Pferdetransporter: Rollende Behausungen für Ross und Reiter

Von Andreas Haude, geschrieben am 25.07.2011

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Wer Woche für Woche zu Turnieren fährt oder mehrere Pferde gleichzeitig transportieren will, kommt an einem Pferdetransporter kaum vorbei. Mit-Pferden-reisen.de hat Experten befragt, was vor einem Kauf alles zu bedenken ist.

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Wer ein oder zwei Pferde über vorwiegend kürzere Strecken transportieren möchte, kommt in den meisten Fällen mit einem Pferdeanhänger aus. Hat man es jedoch gern eleganter, ist man häufiger und vielleicht auch über längere Strecken unterwegs oder sollen drei und mehr Pferde mit auf Reisen gehen, stellt sich fast zwangsläufig die Frage nach einem Pferdetransporter. Das Angebot auf dem Markt ist vielfältig und bietet je nach Geldbeutel und persönlichem Geschmack sehr unterschiedliche Lösungen: vom einfachen, mit Führerscheinklasse B fahrbaren 3,5-Tonner für zwei Pferde über den 7,5-Tonner für zwei bis drei Pferde mit und ohne Wohnabteil, den vier bis sechs Rössern Platz bietenden 15- bis 18-Tonner, gleichfalls mit oder ohne Wohnung, hin zum für bis zu 26 Tonnen zugelassenen Edellaster mit Luxuswohnung inklusive Pop-out genanntem seitlich ausfahrbaren Erker, vollausgestatteter Küche, Flachbildschirm, Dolby-Surround-System und gefliestem Bad.



Wie viel Nutzlast darf es sein?

Am Anfang jedoch – da sind sich alle Fachleute und Hersteller einig – muss als Überlegung immer stehen: Wie viele Pferde will ich überhaupt transportieren? Und wie viel Nutzlast brauche ich dafür? „Sie muss für die Anzahl der Pferde immer ausreichend sein und genügend Reserve für Mitfahrer, Gepäck, zusätzliches Material und manchmal mehrere Hundert Liter Frischwasser lassen“, sagt Agnes Gimmel, Juniorchefin von Gimmel Fahrzeugbau in Deizisau. Denn: „Fahren am Rande der Nutzlast ist immer gefährlich!“

Viele Pferdetransporter-Interessenten haben diesbezüglich anscheinend ziemlich falsche Vorstellungen, meint Gerald Lösel, Inhaber der Pferdetransportfirma Horse-Service.com in Lengdorf bei München. So taugen aus seiner Sicht die mit der früheren Führerscheinklasse 3 fahrbaren 7,5-Tonner für maximal drei Pferde. „Viele wollen mit einem solchen Laster aber vier Pferde transportieren“, sagt er. „Dafür sind sie meist jedoch nicht ausreichend.“ Denn leer wögen solche Fahrzeuge mit Aufbau oft bereits sechs bis sechseinhalb Tonnen. Als Nutzlast verblieben also nur 1000 bis 1500, im optimalen Fall vielleicht mal 2000 kg. Lösels Fazit: „Für vier Pferde braucht man mindestens einen Zwölftonner.“ Mit dem freilich sollen seiner Erfahrung nach nicht selten sechs Pferde transportiert werden, für die der wiederum zu wenig Nutzlast habe, vor allem dann, wenn der Laster ein Wohnabteil beinhalten soll. „Um ein vernünftiges Fahrzeug zu bekommen“, sagt Lösel, „muss man es stabil bauen. Und wenn es stabil ist, hat es eben ein gewisses Gewicht.“

Sicherheit und Komfort der Pferde im Vordergrund

Neben der Nutzlast muss vor Baubeginn der zumeist individuell auf Kundenwunsch gefertigten Transporter geklärt werden, wie der Pferdebereich aussehen und ob eine Wohnung enthalten sein soll. „Im Vordergrund muss bei einem Pferdetransporter immer das Pferdeabteil und die Sicherheit und der Komfort für die Pferde stehen“, unterstreicht Agnes Gimmel. Dabei ist vieles zu bedenken. Auch wenn es banal klingt: Um die Verletzungsgefahr zu minimieren ist es am wichtigsten, darauf zu achten, dass es keine scharfen Ecken und Kanten gibt. Lediglich an den seitlichen Gattern der Einstiegsrampen lassen sich Kanten bauartbedingt oft nicht verhindern, sagt Pferdetransporteur Lösel, „aber auch die müssen nicht scharf sein.“

Mindestens ebenso wichtig ist die Verarbeitung und die Stabilität der einzelnen Bauteile. Besondere Aufmerksamkeit sollte dabei Agnes Gimmel zufolge Außen- und Trennwänden, Brustanschlägen sowie Schlagschutzmatten gewidmet werden. So sollten Trennwände zum Beispiel nie aus billigen Span-, sondern besser aus hochwertigen Massivholzplatten sein, damit die Pferde sie nicht eintreten können, betont Gerald Lösel. Auf keinen Fall dürfen die Wände bis unten hin fest sein: „Pferde könnten sich die Beine brechen, wenn sie mit ihnen beim Hinlegen unter die Trennwand geraten.“ Für den Transport von Fohlen müssen laut Lösel die Schlagschutzmatten auf jeden Fall gespannt sein, damit sie nicht unter den Wänden durchrutschen können. Dass daneben die Trennwände aufgrund unterschiedlich großer Pferde verstellbar sein müssen, versteht sich gewissermaßen von selbst, sagt Josef Boll, Inhaber vom Sportpferde-Reiseservice in Meppen. „Und sie müssen nach oben und unten auch unbedingt mit selbstsichernden Verschlüssen abgesichert sein“, hebt er hervor.

Sehr sinnvoll ist darüber hinaus ein seitlicher Kopfschutz an den Trennwänden, damit die Pferde sich nicht rechts oder links beißen können. Dazu sollte die Wand auch über den Futtertrog hinaus verlängert sein. „Denn so kurz anbinden, dass Beißen unmöglich wäre, kann man sie gar nicht“, sagt Gerald Lösel. Für nicht so zweckmäßig hält er hingegen gepolsterte Trennwände, insbesondere auf Langstrecken. Die sähen zwar gut und bequem aus, Pferde aber fräßen sie nach seinen Erfahrungen aus Langeweile oft an oder zerbissen sie gar. „Und dann sehen Polsterungen schnell zerschlissen aus und nützen nur noch wenig.“

Wie herum sollen die Pferde stehen?

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Standrichtung der Pferde. Sollten sie in bzw. entgegen der Fahrtrichtung stehen – oder doch besser schräg? Für Sportpferde-Reiseservice-Chef Boll ist die Antwort klar: „Pferde stehen schräg zur Fahrtrichtung am sichersten, weil sie sich so in allen Fahrsituationen wesentlich besser ausbalancieren können.“ Das gelte sowohl beim Anfahren und Bremsen als auch in Kurven. Außerdem sei der Platzbedarf im Vergleich zum Längsstehen wesentlich geringer, ergänzt Ralf Utz, Geschäftsführer von MEFA-Pferdetransporter in Heilbronn. Hinzu komme, dass in Längsrichtung reisende Pferde sich oft gegenüberstehen. „Über den Futtergang in der Mitte zwischen den Stellplätzen können sie sich dann ansehen, was nicht selten gegenseitige Aggressionen hervorruft“, bemängelt Gerald Lösel.

Für die Inneneinrichtung weiterhin bedeutsam ist, was für Pferde mitfahren sollen. Denn transporterfahrene Turnierpferde reagieren beispielsweise ganz anders als unerfahrene Hengste. „Gerade Letztere versuchen womöglich zu raufen, steigen in die Höhe und verhaken sich oft in Futtertrögen“, sagt Pferdespediteur Lösel. Deshalb bekämen sie bei ihm keine Futtertröge, sondern Bodenluken mit Futter darin. Im Übrigen seien auch für Fohlen Futtertröge oft ungeeignet, weil sie meist zu hoch angebracht sind.

Überwachung per Video

Einig sind sich Transporteure wie Hersteller darin, dass Videoüberwachung ein Muss ist, um zu sehen, was die Tiere in ihrem Bereich während der Fahrt anstellen. Falls einzelne Pferde steigen, sich aus Panik hinwerfen oder über die Trennwand zu springen versuchen, kann man auf diese Weise frühzeitig reagieren. Zusätzlich ließe sich aufkommender Langeweile mit häufigen Futtergaben begegnen, sagt Gerald Lösel.

Ob ein Laster zum Beladen über Heck- oder Seitenrampe oder beides verfügt, ist vielfach Ansichtssache. „Aus meiner Sicht sind sowohl Heck- als auch Seitenrampe Pflicht“, unterstreicht indes MEFA-Pferdetransporter-Geschäftsführer Ralf Utz. Zwar werde meist die in vielen Fällen breitere Heckrampe zum Beladen genutzt. Eine Seitenrampe bringe jedoch zusätzliche Flexibilität, weil hinten stehende Pferde im Laster bleiben können, während die vorderen ausgeladen würden. Des Weiteren für das Verladen hilfreich ist eine per Vollluftfederung gesteuerte Niveauregulierung, mit der der Laster vorne angehoben und hinten abgesenkt werden kann. „Je flacher die Rampe ist, desto leichter gelingen Ein- und Ausstieg“, sagt Gerald Lösel.

Bessere Fahrt dank Luftfederung

Nicht nur für das Verladen, auch beim Fahren hat Luftfederung handfeste Vorteile und ist daher für Sportpferde-Reiseservice-Inhaber Josef Boll ein Muss: „Das Fahrzeug liegt während der Fahrt einfach wesentlich besser.“ Das käme sowohl dem Fahrer als auch den Pferden zugute. Blattgefederte Laster hingegen können sich leichter aufschaukeln. Als weiteren für die Fahrsicherheit bedeutsamen Faktor nennt Boll einen langen Radstand, der für den Geradeauslauf förderlich ist.

Auf keinen Fall vergessen werden darf die zugfreie Be- und Entlüftung des Pferdeabteils. Fenster allein reichten dafür nicht aus, sagt Horse-Service.com-Inhaber Lösel. „Denn wenn man im Sommer zum Beispiel im Stau steht, sind sie natürlich wirkungslos.“ Bei Kälte können vordere Fenster zudem nicht geöffnet werden. Dringend erforderlich sind aus seiner Sicht Lüfter, deren Anzahl sich an der Menge der Stellplätze bzw. dem Volumen des Aufbaus bemisst. „Gut ist es, Lüfter zu haben, die sowohl saugen als auch blasen können“, sagt Lösel. So könne je nach Bedarf verbrauchte oder zu warme und feuchte Luft sowie Kotgeruch abgesaugt oder aber Frischluft zugeführt werden.

In diesem Zusammenhang nennen MEFA-Geschäftsführer Utz und Gimmel-Fahrzeugbau-Juniorchefin Agnes Gimmel auch eine hinreichende Isolierung als beachtenswerten Faktor. Einerseits müsse in einem eventuell vorhandenen Wohnabteil dann weniger geheizt werden. Zum anderen helfe sie auch im Pferdebereich, die Temperaturen ausgeglichener zu gestalten. „Bei billigen Pferdetransportern sind die Aufbauten oft recht einfach aus GFK-Platten gefertigt, die meist keinerlei Isolierung haben“, sagt Utz. AK und MEFA setzten für den kompletten Aufbau demgegenüber auf 30 Millimeter starke, vollausgeschäumte sogenannte Coratec-Sandwichplatten mit einer Aluminiumaußenhaut.

Wenn Wohnabteil, dann funktional

Von den Pferden zu den Menschen: „Ist man jede Woche unterwegs, ist ein Wohnabteil eine Bedingung“, sagt Agnes Gimmel. Das sieht auch Ralf Utz so: „Die meisten Turnierreiter wollen flexibel sein und im eigenen Laster wohnen, statt in ständig wechselnden Hotels abzusteigen oder in einem kleinen Wohnwagen zu schlafen.“ Gimmel ergänzt: „Wenn ein Wohnabteil vorhanden ist, muss es funktional sein.“ Ähnlich wie im Pferdeabteil stehe der Platzbedarf im Vordergrund und mit ihm eine genügende Anzahl an Schlafplätzen für Reiter und Pfleger. Entsprechend sei ein Fahrzeug mit oder ohne Pop-out zu wählen. Daneben seien eine gute elektrische Versorgung inklusive Überspannungsschutz bzw. FI-Schalter, eine gute sanitäre Ausstattung und – sofern gewünscht – weitere Ausstattungsdetails wie vollausgestattete Küchenzeilen oder Unterhaltungselektronik bedeutsam. Damit man mit solch einem luxuriös ausgestatteten Fahrzeug nicht sehr schnell an die Grenzen seiner Nutzlast stößt, sollte es aus Sicht von Utz mindestens ein etwa zehn Meter langer 15-Tonner sein. Womit wir wieder am Anfang unserer Überlegungen wären...

Darf’s auch ein Gebrauchter sein?

Wer sich angesichts der recht beachtlichen Neupreise für voll ausgestattete Pferdetransporter nicht eigens einen bauen lassen, sondern eher einen gebrauchten kaufen will, muss sich neben den schon erwähnten Aspekten laut Agnes Gimmel noch ein paar weitere wichtige Punkte ansehen: „Sind Bodenbeschaffenheit und Unterbau in gutem Zustand? Sind Kabel geschützt oder offen verlegt? Welche Aggregate sind an Bord? Und: Sind sie in Ordnung?“ Darüber hinaus muss auch den Reifen Beachtung geschenkt werden. Sie dürfen nicht zu alt sein, was sich anhand eines Codes auf der Flanke, der das Produktionsdatum angibt, überprüfen lässt. Was zudem oftmals gern vergessen wird: Sie müssen genügend Luftdruck haben. Anderenfalls kann das fatale Folgen haben: Zwillingsreifen, die wegen zu geringen Luftdrucks aneinander reiben, können während der Fahrt ohne Vorankündigung platzen. Behält man all das im Hinterkopf, steht der gemeinsamen Fahrt von Ross und Reiter kaum mehr etwas im Wege.




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