Hufschuhe anstatt Eisen?

Von Doris Jessen, geschrieben am 09.07.2011

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6_Easyboot_Epic_geschlossen_.JPGDer Standard-Hufschutz ist immer noch das Hufeisen. Immer häufiger sieht man jedoch bei Reitern auch Hufschuhe, von denen es mittlerweile eine große Auswhl an Modellen, Farben und Formen gibt. Allerdings ist es hier ähnlich wie bei Menschen: Nicht jeder kann jeden Schuh tragen. Welche Aspekte vorher beachtet werden müssen, damit der Huf durch das richtige Schuhwerk geschützt wird, soll dieser Beitrag klären. Außerdem stellen wir einige – im wahrsten Sinne des Wortes – „gängige“ Hufschuhtypen vor.

Viele Reiter mögen sich schon oft über die Probleme des klassischen Beschlagens als klassischen Hufschutz geärgert und kurzerhand die Entscheidung getroffen haben, ihrem Pferd Hufschuhe zu kaufen. Denn barhuf zu gehen ist in vielen Fällen auf Dauer gesehen für das Pferd gesünder und für den Besitzer kostengünstiger. Das gilt vor allem für die Wintermonate, in denen Ausritte selten sind und oft auch der Weidegang reduziert ist. Die Gemeinde der Hufschuhanhänger wird aber immer größer, so dass man auch in der grünen Saison immer häufiger "Leisetreter" sieht. 


Wann sind Hufschuhe sinnvoll?

Allerdings ist die Entscheidung, ob für das Pferd Hufschuhe als Schutzmaßnahme in Frage kommen, nicht nur nach Belieben des Besitzers zu treffen, sondern ist in erster Linie von Haltung und Nutzung abhängig, wie Sabine Firnhaber, als GdHK-geprüfte Hufpflegerin östlich von Hamburg tätig, erläutert: „Hufschuhe sind nur dann sinnvoll, wenn die Pferde so gehalten werden, dass sie barhuf problemlos klarkommen. Wird das Pferd nur wenig geritten, die Hufe sind aber bereits im Offenstall mit gepflastertem Auslauf super kurz geworden, so machen Hufschuhe keinen Sinn. Die Abnutzung durch die Haltung überwiegt gegenüber dem Reiten, das Pferd braucht also einen permanenten Hufschutz! Bleibt die Abnutzung in Boxen- und Weidenhaltung gering bis normal, braucht das Pferd in seiner Freizeit keinen Schutz. Hier eignen sich Hufschuhe wunderbar.“

Einfach nach Geschmack kaufen?

Hat man sich nun zum temporären Schutz entschieden, so hat man heute mittlerweile die Qual der Wahl. So liefert Google auf die Eingabe „Hufschuh“ 59.000 Ergebnisse. Dabei stößt man mit Sicherheit auf Bernd Jung, der nicht nur einen Online-Hufschuhshop und mehrere Informationsseiten zu diesem Thema betreibt, sondern auch europaweiter Distributor und Großhändler für Hufschuhe ist. Er und sein Team beraten am Telefon, auch kann er aus seinem Netz von knapp 500 Wiederverkäufern zahlreiche Hufexperten empfehlen, die vor Ort weiter helfen. Das ist in den meisten Fällen auch erforderlich: „Mittlerweile ist die Auswahl riesengroß, allein die Firma Easycare bietet zwölf Modelle. Es ist aber nicht die Frage, welches grundsätzlich der beste Hufschuh ist, sondern welche Schuhe dem Pferd am besten passen. Das Problem ist, viele Leute gar nicht wissen, welche Hufe ihr Pferd hat. Dazu gibt es wenige völlig regelmäßige, d.h. achsensymmetrische Hufe, viele Pferde haben untergeschobene Trachten oder einen flachen Fesselstand, so dass manche Modelle gar nicht in Frage kommen. Und wenn auch der Schuh dem Pferd passt, ist außerdem die Handhabung zu berücksichtigen. Eine meiner Kundinnen hatte nur eine Hand – komplizierte Anziehmanöver sind da schlicht nicht möglich.“

Welche Größe passt?

So trivial die Frage erscheint, so kompliziert ist sie in der Praxis. Denn jede Firma hat ihre eigenen Größen, die wenig miteinander zu tun haben. Als müssen die Hufe zunächst ausgemessen, d.h. Länge und Breite ermittelt werden. „Man sollte die Fläche messen, auf der das Pferd auftritt, also alles was Bodenkontakt hat. Das ist einmal die breiteste Stelle (von rechts nach links) und von der Zehenspitze bis zum äußeren Punkt der Eckstrebenwinkel. Dabei ist darauf zu achten, dass man nicht schräg zur Eckstrebe misst, sondern sich eine Linie von der rechten zur linken Eckstrebe denkt und bis zu dieser gedachten Linie die Länge misst“, erklärt NHC Hufpflegerin Gisela Gesk von G.G. Reitsport aus dem hessischen Wabern-Falkenberg. Sie war auch so freundlich, für die Erstellung dieses Berichtes eigens nach Hamburg zu kommen, um die vielfältigen Herausforderungen rund um das Thema Hufschuh direkt an einem Quarter Horse Wallach zu zeigen.

Sabine Firnhaber empfiehlt, den Huf auf eine Pappe zu stellen und mit einem Stift zu umranden. Da der Huf sich beim Auftreten dehnt, kann im aufgehobenen Zustand passieren, dass man ein zu kleines Maß nimmt. Man misst dann die weiteste Stelle des Hufes an der Innenseite der gemalten Linie (weil sonst die dicke des Stiftes die Messung verfälschen kann). Für einige Schuhmodelle ist es auch wichtig, die Länge des Hufes zu messen. Dazu nimmt man den Huf auf und legt ein Lineal in die Mitte des Hufes, misst dann von der Zehe bis entweder zum Ende des Tragrands an den Trachten oder aber bis zum Ballen, da sollte man auf die Herstellerangaben achten.

„Es gibt im Internet auch einen Hufschuhrechner, in dem der Pferdehalter Länge und Breite eingeben kann und dann Produktvorschläge bekommt. Leider passen sie nicht immer – die beste Lösung ist in der Tat, die Schuhe zusammen mit einem Spezialisten anzupassen“, so Gisela Gesk.

1_hufausmessen_c_Gesk.jpg

Welches Modell?

Die Praxis bestätigt diese Theorie: Für eine Stute und den genannten Wallach waren zuvor auf Basis von den ermittelten Maßen und zusätzlich verschickten Fotos diverse Testschuhe bestellt worden, von denen letztlich kaum ein Paar gepasst hat, weil speziell der Wallach vorne unregelmäßige Hufe und zusätzlich untergeschobene Trachten hat. „Ich nehme daher zu einem Anpasstermin immer drei Größen mit: die wahrscheinlich Passende und das jeweils kleinere und größere Modell“, erklärt Gisela Gesk. Es könne zudem passieren, so die NHC Hufpflegerin, dass das Pferd links und rechts unterschiedliche Größen benötige, was bei den meisten Modellen auch kein Problem sei, da man sie einzeln kaufen könne. Auf keinen Fall sollte man in diesem Fall wegen des Aussehens auf den kleineren Huf die größere Größe anziehen, da damit das Laufverhalten gestört wird. „Bei der Anpassung ist neben den Maßen auch noch das Laufverhalten zu berücksichtigen, das man auf keinem Foto erkennt. Manche Pferde laufen zum Beispiel sehr eng, d.h. Schuhe mit viel Material an den Innenseiten stören oder gehen schlicht schnell kaputt. Wählt man die Schuhe etwas zu lang, wird die Abrollphase verändert, etwas breitere Schuhe sind daher kaum ein Problem. Wenige Millimeter abzuraspeln ist kein Problem, sofern die natürliche Hufwandstärke es erlaubt, grundsätzlich sollte man aber den Schuh an den Huf und nicht umgekehrt anpassen“, so Gisela Gesk weiter.

Hat man schließlich das passende Modell gewählt, sollte das Pferd zunächst im Schritt geführt werden, um Laufverhalten zu überprüfen, anschließend im Roundpen oder an der Longe laufen. „Ich kann grobe Fehler sehen, Details erkennt nur der Eigentümer, zum Beispiel ob das Pferd weniger untertritt als normal oder sich im Rücken fest macht. Richtig beurteilen kann der Reiter die Zufriedenheit des Pferdes aber meist erst nach einer Angewöhnungsphase und ein paar Ritten, daher bieten seriöse Händler die Schuhe gegen eine Leihgebühr zum Testen an“, wie Gisela Gesk.

Neben dem guten oder schlechten Laufverhalten kann sich bei so einem Test auch das häufigste Problem zeigen: Scheuerstellen an den Ballen oder im Fesselbereich.

Im Folgenden wollen wir einige Modelle vorstellen, die von Gisela Gesk, Bernd Jung und Krämer Pferdesport zur Verfügung gestellt wurden.

Brandneu: Renegade

Relativ neu am Markt ist das Modell Renegade, das als einziges in zwei Längenvarianten und acht(!) Farben zur Verfügung steht. Er wurde von Kirt Lander in den USA entwickelt und zeichnet sich durch einfache Handhabung, geringes Gewicht und weiche Polster an den Ballen aus.

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Nach der Erfahrung von Gisela Gesk eignet er sich für sowohl runde als auch ovale Hufe. Der Clou ist, dass der (hintere) Ballenhalter durch ein Kabel in der Länge eingestellt werden kann, außerdem kann der Hufpfleger den Schuh zusätzlich in der Länge mit einer Zange kürzen oder mit seitlichen Einlagen die Breite anpassen. Allerdings ist er an der Innenseite relativ dick, was bei Pferden, die sich streichen, problematisch sein kann.

Zum Anziehen hält man den Hufschuh mittig zum Strahl und zieht ihn einfach über. Anschließend wird der Ballenhalter mit dem oberen Fesselriemen mit zwei Fingern Luft geschlossen. Beim Zehenriemen (unterer Klettverschluss) sollte nach dem Schließen an beiden Seiten des Kletts maximal ein kleiner Finger Kabel zu sehen sein, andernfalls muss das Kabel für den Ballenhalter gekürzt werden. Macht man das nicht, kann es passieren, dass sich der Schuh dreht. Insgesamt dauert dies nicht länger als eine Minute pro Huf. Im Kurztest lief der Quarter Horse Wallach im Roundpen und auf vier Ausritten wie gewohnt locker.

Distanzfahrerin Dorothee Krüll war bereits ab dem ersten Versuch begeistert vom sicheren Laufverhalten ihres Ponys über alle Böden und absolvierte eine sehr erfolgreiche Saison mit insgesamt mehreren hundert Kilometern. „Ich kenne kein Pferd, bei dem die Renegades scheuern, mein eigenes Pferd eingeschlossen, und das hat sehr eine sehr empfindliche Haut“, so Dorothee Krüll.

Die Renegades kosten 99 Euro pro Stück.

Marquis Supergrip

4c_Marquis_mit_Flankenschutz_.JPGDie „Supergrip Schuhe“ wurden von dem Tierarzt Dr. Helmut Marquis im Rahmen seiner Doktorarbeit über Lahmheiten und Bewegungsabläufe beim Pferd entwickelt. Dafür baute er einen Druckmessschuh, der die Belastungskraft und Belastungszeit messen sollte und der in allen Gangarten bis hin zum Springen halten musste. Daraus entstand die Idee mit der aufblasbaren Luftkammer, die den Schuh fest am Huf hält und auch mit Problemformen fertig wird. Dieses Prinzip hat sich so gut bewährt, dass er den Schuh als Hufschutz weiterentwickelte. Das Sohlenmaterial ist im Reibungskoeffizient dem Hufgleitverhalten nachempfunden.

Das Anziehen dauert fünf Minuten. Der Vorteil ist, dass man durch die offene Zehenklappe den Sitz des Hufes kontrollieren und den Schuh noch leicht drehen kann. Die aufgepumpte Luftkammer sollte sich laut Dr. Marquis „wie eine reife Pflaume“ anfühlen.

Der Hersteller empfiehlt eine Eingewöhnungszeit von zwei bis drei Wochen. Eine Quarter Horse Stute lief sofort problemlos mit den Schuhen los, nach einigen Tagen Führen folgte der erste kurze Ausritt, dann wurde die Ausreitzeit auf eine Stunde mit allen Gangarten gesteigert. Es ergaben sich keinerlei Scheuerstellen. Auch tieferer Boden war kein Problem, weil der Schuh so bündig mit den Ballen abschließt, dass nichts eindringen kann. Bei dem Wallach brauchte es allerdings einige Zeit, die korrekte Pumpstärke herauszufinden, weil er gerne einmal Freudensprünge macht, deren Beschleunigungskräfte die Schuhe anfangs nicht gewachsen waren. Allerdings stellten wir fest, dass die Schuhe sich mit zunehmender Tragezeit an die Hufform anpassten, so dass die Verlustrate geringer wurde – beim starken Galopp ging aber doch immer wieder einmal einer verloren, den wir aber bis auf zweimal wieder fanden.

Sicherheitshalber sollte man daher immer die Luftpumpe mitnehmen. Dann ist es anzuraten, nach dem erneuten Anziehen etwas stärker aufzupumpen.

Da der Schuh ausschließlich aus Kunststoff besteht, reicht ein starker Wasserstrahl oder ein Eimer voll Wasser zur Reinigung aus.

Der Hersteller gibt die Haltbarkeit der Sohle je nach Pferdetyp und Laufverhalten mit (nur) 300 bis 1.000 Kilometern an – was für ein Wanderreit- oder Distanzpferd natürlich nicht viel ist. Der ganze Schuh ist modulartig aufgebaut und die Bestandteile können einzeln nachgekauft und leicht ausgetauscht werden: Sohle, Zehenkammer oder auch die Spange zu Schließen.

Die Marquis Supergrip sind in sechs Größen erhältlich. Neben der „Grundausttattung“ gibt es Stollen und zur Dämpfung Einlegesohlen sowie ein fluoreszierendes Modell für Dämmerungsausritte. Die Firma bietet auch an, Schuhe individuell anzupassen.

Diese Möglichkeiten rechtfertigen neben der ausgereiften Technik auch den Preis von 200 Euro pro Paar. Sicherheitshalber sollte man die Schuhe 14 Tage gegen eine Bearbeitungsgebühr von 15 Euro testen.

Die Easy Care Serie

5_Easyboot_mit_Wergzeug.jpgEasy Boot 2007

Eine vom Gewicht und Preis (52 Euro pro Stück) „leichte“ Lösung sind die „einfachen“ Easyboots – als „Easyboot PRE 2005“ in wenigen Größen und als „Easyboot 2007“ erhältlich.

Das Anziehen – wie bei allen Modellen übrigens am besten mit Handschuhen - erweist sich anfangs als schweißtreibend, wird mit etwas Übung aber problemlos. Die Easyboots bestehen aus einem fast geschlossenen Schuh, den man am Huf aufsetzt und entweder mit kräftiger Hand oder mit einem Gummihammer nachschlägt. Anschließend muss der Trachtenriemen (der vor dem Anziehen mit einem Nylonband, der sog. Anziehhilfe, versehen wurde,) mit dem Nylonband „hervorgeholt“ werden, falls er beim Anziehen unter die Sohle gerutscht ist. „Auf keinen Fall, darf der Trachtenriemen auf die Hufballen gezogen werden, da das starke Schäden und Schmerzen verursachen kann“ so Gisela Gesk. . Über das Zehenteil führt ein Stahlseil, das mit einer Schnalle in mehreren Einstellungen geschlossen werden kann. Die seitliche Stabilität geben jeweils drei kleine Krallen, die an die Hufwand festhalten. Das klingt schlimmer als es ist – schließlich sitzt beim Beschlagen ein ganzer Nagel im Huf.

Der Schuh sollte gleich mittig aufgesetzt werden, da er durch die Krallen nicht mehr verrückt werden kann. Das Schließen der Schnalle muss mit viel Kraft geschehen, sonst sitzt der Schuh zu locker. Sie ist dann auch nur mit Hilfe des Stoffbandes oder eines Hufkratzers zu öffnen.

Die Schuhe müssen knapp sitzen, weil sonst zuviel Spiel am Huf entsteht und im Trachten/Ballenbereich scheuern können – zumindest ist dies bei zwei von drei Testpferden nach Galopparbeit aufgetreten. Um flache flachen Trachten höher zu stellen, kann man auch ein festes Teppichbodenstück einlegen und/oder am Trachtenband die oberste Rille abschleifen, soweit wie die Ballen reichen. Um nicht noch einmal ein Verletzungsrisiko einzugehen, wurden die Hufschuhe an einem Andalusier-Wallach getestet.

Dieses Testpferd trug die Schuhe nur vorne und von Anfang an mit Zusatzeinlagen. Die etwa 30 Ausritte verliefen auch auf teilweise steinigem Boden in allen Gangarten problemlos. Die Schuhe gingen kein einziges Mal verloren. Dennoch wird empfohlen, die Instrumente für das Anziehen mitzunehmen, falls in einer Extremsituation doch ein Schuh abfallen sollte.

Distanzfahrerin Dorothee Krüll hat sich trotz ihrer Erfolge mit dem Renegade letztlich doch für den Easyboot entschieden: „Die Beweggründe für den Easy Classic waren, dass er keine Gamasche hat und nicht scheuern kann. Er ist leicht und hat kaum anfällige Einzelteile. Nebenbei ist er noch sehr günstig.“ Allerdings hat sie für die perfekte Passform ihre eigene Praxis entwickelt: „Da die Schuhe bei meinem Pony sehr eng sitzen müssen, lege ich sie dem Anziehen lege in heißes Wasser, damit sie weicher werden und leichter anzuziehen sind.“

Die Reinigung ist mit einem starken Wasserschlauchstrahl einfach.

Easyboot Epic

6_Easyboot_Epic_geschlossen_.JPGDas Modell Epic des Easyboot (82,50 €) hat im Gegensatz zu den Haltekrallen eine Gamasche, den sog. Gaiter.

Dadurch wird das Anziehen etwas aufwändiger, weil man die Gamasche zunächst nach hinten klappen und noch während man den Huf in der Hand hat, über den Ballen ziehen muss. Sie bringt aber den Vorteil, dass der Schuh auf keinen Fall verloren gehen kann. Selbst wenn das Pferd herausschlüpfen sollte, bleibt der Schuh dennoch an der Fessel hängen. Bei empfindlichen Pferden besteht allerdings die Gefahr, dass das Pferd durchgeht, wenn die Schuhe noch an den Beinen baumeln. „Wenn ein Pferd besonders empfindliche Fesselbeugen hat, empfehle ich als Schutz einfache Schweißbänder aus dem Sportbedarf anzuziehen“, sagt Gisela Gesk.

Easyboot Glove

7a_Easyboot_Glove_seutlich.jpgWie der Name sagt, soll der Easyboot Glove so eng sitzen wie ein Handschuh. Er ist kinderleicht überzustreifen und wird zur Sicherheit wie der Epic mit einer Gamasche geschlossen. Bernd Jung vom Hufshop hält ihn derzeit für den besten Schuh: „Er ist sehr leicht, besteht nur aus einer weichen Schale und einer Gamasche und hat ein sehr griffiges Profil. Zudem unterstützt er das Laufverhalten und die Biomechanik sehr gut, weil er den natürlichen Abrollpunkt erhält.“

Da der Schuh keine aufwendigen Verschlüsse und Haltekrallen besitzt, hat er so gut wie keine reparaturanfälligen Teile. Wie alle anderen Easyboot Modelle liegt der Glove nur im Harthornbereich auf, so dass in der Fesselbeuge keine Scheuerstellen entstehen können.

Positiv sind auch die elf Größen in jeweils nur vier Millimeter-Schritten. Allerdings muss er perfekt passen. „Der Glove ist tendenziell eher für ovale Hufe geeignet als für runde, kann aber mit sog. Power Straps entsprechend fein abgestuft eingestellt werden. So wird der Glove an runde Hufe oder auch Hufe angepasst, deren Vorderwand flacher ist als die Vorderseite des Schuhs. Bei untergeschobenen Trachten nimmt man eine Nummer größer und mit Power Strap klappt es dann in der Regel sehr gut, dass der Schuh rundum anliegt“, erklärt Bernd Jung, auf dessen Webseite man auch ein Video zur Montage der Powerstraps findet.

Bei einem Testpferd mit sehr stark untergeschobenen Trachten und zusätzlich unregelmäßigen Hufen funktionierte das Prinzip trotz der Powerstraps allerdings nicht.

Um dem Kunden die optimale Anpassung zu ermöglichen, gibt es sog „Fit-Kits“. Dabei handelt es sich um eine Anpassschale, die nur aus dem unteren Schuhteil (ohne Gaiter) besteht. Nachdem man den Huf ausgemessen hat, ist es sinnvoll, drei Schalenpaare zu bestellen, die alle möglichen Größen abdecken. Die Schale wird dann auf den Huf aufgesetzt und das Pferd sollte mindestens zehn Trabtritte problemlos laufen können, ohne den Schuh zu verlieren. Dazu Bernd Jung: „Die Fit-Kits sind aus meiner Sicht zur Größenbestimmung unabdingbar. Wer den Glove ohne Fit-Kit kauft, liegt zu 80 bis 90 Prozent daneben. Für Hufexperten gibt es komplette Sets bestehend aus den (aktuell) elf Glove-Schalen, mit denen sie vor Ort beim Kunden zuverlässig die passende Größe ermitteln können.“

Der Easyboot Glove kostet rund 70 Euro pro Stück.

Old Mac’s G1 und G2

8_OldMacG2_mit_Fesselgamasche_halboffen_.JPGDer erste Old Mac’s wurde zunächst von einem australischen Anbieter entwickelt und später von der amerikanischen Firma Easycare übernommen, die den Schuh heute als Old Mac’s G1 anbietet und zum Old Mac’s G2 weiter entwickelt hat. Der G2 unterscheidet sich im Wesentlichen von seinem Ur-Modell durch einen etwas höheren Abschluss oberhalb der Ballen, ist fünf Millimeter länger als breit und daher auch für ovale Hufe geeignet. Vorteilhaft für das Laufverhalten ist die eingearbeitete Zehenrichtung.

Beide Modelle bestehen überwiegend aus robustem Stoff (Cordura), die griffige Sohle ist aus Kunststoff. Heute werden die Old Mac’s mit Neoprengamaschen als Fesselschutz geliefert.

Die Schuhe sind relativ einfach an- und auszuziehen, wobei die Kombination mit der Gamasche etwas Übung erfordert: Die Gamasche besitzt eine Sohle, die zunächst in den Schuh gelegt wird. Dann wird der Schuh ähnlich wie der Easyboot Epic mit nach hinten geöffneter Gamasche angezogen und diese eventuell gerade gerückt. Sobald das Pferd hineingeschlüpft ist und korrekt steht, schlingt man das innere Band mit etwa einem Finger Luft um die Fessel, zieht es durch eine Öse und verklettet es. Darüber kommt die Cordura-Abdeckung, die ebenfalls mit Klettverschlüssen und zusätzlicher Schnalle gehalten wird. „Hier ist darauf zu achten, die Lasche nach hinten und unten zu ziehen, damit sie nicht im Fesselbereich scheuert. Auch sollte man nie ohne Gamschen reiten. Da die Old Mac’s-Modelle teilweise aus Stoff bestehen, passen sie sich auch unregelmäßigen Hufen gut an und weiten sich“, meint Gisela Gesk.

Die Old Mac’s funktionieren gut, solange es trocken und sauber ist. Bei Nässe werden die Klettverschlüsse etwas weich. Probleme hatten wir, als sich das Pferd bei einem spontanen Sprung in ein frisch umgepflügtes Feld den linken Vorderschuh mit dem rechten Huf abtrat. Der Schuh hing zwar noch an der äußeren Verschnallung, der innere Klettverschluss war aber so verschmutzt, dass er ohne Bürste nicht zu reinigen war. Also gingen wir barhuf nach Hause.

Von Extremsituationen in tiefem Boden abgesehen hält der Old Mac’s aber jede Situation aus: Bocken und auch schneller Galopp waren nie ein Problem, da er nach dem Prinzip einer Hufglocke eng um die Fessel sitzt.

Die Reinigung der Old Mac’s ist etwas aufwändig, weil die Klettverschlüsse regelmäßig mit einer Bürste gesäubert werden müssen.

Gisela Gesk empfiehlt, die Schuhe mit dem Schlauch abzuspritzen, solange sie noch an den Hufen sind, damit von vornherein beim Ausziehen kein Schmutz in den Klett geraten kann. So halten die Klettverschlüsse am längsten.

Der Old Mac’s G1 ist in neun, der G2 in elf Größen erhältlich und kostet ab 165 pro Paar.

Turf King

9_Turfking_angezogen_.jpgDer „Turf King“ erinnert an einen Wanderschuh, hat eine strapazierfähige, gut profilierte Gummisohle, das geschlossene Oberteil besteht aus Nubukleder. Er ist über zwei Mechanismen zu öffnen bzw. zu schließen: Auf der Oberseite befindet sich eine Verschnürung, die zusätzlich durch ein Klettbändchen und eine Lasche mit Haken geschützt ist. Am hinteren Teil auf Trachtenhöhe kann man den Schuh durch ein starkes Gurtband festziehen. Leider ist es bei der Größe 0 etwas kurz geraten.

Dennoch funktioniert das Anziehen nach ein wenig Übung gut: Das Pferd schlüpft in den Schuh, man klopft ihn auf der Sohle fest und schließt die Verschnürungen und die Bänder. Für die kleinen Gummihäkchen sollte man allerdings einen Hufkratzer zu Hilfe nehmen. Dasselbe gilt für das Lösen der hinteren Gurtbänder nach dem Reiten.

Die Pferde liefen problemlos los und hatten selbst nach langen Ritten keinerlei Fellaufreibungen oder gar Abschürfungen, weil der Innenschuh weich ausgepolstert ist. Durch den festen Sitz hält er auch schnellsten Galoppaden stand. Die sofortige Einsatzmöglichkeit ohne lange Gewöhnung erschien uns als großer Vorteil dieses Modells, weil es auch auf Pferden genutzt werden kann, die überwiegend barhuf laufen und nur in extremem Gelände oder bei langen Ausritten fallweise einem einen Hufschutz benötigen. Als Ersatz, falls ein Eisen verloren geht, ist der Turf King ebenfalls geeignet.

Lediglich die Reinigung ist ein wenig aufwändiger, weil der Schuh sehr geschlossen ist und eingedrungener Sand entweder mit einem starken Wasserstrahl oder in einem Eimer ausgespült werden muss. Das Nubukleder benötigt einige Zeit zum Trocknen. Der Schuh kann aber auch problemlos in feuchtem Zustand wieder angezogen werden.

Der Turfking ist in acht „runden“ Größen erhältlich und kostet 99 Euro pro Paar.

Cavallo Simple Boot und Sport Boot

10_Cavallo_Simple_Boot__Kopie.JPGDie Modelle Simple Boot und Sport Boot von Cavallo Horse & Rider punktet hinsichtlich der extrem einfachen Handhabung: Man öffnet lediglich eine seitliche Lasche, zeiht den Schuh über den Huf, rückt ihn bei Bedarf mittig zurecht und stellt ihn ab. Die beiden Klettverschlüsse werden einmal durch einen Metallring durch- und dann nach hinten gezogen und geschlossen. Der Schuh besteht aus robustem Qualitätsleder und sehr widerstandsfähig, die Profilsohle ist aus stabilem Kunststoff und hat eine eingebaute Drainage, so dass man auch problemlos durch Wasser reiten kann.

Das Pferd lief von Anfang an problemlos und sicher auf allen Böden. Allerdings ergaben sich nach mehreren längeren Ausritten infolge am dritten oder vierten Tag regelmäßig an den Ballen leichte Scheuerstellen, die aber später mit Fesselschützern vermieden werden konnten.

Die Sportvariante des Cavallo Hufschuhs verfügt über einen breiten Front-Klettverschluss, mit dem sich der Hufschuh mit einem Handgriff schließen lässt. Zusätzlich wird dieser mittels einem Schnellverschlussknopf gesichert. Aufgrund der dünneren TPU-Sohle und dem abgeflachten Sohlenprofil (weniger Widerstand beim Abhufen) als beim Simple Boot, stellt der Cavallo Sport Boot die leichtere und sportlichere Variante dar.

Beide Cavallo Boots sind in sieben Größen für 129 Euro erhältlich.

Fazit

Das wichtigste Ergebnis des „Hufschuhprojektes“ ist: Es gibt Pferde, die laufen mit mehreren Schuhen gut, andere kommen nur mit einem Modell klar und seltene Fälle – so zumindest die ehrliche Aussage aller Anbieter – mit gar keinem. Dabei kommt es auf viele Kleinigkeiten an: Hufform und -größe, Laufkultur, Empfindlichkeit der Ballen und des Fells.

Jedem Pferdebesitzer bleibt letztlich nur die Möglichkeit, das nach seinem Gefühl am ehesten passende Modell zu testen. Eine weitere Möglichkeit ist, Schmiede oder Hufpfleger, die Erfahrung mit verschiedenen Modellen haben, um ihre Meinung zu fragen, ob zum Beispiel die Hufform oder das Gangverhalten überhaupt „Schuh-tauglich“ ist.

Info (in alphabetischer Reihenfolge):


Die Autorin bedankt sich bei Gisela Gesk, Bernd Jung (Hufshop) und Krämer Pferdesport für die Testmodelle.
Besondere Anerkennung gilt Gisela Gesk (G.G. Reitsport), die sich die Mühe gemacht hat, eigens für die für die Erstellung dieses Berichtes aus Hessen nach Hamburg zu kommen.



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