Auch für die Schlammschlacht - SUVs für den Reitereinsatz: Neun Modelle bis 30.000 Euro
Von Doris Jessen, geschrieben am 20.06.2011
Wer jemals mit einem (nur) Front- oder Heckantrieb-Wagen auf einem mehr oder weniger schlüpfrigen Turnierparkplatz den Allrad-motorisierten Kollegen oder gar örtlichen Landwirt um Abschlepphilfe bitten musste, weiß um die Vorteile geländegängiger Fahrzeuge. Dass die Klasse der als SUV bezeichneten PKW meistens auch relativ viel Platz für (Reiter-) Gepäck bietet, macht sie umso beliebter.
Allerdings ist die Mehrzahl dieser Wagen relativ teuer in Anschaffung und Betrieb. Wir haben un
s daher einmal auf die Suche gemacht und die Einsteigermodelle heraus gesucht, die mindestens zwei Tonnen ziehen dürfen und in der Basisausführung zwischen 25.000 und 30.000 Euro erhältlich sind. Da die Vorstellung aller SUVs den Rahmen eines Textes gesprengt hätte, finden Sie am Ende des Überblicks eine Liste mit Links zu den Beschreibungen von neun aktuellen Modellen, die den o.g. Kriterien entsprechen.
Nach welchen Aspekten wählt man als Reiter/in ein Auto aus? Für den „Normalgebrauch“ sind typischerweise Anschaffungspreis, Eleganz oder Sportlichkeit, Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit oder auf der anderen Seite möglichst niedriger Verbrauch die entscheidenden Kriterien.
Anhängelast, Allradantrieb und Ladekapazität
Für Reiter, die auch oder vor allem ein Auto für den Turniereinsatz benötigen, das seine Zugqualitäten oft genug auf matschigen Wiesenparkplätzen beweisen muss, gelten andere Auswahlkriterien: Als erstes ist die Anhängelast zu nennen. Da wir in den meistens Fällen mit einem Zweipferdeanhänger und oft auch zwei Warmblütern unterwegs sind, ist die Zugleistung von zwei Tonnen die unterste Grenze. Für die Geländegängigkeit hat sich der Allradantrieb bewährt. Hier unterscheiden sich die klassischen Geländewagen von den heute mehr und mehr beliebten „SUVs“ (Sports Utility Vehicle) oder „Crossover“-Modellen. Der Geländewagen hat typischerweise einen permanenten Allradantrieb. Das SUV fährt dagegen mit Frontradantrieb und die Hinterräder werden nur im Bedarfsfall automatisch zugeschaltet und das Drehmoment bis zu 50:50 auf Vorder- und Hinterachse verteilt. Für den Betrieb als Zugfahrzeug reicht der automatisch zuschaltbare Allradantrieb erfahrungsgemäß aus.
Erfahrungsgemäß benötigen Vielreiser auch immer einen großen und flexiblen Laderaum, weil noch längst nicht jeder Pferdeanhänger eine Sattelkammer hat. Und wenn doch, ist sie nicht immer ausreichend groß für sperrige Futtereimer, lange Paddockstangen und Longiergerten. Ideal ist es daher, wenn auf jeden Fall die Rücksitze ganz oder auch teilweise umgeklappt werden können. Apropos Futter: Wenn Hafer und Müsli aus Versehen aus der Tüte platzen, ist man froh, wenn die Ladefläche leicht zu reinigen ist…
Ganz wichtig: Der Laderaum sollte auch dann noch zugänglich sein, wenn der Anhänger angekuppelt ist. Je nach Länge der Deichsel und Platzierung des Stützrades kann eine zur Seite zu öffnenden Hecktür problematisch sein.
Leider ist der Umgang mit dem Pferd – viele Reiter haben außerdem noch einen Hund – oft genug eine recht schmutzige Angelegenheit. Das gilt besonders für die Fellwechselzeit, in der sich das gerade ausgebürstete Winterfell in jeder Ritze des Autos wiederfindet. Jetzt ist man froh über pflegefreundliche Sitze und Kofferräume, die man leicht absaugen oder sogar auswischen kann.
Je nach Geldbeutel und Umweltbewusstsein kann auch der Kraftstoffverbrauch ein Kaufkriterium sein. Glücklicherweise waren die Hersteller hier durchaus fleißig und bieten heutzutage SUVs mit einem zumeist Dieselverbrauch ab 6 Litern an, für Benzinmotoren muss man mit knapp acht Litern rechnen – immer gemessen an den Herstellerangaben im Kombinationsbetrieb auf allen Straßen. Für die Kostenberechnung am Jahresende kommt es darauf an, wie viel der Nutzer fährt, weil die höheren Dieselsteuern in Relation zu den höheren Benzinpreisen gesetzt werden müssen. Grob gerechnet lohnt sich ein Dieselfahrzeug ab 20.000 Kilometern Laufleistung pro Jahr.
In der Tabelle stellen wir eine Auswahl von Allrad-Fahrzeuge vor, die den oben genannten Kriterien im Großen und Ganzen entsprechen. Ausschlaggebend für die Aufnahme war der Preis – mehr als gut 30.000 Euro sollte die Allrad-Version (die meisten der SUVs werden auch allein mit Frontantrieb angeboten) in einer Basisausstattung inklusive Klimaanlage, Radio, Zentralverriegelung nicht kosten. Und prinzipiell kommt man damit ja auch aus.
Allerdings zeigt die tägliche Praxis, dass es doch Zusatzausstattungen gibt, die nicht unbedingt nur Luxus sind, sondern auch der Sicherheit dienen. Dazu gehört zum Beispiel das Xenonlicht, weil es bei Dunkelheit deutlich weiter und besser den Weg weist als die Normalbeleuchtung. Wer schon einmal mit Rückfahrkamera punktgenau an die Kupplung des Anhängers gefahren ist, weiß um die Praktikabilität dieses sinnvollen Luxus: Sie erspärt das lästige mehrmalige Aussteigen zum Kontrollieren und schont zudem die Heckstoßstange. Last but not least ist es mit Pferd und Hund sinnvoll, Ledersitze zu bestellen, weil sie leicht sauber zu halten sind und in den meisten Fällen serienmäßig eine Sitzheizung haben.
Technik-Wissen: Gespannstabilisierung
Seit vielen Jahren sind ABS (Antiblockiersystem) oder auch EBS (Elektronisches Bremssystem) bekannt und zählen zu den leistungsstärksten aktiven Systemen in Sachen Verkehrssicherheit. Die Vorteile liegen auf der Hand: Kürzest mögliche Bremswege sowie stabilisierende Brems- und Lenkeingriffe – und damit mehr Sicherheit im Straßenverkehr.
Elektronische Bremssysteme greifen ein, wenn das Fahrzeug zu schleudern droht. Der Wagen bleibt stabil, weil zum Beispiel unter der Einwirkung von ESP (Elektronisches Stabilitätsprogramm) oder ESC (Electronic Stability Control) einzelne Räder innerhalb von Sekundenbruchteilen kurz abgebremst werden und das Motormoment angepasst wird.
Dabei wird durch diverse Sensoren fortlaufend überprüft, ob die tatsächliche Fahrtrichtung mit dem Wunsch des Fahrers übereinstimmt. ESC greift sofort korrigierend ein, falls sich sicherheitskritische Abweichungen herausstellen sollten.
Mittlerweile gibt es eine Erweiterung dieser Technik auch für die Gespannstabilisierung: „Bei dem Trailer Stability Programm handelt es sich um ein Software-Modul im ESC, das herstellerseitig aktiviert wird, wenn das Fahrzeug eine Anhängerkupplung erhält. Die ESC-Sensoren registrieren Schlingerbewegungen im Zugfahrzeug, die durch das Aufschaukeln des Anhängers entstehen, und lösen automatisch die Reduktion des Motors oder einer ganzen Achse aus, so dass das Gespann insgesamt wieder geradeaus fährt“, erklärt Cyrus Kerfekhah von Continental Automotive Group.
Neun Modelle bis 30.000 Euro
Die Fahrzeuge im einzelnen, nach Preisen aufsteigend gelistet:
- KIA Sportage: Kompakt-SUV für Reiteralltag und Großstadtleben
- Suzuki Grand Vitara: der einzige mit permanentem Allradantrieb
- Hyundai ix35: Moderne Zeiten
- VW Tiguan: Schnittstelle zwischen PKW und SUV
- Skoda Yeti: Klein, wendig, robust
- Toyota RAV4: Trendsetter und Dauerbrenner
- Ford Kuga: Gefälliges, sportliches Design
- Landrover Freelander 2: SUV mit Tradition
- Nissan X-Trail: Ein Klassiker
- Honda CRV: Comfortable Runabout Vehicle
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