einen Witz handeln. Aber tatsächlich: In einem ehemaligen Pferdestall wurden die sechs Boxen – jeweils drei links und rechts der Stallgasse – mit Doppelbetten und einem verzweigten Ast als Kleiderständer eingerichtet. Anstatt Wänden Gitter mit Vorhängen. Am Ende links zwei Gemeinschaftsduschen plus jeweils eine Toilette. Gut dass wir die einzigen Gäste sind…

TX_Don_Roundpen_Erklaerung.jpgBack to the Basics – das ist wie gesagt das Prinzip der „Cowboy Solution“, mit der Don Hutson, Professor der Musikwissenschaften und ehemaliger Dirigent eines Symphonie-Orchesters, sein heutiges Geschäft betreibt, für das er sehr erfolgreich Pferde quasi als Lehrer einsetzt: Menschen, überwiegend Teams mit Führungskräften und deren Mitarbeitern zu zeigen, wie vertrauensbildende Kommunikation als Basis für „Leadership“ funktioniert. Voraussetzung dafür ist eine völlig andere als die gewohnte Situation, weg vom gepolsterten Bürostuhl und hin zu den wesentlichen Dingen dieses Lebens.

Kommunikation als Basis für Vertrauen

TX_Don_Pferd_folgt_lars.jpgDiese Idee findet ihre Fortsetzung in der simplen Kommunikation mit dem Pferd, das dem Menschen, je nachdem, wie er sich gegenüber dem Tier verhält, ehrlich zeigt, ob es ihm vertrauensvoll folgen will oder nicht. „Ziel der Übungen, in denen eine Person ein Pferd zum Beispiel in einem etwa 20 Meter großen Kreis zum Laufen aktivieren und wieder anhalten soll, ist es, den Menschen die Wirkung ihrer Körpersprache als Mittel der nonverbalen Kommunikation überhaupt erst bewusst zu machen“, erklärt der durchaus charismatische Ex-Dirigent überzeugend. Sie sehen dann ganz spontan, ob sie zu vorsichtig oder aggressiv auf das Tier zugegangen sind und können daraus auch Rückschlüsse auf ihre zwischenmenschliche Kommunikation ziehen.

Diese Arbeit soll zwei wesentliche Erkenntnisse bringen. Erstens: Unabdingbare Voraussetzung für eine erfolgreiche Teambildung und -arbeit ist das Vertrauen untereinander und zur Führungskraft. Zweitens: Vertrauen wird sehr stark durch nonverbale zwischenmenschliche Kommunikation aufgebaut und gefestigt.

Das Pferd reagiert auf die Aktionen des Menschen vorbehaltlos und ehrlich. Es verkörpert daher im Grunde einen genauen Spiegel der Aktionen des Menschen: Geht er zu aggressiv auf das Pferd zu wird es flüchten, nähert er sich freundlich, aber bestimmt, wird es langsam vorangehen. Agiert er zu vorsichtig, wird es ihn ignorieren.

Aha-Effekt

Die Arbeit mit dem Tier soll den Kursteilnehmer sensibilisieren, sich seine Verhaltensweisen bewusst zu machen, die auch im menschlichen Miteinander von größter Bedeutung sind. „Es ist immer wieder beeindruckend, wie schnell Firmen-Teams, die dieses einfache Miteinander und die Kommunikation mit dem Pferd erleben, erkennen, worauf es in zwischenmenschlichen Beziehungen ankommt und wie positiv sich dies auf das Vertrauen, Führungsverhalten und in der Konsequenz auf die bessere Zusammenarbeit und Effizienz in Unternehmen auswirken kann“, erklärt Don Hutson.

Allerdings funktioniert der „Aha-Effekt“ vor allem bei Menschen, die bisher keine Berührung mit dem unbekannten Wesen Pferd gemacht haben. Wer nämlich weiß, wie man ein Fluchttier im Kreis bewegt, kann dies höchst sensibel tun und in seiner Abteilung dennoch mit Angst regieren…

Zurück zur Natur: Cowboy Campout

TX_Don_Ausritt1.jpgAber nicht nur Leadership-Ambitionierte können im Cowboy Campout zurück zum Wesentlichen finden: Wem die Scheune noch zu komfortabel ist, der findet in einem Zelt jenseits der Pferdekoppel die komplette Ruhe, um zu sich selbst zu finden, unterbrochen lediglich durch ein gelegentliches Pferdewiehern oder Hufgetrappel. Die Gäste können am Lagerfeuer Steaks grillen oder vom Cowboy Campout Team zubereitete texanische Hausmannskost genießen. Tagsüber lädt der Sam Houston National Forest zum Ausreiten ein, in dem man stundenlang auf Quarter Horses die Seele baumeln lassen kann.

Kontrastprogramm: Family Fun am Golf in Galveston

Nach dem Cowboy Campout und den Wesentlichen (Reiter)Dingen dieses Leben bietet Galveston am Golf von Mexiko, nur 40 Minuten (wenn kein Mammut-Verkehrschaos diese Planung verdirbt) südlich von Houston, eine quirliges Kontrastprogramm mit dem Charme einer Südstaaten-Kleinstadt: Auf der gut 50 Kilometer langen und nur sechs Kilometer breiten Insel wird jeder auf seine Art fündig:

TX_Galv_BishopsPalace.jpgDa gibt es alte viktorianische Architektur, von der vor allem der Bishop’s Palace des Eisenbahn-Magnaten Walter Gresham mit seinem elegantem Interieur und Spitztürmchen beweist, wie gut es sich die bessere Gesellschaft des 19. Jahrhunderts hier hat gehen lassen.


Im historischen Hafen bietet die „Pier 21“ eine abwechslungsreiche Auswahl an Attraktionen. Zahllose Galerien und Antikläden laden zum Bummeln und Staunen ein, Cafés, Candy-Shops mit Live-Bonbonherstellung und Restaurants (sehr gut: Olypmia Grill on the Seawall) zum Entspannen und Genießen. Im Pier 21 Theater informiert eine knapp halbstündige Dokumentation über den „Großen Sturm“, der im Jahr 1900 Galveston zerstört hat. 

Im Ocean Star Oil Rig Museums erfährt man – gesponsert von den entsprechenden Industrien – wie wichtig und vor allem wenig gefährlich das Offshore-Ölgeschäft ist, Pannen wie die der Deepwater Horizon scheint man da schlicht vergessen zu haben. Außerdem gibt es ein Eisenbahn-Museum, Hafenrundfahrten und das Lone Star Flight Museum mit einer ausgesuchten Auswahl restaurierter Flugzeuge.


Wer sich Galveston – wenigstens eine Sekunden lang – von oben anschauen möchte, kann dies zahllosen Fahrgeschäften aus tun. Dazu gehören u.a. das 30 Meter hohe Riesenrad „Galaxy Wheel“ oder, etwas rasanter, die Achterbahn namens „Iron Shark Rollercoaster“. Alle diese und noch deutlich mehr Fahrgeschäfte, Restaurants und Shops finden sich auf der “Galveston Island Historic Pleasure Pier” am anderen Ufer der Insel am langen Strand.

TX_Galv_Pyramiden_bei_Tag.jpgEine hervorragende Hotelempfehlung ist das Moody Gardens Hotel. Es bietet auch ein umfangreiches Wellness-Center und – für Naturliebhaber – schräg gegenüber zwei Pyramiden, die zum einen ein ansehnliches Aquarium und zum anderen einen künstlichen Regenwald beheimaten.


Letzterer wurde erst kürzlich für 25 Millionen Dollar renoviert, so dass die Besucher heute eine neben hunderter gefährdeter Arten und tropischer Pflanzen auch eine bunte Auswahl tropischer Vögel im Freiflug und possierliche Äffchen auf ihren Bäumen beobachten können.

Wer den Strand auf dem Pferderücken erleben möchte, kann dies am westlichen Ende der Insel am Jamaica Beach bei S-n-G Horsebackriding tun, allerdings scheint dies weniger eine reiterliche Herausforderung zu sein, wie die wartenden Badeschlappen-tragenden Touristen vermuten lassen.

Mexikanischer Flair: San Antonio

TX_SanA_RepofTex.jpgDie Frozen Margarita, eiskalt und Limonen-spritzig, perlt angenehm auf der Zunge und tut unendlich gut am kühlen San Antonio River Walk. Wir sitzen etwas erhöht auf der offenen Terrasse des „Republic of Texas“, einem der zahllosen Restaurants an diesem Uferweg, der beidseits des Flusses eine der Hauptanziehungspunkte von San Antonio ist.


Hier kann man endlos schlendern, Menschen jeden Alters, aller Hautfarben und Nationalitäten beobachten und den Tag nach einer langen Reise – von Galveston sind es gut 400 Kilometer – ausklingen lassen. Wer das Flüsschen und den River Walk gerne vom Boot aus erleben und zugleich Interessantes über die Stadt erfahren möchte, kann dies auf einer etwa einstündigen Fahrt auf einem Boot der San Antonio Cruises tun.

TX_SanA_MiTiera.jpgAuf keinen Fall entgehen lassen darf man sich hier das berühmte Texmex-Food, die Kombination aus texanischen und mexikanischen Köstlichkeiten, die der Hungrige Gast zum Beispiel im Restaurant „Mi Tierra“ genießen kann, das zu jeder Jahreszeit mit überaus bunter weihnachtsähnlicher Dekoration und Lichtern geschmückt ist. Aber Vorsicht: eine einzige Portion knackiger Tacos, saftiger Tortillas und würziger Enchiladas können eine ganze Familie satt machen…

Remember the Alamo

San Antonio bietet aber auch allerlei kulturelle Highlights: Da ist vor allem „The Alamo“ zu nennen, jene zum Fort umgebaute Missionsstation, in der die texanischen Verteidiger in der Schlacht von Alamo im texanischen Unabhängigkeitskrieg von 1835 bis 1836 von den Mexikanern besiegt wurden. Der mexikanische Sieg währte allerdings nur sehr kurzfristig: Drei Wochen später siegten die Texaner unter Sam Houston in der kriegsentscheidenden Schlacht und Texas wurde zunächst unabhängige Republik, bis es 1845 den USA beitrat.

Durchaus sehenswert ist auch die große und innen reich geschmückte San Fernando Cathedral aus dem Jahr 1738 direkt neben dem Gerichtsgebäude, das ein großer Brunnen mit einer darauf stehenden Justitia aus Bronze ziert.


Ein Westernhut für den Papst


Als gewisse Kuriosität kann man den seit 1917 bestehenden Hutmacher „Paris Hatters“ bezeichnen, der als ältestes Geschäft San Antonios ein paar Minuten vom Alamo entfernt in der Broadway Street residiert. Der Tradition bewusst, hat sich das Interieur des Shops seit nunmehr fast 100 Jahren kaum geändert: Die Registrierkasse aus den 30ern knarzt und kracht, ist aber immer noch im Einsatz, ebenso wie die alten Holzformen.

Heute betreibt „Abe the Hatter“ (der Nachname wird nirgends genannt), wie er in Insiderkreisen genannt wird, das Geschäft in dritter Generation und fertigt alle Hutmodelle, vorrangig aber natürlich Westernhüte, aus Kaninchen- oder Biberfilz für bis zu 7.000 Dollar nach Maß. Dabei wird nicht nur die Kopfform des Kunden berücksichtigt, sondern auch seine Größe, Schulterbreite, Körpergewicht und Statur, damit das teure Stück auch zur Gesamtpersönlichkeit passt.

Wer’s preiswerter möchte, kann natürlich auch oder einen Strohhut für 20 Dollar oder für etwas mehr einen Stetson von der Stange kaufen und zeigt uns voller Stolz seine respektable Kundenliste, auf der sich Berühmtheiten von Präsident Truman bis George Bush, Dean Martin, Garth Brooks und sogar Papst Johannes Paul II finden. Ob letzterer dem Traditionsstück im St. Peters Dom die nötige Ehre erwiesen hat, bleibt allerdings zu bezweifeln.

Erholsame Oase am Land

Obwohl es für Kulturinteressierte durchaus angenehm ist, in der Stadtmitte zu wohnen und alle Touren vom Hotel aus zu Fuß zu unternehmen, bietet sich für Erholungssuchende oder Golfer – oder einfach nur für ein kleines Lunch im Grünen – das Hyatt Regency Hill Country Resort and Spa etwa 30 Kilometer außerhalb im Westen von San Antonio an. Hier lässt es sich genüsslich speisen oder auch ein Wochenende lang am Golfplatz entspannen, wobei man sich umfangreiche Behandlungen in dem wirklich sagenhaften Wellness-Center gönnen sollte.

Auf dem Weg dorthin liegen praktischerweise auch Einkaufszentren sowie, für (Western)Reiter besonders attraktiv, Stiefel-Shops wie „Little’s Boot Company“, „Lucchese“ und „Cavender’s Boot City“ sowie eine Filiale der Western-Outfitter-Kette „Shepler’s“.

Ein Hauch deutscher Tradition: Boerne

TX_Boerne_altes_Haus.jpgVon San Antonio für texanische Verhältnisse mit 80 Kilometern nur einen Steinwurf entfernt liegt Bandera inmitten des Texas Hill Country. Daher kann man sich als Deutscher einen Umweg über Boerne 50 Kilometer nordöstlich von San Antonio gönnen. Das von unseren Landsleuten 1849 gegründete kleine Städtchen hat bis heute 140 historische Häuser erhalten, die Straße mittendurch heißt immer noch „Hauptstrasse“ und dort finden sich allerlei Antik-Shops, mehr oder weniger kitschige Accessoires und Souvenirs. Auch urige Kneipen gibt es, in denen u.a. das typisch amerikanische Frühstück mit Pancakes, Eggs and Bacon serviert wird.

Hill Country Equestrian Lodge

Wir sitzen auf unseren Pferden auf dem Reitplatz der Hill Country Equestrian Lodge nahe Bandera und recken die Arme weit in den blauen texanischen Himmel, den Oberkörper aufs Maximum gedehnt. „Einatmen beim Armeheben – ausatmen beim Senken“, lautet die strenge Anweisung von Dianne Lindig-Lovett, Betreiberin der genannten Lodge und im besten deutschen Sinne Reitlehrerin. „Und nun die Arme zur Seite und den Oberkörper nach links drehen und dann nach rechts“ fährt sie fort, die Bewegung als positives Beispiel zeigend. Wir, die kleine Gruppe aus vier Reitern – Irene und Heming aus München, Diane aus dem Staat New York und ich. Alle drei sind mehr oder weniger Anfänger, ich nenne mich „experienced“ – wenn man das nach 42 Jahren Reiten und regelmäßigem (Westernturnier)reiten optimistisch so annehmen darf.


 

Korrekter Sitz und feinfühlige Hilfengebung

Trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb und auch ein wenig aus journalistischer Neugier – habe ich mich darauf eingelassen, auf Molly, der 18jährigen Quarter Horse Schimmelstute, diese Stunde mitzumachen und schwinge nun die Arme, um meinen Körper zu lockern. Vor der Stunde, sie ist die dritte Reiteinheit einer fünftägigen Horsemanship-Kurses für die drei anderen, konnten diese auf Videos ihre ersten beiden Versuche ansehen, die sie an der Longe ohne Sattel auf einem Bareback-Reitkissen geritten sind. Jetzt sitzen wir glücklicherweise in bequemen Westernsätteln und nach der aufwärmenden Gymnastik, die sich durchaus als sinnvoll erweist, geht es los. Anfängertypisch im Kreis, wobei wir in den Ecken kleine Kreise reiten sollen, immer unter den kritischen Augen von Dianne und ihrer Mitarbeiterin Shannon.

Mit ihrer Art des Unterrichts möchte sich Dianne ganz bewusst von den umliegenden Dude Ranches abheben. Die Trainingsziele der 56jährigen ehemaligen Fitnesstrainerin (was man der drahtigen Figur auch ansieht) für ihre Schüler sind: Korrekter Sitz, feinfühlige Hilfengebung, und das Pferd vor allem in der Hinterhand aktivieren, weil es sich nur dann athletisch korrekt und vor allem gesund bewegen könne. Wobei die Feinheit der Hilfen bereits damit beginnt, als Signal für das Antreten deutlich einzuatmen. „Das ist eine ganz andere Art des Reitunterrichts als wir ihn aus München kennen“, bestätigt Heming begeistert. „Wir haben hier schon in unserem ersten Kurs letztes Jahr in fünf Tagen mehr gelernt als zuhause in mehreren Monaten und wollen daher auf jeden Fall wiederkommen“.

Und das Lob kommt durchaus berechtigt: Dianne arbeitet mit den Anfängern an den Basisanforderungen und bleibt geduldig, wenn sie teilweise etwas länger brauchen, um das Pferd zum Trab zu motivieren. Ob es am mangelnden Einatmen liegt oder schlicht daran, dass die schlauen Schulpferde auch im Cowboy Country durchaus mitbekommen, wer da oben im Sattel die Zügel nicht ganz so bestimmt in der Hand hat, sei dahin gestellt. Dennoch ist Heming begeistert von den leichtrittigen Pferden: „Ich muss hier lange nicht so viel kämpfen wie zuhause, sie sind total ruhig und reagieren auch bei meinen Hilfen deutlich schneller.“

Am Ende klappen auch die schwierigeren Übungen gut und alle sind mit ihren Erfolgen zufrieden: „Well done, that was great“, lautet das abschließende Lob der Trainerin.

Traum von der eigenen Ranch

TX_Bandera_DianneLindig_Portrait.jpgDianne Lindig-Lovett, selbst auf einer Ranch groß geworden und von Kindesbeinen an Reiterin sowohl im Western- als auch Englisch-Sattel, hat sich hier bei Bandera, „Cowboy Capital of the World“, 1999 ihren Lebenstraum erfüllt, zusammen mit ihrem Mann Peter eine eigene Ranch zu kaufen.

Ihr Ziel ist es, ihren Gästen nicht nur anspruchsvolles Reiten zu vermitteln, sondern auch die besondere Verbindung zu Pferden näher zu bringen. Seit dem Jahr 2000 betreibt sie ihr Unternehmen, das im Unterschied zu den Guest Ranches ganz bewusst „Equestrian Lodge“ getauft wurde.


Insgesamt rund 40 Gäste finden dort in großzügig eingerichteten „Cabins“ eine gemütliche und hochkomfortable Unterkunft, die keine Wünsche offen lässt: Wohnzimmer mit Kamin, zwei Schlafzimmer mit je einem Bad und eine Küche mit allen notwendigem Equipment inklusive Geschirrspüler. Vor der überdachten Veranda lädt ein großer Grill dazu ein, saftige Steaks zu braten. Für kalte Tage gibt es drinnen einen Kamin, uns ist in sommerlicher Hitze aber eher nach einer Abkühlung im Swimmingpool und Relaxing im Whirlpool. „Speziell für uns Großstädter, die auch viel arbeiten, ist die Lodge der ideale Ort, um einfach komplett abzuschalten. Kein Handy-Empfang, kein Computer, abends den Grill anwerfen und saftige Steaks beim Sonnenuntergang in völliger Stille genießen. Man hört nur die Vögel pfeifen und gelegentlich grast ein frei laufendes Pferd ganz nahe an unserer Cabin. Das alles strahlt so viel Ruhe aus - das ist für uns Entspannung total“, erklärt Heming begeistert und freut sich heute schon auf die nächsten Ferien bei Dianne.

Training: Für jeden etwas dabei

Zwölf Pferde unterschiedlichen Temperaments und Ausbildungsstandes stehen für Unterricht in allen Western-Disziplinen, Dressur und Springen zur Verfügung, geritten wird auf einem Reitplatz oder einer großen Wiese. Dianne bietet nicht nur Einzel-, sondern auch Gruppenstunden, Wochenend- und Fünftages-Kurse, Kinder Reit-Camps sowie – für Fortgeschrittene – auch Rinderarbeit. Ein weiteres Highlight sollen Trail Ride ins wunderschöne angrenzende Gelände sein. Hier warten 60 Kilometer Reitwege und spezielle Campingplätze für Reiter in der rund 5.400 Acres – das sind gut 285 Hektar – großen Hill Country State Natural Area (http://www.tpwd.state.tx.us/state-parks/hill-country) auf pferdebegeisterte Besucher. Die Wege sind auf einer übersichtlichen Karte sogar mit Meilenangaben verzeichnet. Besitzer eigener Pferde können diese auch zu Dianne mitbringen und selbstständig auf Tour gehen.

„Don’t sit on my horse like a dude!“


In freudiger Erwartung treffen wir uns am Nachmittag mit unseren Pferden im Roundpen, um zu sechst – mein Mann Lars ist als erfahrener Reiter noch hinzugekommen – auf den etwa zweistündigen Trail Ride zu gehen. Den amerikanischen Versicherungsbestimmungen – Safety first - entsprechend geht es ein wenig militärisch organisiert im Gänsemarsch los. Jeder bekommt seinen Platz zugewiesen, den er, da gibt es kein Vertun, für den Rest des Rittes nicht zu verlassen hat. Entspannung im Sattel ist auch im Gelände nicht erwünscht, wie der im Gegensatz zum sonst so freundlichen Umgangston harsche Kommentar Diannes auf meinen eher an John Wayne erinnernden Westernsitz und einhändige Zügelführung vermuten lässt: „Doris, you are sitting in the saddle like a dude!“. Und ein „Dude“ ist in ernsten amerikanischen Reiterkreisen eher ein Schimpfwort für Leute, die à la City Slickers nur gelegentlich im Urlaub reiten, in Ermangelung besseren Wissens und der nötigen Ausrüstung auch gerne in kurzen Hosen… „Erinnert Euch daran: Ihr seid nicht nur Reiter, sondern auch immer Trainer eurer Pferde“, begründet Dianne ihre Kritik an meiner Schlamperei. Na dann, Kopf hoch, Bauch rein, Brust raus und das deutliche Einatmen nicht vergessen…

Langsam durchs Gelände schlendern

TX_Bandera_HCEL_Ausritt_2.jpgDer überwiegend aus Anfängern bestehenden Gruppe entsprechend bewegen wir uns eher gemächlich im Schritt, ergänzt durch kurze Trabreprisen, durch die Landschaft. Diese kann man dabei ausgiebig genießen: Das Gelände ist leicht hügelig, die Böden sind teilweise sandig, teilweise steinig, weswegen einige Pferde Hufschuhe tragen. Die Vegetation ist halbwüstenartig mit dürren Sträuchern und Agaven-artigen Gewächsen, einmal schlängelt sich der Weg unter tief hängenden Bäumen, dann öffnet er sich wieder und gibt von einem Hügel aus den Blick auf die texanische Weite frei. Bei einer kurzen Pause erklärt uns Dianne die geologische Eigenart des Parks, dessen Fossilienfunde von Krabben und Schnecken immer noch an die ozeanischen Ursprünge erinnern.

Es ist ein bisschen Schade, dass die Aussage aus dem Informationsvideo, die Ausreitgruppen ihren Fähigkeiten entsprechend zusammenzustellen, bei uns (warum auch immer) nicht geklappt hat. Wir hätten gerne die schönen Sandwege und teilweise Wiesen zu munteren Galoppaden genutzt.

TX_Bandera_HCEL_Ausritt_Blick_auf_Huegel.jpgAllerdings wurden die Ausritte später doch noch spannender, wie Heming, den ich nach seinem abgeschlossenen Horsemanship-Kurs noch einmal telefonisch interviewe, erzählt: „Nach den Vormittagsstunden haben wir nachmittags auch im Gelände richtig trainiert, zum Beispiel das Angaloppieren geübt. Auf geraden Wegen hat das auch Diane, die anfangs etwas ängstlich war, sehr gut gemeistert. Als krönenden Abschluss gab es am letzten Tag einen Ganztagesritt“.

Nach den Erfahrungen aus der Unterrichtsstunde und dem Ausritt eignet sich die Hill Country Equestrian Lodge überwiegend für engagierte Reiter(innen), die ihre Reitkenntnisse im Westernstil verbessern wollen. Auch wer einen Partner hat, der hier die Anfänge des Westernreitens in dafür typischer Umgebung, aber dennoch mit konzentriertem Unterricht, erlernen soll, ist hier sicherlich sehr gut aufgehoben.

Bandera – Cowboy Capital of the World


Neben den reiterlichen Aktivitäten bleibt noch genügend Zeit, dem Örtchen Bandera einen Besuch abzustatten. Dass die kleine Stadt zu ihrem Image als “Cowboy Capital of the World” steht, erkennt der Ankömmling bereits an den vielen aus schwarzem Metall gearbeiteten Ranch Cowboy Scherenschnitt-Motiven, mit denen die Laternenpfähle geschmückt sind: Lasso-schwingende Reiter auf der Jagd nach einem Rind, Rodeo Szenen und Barrel Racer sind nur wenige Beispiele.


Eine Kollektion von rund 40.000 Exponaten aus Pionierzeiten und Ranch-Leben bietet das Frontier Times Museum. Hier findet man allerlei Kurioses, von der alten Frisierkommode über Trophy-Westernsättel von Rodeo-Veranstaltungen, ein ausgestopftes Gürteltier und eine Vielzahl von Stacheldrahtvarianten, dessen Erfindung und erste Patentierung im Jahr 1873 erfolgte.

Traditionelle Sattlerkunst und Cowboy-Kneipen

Praktischerweise liegt mehr oder gegenüber dem Museum das Geschäft „Bunkhouse Leather“ eines traditionellen Sattlers, der Ranch- und Showsättel per Hand in seiner Werkstatt anfertigt. Auch das eine oder andere gute gebrauchte Stück kann man dort finden und – soweit man zuversichtlich ist, dass es auf das eigene Pferd passt – auch nach Deutschland mitnehmen. Nach eigener Erfahrung passt der Sattel in eine große Reisetasche, lediglich das etwaiges Zusatzgewicht und Zoll ist dann zu bezahlen.

TX_Bandera_OST_Rest_Sattelbar.jpgNach dem Kultur- und Shopping-Genuss bietet sich ein Besuch im Old Spanish Trail Restaurant an, von Einheimischen kurz OST genannt. Es versetzt einen mit einem Schlag in die alten Zeiten der Cattle Trails, als verstaubte Cowboys Rast machten, ihre Pferde vor der Tür parkten und mit rauer Stimme „Whiskey“ orderten. Es gibt ein Buffet vom sog. Chuck Wagon, einem alten Küchenwagen, außer an normalen Stühlen und Tischen bieten Westernsättel an der Bar bequeme Sitzgelegenheiten, jedenfalls für begeisterte Anhänger dieser Reitsportdisziplin, die sich so schon einmal gebührend auf die kommenden Ranch-Erlebnisse vorbereiten können.


Wem es nach einem typischen Cowboy-Abend gelüstet, in einer gemischten Menge von wettergegerbten Stetson- und Westernstiefel-Trägern sowie live Country Music mit Dancing, der hat jeden Mittwochabend in der „11th Street Cowboy Bar“ bei der „Wednesday Steak Night“ ausreichend Gelegenheit für texanische Sozialkontakte. Wie im bayerischen Biergarten bringen sich die Gäste ihr Essen – typischerweise Steaks – selbst mit und lassen sie auf großen Grillflächen bruzzeln. Salat, Baked Potatoes und andere Beilagen gibt es für kleines Geld an einem Büffet ebenso wie alle Arten von alkoholfreien, schwächeren und stärkeren Getränken. Die Stimmung ist fröhlich, die Musik örtlicher Country-Größen nicht zu laut und die Luft angenehm mild. Eine schöne Gelegenheit, den Tag ausklingen zu lassen.

Weite erfahren

TX_BB_Landschaft.jpgAuf der Reise von Bandera nach Westen auf dem Interstate Highway 10 in den Big Bend Ranch State Park „erfährt“ man auf 700 Kilometern im wahrsten Sinne des Wortes das „weite Land“. Die Umgebung wird auf die Dauer ein wenig öde und erst mit der Einfahrt in den „Big Bend“, so genannt nach einer Biegung im Rio Grande, dem Grenzfluss zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko, wird sie mit links und rechts auftauchenden Hügeln und Bergen interessant. In dem Städtchen Alpine finden sich zum Beine-Vertreten zwei Saddle Shops, von denen sich die Big Bend Saddlery als wahres Paradies mit allerhöchster Qualität in allen Produkten erweist. Wieder einmal Schade, dass der Koffer so seine natürlichen Grenzen hat…


Am Spätnachmittag angekommen, genießen wir die Kühle des „Lajitas Resort“ im gleichnamigen Ort. Zum Komfort des Luxushotels in der Wüste gehören auch ein angenehm warmer Swimming Pool mit Liegen unter schattenspendenden Bäumen und einer der sieben schönsten Golfplätze der Welt.

Abends wird das Essen auch auf einer wunderschönen Terrasse serviert, so dass man – im Gegensatz zu den klimaanlagen-gekühlten Restaurants – die Jacke zuhause lassen kann. Und die Steaks zergehen wieder einmal auf der Zunge… Die abendliche Stärkung ist wichtig, denn am nächsten Tag werden wir insgesamt sechs Stunden im Sattel sitzen.

Scenic Rides im Big Bend State Park

TX_BB_AUsritt_Tagesausritt_bergauf.jpgDer Weg geht steil bergauf, über uns die erbarmungslos heiße Sonne am hellblauen texanischen Himmel, unter uns das Knirschen harter Steine unter den Hufen. Die Pferde tragen alle breites Vorderzeug und Schweifriemen, weil die Sättel sonst auf den extrem steilen Wegen verrutschen würden. Schritt für Schritt erklimmen wir die Anhöhe. Das zunehmende Schnaufen der Tiere – insgesamt sieben auf unserer Halbtagestour – signalisiert die Anstrengung selbst für solche, die in diesen Bergen geboren, aufgewachsen und täglich trainiert sind. „Wir kaufen die Pferde, meist Quarter Horses, am liebsten hier in der Gegend, weil sie das Gelände von klein auf gewöhnt sind. Andere müssen wir zu lange antrainieren, bis sie damit klar kommen“, erklärt Wrangler Janelle de Grote, 38 Jahre alt, Profitrainerin und seit sechs Jahren als General Manager bei den Lajitas Stables tätig.


Wir haben die Contrabando Mesa Tour um 9.00 Uhr mit Lunch gebucht und bestaunen mit jedem Schritt mehr und mehr die atemberaubenden Weiten und Aussichten. Die schmalen Wege führen durch die spärlich mit niedrigem Gestrüpp und Kakteen bewachsene Chihuahua Desert Ecoregion, in der es nur fünf bis zehn Prozent Luftfeuchtigkeit gibt. Regelmäßiges Trinken ist absolutes Dogma, auch wenn man keinen Durst verspürt. Janelle hat jedem von uns einen Jutesack mit vier Halbliterflaschen Wasser an den Sattel geschnallt mit der Bemerkung, diese auch zu trinken. „Wer das vergisst, dehydriert über kurz oder lang. Das macht sich erst mit Kopfschmerzen, später mit Übelkeit bemerkbar und das wollen wir auf jeden Fall vermeiden“, meint sie schmunzelnd. Der Weg bringt uns auch zum sog. „Spanish Window“ mit dem spektakulären Blick auf die südlichen Flanken der Solitario Geological Formation, einer kreisrunden Felsformation mit etwa 16 Kilometern Durchmesser.

Nach nahezu drei Stunden stechender Sonne auf dem – aus Sicherheitsgründen mit Helm behüteten Kopf – freuen sich alle Reiter auf den Lunch in einem kleinen Canyon, der wenigstens anfangs noch ein wenig Schatten bietet. Janelle zaubert aus ihren Satteltaschen Köstlichkeiten wie gebratenes Hähnchen, Salat, Käse, Brot und Obst. Alles wird teilweise mit freudiger Hilfe der Mitreiter mundgerecht geschnitten, dann heißt es „Das Büffet ist eröffnet“.

Nach der gut einstündigen Pause geht es in etwa einer Dreiviertelstunde wieder zurück zu den Lajita Stables und ins Hotel, wo nun die Annehmlichkeiten des Pools warten, bevor es auf den Sunset Ride geht.

Sunset Ride in der Mondlandschaft

TX_BB_AUsritt_Sunset_Gegenlicht.jpgObwohl der Sunset Ride nur etwa 20 Kilometer nordwestlich von Lajitas nahe der heutigen Ghost Town Terlingua liegt, zeigt sich die Landschaft hier völlig anders. Zwar geht es auch hier auf Hügel bergauf und bergab, die Berge bilden oben teilweise plateauartige Ebenen, teilweise blickt man auf schroffe Mondlandschaften.

TX_BB_AUsritt_Sunset_Steinschichten.jpgDa wir heute Abend mit Janelle alleine reiten, kann man die Weite und Ruhe genießen, unterbrochen nur durch das Knirschen der Hufe und gelegentlichem Vogelgezwitscher. Wir reiten durch ausgetrocknete Flussbetten ebenso wie auf locker sandigen Wegen und hartem Gestein. Die Gesteinsfarben wechseln von ockergelb bis dunkelrot, was auf die Cinnabarit-Vorkommen zurückzuführen ist. Bis zum Zweiten Weltkrieg war der Terlingua District aufgrund der umfangreichen Vorkommen dieses Minerals das drittgrößte Quecksilber-Abbaugebiet der Vereinigten Staaten und einige Restbestände von Minen weisen noch darauf hin.

TX_BB_AUsritt_Sunset_Gewitterstimmung_Schatten.jpg

Die Vegetation – dürres Gestrüpp und Kakteen - lässt hier ebenfalls große Dürre vermuten, wenn auch ein paar grünere Sträucher und seltene Blüten beweisen, dass gelegentlich doch ein paar Tropfen Regen fallen. Auch heute bilden sich dunkle Gewitterwolken am Horizont, die aber lediglich zur Betonung der malerischen Farben des Abendhimmels beitragen.


Margaritas und Award Winning Chili

„Bring me two pina coladas, one for each hand,
let’s set sail with Captain Morgan and never leave dry land“…

klingt es aus den Lautsprechern der Country Band im „Starlight Theatre and Saloon“. Es gilt als das beste Restaurant mit Texmex-Food und Feeling der „Ghost Town Texas“ bei Terlingua. Anstatt der Pina Coladas gibt es eine große Auswahl landestypischer Margheritas mit Salzrand und das “Award Winning Terlingua Chili with Cheese and Onions“ mundet nicht nur hervorragend, sondern bringt nach den schweißtreibenden Ritten auch die nötige Portion Salz und Pfeffer in den Körper.

Zur Sache, Cowboy!

TX_ABilene_RR_Big_Parade.jpgDas Publikum erhebt sich, Hüte werden vor der Brust gehalten und die Köpfe ehrfurchtsvoll gesenkt. Beten ist angesagt. Wir sitzen nicht, wie man vielleicht vermuten möchte, in der Kirche, sondern auf einem von dem Haflinger „Butter“ gezogenen weißen Einspänner inmitten der Grand Opening Parade für das „Western Heritage Classic“ Ranch Rodeo in dem kleinen Städtchen Abilene, das wir nach langer Autobahnfahrt vom Big Bend Park aus erreicht haben. Der besinnliche Teil endet mit dem gemeinschaftlichen und inbrünstigen Singen der Nationalhymne, deren Refrain in zwei Zeilen einen Großteil des US-amerikanischen patriotischen Denkens vermittelt:
„Tis star-spangled banner! Oh may it wave
O’er the land of the free and the home of the brave!”


Und „brave“, also tapfer, müssen sie in gewisser Weise schon sein, die Ranch Cowboys, die beim heiteren Teil des Rodeos u.a. nicht nur die berühmten „längsten acht Sekunden der Welt“ auf einem bockenden Pferd möglichst elegant aushalten. Sie stürzen sich vom Pferd aus auf mit ihrem ganzen Gewicht auf junge Bullen, um diese umzuwerfen – nichts für Tierschützer übrigens – und melken ausgewachsene wilde Kühe melken, die gar keinen Spaß verstehen, wenn man ihnen zwischen die Beine greift. Spannend und spaßig zugleich ist auch das Team Penning, in dem drei Reiter die Aufgabe haben, vier definierte Jungrinder, die dafür eigens Nummern auf dem Rücken tragen, aus einer Herde heraus in einen Gitterkäfig, den Pen, zu treiben. So einfach es theoretisch klingen mag, so schwierig kann es in der Realität sein. Denn die kleinen Rinder versuchen, einmal aus der Herde herausgetrieben, blitzschnell wieder zurückzukommen. Selbst das sprintstarke Quarter Horse hat da manchmal das Nachsehen…

Western Tradition bewahren

Das Western Heritage Classic ist – anders als die bekannten Profiveranstaltungen in Las Vegas oder Fort Worth zum Beispiel – ein Amateur-Rodeo, dessen Ursprünge auf das Jahr 1985 zurückgehen. Damals trafen sich die Cowboys einiger großer Ranches aus der Umgebung in Teams auf, um in Wettbewerben herauszufinden, welche „Working Ranch“ die beste war. Seit den Anfängen mauserte sich der kleine lokale Wettbewerb zu einem internationalen Event, das neben dem sportlichen Spaß auch das Ziel hat, das Erbe der Westerntradition zu bewahren. Um den Besuchern – mehrheitlich Familien und auch internationale Touristen – diese Tradition und das Verständnis für diesen speziellen Lifestyle näher zu bringen, gibt es auch u.a. ein „Chuckwagon Cookoff“, Western-Kunst Shows, die weltgrößte Ausstellung für Gebisse und Sporen und jede Menge Attraktionen für Kinder.

TX_ABilene_RR_Pferd_im__Auto.jpgNeben dem sportlichen Wettbewerb, der so manchen Teilnehmer eine gehörige Portion Staub schlucken lässt, gibt es natürlich – wir sind hier in Amerika – bunte Showeinlagen: Am faszinierendsten das Bild „Good N Broke Limo: Hier zieht das Pferd einen offenen Oldtimer in die Arena und präsentiert seine Rittigkeit und Nervenstärke anschließend in den schwierigsten Lektionen ohne Zaumzeug mit gleichzeitigem Revolverknallen. Am Ende reitet(!) der Cowboy das Pferd in das Auto, wo es vornehm auf dem speziell groß bemessenen Rücksitz Platz nimmt und von seinem Reiter hinauschauffiert wird. Einmalig…

Nicht minder beeindruckend ist der Sechsspänner mit Clydesdales der berühmten Budweiser Brauerei, die, man glaubt es kaum, Trab- und Galopptraversalen vor dem Wagen präsentieren. Von wegen schwerfällige Kaltblüter.

Starke Unterstützung erfahren die Ranch Rodeos auch von der Working Ranch Cowboy Association (WRCA), deren Repräsentation Mandy Morton erklärt, wie wichtig diese Veranstaltungen sind, um den auch heute noch reale Cowboy-Beruf ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken: „Ein Großteil der Amerikaner kennt den Cowboy als strahlenden Held nur aus John Wayne-Filmen. Die Wirklichkeit sieht aber anders aus. Junge Cowboys sind Tagelöhner für rund 100 Dollar am Tag, die mit ihren eigenen Pferden und Transportern von Ranch zu Ranch fahren und dort Arbeiten wie Rindersortieren, Impfen und Brennen erledigen. Ältere Cowboys, oft verheiratet mit Kindern, sind eher angestellt, aber beide arbeiten in einem Niedriglohnsegment. Die WRCA lebt von Sponsoren und Privatspenden, die als Unterstützung in Notzeiten, etwa im Krankheitsfall oder als Stipendium für Collegebesuche der Cowboy-Kinder ausgezahlt werden. Die Einnahmen eines Ranch Rodeos kommen zumindest teilweise ebenfalls der WRCA und damit wiederum den Cowboys zugute“, so Mandy Morton.

Was ist in Lubbock…?

… fragt sich der deutsche Reisende, wenn er diesen Ort vom texanischen Fremdenverkehrsamt als besonderes Highlight vorgeschlagen bekommt. Nun, einerseits liegt es praktisch auf dem Weg von Abilene ins – durch den Palo Duro Canyon – bekannte Amarillo im nordöstlichen Texas.

TX_Lub_BuddyHollyCenterEingang.jpgFür Rock’n’Roll-Fans ist es außerdem ein Mekka, weil hier der 1959 allzu früh verstorbene Sänger Buddy Holly – er wurde nur 23 Jahre alt - geboren wurde und es das Buddy Holly Center mit allerlei Exponaten wie Gitarren, Schallplatten, Bühnenkleider und jede Menge Fotos zu besichtigen gibt.


Die Hauptattraktion – oder jedenfalls empfanden wir es als solche – ist aber das mehrere Hektar umfassende Freilichtmuseum „The National Ranching Heritage Center“, das mit seinen original restaurierten Häusern von 1780 bis ins frühe 20. Jahrhundert, historischem Mobiliar und Einrichtungsgegenständen, Windmühlen, Kutschen, Zügen und (Rinder-)Transportboxen, Räucherhaus und Post-Stelle tatsächlich einen „Walk through history“ des amerikanischen Westerns und seines Pionierlebens ermöglicht. Wer die Zeit hat, sollte sich dafür ruhig einen halben Tag vornehmen, um alle Gebäude zu besichtigen und die sie erklärenden Tafeln in Ruhe zu lesen.

Nach der Zeitreise durch die Geschichte der Kultur unter heißer Sonne empfiehlt sich ein Besuch des „Sonic Drive-In“, wo Milk- und Ice Cream Shakes in amerikanisch typischer Vielfalt an Geschmacksrichtungen von freundlichen, auf Skateboards heranrauschenden Bedienungen direkt an Autofenster geliefert werde. Eiscafé American Style…

Ranch Riding and History on Horseback

TX_AM_Ausritt_LCR_weitesLand.jpgEndlich wieder im Westernsattel, inmitten texanischer Weite, über uns erneut der strahlend blaue Himmel, vor uns eine kleine Rinderherde. Sie gehört Phyllis Paine, die im Jahr 2011 ihren Job im Hotelmanagement an den Nagel gehängt und stattdessen 18 Kilometer von Amarillo, direkt am Palo Duro Canyon, die 1.000 Acres oder gut 400 Hektar große Los Cedros Ranch und 250 Rinder gekauft hat. „Das ist für texanische Verhältnisse ein kleines Anwesen, aber es gibt mir die Möglichkeit einen lang gehegten Wunsch zu realisieren: Mit unserem Angebot‚ Cowgirls and Cowboys in the West‘ möchten wir interessierten Menschen aus aller Welt texanische Gastfreundschaft, Tradition, Kultur und Ranch Lifestyle näher bringen.

TX_AM_Ausritt_LCR_CHuckWagon.jpgDazu bietet wir nicht nur Trail Rides auf der weitläufigen Ranch und sog. Cattle Round-up Vacations, sondern organisieren auch Erlebnisse wie Chuckwagon und Dutch Oven Meals sowie Besuche historischer Route 66 Stätten“, erklärt die drahtige Mittfünzigerin, als wir mit ihr und Eric, ihrem immer lachenden Wrangler mit wettergegerbtem Gesicht, am Rand des Palo Duro Canyon entlang reiten und uns gar nicht sattsehen können an dem spektakulären Panorama der mit knapp 200 Kilometern Länge und durchschnittlich 10 Kilometern Breite zweitgrößten Landschaftsformation dieser Art und „National Natural Landmark“ in den USA.


Der tief liegende, daher geschützte Canyon sowie sein dort fließender Fluss „Prairie Dog Town Fork Red River“ und die damit verbundene reichhaltige Flora und Fauna waren Grund dafür, dass sich hier seit jeher – die ersten Belege menschlicher Ansiedlung sind an die 15.000 Jahre alt – zunächst Völker der Apache, später Comanche, Cheyenne und Kiowa ansiedelten. „Das Ende der Ureinwohner im Canyon wurde 1874 im Red River War besiegelt, als Colonel Mackenzie 1.400 Pferde der Indianer abschlachtete und ihnen damit eine wichtige Grundlage für die Jagd und die Kriegsführung nahm“, schildert Phyllis das grausame Werk der Militaristen der alten Zeit. Einer Legende nach könne man bei Nacht immer noch die Schreie der Pferde hören, so Phillys, und wirkt dabei so ergriffen, als wäre das schreckliche Verbrechen erst gestern geschehen.

Faszination Natur: Rundfahrt im Palo Duro Canyon

TX_PaloDuro_von_oben.jpgAuch mit dem Auto, Fahrrad, auf geführten Ausritten oder Schusters Rappen lässt sich der Palo Duro Canyon erobern. Kurz nach der Einfahrt in den State Park informiert ein Visitor Center, von dem man einen herrlichen Blick in die Tiefe des Canyons genießen kann, über die wichtigsten geologischen und historischen Fakten. Dort erhält der Besucher auch eine detaillierte Karte mit allen Wander-, Fahrrad- und Reitwegen, Camping- und Picknickplätzen. Wer bei größerer Hitze – und die beginnt schon Anfang Mai - wenig Lust zu sportlichen Aktivitäten verspürt, kann ganz in der Tradition des American Sightseeing die Natur auch mit dem Auto erfahren und nur an besonders attraktiven Orten aussteigen. Selbst dafür empfiehlt es sich aber, ausreichend Wasser mitzunehmen.


Von Dinosaurier bis zur Ölpumpe: Panhandle-Plains Historical Museum

TX_AM_PanhandleMuseumEing.jpgAuf dem Weg vom Palo Duro Canyon nach Amarillo lohnt ein Besuch des Panhandle-Plains Historical Museum in der kleinen Stadt Canyon: Von Jahrtausende alten archeologischen Ausgrabungen über Dinosaurier-Skelette bis hin zu Windmühlen findet sich hier alles, was es in Nordtexas – dem Panhandle – gegeben hat. Besonders lebendig: Die Pionierstadt mit altem Schulzimmer, Kirche und natürlich Gefängniszelle…


Mekka für Quarter Horse Fans: Amarillo

TX_AM_AQHA_EINGANG.JPGNur 30 Kilometer sind es von Canyon nach Amarillo ins Mekka für American Quarter Horse Fans, wo sich die Zentrale der American Quarter Horse Association samt AQHA Hall of Fame & Museum befinden. Ein absolutes Muss für alle Pferdefreunde und speziell dieser amerikanischen Pferderasse, die mit mehr als fünf Millionen eingetragener Pferde seit 1940 zahlenmäßig – natürlich typisch amerikanisch – die größte der Welt ist. Lebensgroße Bronze-Figuren mit Renn-, Cutting- und Ranch-Pferden zieren den Platz vor dem Eingang.


Am Boden der eindrucksvollen, mystisch beleuchteten Eingangshalle sind in einem großen Mosaik die Gründerväter quasi in Stein gemeißelt. Auf mehr als 4.000 Quadratmetern werden den 20.000 bis 30.000 Besuchern pro Jahr jegliche Informationen rund um die „Mutterrasse aller Westernpferde“ geboten, der die Stadt mit dem Quarter Horse Drive sogar eine Straße gewidmet hat. Neben den unzähligen Bildern, Skulpturen, Champion-Sätteln sowie Pokalen und natürlich auch Menschen, die sich um die Rasse verdient gemacht haben, wird im Kenneth Bank Theatre ein Kurzfilm über die Pferde und ihre Eigenschaften gezeigt. In „The Stables“ Joni Hegel Education Gallery können Besucher diverse Sättel - darunter auch einen Western-Damensattel - probesitzen, den Dialog eines virtuellen Tierarztes mit einem ebensolchen Pferd über diverse Erkrankung aufrufen und quasi mit Röntgenaugen ins Innere des Pferdekörpers sehen.

An die 100 berühmte Pferde und rund 150 Menschen, die außergewöhnliche Leistungen für die Rasse oder den Sport vollbracht haben, sind derzeit in der Hall of Fame aufgenommen. Dazu gehören u.a. der bekannte Pleasure-Vererber Zippo Pine Bar und das Rennpferd Dash for Cash ebenso wie die Züchter-Legende Hank Wiescamp oder der Trainer Bob Loomis.

Kunst vom Feinsten: Texas‘ älteste Sattlerei

TX-AM-OliverSaddlery_werkstatt_1.jpgHochinteressant ist ein Blick in den Oliver Saddle Shop. Dort werden seit 1917 bereits in der vierten Generation Sättel und Zaumzeuge überwiegend für Working Cowboys und den harten Ranch-Einsatz nach Maß angefertigt. Dabei scheint man sich nicht so große Gedanken und die perfekte Passform zu machen, wie dies in Deutschland per Messgitter und dem modernen Equiscan üblich ist.

TX-AM-OliverSaddlery1_1.jpg„Wir fragen unsere Kunden nach dem Typ und Gewicht des Pferde, also ob es ein Show Horse, Ranch Horse oder Cutting Pferd ist, weil diese Typen sich im Rücken die Bemuskelung betreffend unterscheiden. Dementsprechend wird der Baum bestellt und der Rest nach Wunsch angefertigt. Die Sättel passen dann zu 90 Prozent. Wir empfehlen gar nicht, den 100prozentig passenden Sattel für nur ein Pferd – es könnte morgen an einer Kolik sterben und der teure Sattel würde keinem anderen passen. Mindestens ebenso wichtig ist aber die Anpassung an den Reiter, so bekommen Frauen aufgrund ihres etwas kürzeren Steißbeines einen etwas anderen Sitz als Männer“, erklärt Richard Oliver, der mit seinen beiden Söhnen die Sattlerei betreibt. 

Die klassischen Arbeitssättel bestehen komplett aus schwerem Wildleder, weil der Reiter hier besonders gut sitzt. „Putzen ist für den Cowboy ohnehin kein Thema“, schmunzelt der Sattler. Aber es geht auch eleganter, wie Bryan Oliver anhand seines beeindruckenden Lagers für Leder, Unterfelle und der Vielzahl von Punzierungsstempeln erklärt: „Früher haben wir die Sättel punziert, um Lederunregelmäßigkeiten zu kaschieren, heute ist so ein komplett punzierter Sattel ein attraktives Kunstwerk.“


Allerdings brauchen die Sattler dafür durchaus Zeit: Während ein einfacher Arbeitssattel in gut einer Woche fertig ist, benötigt man allein für die Punzierung rund drei bis vier Tage. Dementsprechend haben die Sättel auch ihre Preise, die durchaus bis an die 5.000 Dollar reichen können.

Für den großen Hunger: The Big Texan Steak Ranch

TX_AM_BigTexanSteak_Bulle_Eingang.jpgHeute Abend versucht es wieder einmal einer: Den Kampf „Mann gegen Steak“ aufzunehmen und das zu schaffen, was bisher nur etwa 15 Prozent der Gäste, darunter eine 69jährige Großmutter, vermochten: Ein komplettes Abendessen aus Krabbencocktail, 72 (!) Unzen-Steak – das sind gute zwei Kilogramm – mit Baked Potatoe und Butter-Brötchen innerhalb von einer Stunde zu vertilgen. Der Grund für die gigantische Fresserei: Wer es schafft, ißt „for free“, andernfalls muss der Gast 84 Dollar bezahlen, darf aber die Reste im Doggybag mit nachhause nehmen.  

TX_AM_BigTexanSteak_Gastraum.jpgOrt des Geschehens ist eine Mischung aus Münchner Hofbräuhaus und Western Saloon: The Big Texan Steak Ranch, 1960 von Bob Lee ursprünglich an der berühmten Route 66 erbaut, um den urigen Cowboys ordentliche Steaks anzubieten. Heute steht es am Interstate Highway 40 in Amarillo. Aufgrund der riesengroßen weißbraunen Rinder-Statue und der grellgelben Front samt stolz wehenden Lone-Star Texas-Flaggen ist es kaum zu übersehen und für Amarillo-Besucher quasi eine Pflichtveranstaltung. Glücklicherweise bietet die Karte auch eine große Auswahl von Steaks in Normalgrößen.

TX_AM_BigTexanHotel.jpgZurückversetzt in eine Old West Town des späten 19. Jahrhunderts fühlt man sich angesichts der bunten Fassade des Big Texan Motels, praktischerweise gleich neben dem Steakhouse. Auch die Zimmer sind im Pionierstil gehalten, lassen aber dennoch nicht den üblichen Komfort inklusive Swimmingpool in der Form des Staates Texas vermissen.

Horses unlimited: North Texas Horse Country

Die letzten Tage der dreiwöchigen Texasreise sind einem weiteren equinen Höhepunkt gewidmet: Dem North Texas Horse Country. Ausgangspunkt für die Exkursionen in die Region mit der weltgrößten Konzentration und Vielfalt von Pferdezucht- und Trainingsbetrieben ist das hochkomfortable Hotel „Homewood Suites“, ein Mitglied der Hilton-Kette in Denton, 65 Kilometer nördlich von Dallas/Fort Worth. Rund 350 Ranches aller Rassen und Reitweisen mit insgesamt an die 40.000 Pferden haben sich seit den 70er Jahren auf dem etwa 150 Kilometer langen und 70 Kilometer breiten Landstrich angesiedelt, weil er mit sandigem Lehmboden und seinem milden Klima ideale Verhältnisse für die Pferdezucht bietet.

Das Denton Convention & Visitor Bureau (CVB) bietet in den Monaten März bis Mai und September bis November geführte Touren von 9.00 Uhr bis 15.00 Uhr zu den Highlights der Region an. Außerdem steht das „CVB“ auch zur Verfügung, um individuelle Touren für Einzelreisende zusammenzustellen. Das ist auch durchaus empfehlenswert, weil der Pferdefreund auf diese Weise in relativ kurzer Zeit genau die Schwerpunkte setzen kann, seien es Züchter und Ausbilder für die Disziplinen Halter- und Pleasure, Reining und Cutting oder – ganz andere Rassen – wie zum Beispiel Vollblüter, Araber, Tennessee Walker oder Saddlebreds. Wer es völlig individuell mag, kann auch bei den in der Broschüre „North Texas Horse Country – A Driving Tour“ angegebenen Ranches anrufen und dort Termine vereinbaren.

Spaß mit Tradition: Cowboy Mounted Shooting

TX_Dent_CMS.JPGEs ist höchst rasant, sehr laut und macht einen Riesenspaß: Cowboy Mounted Shooting, die in den USA immer beliebtere Disziplin, auf unserer Tour vorgestellt von keinem geringeren als dem National Champion Marcus Wadley. Als mehr oder weniger konservativer Deutscher, der Schusswaffen glücklicherweise nur aus Film und Fernsehen kennt, wäre man eigenständig kaum darauf gekommen, sich gerade diese Pferdesportvariante näher anzusehen. Aber dank unserer Reiseführerin Dana Lodge vom genannten Denton CVB, die uns drei Tage munter begleitet, haben wir die Chance, nicht nur mehr von dem auch bei uns bei Westernreitern Fuß fassenden Sport zu erfahren, sondern ihn sogar selbst einmal auszuprobieren.

Ziel ist es nach einem vorgegebenen Muster bis zu zehn Luftballons abzuschießen, wobei der Weg um die Tonnen und die Farbreihenfolge – es gibt helle und dunkle Ballons – vorgegeben sind. Geschossen wird mit einem traditionellen 45-Kaliber Single Action Revolver, dessen Hahn man nach jedem Schuss neu spannen muss. Die fünf Patronen sind nur mit schwarzem Pulver gefüllt, deren Druckwelle den Ballon zum Platzen bringt. Da zehn Ballons zu treffen sind, startet der Reiter mit zwei Pistolen, die er in Holstern vor dem Bauch trägt. Gewertet wird nach Zeit und Anzahl der getroffenen Ballons. Der Profi absolviert den Kurs in 12 Sekunden fehlerlos, der Amateur braucht schon 16…

So schwierig es klingt, so schwierig ist es auch. Wer noch nie einen Revolver in der Hand hatte, ist überrascht vom Gewicht: Das Ding ist elendig schwer. Da mein „Test-Pferd“ gewohnt ist, die Prüfung im Jagdgalopp zu absolvieren, beginnt es bereits beim Spanngeräusch nervös zu tänzeln. Selbstredend muss man einhändig reiten, was man als Westernreiter zwar kann, üblicherweise hat man dabei aber keine Waffe in der Hand, mit der man auch noch zielen sollte. Also versucht man es erst einmal im Schritt und ist froh, nicht aus Versehen das Pferd zu treffen. Spaß gemacht hat es dennoch!

Noble Pferde-Residenz: Timberidge Ranch

TX_DENTON_Timber_sorrel.JPG„Bin ich nicht wunderschön?“ scheint der Blick aus riesengroßen Augen der zweijährigen fuchsfarbenen Araberstute direkt in die Kameralinse zu fragen, die sie bei ihrer „Halter Präsentation“ in der hochnoblen Reithalle der Timberidge Ranch auf Schritt und Tritt verfolgt. Sie schwebt mit bodenverachtenden Tritten über supergepflegtem, weichem Sand, stoppt auf ein leichtes Halftersignal, stellt sich stolz in Show-Positur und zeigt uns ihr edles Profil. Ja, sie ist wirklich wunderschön, eine Augenweide für jeden Pferdefreund und schon wegen dieses einen Anblicks den Besuch der Timberidge Ranch wert.

Ronda und Jim White präsentieren ihre wertvollen Araber sichtlich stolz, die sich nicht nur elegant bewegen, sondern – wie Ronda auf Zuchtstute mit Spitznamen „Sexy“ beweist, auch nach langem „Nichtstun“ auf der Weide mit zwei Fingern leicht zu reiten sind. Und das nicht nur von der Besitzerin, sondern auch von mir als völlig Fremder, und so gut, dass Ronda uns spontan einlädt, jederzeit zum Ausreiten kommen zu dürfen.

TX_DENTON_Timber_Jog1_kl.jpg„Wir züchten nur mit Pferden, die im Turniersport erfolgreich waren, wobei sie sowohl an der Hand als auch unter dem Sattel je nach Eignung in Hunter- oder Pleasure-Prüfungen vorgestellt werden. Um unsere Stuten nicht zu überlasten, haben sie nur alle zwei bis drei Jahre Fohlen, die dann aber meistens die entsprechende Qualität hat“, erklärt Jim seine Zuchtphilosophie, als wir im hocheleganten Casino seiner Reithalle sitzen, das ebenso als Bar eines Luxushotels dienen könnte. Auch der 2009 geborene rabenschwarze Deckhengst Diesel Smoke CBA muss sich immer wieder im Turnier beweisen. Die Youngsters werden dann ebenfalls in Turnieren mindestens an der Hand vorgestellt und finden meistens Liebhaber, die auch hohe fünf- oder sogar sechsstellige Dollarpreise bezahlen. Trotz aller Perfektion der Timberidge Farm – die Boxen sind sehr groß und hell, der Boden besteht aus tritt- und rutschfesten, aber leicht federnden Hartgummiplatten – dürfen die Pferde aber dennoch auf der Weide ihre Freiheit genießen.

Tennesse Walker, Missouri Foxtrotter & Co.: Walking Tall Ranch

TX_Dent_WalkingTall_MFT.JPGDie schwarzweiß gescheckte Stute gleitet sanft dahin, ich sitze fast völlig erschütterungsfrei im bequemen Westernsattel und könnte dabei ganz einfach – wäre es der Tageszeit angemessen – ein Glas Kentucky Straight Bourbon trinken, ohne einen Tropfen zu verschütten. Das geht so nur auf dem Rücken eines gut trainierten „Gaited Horse“, wie man hierzulande Gangpferde nennt. Die Stute ist allerdings auch dreifacher World Champion in ihrer Disziplin und beweist ihre außerordentliche Qualität, indem sie auch mit mir als nicht eben erfahrene Gangpferdereiterin nach einer kurzen „Gebrauchsanweisung“ ihren Flat Walk zeigt. „Ich bin vor 15 Jahren auf Tennessee Walker gekommen, weil ich vorwiegend bequem ausreiten wollte“, erklärt Leslie Atkins und Betreiberin der seit 2002 in Pilot Point bestehenden Walking Tall Ranch. „Damals ging ich zu einem Trainer, um das Gangpferdereiten korrekt zu erlernen und bin so weiter in diese Szene hinein gewachsen. Mit der Zeit habe ich mit dem Trainer zusammen Pferde gekauft, ausgebildet und wieder verkauft. Immer mehr Leute interessierten sich speziell für diese bequeme Art zu Reiten und die entsprechenden Pferde. Daraus hat sich dann langsam das Geschäft entwickelt. Seit 2002 sind wir hier an diesem Standort und bieten sowohl Beritt als auch Unterricht für Menschen an, die entweder völlig neu mit dem Reiten beginnen oder auch Umsteiger von anderen Reitweisen sind“, berichtet Leslie weiter. So stehen nicht nur Tennesse Walker, sondern auch Rocky Mountain Horses, Missouri Foxtrotter und Paso Finos in den teilweise bis zu 15 Quadratmeter großen Boxen.

Der Unterricht und Beritt umfasst für Pferd und Mensch das Gangpferdereiten in der Halle und auf dem Reitplatz und natürlich im Gelände, weil der gemütliche und vor allem sitzbequeme Ausritt für die meisten das Hauptziel ist, wenn sie sich ein Gangpferd kaufen. „Wir trainieren die Pferde auf Wunsch aber auch für den Turniereinsatz, und wenn Kunden länger bleiben wollen, bieten wir auch Ferienapartments für Gäste an, die entweder mit ihren eigenen Pferden oder zum Reitunterricht kommen.

TX_DENTON_WalkingTall.JPGDie Apartments bieten gemütliche Wohn- und Schlafzimmer sowie komplette eingerichtete Küchen, für kühle Tage einen Kamin und für heiße draußen einen herrlichen Pool. Hier lässt sich das Reiterleben mehr als gut ertragen. Und wer weiß, vielleicht wird hier ein „traditioneller Reiter“ zum Freund dieser so ganz anderen Art, auf dem „Rolls Royce der Cowboys“ durch die Landschaft zu gleiten.

Entspannung pur: Loan Oak Ranch

Ebenso entspannend ist sicherlich der Aufenthalt auf der Loan Oak Ranch, die nicht umsonst den Beinamen „Retreat“, also „Rückzug“ trägt und mit Slogan „An hour north of Dallas/Fort Worth, A million miles from the city“ wirbt: Im Norden des Horse Country, im Örtchen Gainesville, liegt das herrliche Refugium. Hier kann man (aus)reiten (lernen) und Kutschfahrten unternehmen, wandern und fischen, im Pool schwimmen oder im Wellness Center relaxen…oder in herrlicher Stille, nur vom Vogelzwitschern begleitet, ganz einfach nichts tun.

Brian Manhart, seit fünf Jahren Leiter der Ranch, Familienvater und durch seine ruhige Art schon Initiator jeder Entspannung, erklärt seine Philosophie: „Wir möchten unseren Kunden einfach alles bieten, damit sie fernab des Großstadt- und Business-Stresses zur Ruhe kommen. Sie können bei uns aber auch in einer eigenen Kapelle heiraten, anschließend ausgelassen feiern und natürlich sehr bequem wohnen“, so Brian Manhart. Die insgesamt 28 Unterkünfte umfassen u.a. 16 individuell und stilvoll eingerichtete Hotelzimmer mit Namen von Stars wie Genau Audrey oder John Wayne, der natürlich die beeindruckendste Behausung hat. Dazu kommen einfachere „Cabins“ und zwei große Gästehäuser für bis zu sechs Personen und 16 Campmobil-Plätze.

In der Reithalle demonstriert der örtliche Ausbilder gerade mit seinem „Bombproof Horsemanship Training“, wie er ein bislang nervöses Pferd schreckfrei macht. Dazu nutzt er eher profane Instrumente wie Fuß- und Gymnastikbälle, aber auch erschreckend lautes Knallen einer Bullenpeitsche und sogar Rauchbomben. Nachahmung in deutschen Reithallen eher nicht zu empfehlen…

Chicken Fried Steak bei Lucy Mom’s on Main

TX_Dent_LucyMoms_Raum.JPGEine Tour durchs Horse Country wäre nicht komplett ohne einen Besuch zum typischen Lunch bei „Lucy´s Moms on Main“ in Aubrey. Der urige Laden bietet texanische Hausmannskost und die ist, wie alles auf der Reise, höchst schmackhaft und sehr, sehr sättigend – auf gut deutsch: Eine Portion reicht für zwei bis drei deutsche Mägen… Der Plan, „Cheese Cubes“ als Appetizer und „Chicken Fried Steak“, eine Art Wiener Schnitzel, als Hauptspeise aufzuessen, erweist sich daher als undurchführbar.

Highlight für Westernreiter: Reining-Weltmeister Tom McCutcheon

TX_DENTON_TOMMC_Pause.JPGIn der Ruhe liegt die Kraft – und der Erfolg, der Tom McCutcheon seit vielen Jahren begleitet: Aus einer Reiterfamilie in Wisconsin stammend, hat er die „Reining Industry“, wie der Sport in den USA genannt wird, mit aufgebaut und gehört mit 1,2 Millionen Dollar Gewinnsumme zu den bestverdienenden Reining-Reitern der Welt. Neben unzähligen Turniersiegen wurde er 2010 in Kentucky mit dem Hengst Gunners Special Nite Doppel-Reining-Weltmeister in der Einzel und Mannschaftswertung.

Seine Trainings- und Zuchtanlage im texanischen Aubrey sucht ihresgleichen. Seine Frau Mandy, Tochter des ebenfalls hocherfolgreichen Reining-Reiters Tim McQuay, gehört zu den erfolgreichsten Amateuren und musste aufgrund der geringeren Gewinnsummen deutlich mehr Siege und Platzierungen erreichen als ihr Mann im Profilager, um als einzige Frau der Welt die 1 Million-Dollar-Marke zu knacken. Und Sohn Cade erritt im Jahr 2010 mit nur neun Jahren bereits Traum-Scores von 143…

Im Gegensatz zur Rasanz in der Reining-Show geht es in der Reithalle vom Tom McCutcheon allerdings außerordentlich ruhig und gelassen zu. Drei junge Reiter, überwiegend Trainees aus aller Herren Länder, arbeiten ihre zumeist jungen Pferde in gesetztem Tempo, stoppen sanft, drehen einige Spins und machen dann Pausen. Kein Pferd ist außer Atem, keines außerordentlich verschwitzt, obwohl das Thermometer gut 30 Grad misst. Die Trainingsumstände sind hervorragend: Auf den großen Zirkeln in der Reithalle mit den Traummaßen von 50 mal 100(!) Metern laufen die Pferde praktisch geradeaus und selbst die Reining-typischen „kleinen Kreise“ sind hier mit 20 Metern Durchmesser so groß wie bei uns der größte Zirkel.

Keep it slow and simple

TX_DENTON_TOMMC_LOPE.JPGTom McCutcheons Erfolgsrezept ist: „Keep it slow and simple. Wenn ehrgeizige junge Leute als Trainees neu zu uns kommen, muss ich sie erst einmal herunterfahren. Sie wollen meistens viel zu viel in zu kurzer Zeit und überfordern die Pferde. Die lernen aber am Ende viel schneller, wenn du ein Manöver wie zum Beispiel den Spin langsam startest, das Pferd ein paar Mal ruhig und dann etwas schneller drehen lässt und sofort aufhörst, wenn es seine Sache gut gemacht hat. Das Wichtigste ist, keine große Sache aus den Manövern zu machen, dann bleiben die Pferde entspannt und lernen leichter. Daher trainieren wir auch nie ganze Turnier-Patterns, sondern immer nur die Einzelmanöver, die dann teilweise kombiniert geritten werden“, sprach‘s und demonstriert eindrucksvoll ein paar Runs mit anschießenden Stopps auf einer dreijährigen dunkelbraunen Quarter Horse Stute, die im Herbst ihre Qualität auf der NRHA Futurity beweisen soll.


Das Beeindruckende an Toms Reitweise und an den in der Endphase der Trainingseinheit doch spektakulären (jedenfalls für uns Zuschauer) Spins und Stopps ist, dass man keinerlei Hilfen sieht, das Pferd ausschließlich auf kleinste Gewichtssignale dreht, beschleunigt und zehn Meter lange Sliding Stopps durch den Sand zieht. „Wir nehmen die Pferde mit zwei Jahren ins Training, wobei sie fünf Mal pro Woche kaum mehr als eine halbe Stunde geritten werden. Sollten wir doch einmal eine Überlastung feststellen, bekommen sie ausreichend Pause. Am Ende ihres dritten Lebensjahres haben sie dann fast zwei Jahre Training, wenn sie bei den Futurities starten“, erklärt der Meister und offenbart sein zweites Erfolgsrezept: „Ich hasse es, zu verlieren, und ich bin ein Perfektionist. Egal bei welchem Sport, ob beim Basketball oder Hockey, ich wollte immer vorne sein. Wenn also manche Pferde mehr Trainingszeit brauchen, stellen wir sie eher erst mit vier Jahren vor, als zu früh eine schlechte Leistung abzuliefern“.

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Zwölf Stunden reiten pro Tag

Die Gelegenheit, hier als Trainee zu lernen, bekommen jedes Jahr zwei bis drei meistens junge Reiter(innen), die sich per Video bewerben müssen. Wenn sie aus dem Ausland kommen, übernimmt Tom auch die Visa-Formalitäten, so dass sie ein halbes oder länger bleiben können. Für Schlafmützen ist der Job allerdings nicht: „Unsere Trainer reiten von 7.00 Uhr morgens bis 19.00 Uhr durchschnittlich zehn bis 15 Pferde. Derzeit sind rund 90 (?) Pferde im Training, zumeist Berittpferde, aber auch einige eigene, die wir für die Turniere vorbereiten und auch starten“, erklärt Tom. Überwiegend werden die Pferde zunächst von McCutcheon selbst oder seinen Trainern auf den Turnieren vorgestellt und später auch von den Besitzern geritten. „Denn speziell für Züchter macht es natürlich einen großen Unterschied, ob das Pferd 10.000 oder 100.000 Dollar gewonnen hat“, erklärt er und antwortet verschmitzt auf die Frage, ob er mehrere dieser 100.000-Dollar-Kandidaten im Stall habe: „I hope so…“.

TX_DENTON_TOMMC_Aquatrainer.JPGErstaunlich günstig sind die Preise im weltmeisterlichen Stall: Für 1.100 Dollar pro Monat wird das Pferd in einer großzügigen Box eingestellt, gefüttert, geputzt und fünfmal pro Woche geritten, nicht zu vergessen den „Badetag“ am Samstag, an dem alle Pferde gewaschen werden. Weide und Paddock gibt es aus Sicherheitsgründen allerdings nur sehr reduziert. Für Rekonvaleszenten steht außerdem ein Aquatrainer zur Verfügung. Möchte der Kunde selbst reiten, wird das Pferd für den entsprechenden Termin auf Wunsch gesattelt und dem Kunden anschließend auch wieder abgenommen, unter die Dusche gestellt und in die großzügig bemessene Box gebracht. Auch „Non Pro Lessons“ sind, soweit gewünscht, im Preis inbegriffen. „Meine Kunden stellen mir hier Pferde für mehrere zig- oder hunderttausend Dollar zur Verfügung und bezahlen auch die Turnierstarts, da wäre es doch kleinlich, 50 Dollar für eine Stunde Unterricht zu kassieren“, meint er großzügig.

Neben dem Spitzensport verfolgt Tom McCutcheon auch ein engagiertes Zuchtprogramm mit leistungsgeprüften Quarter Horse Stuten und entsprechenden hier aufgestellten Hengsten.

TX_Denton_TMCC_Gun_kl.jpgBerühmtester Vererber ist „Goldjunge“ Gunners Special Nite, ein Sohn des legendären und kürzlich verstorbenen Colonel Smoking Gun (Gunner), der aufgrund der großen Erfolge seiner Nachkommen im Mai 2013 der vierte „Five Million Dollar Sire“ der National Reining Horse Association wurde. Die Decktaxe beläuft sich derzeit auf 3.000 Dollar.

Made in UK and USA: Sterling Ranch

TX_Denton_SterlingRanch_Tor_.jpgEin weiterer Höhepunkt speziell für Westernreiter und Liebhaber des American Quarter Horse ist die Sterling Ranch der Britin Rosanne Sternberg in Aubrey. Der amerikanische Standort war die logische Konsequenz der 1987 im englischen East Sussex gegründeten Sterling Ranch, die auch heute noch in Zucht und Ausbildung aktiv ist.

Auch Sterling Quarter Horses haben World Champions und Goldmedaillengewinner hervorgebracht, wie zum Beispiel Smart Spook (von Smart Chic Olena) und Tinsel Nic, die gemeinsam eine Gewinnsumme von mehr als einer halben Million Dollar erreichten und deren Nachkommen über 1,7 Millionen Dollar gewannen. Smart Spook kostet 5.000 Dollar Decktaxe, bei Tinsel Nic wird sie gar nicht genannt.

Als Geheimnis ihres Erfolges nennt Roseanne Sternberg, selbst hochprämierte Non-Pro-Reiterin und Finalistin in zahllosen NRHA Derbys sowie World Equestrian Game (WEG) Teilnehmerin 2002 und 2006, wo sie jeweils im britischen Team startete, das langjährige Know-how und Verständnis für den Pferdemarkt. „Das wichtigste in der Pferdezucht ist die Kombination aus umsichtigem Management und Pferdekenntnis“, so die erfahrene Quarter Horse Spezialistin und Reiterin. Damit hat sie es nach eigener Aussage geschafft, für ihren Turniersport und die Zucht überwiegend auf selbst gezogene Pferde zurückgreifen zu können.

TX_Denton_SterlingRanch_Halle_.jpgÄhnlich wie Tom McCutcheon haben auch bei Rosanne Sternberg regelmäßige junge Trainees die Chance, bei den Champions zu lernen. „Wir bieten ein spezielles Ausbildungsprogramm für junge Leute. Einige bleiben nur kurze Zeit, andere aber mehrere Jahre. Die Connections laufen heute überwiegend über die bekannten Social Media“, erklärt Rosanne für alle, die sich für einen Aufenthalt auf ihren Ranches interessieren.

Relaxing bei „Twilight Tunes

TX_Dent_Twilight_Picknickstimmung.jpgJeden Donnerstagabend werden im Mai und Juni von 18.30 Uhr bis 20.00 Uhr auf einer großen Rasenanlage vor dem Denton Courthouse die „Twilight Tunes“ veranstaltet. Dabei treten lokale Musiker auf, am 16. Mai 2013 waren es zum Beispiel die Texas Singers and Songwriters Jeff Glover, Joe Pat Hennen und Brian Houser, die eine große Menge mit harmonischer Country Music unterhielten. Die Zuschauer lauschen der Musik und genießen auf mitgebrachten Stühlen oder Decken ein abendliches Picknick mit Turkey Sandwiches und Rotwein.

TX-DENTON_TwilightTunes_1.JPGMit zunehmend untergehender Sonne beginnen die mit Lichterketten geschmückten Bäume immer mehr zu leuchten, die Luft ist mild und die Unterhaltung mit den immer freundlichen texanischen Einheimischen interessant.

Flotter Ausritt am Lake Ray Roberts

TX_Dent_LanatnaLodge_Eingang_1.JPGWir haben die zweite Nacht im Horse Country im Lantana Resort am beschaulichen Lake Ray Roberts nahe Pilot Point verbracht und starten morgens gegen 10.00 Uhr zusammen mit Monika, Distanzreiterin und seit 2007 Betreiberin der Black Mustang Ranch, die direkt neben dem Resort beheimatet ist.

TX_DENTON_Ausritt_am_see.JPGDem Sport von Monika entsprechend sind unsere beiden Pferde – ein Quarter Horse und ein Quarab – sehr flott unterwegs und Monika ist, wie sie gerne zugibt, heilfroh, dass sie im Tempo nur Rücksicht auf die Bodenverhältnisse nehmen muss. Der zweistündige Ritt führt durch den Ray Roberts State Park am gleichnamigen etwa 120 Hektar großen See. Gut 43 Kilometer Reitwege gibt es hier, sie führen bergauf und bergab, teilweise über weichen Waldboden, dann wieder über etwas steinigere Pfade und kleinere Hügel mit spektakulärem Blick auf den See. Bodenabhängig können wir auch weitere Strecken flott traben und galoppieren, so dass der Ausritt auch fortgeschrittenen Reitern großen Spaß macht.

Die Black Mustang Ranch bietet erfahrenen Reitern nach häufigeren Ausritten, auf denen sie die Wege und das Gelände kennen gelernt haben, auch die Möglichkeit, mit der „Very Important Rider Card“ allein auszureiten. Leider fehlt uns dafür aber die Zeit!

Einkaufen, bis die Kreditkarte glüht

TX_Dent_PaulTaylor_Saddlery.JPGKeine Reise durch das Horse Country wäre komplett ohne den Besuch dort ansässiger Western Tackshops. Allen voran sind hier die seit 1985 bestehende Paul Taylor Saddle Co. in Pilot Point und die Kette Horse & Rider u.a. in McKinney und zu nennen, die eine schier unermessliche Auswahl an jeglichem Equipment haben, das Westernreiter brauchen (können).

TX_Dent_Saddleshop.jpgAuf hunderten Quadratmetern bietet zum Beispiel Paul Taylor 1.200 Sättel aller Typen vom traditionellen Arbeitssattel über Roping, Cutting, Barrel Race bis hin zum Trail, Reining oder Pleasure Sattel, in hellem Naturton, kastanienmittelbraun oder schwarzbraun, mit oder ohne Punzierung, mit Silber- oder Messingbeschlägen – und natürlich in allen Preisklassen. Dieselbe Auswahl gibt es bei Zaumzeugen, Zügeln, Sidepulls und natürlich Pads. In allen Farben, Formen, Stärken, Materialien und Preisklassen. Shopping-Interessierte sollten sich dafür viel Zeit nehmen und im Zweifel an das dann nötige Übergepäck denken. Je nach Kosten für ein Zusatzgepäckstück lohnt es sich aber, weil viele Produkte im Heimatland des Westernreitens und durch den günstigen Dollarkurs eben doch sehr viel preiswerter als in Deutschland sind.

Fort Worth – City of Cowboys and Culture

TX_FTW_STY_Herde1.jpgDer alte Westen lebt: Cowboys mit abgetragenen Westernhüten, historischer Kleidung und klassischen Oldtimer-Sätteln auf typischen Ranch Pferden mit Brandabzeichen, ein Lasso in der rechten, die Zügel in der linken Hand. So ziehen sie gemächlich auf der Exchange Avenue durch den Stockyards National Historic District von Fort Worth, eine Longhorn-Herde mit furchteinflößend breiten Hörnern begleitend. So oder so ähnlich muss es gewesen sein, als vor mehr als hundert Jahren, von 1865 bis 1886, die Viehherden mit mehreren tausend Rindern durch die Stadt liefen. „Fort Worth war Teil des historischen Chisholm Trails und In den alten Tagen machten hier oft an die 9.000 Rinder Pause, bevor sie weiter nach Kansas getrieben wurden, von wo aus sie mit der Eisenbahn weiter in den Norden und Osten der USA verladen wurden“, erklärt David Mangold, Chef der aus Tradition aufrecht erhaltenen kleinen Longorn-Herde, die jeden Tag morgens um neun und nachmittags um vier gemeinsam mit fünf bis sieben Cowboys ihre Runde durch die Stadt macht. „Wir sind stolz darauf, die Geschichte so authentisch wie möglich heute täglich neu aufleben zu lassen“, fährt er fort.


Auch wenn es heute natürlich keine 3.000 Stück Vieh, sondern nur 18 sind, und aus Sicherheitsgründen nur friedliche Ochsen, so kann das Spektakel - ein bisschen kitschig vielleicht - dennoch eine Ahnung des Good Old West vermitteln.


Das 15 Häuserblocks umfassende historische Viertel wurde weitestgehend im alten Stil erhalten und Eisenbahnfans werden an der restaurierten Grapevine Vintage Railroad ihre Freude. Teilweise sehr exklusive Boutiquen bieten den heute modernen Country-Style, sei es in Form von bunten, bis zu mehrere tausend Dollar teuren Boots, exklusiven Hüten oder auch Indianerschmuck.


Im 1908 gebauten Cowtown Coliseum gibt es jeden Freitag und Samstagabend professionelle Rodeo Veranstaltungen, in denen sich wagemutige Sport-Cowboys nicht nur auf bockenden Bullen und massigen Rodeo Pferden wenigstens acht Sekunden lang halten müssen, sondern einzelne Kälber mit dem Lasso einfangen oder im Team Penning mehrere kleine Rinder in ein Metallgatter treiben müssen. Rasant wird es beim Barrel Racing, einem Rennen um drei Tonnen, das im Wettbewerb in den USA nur von Frauen geritten wird.

Seinen Durst kann man anschießend mit Bier oder Softdrinks an einem der zahlreichen Tresen im Billy Bob’s, dem weltgrößten Honky-Tonk stillen. Bis zu 6.000 Menschen haben in dieser Großraum-Bar Platz, zur Unterhaltung gibt’s live Country Musik ohne Ende.

DAS Reitsportstadion: Will Rogers Equestrian Center

TX_FTW_WillRogersColEingang.jpgIn Amerika ist alles größer und Texas toppt nahezu alles. Das gilt auch für das Will Rogers Equestrian Center, eine der größten Turniersportanlagen der USA. Das bereits 1936 errichtete Gelände umfasst rund 42,5 Hektar. In den diversen immer wieder modernisierten und erweiterten Gebäudekomplexen gibt es drei Wettbewerbsarenen, von denen die größte 40 x 76 Meter misst und 5.650 Zuschauern Platz bietet, und je nach Bedarf bis zu zehn(!) mehr als ausreichend große Abreiteplätze. Die Gebäude sind durch ein weit verzweigtes unterirdisches Tunnelsystem verbunden, was vor allem bei großer sommerlicher Hitze oder auch bei Regen den Reitern größten Komfort bietet.


Da hier die größten Turnierveranstaltungen Amerikas wie zum Beispiel die Fort Worth Stock Show & Rodeo, die NCHA Futurity, die Appaloosa Horse Club World Show oder auch die Reichert Celebration stattfinden, können hier im ganzen 2.375 Pferde in festen und mobilen Metallboxen untergebracht werden. Da lässt es sich gut Turniere reiten…

Auf zum Sonnentanz


Neben den Schwerpunktthemen Pferd, Cowboy und Old West Tradition hat Fort Worth aber noch einiges anderes zu bieten: In dem neuen und derzeit auch im Ausbau befindlichen Viertel rund um den Sundance Square wechselt das Straßenbild zwischen glitzernden Hochhaus-Glasfronten und restauriertem viktorianischem Baustil. Hier finden sich zahllose Restaurants, Theater und Shops, Museen und Galerien. Besonders hervorzuheben ist das – erstaunlicherweise kostenlose – Sid Richardson Museum mit einer großen Kollektion traumhaft schöner Gemälde und Plastiken der amerikanischen „West Artists“ Frederic Remington und Charles M. Russel. Beeindruckend ist auch das Gebäude der 67 Millionen US-Dollar teuren Nancy Lee and Perry R. Bass Performance Hall, die 1998 eröffnet wurde. Sie gilt als die „letzte große Veranstaltungshalle aus dem 20. Jahrhundert“ und ist Heimat eines Symphonie-Orchesters sowie des Opern- und Ballett-Ensembles der Stadt Fort Worth.

Drei Wochen sind nicht genug

IMG_0546.jpgWir hätten ewig weiter fahren können durch das große Land, das so viel mehr zu bieten hat als gute Steaks und Cowyboy-Tradition. Es wird daher nicht die letzte Reise gewesen sein durch den "Lone Star State", in dem man die Weite sprichwörtlich "erfahren" kann.

Weitere Informationen zum "Lone Star State"

Hier geht's zur amerikanischen Texas-Website




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