Kia Sorento 2.2 CRDi Platinum: Top-Cruiser für lange Pferdereisen

Von Doris Jessen, geschrieben am 23.08.2018

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Kia_Sorento_web__20_von_32_.jpgEs ist schon der dritte Kia Sorento, den die „Pferdereisenden“ im Test hatten. Auch die jetzt dritte Generation des koreanischen Flaggschiffes mit 2.2 Liter Dieselmotor und 200 PS schleppte seine 2-Tonenlast souverän und für Fahrer sowie Mitfahrer höchst bequem durch die Lande. Kernkompetenzen des großen SUV: Viel Platz im Innen- und Gepäckraum mit „Ausbaureserve“ für zwei weitere Sitze, ausgereifte Fahrerassistenten und höchste Reisequalität. 52.400 Euro kostet er in der hier vorgestellten und voll ausgestatteten Platinum Edition.

Seit 2002 ist der Kia Sorento das Flaggschiff des südkoreanischen Herstellers, im Frühjahr 2015 ging die dritte Generation des Sorento an den Start.


Für Pferdesportler und den Wunsch, auch größere Anhänger zu ziehen, bot der erste Sorento noch 3,5 t Anhängelast UND bewältige, das mag für viele Käufer entscheidend gewesen sein, diese auch mit Automatikgetriebe. Das Fahrzeug war damals neben dem ebenfalls so leistungsstarken Hyundai Santa Fé (der übrigens heute ebenfalls nur noch eine abgespeckte Anhängelast mit Automatik bietet) die durchaus erschwingliche Alternative zu den „großen Kisten“ aus dem Premiumsegment, die nicht nur im Kaufpreis, sondern auch in den Unterhaltskosten deutlich höher lagen. 

Damit ist es in der jetzigen Generation, so muss man leider sagen, vorbei. Mit Automatik dürfen nur noch 2 Tonnen an den Haken. Dasselbe gilt für etwas anspruchsvollere Geländewagen-Eigenschaften wie hohe Bodenfreiheit, falls diese im Reiterhaushalt erforderlich sein sollten, etwa bei Selbstversorgern, die zum Beispiel wegen einer Zaunreparatur über eine tiefen Weideboden fahren müssen.

Für alle anderen ist es aber ein attraktives SUV, das durch seine Größe - die Karosse ist immerhin 4,78 m lang und 1,89 breit - sowie die optionale dritte Sitzreihe für die Reiterfamilie ordentlich Platz und vor allem Fahrkomfort für lange Reisen garantiert.

Markantes Exterieur

Kia_Sorento_web__22_von_32_.jpgAuf den ersten Blick fällt auf: Der Sorento hat ein markantes „Gesicht“ mit nahezu senkrecht gestelltem Kühlergrill, auffallender Punktstruktur und markencharakteristischer „Tigernase“. Mit ein bisschen Phantasie erkennt man in den fast schlitzartig nach hinten gezogenen Scheinwerfern ebenfalls raubtierhafte Züge. Die Chrom-Umrandung vorne und rund um die Fenster erreicht eindeutig Premium-Look.

Von der Seite betrachtet dominiert die Stromlinienform, die vor allem durch die nach hinten flach abfallende Heckfensterlinie betont wird. Ein kleiner Dachspoiler mit dritter Bremsleuchte und breite Rücklichter ergänzen zusammen mit dem mattchrom-farbenen Unterbodenfahrschutz vorne und am Heck den sportlich-modernen Auftritt.

Premium Interieur

Ebenso wie außen gibt sich der Kia auch innen „premium“. Der Wagen öffnet sich per Smartkey Schlüssel-los. Der Komfortsitz, elektrisch einstellbar in allen Richtungen, fährt beim Öffnen der Tür automatisch in eine zum Einsteigen bequeme Position, um dann wieder auf die vom Fahrer programmierte Einstellung zurückzuschnurren. Das ist vor allem für kleinere Personen, die näher am Lenkrad sitzen, ein Luxus, an den wir uns schnell gewöhnen. Es sitzt sich sehr bequem auf den Polstern, die in der Platinum-Ausstattung aus perforiertem Leder mit Ziernähten bestehen. Die Lendenwirbelstütze bietet Reiterrücken guten Halt und die Seitenwangen vermitteln jederzeit ein sicheres Sitzgefühl. Vorne und hinten gibt es eine Sitzheizung, Fahrer und Beifahrer durften in der 2018er Sommerhitze auch die kühle Sitzbelüftung genießen. Und alle haben sehr viel Platz.

Kia_Sorento_web__12_von_32_.jpgDie Oberflächen an den Türen und auf den Armaturen sind aus angenehm griffigem Kunststoff mit Ledernarbung, der sehr hochwertig wirkt. Alle Ablagen wie Türtaschen und das Fach unter der Mittelarmlehne sind geräumig, so dass für die lange Reise nicht nur ein Müsliriegel, sondern große Flaschen und Proviant für eine ganze Familie vorne und hinten untergebracht werden können. Lese- oder Sonnenbrillen lagern in einem separaten Fach im Dachhimmel.

Für das Laden von Smartphone & Co. gibt sowohl vorne als auch hinten es einen zwei 12V-Anschlüsse, eine Kopfhörer- und USB-Steckdose. Die Fenster an den hinteren Türen lassen sich durch verschiebbare Seitenvorhänge verdunkeln.

Einen Streich spielte die Kindersicherung der Fotografin, die vom Rücksitz aus die Armaturen ablichten wollte. Die gesicherte die Tür und wollte sie partout nicht mehr entlassen, auch nicht mit der Zentralentriegelung des Fahrzeugschlüssels. Glücklicherweise war das wirklich große Panaromadach geöffnet, so dass sie von hinten nach vorne durchklettern und die Zentralverriegelung öffnen konnte. Auch von außen war die - im Übrigen komfortabel breite - Hecktür nicht zu öffnen, solange das Fahrzeug noch nicht komplett ausgeschaltet war. Das könnte bei einem Unfall vielleicht zu einem Problem werden, weil Hilfskräfte dann nicht sofort an eventuell eingeschlossene Personen auf dem Rücksitz herankommen. Die Kindersicherung an der Tür direkt manuell zu aktivieren sollte man sich also gut überlegen.

Viel Gepäck oder dritte Sitzreihe


Ups, es beginnt zu piepen und die sensorgesteuerte Heckklappe schwingt auf – vermeintlich ohne besonderen Befehl. Da hat wohl der vorherige Tester im Bordcomputer eingestellt, dass sie sich automatisch öffnen soll, wenn sie den Smart Key in der Nähe registriert. Soll sie geschlossen bleiben, zum Beispiel, um einen Hund zunächst erst einmal an die Leine zu nehmen, muss man den Erkennungsbereich mit dem Smartkey entweder verlassen oder eine beliebige Smartkey-Taste drücken. 

Einmal offen, lädt ein großer Kofferraum (maximal 1.732 Liter) zum Beladen großem Gepäck ein. Die Rücksitze lassen sich um 27 Zentimeter in Längsrichtung verschieben und einfach zu einer ebenen Fläche umklappen. Optional ist auch eine zweite Rücksitzreihe bestellbar, die allerdings im Testwagen nicht eingebaut war.

Der Laderaum ist zweigeteilt. In der hinteren Hälfte gibt eine Abdeckung eine zweite Ebene mit mehrfach unterteiltem Staufach für allerlei nicht täglich benötige Dinge frei. Unterhalb der vorderen Klappe befinden sich im doppelten Boden Werkzeug und Verbandstasche sowie Platz für die abnehmbare Anhängerkupplung. Der Kia Sorento ist zudem mit einem Reserverad ausgestattet, was heute ehr selten ist.

Als Laderaumabdeckung ist ein Rollo vorhanden, das auch leicht herauszunehmen ist.

Intuitives Infotainment


Erfreulich intuitiv und teilweise durch Druckschalter und Drehregler einfach bedienbar ist das gesamte Infotainment inklusive Telefonkopplung und Navigationssystem. Bei der Routenführung kann man aus unterschiedlichen Ansichten wählen. Sehr gut funktioniert auch die Sprachbedienung, die das Tippen auf dem 8-Zoll-Touchscreen erspart. Das Multimedia-System enthält das zeitgemäße DAB Radio, einen CD Player. Heavy Metal oder Beethovens Neunte ertönen klangvoll aus dem Harman-Kardon Soundsystem mit neun Lausprechern und Subwoofer. Auch der Genuss von Videos - wohl eher für den Beifahrer gedacht - ist sowohl im PAL- als auch NTSC-Modus möglich. 

Kernkompetenz: Softes Cruisen

Der Motor startet auf Knopfdruck mit sonorem Dieselbrummen. Das Leder-bezogene Funktionslenkrad, etwas schlanker als die meisten anderen heutzutage, ist griffig, liegt gut in der Hand und ist heizbar. Das Auto fährt sich leichtfüßig, die Bremsen reagieren angenehm direkt. An der Ampel schaltet der Motor ab und „Autohold“ hält das Fahrzeug auf der Stelle, ohne dass der Fahrer permanent die Bremse betätigen muss.  

Je nach Fahrsituation oder persönlichem Temperament können wir aus vier Einstellungen der integrierten Fahrmodus-Steuerung wählen. Sie umfasst Comfort, Eco, Sport und Smart. Für das gemütliche Langstrecken-Reisen – im Übrigen die Kernkompetenz des Kia Sorento - eignet sich am besten die Einstellung Eco. Sie trägt zur Verbrauchsoptimierung bei, indem sie bestimmte Funktionsparameter von Motor und Getriebe sowie der Klimaanlage effizient steuert. Wem die etwas späteren Schaltpunkte der soft arbeitenden 8-Gang-Automatik und damit die geringere Beschleunigung nicht ausreichen, ist mit dem „Normal-“ oder „Smart- Modus“ gut unterwegs, letztere soll eigenständig die optimalen Einstellungen wählen. Etwas spritziger wird es im Sport-Modus. Er erlaubt eine dynamischere Fahrweise, die durch die automatische Steuerung von Lenkung, Motor und Getriebe unterstützt wird, und macht vor allem auf kurvenreichen Landstraßen Spaß. Auf Autobahnen kann es dann auch einmal flott vorangehen: In 9,7 Sekunden geht es von 0 auf 100 km/h. Bis zu 205 km/h spurtet das bequeme SUV und bleibt auch in hohen Tempi satt auf der Straße, was für ein SUV durchaus nicht selbstverständlich ist.

Sportliches Fahren hat allerdings seinen Preis: Auf rund 9,5 Liter Diesel kommen wir da, während es in der moderateren Eco-Version unter der Marke von acht Litern bleiben kann.

Da wir in der Platinum-Ausstattung unterwegs sind (wie übrigens 80 Prozent aller Käufer), trägt eine Vielzahl von intelligenten Assistenten zur entspannten Fahrt bei: Der Tempomat mit automatischer Abstandssteuerung bringt uns ohne Anstrengung durch den zäh fließenden Verkehr und funktioniert auch bei hohem Tempo zuverlässig. Zudem wird vor dem Verlassen der Spur gewarnt. Bei Nacht sorgt der Fernlichtassistent für zusätzliche Sicherheit, weil er bei Gegenverkehr automatisch abblendet. Dazu kommen noch Verkehrszeichenerkennung, Parkassistent, Totwinkelassistent und Rundumsichtkamera, die das Fahren zu einem bequemen Genuss werden lassen.

Im Alltag bewegen wir uns im automatischen Allradbetrieb, der die Verteilung des Drehmoments auf Fahrsituationsveränderungen schnell anpasst und damit auch die Kurvenstabilität erhöht. Zwar ist der Wagen laut Gebrauchsanweisung „nicht für echten Geländeeinsatz vorgesehen“, bietet allerdings über die Einstellung „Lock“ die 50:50-Verteilung der Kraft auf beide Achsen und damit durchaus die Möglichkeit, unbefestigte, nasse oder schlammige, rutschige oder verschneite Wege sicher zu überwinden.

Letztere Eigenschaft ist genau das, was wir als Pferdesportler so oft brauchen. Das beginnt oft schon damit, den Anhänger aus der zumeist auf Wiesenparkplätzen befindlichen Lücke zu ziehen. Und wer schon einmal im Winter bei Eis und Schnee ein Pferd in die Klinik bringen musste, weiß, dass eine gewisse Geländetauglichkeit in der konkreten Situation Gold wert ist.

Einsetzen der Anhängerkupplung mit Optimierungspotenzial

Kia_Sorento_web__32_von_32_.jpgAllerdings ist vor dem Einsatz als Zugfahrzeug erst einmal die Anhängerkupplung zu installieren, die beim Kia als abnehmbares Modell vorhanden vorerst im Kofferraum ruht. Vor dem Einsetzen wird sie mit einem Drehrad gespannt, was für kleine und manchmal schwächere Damehände eine Herausforderung sein kann.

Aus dem Unterbodenfahrschutz muss zunächst eine Abdeckplatte entfernt werden, anschließend die Schutzplatte für die Öffnung, in welche die Anhängerkupplung dann von unten nach oben geschoben wird und mit einem deutlichen Klicken einrastet. Die Elektrosteckdose ist unkompliziert herunter zu klappen, sitzt aber recht weit oben, so dass zum Platzieren und Drehen des Steckers selbst für kleine Hände (die jetzt ein Vorteil sind) wenig Platz bleibt. Das ganze Geschehen spielt sich – trotz des höher gelegten SUV-Charakters – so tief ab, dass man sich dafür leider auf die Knie begeben muss. Das hätten die Designer etwas praktischer gestalten oder – bei einem Serienpreis von mehr als 52.000 Euro – auch eine zeitgemäße elektrische Variante anbieten können.

Reiter-Reise-Wagen vom Feinsten

Der Rest ist schnell bewerkstelligt: Dank der hervorragenden Rückfahrkamera steuert man das Fahrzeug millimetergenau an den Pferdeanhänger heran, wobei beim langsamen Heranfahren und gelegentlichen Anhalten auf den letzten Zentimetern zu empfehlen ist, die Autohold-Funktion zu deaktivieren, weil das Fahrzeug dann nicht bei jeden Bremsvorgang zunächst einmal voll stehen bleibt und neu angefahren werden muss.

Ist der Pferdeanhänger dran, läuft alles wie geschmiert. Die 200-PS-Maschine mit 441 Newtonmetern Drehmoment zieht die Last nahezu unbemerkt auch aus dem schlüpfrigen Wiesenparkplatz. Mit einem Wendekreis von 11,3 Metern rangiert es sich leicht um die Kurve aus der Einfahrt und los kann es gehen in den Reiter-Kurzurlaub. Da wir auf den Landstraßen öfter einmal einen schleichenden Traktor überholen wollen, schalten wir in den Sportmodus, da ist die Beschleunigung auch mit Anhang gut. Die Straßenlage ist auf allen Straßenbelägen und auch bis zu den aufgrund des Leergewichtes von mehr als 1.900 kg erlaubten 100-km/h hervorragend.

Gegen gefährliches Aufschaukeln oder Schlingern ist der Kia durch eine Anhängerstabilisierung geschützt. Sie überwacht das Zugfahrzeug und den Anhänger fortlaufend auf Beeinträchtigungen der Stabilität und erkennt Schlingertendenzen, die dann automatisch durch das Abbremsen zunächst der Vorderräder und wenn das nicht ausreichen sollte, aller Räder und die Drosselung der Motorleistung „ausgebremst“ werden, bevor Schlimmeres passieren kann.

Mit Pferdeanhänger lag der Verbrauch – allerdings bei Tempo hundert – bei rund 10,5 bis 11 Litern Diesel.

Fazit

Der Kia Sorento ist ein geräumiges und höchst bequemes Reisefahrzeug mit guten Zugeigenschaften für Pferdeanhänger bis zu 2 Tonnen. Dank der Allradunterstützung ist man auch auf unwegsamem Gelände sicher unterwegs. Etwas unpraktisch ist die abnehmbare Anhängerkupplung. In der getesteten Platinum Edition kostet er 52.450 Euro plus 890 Euro für die Anhängerkupplung und 690 Euro im Metallic-Look. Damit ist er aber auch reichlich ausgestattet und hat – das ist ziemlich einzig im Wettbewerberumfeld – sieben Jahre Garantie bis zu 150.000 km.

Technischen Daten Kia Sorento 2.2 CRDi

Länge (mm) 4.800
Breite (mm) 1.890, 2.140 nmit Außenspiegeln
Höhe (mm) 1.685
Bodenfreiheit (mm)
185
Kofferraumvolumen (Liter)
660 - 1.732
Wendekreis (m)
11,3
Leergewicht (kg)
1.917 - 2.066
Zul. Gesamtgewicht
2.510
Zuladung (kg)
444 - 593
Anhängelast gebremst, bis 12 % Steigung (kg)
2.000
Stützlast
100 kg
Motor
2.199 ccm, 4-Zylinder Dieselmotor 
Getriebe
8-Stufen-Automatik
Maximale Leistung 147 kW (200 PS)
Maximales Drehmoment
441 Nm bei 1.750 bis 2.750 Umdrehungen/min
Beschleunigung
0 – 100 in 9,4 sec
Höchstgeschwindigkeit
205 km/h
Verbrauch in Litern (Herstellerangaben)
Stadt: 7,3; außerhalb 6,0; gesamt 6,5
CO2-Emission (g/km)
170
Schadstoffklasse
Euro 6
Effizienzlabel
B
Versicherungsklasse Haftpflicht + Teilkasko + Vollkasko
20 (HP), 24 (TK) 24 (VK)
Neupreis €
Ab 52.450 Euro; Testwagenausstattung 53.830 Euro





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