Pferdeanhängertest Anssems PTH 2300 Ganador: Glänzender Vollpoly-Newcomer zum fairen Preis

Von Doris Jessen, geschrieben am 29.09.2017

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Anssems_web__17_von_32_.jpgBereits im Februar 2016 berichteten wir kurz über den neuen Player Anssems auf den deutschen Pferdeanhängermarkt. Im September 2017 hatten wir das reich ausgestattete Top-Modell PTH 2300 Ganador im Test. Der Vollpolyester-Anhänger bewährte sich auf Kurz- und Langstrecken durch sehr gutes Fahrverhalten und überwiegend praktische Handhabung.


Kennen Sie Anssems? Nein? Da geht es Ihnen wie den meisten Pferdesportlern. Denn bisher setzt der ursprünglich aus den Niederlanden stammende Hersteller, der ein Werk ausschließlich für Pferdeanhänger in Bad Bentheim aufgebaut hat, in seiner Kommunikation lediglich auf die zwölf Anhängerzentren. Sie bieten die aus Vollpolyester gefertigten Pferdeanhänger in drei verschiedenen Grundausstattungen entweder sofort zum Mitnehmen oder nach maximal zwei Wochen Lieferzeit an.

Pluspunkt Verfügbarkeit

Daher war es auch kein Problem, innerhalb von wenigen Tagen einen Testanhänger in der Topausstattung „PTH 2300 Ganador“ zu bekommen, nachdem die Lieferung durch einen anderen Hersteller unerwartet verschoben worden war. Das ist doch schon einmal ein Plus, mit dem Anssems punkten kann. Wir waren gespannt, wie sich das neue Fahrzeug in der Praxis beweisen würde.

Der Aufbau: Unverrottbar und hochglänzend

Auf den ersten Blick ein klassischer Zweipferdeanhänger mittlerer Größe (Innenmaß 3,32 x 1,66 x 2,36 m) mit geschweißtem Stahlrahmen, unterscheiden sich die Anssems-Pferdeanhänger in einigen wichtigen Details von der Mehrzahl ihrer Wettbewerber: So setzt der Hersteller beim Aufbau auf eine selbst entwickelte hochfeste und unverrottbare Polyester-Komposition, die in den Seitenwänden durch Inlays mit Wabenstruktur verstärkt ist und somit ohne den bisher üblichen Holzkern auskommt.

Vor allem im Sonnenschein auffällig ist der hohe Glanzgrad der Oberfläche, des sog. „Gelcoat“ von 98 Prozent (eine Totalversiegelung entspräche 100 Prozent). Diese im Polyesterbereich außergewöhnliche Oberflächentechnik ist eine gemeinsame Entwicklung von Anssems mit der Firma FreiLacke für die überwiegend im Freien stehenden Anhänger. Dadurch wird die Oberfläche sehr glatt und reinigungsfreundlich. Auch das übliche Ausbleichen soll damit der Vergangenheit angehören.

Die Kotflügel sind aus Blech, das jedoch passend zum schwarzen Outfit eine schwarze Pulverbeschichtung trägt. Darunter befanden sich beim Testmodell optionale Alufelgen (Option, ab 216 Euro).Anssems_web__18_von_32_.jpg






Stabile und schwere Heckrampe


Auch im Exterieur wollte man gezielt Akzente setzen: Dazu gehört die Heckklappe mit Stahlrahmenprofil und stabilen Längs- und – das gibt es sonst nirgends – Querstreben und zwei Griffe zum Öffnen. Sie besteht ebenfalls komplett aus dem unverottbaren Polyestermaterial. Die Lauffläche ist mit einer rutschfesten Trittleisten-Gummimatte und Seitenstoppern versehen, die bis zum Rand reichen. Sollte ein Pferd abrutschen, kann es sich also nicht an hartem Metall stoßen oder sogar verletzen. Die drei Klappenscharniere sind bündig und ohne den kleinsten Zwischenraum zum Boden montiert. Auffallend ist der flache Einstiegswinkel. Die Gasdruckdämpfer sind für das hohe Rampengewicht etwas schwach eingestellt. Sie öffnet sich leicht, beim Schließen muss man sich ein wenig anstrengen, um die Klappe wieder nach oben zu wuchten. Allerdings versicherte der Hersteller, die Hebehilfen einfach gegen stärkere austauschen zu können. Die Verriegelung an der Heckklappe war ebenfalls ein wenig „hakelig“, vor allem, wenn der Anhänger auf unebenem Boden stand.

Licht und Luft


Bei dem im Ganador serienmäßigen Netzrollo, das sich leicht öffnen und schließen lässt, haben wir zum einfacheren Erreichen eine längere Schnur angebunden. Denn auch von dem elegant schwarzen Tritt aus konnten kleinere Personen die Strippen nicht erreichen – ein Problem, mit dem Anssems nicht allein ist. Scheinbar sind die Konstrukteure alle länger als 1,80 m. Das Windschott lässt Luft hinein und Wasser draußen, so dass die Pferde auch bei regenbedingt geschlossenem Heck nicht ins Schwitzen geraten. Die getönten Fenster sind nach hinten aufzuklappen. Sie sind mit stabilen Gittern gesichert, die auf der Innenseite mit jeweils vier stabilen Ringen versehen sind, die auch für Heunetze genutzt werden können.

Sicherheit durch geschlossene Streben

Anssems_web__19_von_32_.jpg Anssems_Seitenstrebenverkleidung__1_von_1_.jpg












Die Heckleuchten sind ebenso wie die Heck- und Bugstreben sicher ein einem in Wagenfarbe feuerverzinkten und pulverbeschichteten Stahlblechkasten eingelassen, so dass kein Huf in irgendwelche Spalten geraten kann. An beiden Seiten dient eine stabile, ebenfalls schwarz lackierte Stange zum einfachen und vor allem sicheren Anbinden der Pferde. Vorne kann dies auch an dem äußeren Ring der Panikverriegelung geschehen. 

Aerodynamischer Bug

Der Bug ist anders als bei den meisten Wettbewerbern nur im Kopfbereich nach außen gewölbt und fällt im unteren Drittel eher leicht nach innen ab, was aber der Geräumigkeit der Sattelkammer nicht schadet. Die zwei großen Rangiergriffe liegen gut in der Hand und steht der Anhänger nicht gerade auf Gras, lässt er sich mit seinem Leergewicht von 850 kg auch noch leicht schieben.Anssems_web__9_von_32_.jpg

Die Formgebung des Buges soll laut Hersteller für eine besonders gute Aerodynamik sorgen und damit den Kraftstoffverbrauch des Zugfahrzeuges senken. Dies ließ sich im Testbetrieb mangels Vergleichsdaten nicht überprüfen.






Notrad – unauffällig montiert

Anssems__5_von_5_.jpgTragendes Teil eines Anhängers ist der Boden, der bei allen Anssems-Modellen aus einer 27 mm unverrottbaren Kunststoffplatte besteht, die mit einer neun Millimeter dicken Gummimatte beklebt und an den Rändern versiegelt ist.

In der Bodenmitte fallen zwei mit 20er Inbusschlüsseln zu öffnenden Schrauben auf. Sie halten das unter dem Anhängerboden montierte Notrad. Werden die Schrauben geöffnet, fällt es nach unten. Anschließend fährt man den Anhänger zwei bis drei Meter weiter und hat Zugriff auf den Ersatzreifen. Zur erneuten Montage benötigt man dann allerdings eine Fachwerkstatt mit Grube oder eine Rampe, um an die Bodenunterseite zu gelangen. Das ist auf den ersten Blick eine elegantere Lösung als die Anbringung an der Außenseite. Allerdings ist die regelmäßige Luftdrucküberprüfung recht umständlich. Zudem füllen sich die Schraubenlöcher bald mit Sand und Erde, die von den Hufen hereingetragen werden. Ob das System dann auch nach Jahren noch einfach geöffnet werden kann, wird sich im Notfall zeigen. In jedem Fall sollte man einen passenden Inbusschlüssel in die Sattelkammer legen.

Umfangreiche Serienausstattung


Das Topmodell Ganador bot eine sehr umfangreiche Serienausstattung: Dazu gehören zweifach in der Höhe und am Heck in der Länge verstellbare Boxenstangen, die vorne mit sehr praktischen, weil großen bogenförmigen Ösen für Anbindestricke versehen sind. Ebenfalls in der Serie dabei sind robuste Trittschutzplatten aus Kunststoff und weiche Seitenpolster.

Sehr gut gelungen ist die sehr geräumige und beleuchtete Sattelkammer mit breiter Tür und herausdrehbaren Sattelhaltern. Sie sind in der Höhe mit einer Flügelmutter einfach verstellbar. Das ist angenehm aufgefallen, weil wir größere Putzkisten noch unter dem Sattel Platz unterbringen mussten. Auch längere Westernsättel können problemlos untergebracht werden und finden auf den am Ende nach oben geschwungenen Haltern sicheren Platz. Zwei Trensenhalter, Spiegel und Staunetz an der Sattelkammertür komplettieren die Ausstattung.

Lediglich die Sattelkammertür hatte Anssems ein wenig komfortabler gestalten können: Sie ist über einen Schnappverschluss zu öffnen und zu schließen. Allerdings ist die Spannung auf dem Schloss so stark, dass man sich dafür leicht gegen die Tür lehnen muss, was mit einem 15-kg-Westernsattel nicht besonders praktisch ist. Auch verzichtet der Hersteller auf die mittlerweile übliche Dreipunktverriegelung, welche die obere und untere Türkante an den Rahmen drückt. Das kann auf Dauer dazu führen, dass sie an den Ecken nicht mehr perfekt schließt. Sehr durchdacht ist hingegen der Arretierungsmechanismus, um sie auch bei starkem Wind offen zu halten.  

Stressfreier Transport durch hervorragendes Fahrverhalten

Anssems_web__30_von_32_.jpgAls ganz hervorragend erwies sich das Fahrverhalten, sowohl ohne als auch mit Beladung. Der Ganador ist standardmäßig mit einem tiefer gelegtes Alko-Fahrwerk und Radstoßdämpfern ausgestattet, die eine 100-km/h-Zulassung mit sich bringen. Diese erfordert allerdings beim Gesamtgewicht von 2300 kg ein schweres Zugfahrzeug. Der Zufall wollte es, dass wir u.a. in einem VW Amarok mit einem Leergewicht von ebenfalls gut 2300 kg unterwegs waren und somit in den Genuss der flotten Fahrt kamen.

Dass das Fahrverhalten auch für die vierbeinigen Passagiere stressfrei ist, bewies eine junge Quarter Horse Stute, die auf einer neunstündigen Fahrt vom Saarland nach Schleswig-Holstein transportiert wurde und dort völlig entspannt ausstieg. Auch eine Tinkerstute, die üblicherweise in Anhängern sehr stark schwitzt, blieb auf zwei Fahrten von jeweils zweieinhalb Stunden trocken.

Fazit

Mit seinen ersten Vollpoly-Pferdeanhängern ist Anssems ein solides Produkt gelungen, das durch die etwas außergewöhnliche Formgebung gefällt. Hervorzuheben sind die der unverrottbare Aufbau und Boden, das sehr gute Fahrverhalten sowie die umfangreiche Serienausstattung des Topmodells Ganador, das mit 2,3 Tonnen Gesamtgewicht auch schwere Vierbeiner transportieren darf.

Preislich liegt Ganador ab 7.299 in Weiß im unteren Bereich des Wettbewerbs der Anhänger mit unverrottbarem Polyester, beim Testanhänger in kamen für die Schwarz-metallic noch einmal 300 Euro hinzu.

Weitere Informationen über Anssems Pferdeanhänger.


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