Siemsglüss Heidjer: Viel Anhänger fürs Geld
Von Doris Jessen, geschrieben am 06.08.2006
Lange im niedersächsischen Dorfmark erfolgreich auf dem Markt war Jan Siemsglüss, der mit seiner „Heidjer“-Serie solide Anhänger aus eigener Produktion mit einem fairen Preis-Leistungsverhältnis bot. (Testzeitraum Juli/August 2006 im Auftrag der Zeitschrift PferdeForum Oldenburg; 2008 stellte Siemsglüss den Anhängerbau ein)
Die auf den ersten Blick auffallendste Eigenschaft des Heidjer sind seine im Vergleich zu anderen Fahrzeugen großzügige Innenbreite von 1,80 Meter, die auch für ängstliche und nicht so verladefreundliche Pferde zusammen mit dem weißen Innenraum und der Klarsicht-Pendeltrennwand sehr einladend wirkt – alles serienmäßig im übrigen. Das zulässige Gesamtgewicht beträgt 2.400 Kilo.
Um auch Kritiker des Polyesteraufbaus mit Holzkern zu überzeugen – hier können mit der Zeit Haarrisse im Polyester entstehen und Feuchtigkeit ins Holz eindringen, das dann schneller verrottet – bestehen die Heidjer-Modelle ohne hölzernes Innenleben. Die Stabilität im Material, vor allem an den Bordwänden, wird durch 15 mm dickes Polyesterlaminat erreicht und durch drei Seitenstreben aus feuerverzinktem Stahl vorne und am Heck des Fahrzeuges noch unterstützt. Das nimmt dem Fahrzeug zwar optisch etwas Eleganz, macht es aber insgesamt sicherer.
Der aus massiven feuerverzinkten Stahlprofilen aufgebaute Rahmen ist mit dem Polyesteraufbau verschraubt. Der Boden besteht aus einer 18 Millimeter dicken Holzplatte, auf der ein sieben Millimeter dicker Gummiboden verklebt und versiegelt ist. Er ist sehr griffig und wird auch bei Nässe nicht rutschig. Manche Modelle gibt es auch mit Aluminiumboden und zum Schutz gegen Huftritte ein einen Meter hohes Trittschutzblech. Die Ladeklappe ist mit 1,50 Meter ausreichend lang und bietet den Pferden einen komfortablen Einstiegswinkel; der Klappenboden ist mit dickem, quer profiliertem Gummi und den bewährten Kletterleisten belegt. Die Klappe steht in geschlossenem Zustand nicht innerhalb des Rahmens, sondern schließt mit dessen Außenkante ab, was noch einmal zwei bis drei Zentimeter Breite bringt. Diese Maße haben jedoch ihren Preis in Sachen Kraftaufwand: Schwächere Naturen müssen in die Knie gehen, um sie hochzustemmen. Hier wären etwas stärkere Gasdruckfedern als Hebehilfe sicherlich vorteilhaft.
Die Klappe ist durch die üblichen Haken zu verschließen, die allerdings anfangs etwas rau waren und daher eine Menge zusätzliches Schmieröl benötigten. Zu verschließen ist der Anhänger am Heck mit der üblichen Plane und einem nach innen gerollten Automatiklift.
Für Farbfreunde gibt es den Heidjer und auch seinen großen Bruder Big Heidjer (Innenhöhe 2,35 m) in den sechs Variationen Weiß, Schwarz, Grün, Nachtblau und Blau sowie Melonengelb. Die dunklen Farben haben zusätzlich den modernen Flittereffekt, auf dem Kratzer im Polyester kaum sichtbar sind.
Ruckzuck am Haken
Das Anhängen an das Zugfahrzeug funktioniert dank der Alko-Kupplung mit dem praktischen Kontrollfenster, welches das korrekte Einrasten in grün bestätigt, sehr leicht. Der Heidjer bietet serienmäßig ein Automatikstützrad, das allerdings für die letzten Umdrehungen ebenfalls etwas Kraft benötigt. Das Fahrzeug ist wahlweise mit einem sieben- oder 13-poligen Stecker ausgerüstet, bei letzterem ist automatisch ohne Aufpreis ein Rückfahrscheinwerfer inklusive.Das einzige, was uns beim Anhängen fehlte, waren die praktischen Rangiergriffe.
Einsteigen für Pferd und Mensch komfortabel
Auch für große Pferde angenehm hoch ist die Einstiegsöffnung am Heck. Das gepolsterte Brustgestänge ist vorne serienmäßig geteilt und mit einem Panikverschluss gesichert, auch die Seitenpolsterung gehört zum Standard. Für die Motivation zum Einsteigen oder auch Mahlzeiten in Pausen bieten sich die Futtertröge an, die in die obere Verschalung der Sattelkammer eingelassen sind. Das rechts stehende Pferd – gefahren wurden überwiegend Quarter Horses mit zwischen 1,55 und 1,60 Meter Stockmaß – kommt noch problemlos ans Futter, auch für den Menschen bleibt aber genügend Platz, um das linke Pferd anzubinden. Die ebenfalls gepolsterten Heckstangen sind leicht einzuhängen.
Komfortable Sattelkammer
Die Inspektions- und Sattelkammertüren sind durch leichtgängige Klapphebel zu öffnen. Die Sattelkammer hat eine breite Tür und ist auch für Turnier- und sogar Urlaubsgepäck inklusive Futtersäcke und Paddock-Stangen ausreichend groß und vor allem sehr hoch, weil im Heidjer noch der Raum nach oben vor den eingelassenen Futterkrippen genutzt wird. Für Englischsättel sind die Sattelhalter gut angebracht, für die doch viel längeren Westernsättel bedarf es anfangs ein wenig Übung, um sie sauber einzupassen. Für Aktionen im Dunkeln ist die Sattelkammer mit einer ausschaltbaren Lampe ausgestattet – ebenso wie im Anhänger selbst zusammen mit den Fahrzeugscheinwerfern das Licht angeht.
Gute Fahreigenschaften
Siemsglüss stattet seine Heidjer-Modelle mit einem Alko-Fahrwerk aus, das serienmäßig mit vier Radstoßdämpfern versehen ist, die das Fahrzeug ruhig hinter dem Zugfahrzeug laufen lassen. Dies gilt vor allem für den beladenen Zustand, leer entstehen bei Bodenwellen gelegentlich geringere Schwingungen. Im Testzeitraum fuhren wir zwei Pferde über 500 Kilometer von Hamburg nach Königstein (Taunus) und zurück. Beim Bremsen auf starkem Gefälle schob der Anhänger etwas nach, blieb aber immer exakt in der Spur.
Fazit
Der Heidjer von Jan Siemsglüss ist ein solider Pferdeanhänger der Vollpolyesterklasse, der durch seine Breite und das zulässige Gesamtgewicht von 2,4 Tonnen vor allem auch für Besitzer großer Pferde interessant ist. Die guten Fahreigenschaften und die große Sattelkammer zusammen mit einer völlig ausreichenden Grundausstattung lassen die gelegentlichen „Ruppigkeiten“ in der Bedienung in den Hintergrund treten.
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