Welcher Pferde-LKW passt zu mir - worauf beim Kauf achten?

Von Doris Jessen, geschrieben am 08.09.2016

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BTC_Compact.jpgEinen Pferdetransport-LKW kauft man nicht alle Tage. Umso wichtiger ist es, vor der Anschaffung dieses doch recht kostspieligen Fahrzeuges die richtigen Fragen zu stellen und sich an einen kompetenten Anbieter zu wenden, der mit Reiter- und Pferdesachverstand den Kundenbedarf realistisch einschätzt und dementsprechend die richtigen Antworten – und Fahrzeuge – hat. An einem sollte man, so viel sei vorweggenommen, nicht sparen: An der Sicherheit und damit Stabilität des Aufbaus. Denn sie kann im Zweifel Pferde- und Menschenleben retten. Zudem ist genug Zeit einzuplanen für Entscheidung, Auswahl und - fallweise - auch Lieferfristen. Mit-Pferden-reisen.de hat das Böckmann Truckcenter besucht und Stefan Dartsch befragt, der dort Kunden aus aller Welt beim Kauf berät.

Sie sind schon praktisch, die selbstfahrenden Pferdetransporter, selbst wenn man nur ein oder zwei Pferde transportieren muss: Sofort am Stall verfügbar, kein An- und Abkuppeln, einfaches Rückwärtsfahren und Parken. Vielleicht sogar ein Bett für die Nacht und ein kleiner Aufenthaltsraum zum bequemen Umziehen. Auch die Pferde haben’s bequemer: Aufgrund der Breite von wenigstens zwei Metern mehr Platz im Stellfach, bessere Federung, keine Abgase in der Nase.


Ein weiteres Argument für einen kleinen LKW kann sein, dass er am Ende des Jahres im Betrieb günstiger ist, als für weitere Arbeitswege permanent ein großes Zugfahrzeug zu fahren und für die Pferde einen Anhänger, der, möchte man für die Tiere einen vergleichsweise hohen Fahrkomfort, auch nicht unter 10.000 Euro zu haben ist.

Wer mehr als zwei Pferde transportieren und nicht täglich ein schweres SUV mit 3,5 Tonnen Anhängelast bewegen möchte, kommt an einer LKW-Lösung ohnehin nicht vorbei. Und Hardcore Turnierreiter mit regelmäßig mehrtägigen Veranstaltungen schätzen es ebenfalls, direkt bei ihren Tieren zu sein und dennoch ein Mindestmaß an Komfort zu genießen – wobei dem Luxus nach oben nur der persönliche Geldbeutel Grenzen setzt.

Amateur oder Profi?

Eine entscheidende Frage vor einer Anschaffung ist: Wer nutzt den LKW? Anspruchsvolle Freizeitreiter, Amateurturnierreiter, Profis oder Züchter? Dressur- oder Springreiter, Vielseitigkeits- oder Westernreiter? Während die ersten beiden Anwendergruppen meistens dieselben Pferde fahren, die sich zudem meistens kennen, transportieren Profis häufig unterschiedliche Pferde, ungestüme Jungpferde, Hengste oder auch Stuten mit Fohlen.

BTC_Web__3_von_20_.jpgFür letztere müssen die Trennwände einfach zu verschieben (s. Bild links), im Kopfbereich eventuell sogar bis oben geschlossen sein. Je nach Käufernutzen kann die Sattelkammer größer oder kleiner sein, jeweils auf Kosten oder zugunsten eines Wohnbereiches. In diesem Zusammenhang ist auch die Frage zu lösen, ob für einen weiteren Anhänger – sei es für Pferde oder Gepäck – eine Anhängerkupplung angebracht werden soll.

„Die zweite Frage betrifft dann die Größe, d.h. wie viele Pferde regelmäßig zu transportieren sind und ob außerdem noch ein Wohnabteil für eine bestimmte Personenanzahl gewünscht ist“, sagt Stefan Dartsch.

Klein und kompakt: 3,5- bis 4,5-Tonner

Besonders beliebt, weil kompakt, wendig, noch mit der Führerscheinklasse B erlaubt und auch schneller als 80 km/h zu fahren, sind die 3,5-Tonner. Allerdings, so Dartsch, müsse man sich von der Vorstellung verabschieden, damit, soweit das Fahrzeug solide gebaut sein soll, zwei Pferde transportieren zu können und dazu womöglich noch ein voll eingerichtetes Wohnabteil einzubauen. „Die Grundfahrzeuge, egal, ob ein Renault, Peugeot, FIAT oder Opel, wiegen mit Fahrgestell schon ab etwa 1.700 kg. Zwei normale Warmblüter bringen üblicherweise jeweils zwischen 500 und 650 kg auf die Waage. Das addiert sich auf mindestens 2,7 bis 3 Tonnen. Mit dem verbleibenden Rest von 500 bis 800 kg können Sie keinen ausreichend festen Aufbau mit Gummiboden, stabilen Trennwänden bauen, die wirklich halten, wenn zum Beispiel ein Auffahrunfall mit Vollbremsung passiert.“

Dabei, das muss man sich vergegenwärtigen, wirkt nicht nur mindestens ein Gesamtgewicht von einer Tonne Pferd schlagartig auf die Rückwand der Fahrerkabine. Abhängig von der Geschwindigkeit, aus der das Fahrzeug zum Stehen kommt, ist die Wirkung aufgrund der Beschleunigungskräfte ein Vielfaches davon: Schon bei einer Fahrtgeschwindigkeit von 30 km/h sind es 3,5 Tonnen, bei 50 km/h ist es rund das Zehnfache des Gewichtes. „Und spätestens dann sprechen wir nicht nur von verletzten Pferden, sondern auch von Menschenleben. Wer etwas anderes erzählt, spart an Solidität und letztlich Sicherheit für Mensch und Tier“, so der Truck-Profi.

Die solide Lösung ist daher, für LKW der Compact-Klasse kräftigere 4,2 oder 4,5 Tonner zu nutzen. Diese Compact Fahrzeuge eignen sich für den sicheren Transport von zwei Pferden. Falls es aus Fahrerlaubnisgründen erforderlich sein sollte, kann das Fahrzeug problemlos in den Zulassungspapieren auf 3,5 Tonnen abgelastet werden. „Sie können in diesem Fall zwar zunächst nur ein Pferd transportieren, sind aber sehr variabel. Das heißt, dass Sie ohne weitere Probleme später –wenn z.B. die richtige Fahrerlaubnis vorliegt - wieder auflasten können“ meint Dartsch. Entscheidet man sich für ein längeres Fahrgestell, erhält man bei einem solchen Fahrzeug 70 cm mehr Raum entweder für bis zu drei weitere Sitzplätze oder eine Übernachtungsmöglichkeit. Das Pferdeabteil und die Rampe bleibt 1:1 so, wie in den Standardmodellen.

Die Transporter der Compact-Klasse beginnen bei Böckmann bei knapp 50.000 Euro. Steuerlich gelten sie als PKW.

Performance zeigen: Die mittlere Variante bis 9 Tonnen

Die nächstgrößere Klasse bis 7,2 Tonnen Gesamtlast reicht - immer unter dem Aspekt der soliden Aufbauten und Einrichtungen - komfortabel für zwei Pferde und ein sehr komfortables Wohnabteil oder drei Pferde mit kleiner Wohnung. Dabei hat das Fahrgestell immer noch „Sprinterformat“ und die LKW sind mit den Fahrerlaubnisklassen C1 oder alter Klasse 3 fast wie ein PKW zu fahren. Bei Böckmann laufen diese Modelle unter dem Modellbegriff „Performance“.

Groß denken…

BTC_Eqipe_TRuck.jpgMöchte man drei Pferde transportieren und mit mehr als ein bis zwei Personen zusätzlich übernachten, sollte es schon ein 8,6- oder 9-Tonner sein. Ab 9,5 Tonnen bis 26 Tonnen Gesamtgewicht geht es dann in die große Liga, die einrichtungsabhängig drei bis zwölf Pferde transportieren kann. Bei diesen als „Equipe“-Modelle bezeichneten Fahrzeugen gibt es bei Böckmann rund 50 verschiedene Grundvarianten hinsichtlich der Pferdeanzahl und Wohnraumgröße. Ab hier ist dann die Fahrerlaubnis C, CE oder die alte Klasse 2 erforderlich.

Probefahrt vereinbaren!

17_Boeckmann_TL_Bett_.JPGSoweit möglich, ist eine Probefahrt anzuraten. Böckmann bietet dafür Schnupperwochenenden ab 490 Euro netto an, an denen Interessierte samt Pferden vier Tage lang auf Reisen gehen können, um festzustellen, ob ihnen diese Form des Transportes, eventuell sogar mit Übernachtung à la Campmobil liegt. Beim Kauf eines Neufahrzeuges werden diese Kosten angerechnet.


Von der Stange oder maßgeschneidert?

Natürlich gibt es gerade von den kleineren Modellen von vielen Herstellern neue Standardfahrzeuge quasi zum Mitnehmen oder auch Gebrauchtfahrzeuge. Bereits die mittleren und vor allem ganz großen Pferde-LKW werden im Neufahrzeugbereich aber fast immer kundenspezifisch angefertigt. „Wir verfügen über ein Baukastensystem, aber am Ende ist jeder LKW ein Unikat und auf den Aufbau im Pferdebereich gibt es sieben Jahre Garantie. Grundsätzlich gilt: Je mehr Pferde, desto kleiner die Wohnung und umgekehrt“, erklärt Dartsch.



Wo kaufen?

Blättert man durch die Reitsportmagazine oder recherchiert im Internet, gibt es eine Vielzahl von Anbietern (s. Liste unten). Kritische Fragen sollte der Kunde danach stellen, wo die Fahrzeuge gebaut werden und ob im Schadenfall ein schneller Service durch den Hersteller selbst oder einen kompetenten Vertragshändler garantiert werden kann. Auch das Thema Ersatzfahrzeug sollte angesprochen werden. „Für die Reparaturen am Basisfahrzeug sind die entsprechenden LKW-Hersteller Ansprechpartner. Wenn allerdings ein Schaden am Aufbau entstanden ist, z.B. Laderampen oder Heckpartien beschädigt sind, dann muss die Firma, die den LKW als Ganzes geliefert hat, entsprechende Ersatzteile und Reparaturkapazitäten schnell verfügbar haben“, gibt Dartsch zu bedenken.

Zeit nehmen!

Wer einen Pferdetransport-LKW kaufen möchte, sollte sich vor allem Zeit nehmen: „Zunächst erarbeiten wir mit dem Kunden das richtige Fahrzeugkonzept. Bei den Grundfahrzeugen gibt es bereits vielfältige Auswahlmöglichkeiten. Obwohl wir immer einige Varianten am Lager haben, können bei Wünschen nach Sonderausführungen auch Lieferzeiten entstehen. Wenn wir dann bei Böckmann so ein Fahrzeug individuell nach Kundenwunsch bauen, können größen- und ausstattungsabhängig schnell einige tausend Arbeitsstunden anfallen. Wer sich also mit diesem Gedanken für die nächste Saison beschäftigt, sollte schon einmal im Herbst damit beginnen zu überlegen, welche Wünsche ungesetzt werden sollen. Wir beraten Sie dabei gerne, damit Sie das für Ihren Zweck optimale Fahrzeug erhalten“, so Dartsch.

Eine Auswahl von Herstellern (keine Garantie für Vollständigkeit)

AK Fahrzeugbau
Böckmann Fahrzeugwerke
Dickenherr Trucks and Trailers
EHC: The European Horsebox Company
FK Pferdetransporter
JL Georg Jach Pferdetransporter
Hagstedt
Paragan Horsetrucks
Ketterer Spezial
MEFA Group
TST Fahrzeugbau (Gimmel)
MSG

Niehoff Karosserie- und Fahrzeugbau
Roelofsen
Rudvan




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