Cheval Liberté 2003: Die französische Alternative

Von Doris Jessen, geschrieben am 30.04.2009

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Der französische Pferdeanhänger Cheval Liberté 2003 in Holz-Polyester-Ausführung bietet eine umfangreiche Serienausstattung mit hervorragendem Fahrverhalten zu einem sehr günstigen Preis (Testzeitraum Mai-Juni 2006 im Auftrag der Zeitschrift PferdeForum Oldenburg)

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Vor einigen Jahren eroberten sie die Fachzeitschriften, die querformatigen Werbeanzeigen des bisher eher unbekannten Anhängerherstellers „Cheval Liberté“. Auffallend sind vor allem die günstigen Preise, die bei einem gut ausgestatteten Zweipferdeanhänger mit Holz-Polyesteraufbau ab rund 3.670 Euro beginnen und mit rund 6.000 Euro für die Luxus-Ausführung in Vollpolyester enden – inklusive Betriebserlaubnis (ABE) und Fracht. Grund genug, sich diese Produkte einmal genauer anzusehen.




Für unseren Anhängertest stellte uns die Firma Ahrens & Ullmann aus Stuhr bei Bremen das Holz-Poly-Modell 2003 zur Verfügung, das als Besonderheit einen Vorderausstieg bietet.

Pullman-System überzeugt

Bereits beim Abholen, also leer, aber auch später mit zwei Pferden voll beladen, fiel das hervorragende Fahrverhalten auf. Cheval Liberté erreicht dies durch sein „Pullman-System“, ein Fahrwerk mit PKW-typischer Einzelradaufhängung, das auf allen Straßentypen und Feldwegen und auch höheren Geschwindigkeiten für eine absolut ruhige Straßenlage sorgt. Dabei war es egal, ob das Fahrzeug hinter einer BMW-Limousine, einem Toyota Landcruiser oder Mitsubishi Pajero lief – die Fahreigenschaften sind in jeder Hinsicht top. Dieses Fahrwerk ist allerdings als Sonderausstattung mit 380 Euro zu bezahlen – ein Preis, der aber für Pferde und Fahrer sicherlich lohnt, wenn man viel unterwegs ist und auch einmal raue Landstraßen oder Feldwege fahren muss.


Die Achsen, Bremsen und die Auflaufeinrichtung kommen von der bewährten Firma Knott. Das Ankuppeln funktioniert leicht, an einem grünen Kontrollfenster wird sichtbar, ob der Kugelkopf eingerastet ist. Zum Abkoppeln wird ein kleiner Knopf gedrückt, der den Kugelkopf des Zugfahrzeuges sofort freigibt, so dass man den Anhänger an dem serienmäßig eingebauten Automatikstützrad leicht hochkurbeln kann.

Solide Basis

Die Karosserie und die Seitenstreben bestehen aus feuerverzinktem Stahl, der Holzaufbau hat 18 mm dicke Seitenwände und das Poly-Dach ist seitlich verstärkt. Die Heckplane mit Planenlift besteht aus einer fein gelochten, fliegengitterähnlichen Kunststofffolie, die eine gute Belüftung garantiert. Lange Haltbarkeit versprechen die Kunststoff-beschichteten Holzwände und sind zudem leicht zu säubern. Die Laderampe ist mit dickem Gummi belegt, der allerdings bei Nässe trotz der Querstreben für Mensch und Tier leicht etwas rutschig wird.

Umfangreiche Serienausstattung

Ähnlich wie der britische Hersteller Williams setzt auch Cheval Liberté auf eine sehr umfangreiche Serienausstattung. Die Grundausstattung des Pferdeanhängers Cheval Liberté 2003 ist umfangreich: So zum Beispiel der 21 mm dicke griffige Holzboden mit griffiger, verklebter und versiegelter Gummimatte, höhen- und längenverstellbaren gepolsterten Boxenstangen mit dem üblichen Paniksystem, Seitenpolsterungen und Hengstgitter sowie eine für den Schutz der Seiteninnenwände sehr sinnvolle Metallplatte im Schlagbereich. Die Bodenplatte ist zudem von innen auszutauschen, ohne den Holzaufbau abnehmen zu müssen. Die Fenster sind mit Gittern gesichert und nach vier Seiten ausstellbar, zusätzlich bietet das Fahrzeug eine Zwangsbelüftung vorne im Bug und eine Dachklappe, die ebenfalls zu öffnen ist.

Für alle, die in dem Pferdeanhänger außer ihren Pferden auch Heu, Stroh oder sonstiges Gut transportieren möchten, ist die Möglichkeit interessant, beide Rampen auch als Türen zur Seite öffnen zu können, weil man dann zum Beladen mit einem Gabelstapler direkt an den Anhänger heranfahren kann. Der Umbau zur Tür ist einfach.

Möchte man den Vorderausstieg auch für die Pferde nutzen, so muss die Mitteltrennwand an der Unterseite des Fahrzeugs entsichert werden und lässt sich dann vorne anheben und leicht zur Seite schwenken. Nach einigem Gebrauch wird der Unterboden und damit der Entsicherungssplint allerdings sicherlich sehr schmutzig werden – Handschuhe sind dann Pflicht.

Das Einsteigen direkt über die Stufe ist bei einer Kantenhöhe von 45 cm für kleinere Pferde allerdings schwierig. Auch lässt sich die dann zur Seite geöffnete Tür nicht festhaken, so dass sie bei Wind leicht zufallen kann.

Günstige Sonderausstattung

Als Zusatzausstattung für insgesamt 300 Euro erhält er noch ein Reserverad das innen im Bug angeschraubt ist, Stoßdämpfer für die 100 Km/h-Zulassung, eine zusätzliche Polyesterbeschichtung auf dem Holzboden und eine in der Inspektionstür eingeschraubte kleine Sattelbox. Sie ist gut ausreichend für Putzkasten, Gamaschen, Gerten, Zaumzeug etc., selbst für Englischsättel wird es ein wenig knapp.

Die Holz-Poly-Pferdeanhänger sind in blau, grün, grau oder weiß mit weißem Dach grauem Dach erhältlich. Beim Testmodell war das Dach anstatt im serienmäßigen Weiß blau – ein Zusatz, der als „Top Color“ für 190 Euro zu haben ist und den Chic des Anhängers deutlich erhöht. Die Polyester-Modelle gib es auch in weiß, rot, metallgrau, anthrazit, dunkelblau und grün.

Vorderausstieg durchaus praktisch

Das Modell 2003 bietet serienmäßig einen Vorderausstieg, der vor allem von Züchtern und Händlern geschätzt wird, die oft und viele, noch nicht an das Ein- und Aussteigen gewohnte (Jung)Pferde transportieren müssen.

Für den Turnierreiter erweist sich die zweite Tür als sehr praktisch: Müssen die Pferde länger auf dem Anhänger stehen, haben sie immer frische Luft und einen abwechslungsreichen Blick nach draußen. Der Reiter kann das Fahrzeug von beiden Seiten aus bequem betreten, was sich speziell dann als angenehm erweist, wenn die Pferde draußen in einem Paddock stehen und das Fahrzeug als „großer Turnierschrank“ dient, in dem alle Notwendigkeiten wie Putzkasten, Transportgamaschen, Decken oder auch Turnierjacken aufbewahren kann.

Zum Einhängen des Fensters in der sehr hoch angebrachten Klammervorrichtung an der Seitenwand braucht man allerdings lange Arme. Kleinere Personen müssen daher auf die Seitenverstrebung steigen, um die Klappe zu arretieren.

Ein paar Verbesserungsvorschläge

Wie bei fast allen preiswerteren Pferdeanhängern, lässt sich auch hier die Inspektionstür außen nicht festhaken und klappt daher je nach Stand des Anhängers von selbst wieder zu. Im Testgebrauch haben wir daher den Türgriff mit einer Gummistrippe aus dem Fahrradzubehör am Rahmen festgelascht, um das lästige Zuklappen zu vermeiden.

Die Tür hat eine griffige Metallklinke, die mit einem Schlüssel abschließbar ist. Sie ist aber von innen nicht zu öffnen. Das kann vor allem dann ein Sicherheitsproblem werden, wenn die Sattelbox eingebaut ist, die den Raum zur Bruststange des Pferdes sehr einschränkt. Läuft ein Pferd mit viel Schwung in den Anhänger (was ja leider immer wieder passiert), muss die Person, die es hineinführt, blitzschnell zur Seite wegtauchen, um sich in Sicherheit zu bringen.
Die Tür muss dann von einem – hoffentlich vorhandenen – Kollegen von außen geöffnet werden.

In manchen Kleinigkeiten dürfte auch die Verarbeitung etwas solider sein: Das betrifft vor allem die Anbringung der dritten Bremsleuchte, die sich recht schnell lockerte. Die seitlichen Positionsleuchten, die nur an einem Ende mit Schrauben gesichert sind und am anderen Ende frei schweben.

Fazit

Cheval Liberté bietet sehr günstige Pferdeanhänger mit umfangreicher Serien- und preiswerter Sonderausstattung, bei dem die Basis zum Testzeitpunkt stimmte und vor allem das Pullman-System mit hervorragenden Fahreigenschaften überzeugte. Wie so oft bei günstigen Produkten muss man aber mit kleineren Schönheitsfehlern leben und hier und dort vielleicht selbst eine zusätzliche Schraube anbringen oder die Türen mit einfachen Gummistrippen sichern.

Testzeitraum Mai/Juni 2006

Das Modell wird heute in überarbeiteter Form als GT 2 Racer angeboten


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