Terra Nostra Ranch in West-Kanada: Let Your Hair down and Have Fun!

Von Doris Jessen, geschrieben am 13.02.2015

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TerraNostraRanch_Reiter_Panorama.jpgAuf keiner unserer bisherigen Guest Ranches (und schon gar nicht anderswo) wird dieses Motto so lebendig wie bei Lorne und Bree Reicher auf der Terra Nostra Ranch in Kleena Kleene, am Fuße der Coast Mountains in British Columbia. Und noch etwas zeichnet die Ranch aus: Wir fühlen uns vom ersten Moment an willkommen, als Mitglieder der großen Familie, so dass wir nach unserem leider viel zu kurzen Aufenthalt mit Überzeugung sagen konnten: Wir kamen als Gäste und gingen als Freunde.

Schon die Anreise nach Kleena Kleen war ein Erlebnis für sich: Wir erreichten das kanadische Festland von Port Hardy auf Vancouver Island nach der 13stündigen „Discovery Coast Passage“ mit BC Ferries (die große Schifffahrtsgesellschaft von British Columbia) durch eine traumhafte Fjordlandschaft im Schatten hoher Berge, an denen sich selbst ein im bayerischen Voralpenland aufgewachsener Mensch nicht satt sehen kann: Blaues Wasser, grüne Hänge, weiße Schneekuppen unter strahlend Blauem Himmel. Kitschpostkarten-schön. Die Fahrt ist entspannend – Sonne satt auf dem Deck, abends Barbeque mit saftigen Steaks und knackigem Salat.


Vom Ankunftsort Bella Coola geht es am nächsten Morgen hinauf nach Osten in den südlichen Tweedsmuir National Park, vorbei am 2500 m hohen Thunder Mountain im Norden, im Süden der 3500 m hohe Monarch Mountain. Dazwischen eine geschotterte Straße über den Heckman Pass, die sicherheitsgewohnte Europäer erschauern lässt: Je nach Fahrtrichtung der Serpentinen geht es links oder rechts steil bergab – ohne Begrenzungsmauer oder Leitplanken. Bedächtig immer in der Straßenmitte bleiben, heißt die Devise und bitte möglichst keinen Gegenverkehr. Denn viel Platz zum Ausweichen gibt es nicht…

TerraNostraRanch_Einfahrt.jpgEs ist staubig und heiß – das Außenthermometer zeigt 30°. Nach gut vier Stunden teils abenteuerlicher Strecke auf dem Chilcotin Bella Coola Highway sind wir froh, die Ranch-typische Einfahrt zu entdecken, von der noch etwa einen Kilometer Schotterstraße bis zum Ranch Haus zu überwinden ist.

Live to Work or Work to live?

TerraNostraRanch_Blockhaus.jpgWir werden mit kühler Zitronenlimonade und Sandwiches erwartet und Lorne, der jugendlich gebliebene Mitfünfziger, begrüßt uns aufs herzlichste. Der ehemalige Personalmanager einer großen IT-Firma hat vor sechs Jahren beschlossen, sein Stadtleben aufzugeben: „Die Arbeit in der Firma und in der Stadt hat mich krank gemacht. Ich musste einfach mein Leben ändern – nicht mehr leben, um zu arbeiten, sondern arbeiten, um zu leben. Ich bin schon immer geritten, liebe Tiere und speziell Pferde über alles, und wollte schon immer Cowboy sein. Da war die Ranch eine logische Konsequenz, auf der einen Seite meinen Traum zu verwirklichen und auf der anderen Seite auch gut leben zu können. Wir haben wir vier Monate Saison und den Rest des Jahres genießen Bree und ich einfach unser Leben. Let your hair down and have fun – everyday is Sunday“, lacht er verschmitzt. TerraNostraRanch_Lorne1.jpg

Und auch die tierischen Familienmitglieder scheinen ein traumhaftes Leben zu genießen: die kleine neunköpfige Pferdeherde verschiedener Rassen bewohnt 80 Hektar und hat von ihrer Weide freien Zugang zum Garten vor dem Haus, und so kann es passieren, dass zum Beispiel Kushi, ein Quarter Horse Fuchswallach, oder Handsome, ein schwarzer Tennesse Walker, neugierig ihre Nase über das Terrassengeländer stecken und darauf spekulieren, von einem Gast ein Stückchen Brot abzustauben. „Wir lieben unsere Pferde wie unsere Kinder und wir können ihnen auf Terra Nostra alle Freiheiten geben. They are our babies…“. Das ist ein Satz, den wir noch öfter hören werden.

TerraNostraRanch_Pferdebaden1.jpgUm den „Babys“ in der Hitze eine Abkühlung zu gönnen, reiten Lorne und seine Frau Bree mit allen Gästen – es sind derzeit zehn – in den kleinen Cleawater Lake, der nur etwa 200 Meter vor dem Haus direkt an der Weide liegt. Trotz der Höhenlage von knapp 1200 m ist wegen der geringen Tiefe von nur anderthalb Metern er angenehm warm. „Let’s have fun!“ ist die Devise und bald plantschen alle Pferde durch das Wasser, auf ihren nackten Rücken fröhliche Reiter, nur mit Badehosen oder Shorts bekleidet. Wer den See weiter erkunden möchte, kann auch eines der Kajaks nutzen und angeln gehen.

Auf zum Osprey Nest

Aber wir sind nicht zum Schwimmen, sondern zum Reiten gekommen! Nach anfänglicher Skepsis – „wir haben 600 Gäste pro Jahr, was glaubst du, wie viele mir davon sagen, sie seien Reiter…“ – lässt Lorne dann doch abends noch vier Pferde für sich, Bree und uns satteln. „Ich sehe auf den ersten Metern, ob ihr wirklich reiten könnt. Wenn ja, reiten wir zum Osprey Nest, das ist eine tolle Tour, auf der wir viel Spaß haben werden“, meint er. Na dann los. Nach dem Aufsteigen auf ein Paint Horse und den Tennesse Walker und 50 Testmetern erhalten wir das Prädikat „Reiter“, die, im Gegensatz zu „Leuten, die reiten“, wirklich wissen was sie im Sattel zu tun oder auch zu lassen haben.

Die Strecke zum Osprey Nest – das ist ein kleiner Fischadler – geht teilweise stark bergauf, teils über steinige Strecken, dann wieder wunderbare Sandwege. Und überall der Blick auf die Schneekuppen der Berge. Da wir ja „Reiter“ sind, nehmen Lorne und Bree wenig Rücksicht im Tempo und jagen auf engen Serpentinen lachend die Hügel hinauf. Ein paar kurze Blicke zurück, ob alle nachkommen und weiter geht der Sprint. Die Pferde sind extrem trittsicher und haben eine gute Kondition, dennoch pausieren wir immer wieder ein paar Minuten und gehen längere Zeit im Schritt, um ihnen Verschnaufpausen zu gönnen. Am Osprey Nest angekommen, sehen wir bereits die kreisende Adlermutter mit Beute in ihren Fängen.

TerraNostraRanch_Lorne stehend auf Pferd_1.jpgLorne und Bree grinsen breit über ihre sonnengegerbten Gesichter: „You’re really tough riders“ heißt das wohl anerkennendste Kompliment. Denn davon gibt es scheinbar nicht so viele unter den typischen Ranch-Gästen: Die meisten kommen, um die Natur zu genießen und um „auch einmal zu reiten“. Für diese gibt es dann ein spezielles Vorbereitungsprogramm, damit sie den Anfänger-Umständen entsprechend Vertrauen zum Pferd bekommen, und es bei den teilweise steilen Auf- und Abstiegen nicht zu stören. „Ich hatte einmal eine junge Frau mit multipler Sklerose, die fast gelähmt war. Wir haben sie auf Kushi gesetzt und langsam geführt. Sie hatte Tränen in den Augen vor Glück. In solchen Momenten weiß ich, dass ich hier den richtigen Job mache“, erzählt Lorne versonnen.

It’s Party-Time

„I’m much too young to feel this damn old“ klingt Garth Brooks’ samtige Country-Stimme über die Veranda und so manch einem Nichtreiter scheint dies aus der Seele zu sprechen, während er sein von der ungewohnten Anstrengung schmerzendes Hinterteil massiert. Ja, man soll es nicht glauben, Reiten ist doch Sport…


Nach einer erholsamen Dusche im komfortabel eingerichteten Zimmer des kühlen Blockhauses freuen wir uns auf den Abend. Denn heute ist Ranch-Romantik angesagt: Das Lagerfeuer knistert und knackt, vom Grillrost steigen die köstlichsten Düfte, die man sich nach einem anstrengenden Ritt erträumen kann, in die klare Abendluft: Party-Time mit Spareribs. Lornes Rezept ist ein wohl gehütetes Geheimnis und so erfolgreich, dass sogar Gäste mit dem Wasserflugzeug dafür anreisen. Und zu Recht – es sind die zartesten und würzigsten Ribs des Kontinents. Dazu klassische Grillkartoffeln und Salat, wer möchte trinkt Alkoholfreies, Bier oder Wein. Die Stimmung unter den Gästen ist ausgelassen, man lacht, tauscht Reiseerfahrungen aus. Und auf einmal fühlen sich alle wieder jung …

The Ultimate Riding Experience: Beaver Dam Ride

Der Tag beginnt mit deftigem „Cowboy Breakfast“ am großen Holztisch: Bratkartoffeln mit Rühreiern und Speck. So gestärkt treten wir unsere „Ultimate Riding Experience“ an: Den „Beaver Dam Trail“, den wegen des steilen Geländes nur etwa 20 Personen pro Saison reiten (dürfen). Die Vorsicht ist berechtigt: Die Pferde kommen mächtig ins Schwitzen, als sie steil die schmalen Pfade bergan klettern.


Plötzlich ist der Weg durch einen alten dürren Baum versperrt, den die drei kräftigen Männer kurzerhand auf die Seite räumen müssen. Der Lohn des Anstieges ist ein phantastischer Blick ins Tal und auf die gegenüber liegenden schneebedeckten Gipfel. Auf der anderen Seite geht es schräg bergab, so dass sie teilweise mit den Hinterbeinen leicht zu rutschen beginnen. Vertrauen zum Pferd und eine ruhige Hand ist angesagt – nur nicht stören.

Wir kamen als Gäste und gingen als Freunde

Nach dem grandiosen Reiterlebnis finden wir unser Lunch in kleinen Tüten, auf denen „Take Care“ und „Drive Carefully“ steht – kleine Gesten, die doch große Sympathie ausdrücken.

Es fällt uns schwer, Abschied zu nehmen von diesem herrlichen Ort, der in nur einem Tag fast ein Zuhause geworden ist. Wir wären so gerne noch länger geblieben…

Weiter gehende Informationen zur Terra Nostra Ranch

Deutsche Reiseorganisation Trails



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