Pferdeanhängertest Cheval Liberté Touring Country: Multifunktional, praktisch, preiswert

Von Doris Jessen, geschrieben am 25.06.2018

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ChevalLibrteTouring_Web__32_von_39_.jpgAnhänger mit Frontausstieg gab es bei Cheval Liberté von Anfang an.  Crux dieser Modelle war bisher meistens, dass sie keinen Platz für eine Sattelkammer vorsahen. Diese Lücke hat der Hersteller nun geschlossen und bietet mit dem Aluminium-Polyestermodell Touring Country ein multifunktionales Fahrzeug mit deckenhoher Sattelkammer zu einem ab 7.290 Euro fairen Preis. Zur Verfügung gestellt wurde das Fahrzeug vom PKW-Anhänger-Center Ahrens.

2015 hat Cheval Liberté seine Touring-Serie auf den Markt gebracht. Charakteristisch für diese Modelle sind die hohen Aluminium-Seitenwände und die bis auf das Dach und einen kleinen Bug beschränkten Polyesteranteile. Wir hatten bereits das erste Touring-Modell im Test, das allerdings seitdem deutlich optimiert wurde.

Bewährtes erhalten, Details verbessern

ChevalLibrteTouring_Web__30_von_39_.jpgIm neuen 2018er Modell geblieben ist der Grundaufbau aus 1,8 cm starken Aluminiumseitenwänden, das im am HEck erhöhte und im Kopfbereich nach oben aufgewölbte Dach, der Frontausstieg vorne links und der stabile Rahmen. Dieser besteht im unteren Teil aus einer Rampe, die leicht herunter- und wieder hochzuklappen ist und mit den üblichen Drehhaken zu verschließen.


Im oberen Drittel hat der Hersteller - sehr angenehm für die Pferde auf Turnierplätzen - eine große Fensterklappe angebracht, die sich nach hinten öffnet und dort auch gegen unbeabsichtigtes Zuschlagen arretiert werden kann. Während der Fahrt ist sie geschlossen, hat aber, ebenso wie die mannshohe Inspektionstür auf der rechten Seite, ein von außen bedienbares Schiebefenster, das jeweils mit einem Windabweiser ausgestattet ist, um Zugluft an den Pferdeaugen zu vermeiden. Im Aufbau selbst befinden sich ebenfalls links und rechts Schiebefenster.

Die Seitenwände und Hecktüren sind innen durch Kunststoffplatten gegen Huftritte geschützt. Optional kann man diesen Trittschutz auch an den Sattelkammerwänden anbringen lassen, damit größere, scharrende oder tretende Pferde diese nicht verschrammen. Oberhalb des Trittschutzes sind dicke Seitenpolster angebracht.

Der Boden besteht aus Aluprofilen und ist mit einer acht  Millimeter starken rutschfesten Gummimatte beklebt, die an den Rändern versiegelt ist.

Praktisch: Flügeltüren


Die Serienausstattung sieht am Heck eine klassische Rampe vor, die auch als Tür zur Seite geklappt werden kann. Das Testmodell war hingegen mit einer Flügeltür ausgestattet (Option, 780 Euro). Diese erwies sich als ganz hervorragend für das Training eines extrem verladeunwilligen Pferdes, weil es ohne Rampe über die nur 35 cm niedrige Stufe leicht einsteigen konnte und die zweite Person am Heck dann die linke Hecktür gefahrlos schließen konnte, ohne als erstes eine klappernde Heckstange einsetzen zu müssen. Selbst wenn das Pferd zurückgetreten wäre, hätte es weder den Menschen noch sich selbst verletzen können.Ein weiterer Vorteil der Flügeltüren (oder auch des Rampe-/Türsystems) ist die leichte Reinigung des Anhängers: Alle Hinterlassenschaften der Pferde können direkt in einen Mistboy gefegt werden.

ChevalLibrteTouring_Web__38_von_39_.jpgGeschlossen werden die Flügeltüren mit einer Dreipunktverriegelung und den typischen LKW-Druckverschlüssen, die auch absperrbar sind. Seitens des Herstellers werden keine Feststellhaken an den Türen geliefert und fallen demnach bei Wind leicht zu. Während der Testzeit haben wir uns mit einer Gummistrippe beholfen. Dennis Ahrens vom Anhängercentrum Ahrens erklärte aber, dass er seine Touring-Modelle zukünftig mit diesen einfachen Sicherungshaken ausstatten wird.

Die Beleuchtungskörper direkt in die Heckstrebe eingelassen, da kann nichts hängenbleiben oder sich verklemmen. Direkt unterhalb des Daches gibt es noch eine dritte Bremsleuchte.

Luxus: Hohe Inspektionstür

ChevalLibrteTouring_Web__1_von_39_.jpgIm Gegensatz zum Vorgängermodell hat man im aktuellen Touring nun auf der rechten Seite eine etwa zwei Meter hohe Inspektionstür eingebaut, durch die auch große Personen erhobenen Hauptes einsteigen können. Auch sie wird mit einer verchromten und abschließbaren Drehklinke an drei Punkten verriegelt und ist mit einer Regenrinne ausgestattet. Auf der Innenseite ist der Verriegelungsmechanismus durch eine Abdeckplatte vor verspielten Pferden geschützt, allerdings ist der Hebel zum Öffnen dadurch etwas schwer zugänglich.

Links und rechts am Aufbau können die Ösen für die Panikverriegelung gleichzeitig zum Anbinden genutzt werden. Hier passt auch ein dickerer Strick durch. Es gibt aber eine noch viel einfachere Anbindemöglichkeit: Man nutzt einfach die durch die offene Rampe bzw. Inspektionstür erreichbaren Anbinder aus dem Anhänger selbst, soweit diese dort fest installiert sind.

ChevalLibrteTouring_IP_web__4_von_4_.jpg ANbindestande.jpgNachteil dieser nur an jeder Seite einzigen Anbindemöglichkeiten ist, dass das Equipment aus der Sattelkammer hinter dem Anhänger herum oder über die Deichsel getragen werden muss. Als Sonderausstattung bietet sich hier ein Metallbügel (89 Euro) auf der linken Seite zur Sattelablage und zum Anbinden an, wie dies beim  letzten Touring-Testanhänger der Fall war und von dem das Foto links stammt.

Nach allen Seiten flexibel: Schwenkbare Mitteltrennwand

ChevalLibrteTouring_Web (8 von 39)_1.jpgEbenfalls bekannt und bewährt sind die hinten und vorne an einem Mittelpfosten schwenkbaren Trennwände: Diese Konstruktion hat den Vorteil, dass die hinteren Trennwandteile zum Einsteigen – zumindest des ersten Pferdes – problemlos weit gestellt werden kann. Vorne ist sie erforderlich, um dem rechts stehenden den Weg über die links angebrachte Ablaufklappe zu öffnen.
Die Trennwand (oben aus stabilem Aluminium, unten mit flexibler PVC-Schürze) ist vorne und hinten dreifach in der Länge (maximales Maß 187 cm) und zweifach in der Höhe (102 oder 122 cm) verstellbar. An die Handhabung der Cheval-typischen Sicherungsringe mit umklappbaren Splinten muss man sich gewöhnen – oder sie gegen Häkchen austauschen.

Leicht auszubauen: Boxengestänge


Das gesamte Boxengestänge ist mit ein paar Handgriffen auch von einer größeren Person (soweit sie die Splintabsicherung im Dach mit den Händen erreicht) aus- und wieder einzubauen. Das ist praktisch, wenn zum Beispiel eine Stute mit Fohlen gefahren werden soll oder zur Platzangst neigenden Pferden beim Verladetraining Vertrauen zu einem großen Raum zu vermitteln.
Der Anhänger ist serienmäßig mit einem Kopftrenngitter ausgestattet, in das ganz einfach eine passende Kunststoffplatte eingesetzt werden kann, um für extreme Streithähne oder –hennen eine blickdichte Wand herzustellen.

Endlich: Deckenhohe Sattelkammer


Nach unseren Recherchen bietet der neue Touring als einziges Modell mit Vorderausstieg in dieser Preisklasse eine deckenhohe und dadurch geräumige Sattelkammer, die von innen über eine abschließbare Tür mit Dreipunktverriegelung zugänglich ist. Dafür muss allerdings die Rampe heruntergeklappt werden. Sie ist mit zwei stabilen und in der Höhe mit einem Inbusschlüssel verschiebbaren Sattelhaltern ausgestattet. Diese sind ausreichend groß für Englischsättel und sehr kurze Westernsättel, bei längeren Modellen wird es etwas eng für die hintere Ecke des Sattels. Im Testmodell war der Drahtkorb, in dem Sporen, Reithelme o.ä. untergebracht werden können, am oberen Ende befestigt, er kann aber ebenso gut weiter unten angebracht werden. 

Da es keine Trensenhaken gibt (die wir, wäre es unser Anhänger gewesen, sofort hätten montieren lassen), haben wir uns mit einem Fleischerhaken beholfen, diesen in den Drahtkorb eingehängt und dort die Trense aufgehängt. Auch die Sattelkammertür fällt leicht zu, was ebenfalls ganz einfach mit einer Gummistrippe aus dem Fahrradzubehör verhindert werden kann. Sehr clever ist in der Sattelkammer das (optionale, 190 Euro) Reserverad unter einer Abdeckung untergebracht. Darauf haben Putzkästen oder –taschen sehr gut Platz. Nicht so gut gefallen haben die außen liegenden Scharniere, die eine Verletzungsquelle darstellen können, falls sich Pferde daran scheuern.
Alles in allem ist die neue Touring-Sattelkammer eine sehr intelligente Lösung, die nun auch das Vorderausstiegsmodell zu einem für den Turniereinsatz oder eine Reiterreise mit viel Gepäck kompletten Fahrzeug macht. 

Ruckzuck: Ankuppeln und Losfahren

Das Ankuppeln ist dank der stabilen und leichtgängigen Knott-Kupplung in Sekunden geschehen, das große, mittig angesetzte Automatikstützrad erleichtert das Kurbeln.
Wie schon der Vorgänger, ist auch das neue Modell Touring mit dem bewährten Pullmann II-Fahrwerk ausgestattet. Dabei handelt es sich um ein Schraubenfederfahrwerk nach Automobilstandard mit Einzelradaufhängung mit Längslenker, Spiralfeder und Stoßdämpfer. Es ermöglicht eine jederzeit satte Straßenlage und sorgt damit für eine entspannte Reise von Ross und Reiter.Ein weiterer Vorteil ist, dass sich beim Überfahren von Unebenheiten oder Bordsteinkanten jeweils nur ein Rad und nicht die gesamte Anhängerseite hebt. Das Fahrwerk ermöglicht zudem, 100 km/h schnell zu fahren, ein entsprechend schweres Zugfahrzeug vorausgesetzt.

Serienmäßig beträgt das zulässige Gesamtgewicht zwei Tonnen mit einer Nutzlast von 1.120 kg. Das erlaubt zwei leichtere Warmblüter und eine moderat gefüllt Sattelkammer. Der Testanhänger war für 2,6 Tonnen zugelassen. Er kostet wegen der stärkeren Bremsanlage und Auflaufeinrichtung sowie stabilerer Reifen 300 Euro mehr. Darin dürfen dann auch schwergewichtige Vierbeiner mitreisen.

Fazit

Die Überarbeitung des Pferdeanhängermodells Cheval Liberté Touring Country mit Vorderausstieg und Sattelkammer ist mehr als nur ein Facelift, sie führte zu einem durch seine großzügige Serienausstattung rundum praktischen und schicken Fahrzeug. Die im Testmodell eingebauten Flügeltüren erwiesen sich als sehr hilfreich für verladeunwillige Pferde. Überzeugend ist auch das hochkomfortable Fahrverhalten des bewährten Pullman-II-Fahrwerks. Mit einem Serienpreis von 7.290 Euro liegt er für diesen Ausstattungsgrad im unteren Bereich des Wettbewerbs.



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