Pferdeanhänger Zugfahrzeugtest VW Tiguan Allspace TSI 4Motion 2.0: Platz und Spaß für die ganze Reiterfamilie

Von Doris Jessen, geschrieben am 11.06.2018

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Wem aus der SUV-Familie von Volkswagen der Tiguan zu klein, der Touareg zu groß und der Touran oder Sharan als Van zu konservativ sind, findet im neuen Modell Tiguan Allspace genau das richtige Maß für mitreisende Personen und ordentlich (Reiter)Gepäck. Wir hatten ihn in als Pferdeanhänger-Zugfahrzeug mit 2.0 TSI Benzinmotorisierung, 4Motion-Allrad und 180 PS sowie Highline-Ausstattung im Test. Damit darf dieses Modell bis zu 2,5 Tonnen ziehen. Der Serienpreis liegt bei 40.525 Euro.

Seit zehn Jahren gibt es das Kompakt-SUV Tiguan, das von Anfang an hocherfolgreich war. Mit dem Skoda Kodiaq kam allerdings ein deutlich voluminöserer Konkurrent (zwar aus demselben Konzern, aber immerhin mit anderem Label) auf den Markt, der die Lücke zu den „Großen“ wie VW Touareg oder Audi Q7 schloss. Logische Konsequenz: Ein Tiguan mit mehr Platz, genannt Allspace. Technisch bedient er sich aus dem modularen Querbaukasten (MQB) das Konzerns und gewinnt in der Länge 21 Zentimeter, der Radstand um elf Zentimeter.
Das Exterieur betreffend sind die beiden Geschwister kaum zu unterscheiden: Die Motorhaube ist ein wenig höher angesetzt und der Kühlergrill etwas massiger.



Space für Passagiere

Steigen wir dagegen ein, finden wir uns in einem großräumigen Van wieder, der aber – SUV-typisch – die höhere Sitzposition mit sehr guter Rundumsicht mit sich bringt. Im Testmodell können wir das bequeme Ledergestühl elektrisch verstellen, Lendenwirbelsäulenstütze inklusive. Die Inneneinrichtung mit hochwertigem Kunststoff und Teilleder an den Türinnenseiten fühlt sich gut an, glänzende Carbon-Leisten auch oberhalb des geräumigen Handschuhfachs werten die Optik zusätzlich auf. Ausreichend Stauräume mit Klemmhaltern für Flaschen unterschiedlicher Größen sowie eine höhenverstellbare Mittelarmlehne lassen keine Wünsche offen. Ganz besonders praktisch sind die beiden großen Fächer im Dach u.a. für Brillen aller Art. Diese gibt es jedoch nur, wenn kein Glasdach eingebaut ist.


Die Hauptnutznießer der verlängerten Karosse sind die hinteren Passagiere, die durch eine etwas größere Tür als beim kleinen Tiguan einsteigen und auf der verschiebbaren Rückbank Platz nehmen. Sie garantiert, komplett nach hinten gerückt, auch Langbeinigen eine luxuriöse First Class Beinfreiheit. Wie im Flugzeug können sie ihr Buch oder IPad auf den an der Rückseite der Vordersitze ausklappbaren Tischchen ablegen und ihr Getränk in den Becherhaltern der gemütlichen Mittelarmlehne sicher abstellen. So reist es sich komfortabel auch von München nach Hamburg.

Space fürs Gepäck


Tierische Passagiere dürfen den Gepäckraum genießen, der auch einer ausgewachsenen Dogge ausreichend Raum gibt. Er ist in unserem Modell sehr pfiffig mit variablen Ladeboden für allerlei Utensilien in der tiefer gelegenen Abteilung gestaltet. Das Laderaumabdeckungsrollo ist leicht herauszunehmen, was die Dogge erfreut. Links und rechts gibt es ausreichend tiefe Staufächer u.a. für Einkaufstaschen. Das Testmodell enthielt ein praktisches Gepäcknetz mit Reißverschluss, in dem zum Beispiel auch ein Bordcase sicher verstaut werden kann. Eine herausnehmbare Taschenlampe ist ebenso wie Taschenhaken mit an Bord. Wer elektrische Geräte anschließen will, kann dies an einer 100- oder 230-Volt Steckdose tun.

Möchte man den gesamten Stauraum nutzen, sind die Sitzbänke im Verhältnis 2:3 vom Kofferraum aus mit einem Hebel umzulegen und bilden eine ebene Fläche. Insgesamt wächst das Gepäckraumvolumen dann von 790 auf 1.920 Liter. Speziell für den Gebrauch im Pferdesport mit oftmals haarigem Transportgut ist es allerdings schade, dass auch die Seitenwände des Gepäckraumes mit Nadelfilz ausgelegt sind: Praktischer wären abwaschbare Flächen.
Der Tiguan Allspace bietet auch die Möglichkeit einer dritten Sitzreihe, die allerdings im Testwagen nicht vorhanden war.  

Komfortables Reisen

Das Testfahrzeug fuhr als 2.0 TSI mit 180-PS-Benzinmotor vor. Er startet leise auf Knopfdruck, der Schlüssel bleibt dank Keyless-System in der Reithosentasche. Das unten abgeflachte Multifunktions-Sportlenkrad ermöglicht einen komfortablen Einstieg und bietet die typischen Steuerungsmöglichkeiten für den Abstandstempomat einerseits und Telefon, Spracherkennung und Lautstärkeregelung andererseits.

Bereits auf der ersten Testfahrt durchs Salzburger Land bis München, durch Haarnadelkurven auf Dorfstraßen bis hin zu Autobahnen, spielt der Tiguan seine größte Stärke aus: Bequemlichkeit und Komfort als Reisewagen. Das Schalten wird vom DSG-Getriebe übernommen. Am sanftesten rollt er im Fahrmodus Comfort, weil das adaptive Fahrwerk Unebenheiten ausgleicht. Aber auch im Normal- oder Eco-Modus fährt es sich bequem, spritziger wird es selbstredend im Sportmodus. Dann wird die Dämpfung härter, Lenkung und Bremsen reagieren direkter, die Automatik schaltet deutlich später und der Motorsound dreht etwas auf. Je nach Geschmack, können in der Einstellung „Individual“ verschiedene Einstellungen auch kombiniert werden - Sportfahrt mit Eco-Klima zum Beispiel.
Der Verbrauch blieb auf moderat gefahrenen Autobahnstrecken unter 7 Litern Benzin, mit etwas mehr Sportspaß oder im Stadtverkehr stieg er allerdings schnell auf gut 9,5 Liter.

Infotainment: total intuitiv


Ganz besonderes Lob verdient sich Volkswagen mit der Entwicklung seiner umfassenden Assistenzsysteme. Im Tiguan Allspace übernimmt der Abstandstempomat das Bremsen und Beschleunigen hinter dem vorausfahrenden Wagen. Die Bedienung erfolgt komfortabel am Lenkrad. Der Spurhalteassistent hält uns auf Linie und lenkt sanft zurück, wenn die Straßenbegrenzung zu nahe kommt. Lässt man das Lenkrad für mehr als etwa zehn Sekunden los, erinnert einen das Infotainmentsystem daran, den Lenkvorgang zu übernehmen. Das vergisst man leicht, wenn der Stauassistent als Erweiterung des Spurhalters das Fahrzeug in der Schlange unter 60 km/h das Fahrzeug selbstständig steuert. 

Selbsterklärend ist das Infotainmentsystem mit dem allwissenden Bordcomputer und der zweiten Generation des Navigationssystems Discover Pro, das vor allem durch den 9,2 Zoll Bildschirmdiagonale und hochglänzenden Touch Screen die Blicke auf sich zieht. Knöpfe gibt es nicht mehr, was nicht immer praktisch ist, weil man für die Einstellung zum Beispiel der Lautstärke zunächst einfach ein Drehrad gewöhnt ist. Aber abgesehen davon (und ja, man gewöhnt sich auch daran) liefert das System so ziemlich alles, was die Fahrt sicherer und den Aufenthalt im Wagen angenehm macht: Sprachsteuerung für Navigation, Telefon und Mediennutzung, Staumeldungen, Verkehrszeichenerkennung und Warnung bei Geschwindigkeitsübertretung, UKW und Digital-Radio, Medienstreaming, App-Connect für Apple und Android. Zwei USB-Anschlüsse in der Mittelkonsole, eine AUX-Buchse und ein CD-Player sowie ein SD-Kartenslot komplettieren das Programm.

Ein wenig verwirrend ist anfangs die Kennzeichnung der unterschiedlichen Navigationsrouten in blau, rot und orange, weil die beiden letzten Farben in der Karte schlecht zu unterscheiden sind. Aber das ist wirklich eine Kleinigkeit.

VWTiguanAllspace__34_von_59_.jpgEine attraktive Sache ist das Active Display direkt im Fahrerblick, das die analogen Rundinstrumente ersetzt und zwischen der Tacho- und Tourenanzeige beliebige Informationen liefert: Auf Wunsch hat der Fahrer so auch die Navigationskarte direkt im Blick. Zusätzlich beamt noch ein Headup-Display die wichtigsten Informationen auf eine kleine Scheibe direkt vor die Windschutzscheibe. Das geht eleganter, erfüllt aber seinen Zweck.

Pferdeanhängerbetrieb: An alles gedacht

Der Tiguan Allspace in der mit 2.0 TSI Benzinmotorisierung darf zwischen 2,3 (bei 12% Steigung) und 2,5 Tonnen (bei 8% Steigung) ziehen, was für herkömmliche Zweipferdeanhänger und auch große Warmblüter gut ausreicht. Wie bei komfortableren Zugfahrzeugen im allgemeinen und den Volkswagen-Modellen im Besonderen üblich, finden wir auch beim Allspace eine halbautomatische Anhängerkupplung, die auf Knopfdruck aus ihrer Halterung fällt und per Fußtritt oder Hand arretiert wird.
Ein wahres Vergnügen ist das Heranfahren an den Pferdeanhänger: Das Bild der Rückfahrkamera füllt den gesamten Bildschirm des breiten Infotainment-Displays, so dass Kugelkopf und Deichsel millimetergenau und scharf im Blick des Fahrers sind. Die Abstände sind mit roten und grünen Linien gekennzeichnet, die Fahrtrichtung in Gelb. So rangiert man den Zugwagen perfekt an den Anhänger und hat ihn, ruckzuck, am Haken. Dank der direkt am Kupplungshals montierten Steckdose ist auch die Elektrik mit einem kurzen Dreh an ihrem Platz. Wie in einigen europäischen Ländern Vorschrift, steht für das Bremsseil eine Öse zum Einhaken zur Verfügung. Fertig zur Abfahrt!
Der Tiguan Allspace macht sich zügig auf die Reise und lässt den Anhänger auch bald in Vergessenheit geraten. Allerdings macht sich bei flotten Überholvorgängen bemerkbar, dass der Antritt des Benzinfahrzeuges gerade im unteren Drehbereich im Vergleich zum Dieselmodell etwas geringer ist .
Der Verbrauch stieg auch mit Anhänger nicht über 9.5 Liter Benzin.

Anhängespezifische Verkehrszeichenerkennung

VWTiguanAllspace__43_von_59_.jpgSchon bei „Solofahrten“ genial, unterstützt das umfangreiche Programm an Fahrerassistenten jetzt auch die Anhängerfahrt: Das gilt vor allem für die Verkehrskennzeichenerkennung, die, sobald der Anhänger mit dem Wagen elektrisch verbunden ist, über alle relevante Verkehrszeichen wie zum Beispiel die gültigen Geschwindigkeitsgebote und Überholverbot für Fahrzeuge mit Anhänger informiert. Gerade auf Autobahnen mit ihren häufig wechselnden Überholverboten für LKW und Anhänger ist das sehr hilfreich.

VWTiguanAllspace__20_von_59_.jpgVor Fahrten über schlechte Wege, matschige Parkplätze oder gar Schnee (es soll ja auch im Winter vorkommen, dass ein Pferd in die Klinik muss…) braucht sich keiner zu fürchten: Die Bodenfreiheit vom 20 Zentimetern, Offroad-Ausstattung mit Mode-Schalter für Straßenbetrieb, Schnee, Offroad und Offroad individuell garantieren ein sicheres Durchkommen in jeder Situation.
Aufgrund des Leergewichtes von 1.720 kg darf die 100-km/h-Zulassung eines Pferdeanhängers allerdings lediglich für Fahrzeuge bis 1,9 Tonnen genutzt werden.  

Keine Angst vorm Rückwärtsrangieren


Nach jeder Fahrt kommt man einmal an und meistens muss der Pferdeanhänger rückwärts in eine Lücke. Jetzt schlägt die Stunde des Trailer-Assistenten, der vor allem Ungeübten das Rückwärtsrangieren sehr erleichtert: Der freundliche Helfer wird per Knopfdruck aktiviert und liefert sofort das Bild des Anhängers auf das Display. Per Außenspiegelsteuerungsknopf wird nun die Zielrichtung eingestellt und kann auch während der Rückwärtsfahrt jederzeit neu justiert werden. Eine feine Sache, die vor allem Pferdesportler unterstützt, die (noch) keine Übung im Rückwärtsrangieren haben.

Fazit

Der Tiguan Allspace 4Motion TSI 2.0 ist ein elegantes, hochkomfortables und großräumiges Reisefahrzeug mit einem umfangreichen Angebot an Fahrerassistenzsystemen bis hin zum automatischen Einparken des Pferdeanhängers. Sowohl mit als auch ohne Anhänger garantiert das SUV jede Menge Fahrspaß und sicheres Ankommen selbst in unwegsamerem Gelände oder bei Eis und Schnee. Der Einstiegspreis liegt bei 40.525 Euro, mit allen im Testfahrzeug vorgestellten Sonderausstattungen sind 53.931 Euro fällig.

Technischen Daten Tiguan Allspace 4Motion 2.0 TSI

Länge (mm) 4.701
Breite (mm) 1.859
Höhe (mm) 1.674
Bodenfreiheit (mm)
201
Kofferraumvolumen (Liter)
615 - 1.655
Wendekreis (m)
11,9
Leergewicht (kg)
1.720
Zul. Gesamtgewicht
2.360
Zuladung (kg)
640
Anhängelast gebremst, 12 % / 8 % Steigung (kg)
2.300 / 2.500
Stützlast
100 kg
Motor
1.984 4-Zylinder Ottomotor TSI
Maximale Leistung 132kW (180 PS)
Maximales Drehmoment
320 Nm bei 1.500 bis 3.940 Umdrehungen/min
Beschleunigung
0 – 100 in 8,2 sec
Höchstgeschwindigkeit
208 km/h
Verbrauch in Litern (Herstellerangaben)
Stadt: 9,3; außerhalb 6,6; gesamt 7,7
CO2-Emission (g/km)
175
Schadstoffklasse
Euro 6
Effizienzlabel
C
Versicherungsklasse Haftpflicht + Teilkasko + Vollkasko
14 (HP), 21 (TK) 21 (VK)
Neupreis €
Ab 40.525 Euro; Testwagenausstattung 53.931 Euro






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