Pferdeanhängertest Careliner L: Groß gewachsen!

Von Doris Jessen, geschrieben am 16.09.2017

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Careliner_L_Web__5_von_39_.jpgAls die Bücker Trailer GmbH zur Equitana 2015 mit ihrem Careliner M vorstellte und damit sofort am Markt erfolgreich durchstartete, war klar, dass dem Modell M auch irgendwann ein L folgen musste. Bereits auf der Pferd & Jagd 2016 zog der elegante Vollpolyester-Pferdeanhänger dann als „Erlkönig“ die Besucherblicke auf sich und auf der 2017er Equitana wurde er endgültig enthüllt. Im Sommer 2017 durfte er sich bei Mit-Pferden-reisen.de im Test bewähren.


Deutlich gewachsen ist es, das vorerst dritte Mitglied der Careliner Familie. Mit 25 cm mehr auf 3,70 m Innenlänge und 11 cm mehr auf 1,80 m Innenbreite spielt er nun mit in der Liga der großvolumigen und dennoch eleganten Vollpolyester-Pferdeanhänger. Auch im Gewicht hat er zugelegt, was sich aber in der Zuladung nur mit 20 kg mehr bemerkbar macht. Dennoch – mit 1.480 kg als 2,5-Tonner bzw. 1.680 kg in der 2,7-Tonnenversion – können schon großgewachsene Vierbeiner und allerhand Gepäck mitreisen.

Bunter Blickfang

Die auffällig elegante Silhouette des Careliner erhielt nicht umsonst den Red Dot Award, ein weltweit anerkanntes Qualitätssiegel für ausgezeichnetes Design. Diese Eleganz ist trotz der deutlich größeren Abmessungen des Careliner L erhalten geblieben. Damit ist eines sicher: Der Pferdeanhänger – hier vorgestellt in noblem Schwarz mit einer Haube aus dem bekannten Careliner-Grasgrün – ist ein Blickfang unter den vielen eher konservativ gehaltenen Modellen des Wettbewerbs. Zu dem hochglänzenden Polyester bilden die matten Alubeschläge und die in verzinktem Stahl gehaltene Heckstrebe mit den dort sicher eingepassten Leuchten einen auffallenden Gegensatz. Unterhalb der Bremsleuchte strahlen bei Nacht zu beiden Seiten helle LEDs (Option 329 Euro), um das Verladen bei Dunkelheit zu erleichtern.

Um das elegante Bild zu komplettieren, hat Bücker den Testanhänger mit schicken 5-Speichen-Alufelgen ausgestattet. (Option 366 Euro)

Careliner_L_Web__33_von_39_.jpgDoch Form und Farbe sind nicht alles. Die Careliner-Modelle gefallen auch durch die optisch fast nahtlosen Verbindungen zwischen Aufbau und Dach, die wie aus einem Guss wirken. Praktischer Vorteil des rund zwei Meter hohen Aufbaus: Die mit 1,90 Metern so hohe Inspektionstür, dass auch wirklich Großgewachsene nicht den Kopf einziehen müssen. Die Pferde haben im Kopfbereich eine komfortable Höhe von 2,39 Metern, eine der höchsten unter den gängigen Pferdeanhängern.

Careliner-Clou: Unverrottbar

Wie schon im Testbericht über das Modell Careliner M beschrieben, setzt der Kunststoffspezialist Bücker in die seitlichen Polyesterwände zur Stabilisierung im Schlagbereich und in der Heckklappe anstatt der feuchtigkeitsanfälligen Holzplatten einen Hartschaumkern ein. Sie bieten laut Hersteller dieselbe Stabilität wie Holz, sind aber leichter und unverrottbar, selbst wenn nach längerer Zeit an der wasserabweisenden Silikonversiegelung zum Boden hin oder an den Bohrlöchern für das Boxengestänge Feuchtigkeit eindringen sollte.

Der Boden selbst besteht aus der mittlerweile bei vielen Herstellern bewährten 21 mm starken Aluminium-Kunststoffplatte, die mit einer rutschfesten acht mm dicken Gummimatte beklebt und an den Rändern versiegelt ist. Um den Boden zusätzlich gegen Eisen-beschlagene Hufe zu schützen, stehen die Pferde im Testanhänger auf einer Verschleißmatte (Option 105 Euro).

Die Seitenwände sind innen mit etwa 80 cm hohen Kunststoffplatten versehen, um sie vor Huftritten zu schützen.

Fabelhaft leichtgängig

Wer kennt sie nicht, die oft hakeligen Anhängertüren und nur mit männlicher Unterstützung zu hebenden Heckrampen, von den streng eingestellten Verschlussriegeln ganz zu schweigen. Alles Kleinigkeiten, an die man sich gewöhnen kann? Sicherlich. Und doch ist es deutlich angenehmer, wenn wie hier alle Türen und die Rampe leichtgängig zu öffnen sind, durch stabile Arretierungen auch bei Wind offen bleiben und sich dann wieder solide ins Schloss fallen, durch Dreipunktverriegelung sicher verriegelt. Auch passt hier ein Schlüssel für alle Türen, was auch keine Selbstverständlichkeit ist.


Im Innenraum sind die extra gepolsterten Bruststangen (Option 50 Euro) zweifach in der Höhe und die Heckstangen dreifach in Höhe und Länge verstellbar. Das Aus- und Einklinken funktioniert wie üblich durch einen Zapfen, der in die Arretierung an der Wand eingesteckt wird. Im Careliner ist – der Name sei Programm – für doppelte Sicherheit gesorgt: Durch die Panikentriegelung vorne und hinten, bei der das Boxengestänge von außen leicht an den dafür vorgesehenen Ösen zu lösen ist. Diese sind wiederum so groß, dass auch dicke Stricke zweifach durchgezogen werden können, was wiederum der Sicherheit beim Anbinden dient. Während der Fahrt können sich die Pferde bequem an Seitenwandpolstern anlehnen. An der dem Transportraum zugewandten Sattelkammerwand sind Halterungen für die mobilen Futtertröge angebracht, an der Decke befindet sich ein Heunetzhaken.

 Licht und Luft

Careliner_L_Web__15_von_39_.jpgSehr gut ausgestattet ist dieses Modell mit Licht und Luft. Die schicken Dreiecksfenster, im glatten Oberflächendesign von außen nur beim zweiten Hinsehen überhaupt als solche erkennbar, öffnen sich mit einem Handgriff nach außen, allerdings nur in Richtung Heck. Dazu gibt als Dachentlüftung das bekannte fünffach zu klappende vergitterte Fenster (Option 210 Euro). Im Bug ist das Testmodell mit einer großen getönten Panoramascheibe (Option 535 Euro) ausgestattet. Am Heck wird der Pferdeanhänger mit einem Planenrollo-Windschott (Option 53 Euro) geschlossen, das ebenfalls Luft und gedämpftes Licht hereinlässt, bei Regen die Pferderücken aber trocken hält.

Doppelter Rückblick


Gut gemeint, weil für das Rückwärtsfahren praktisch und die Beobachtung der Pferde während der Fahrt eine nette Sache, sind die beiden Kameras am Heck, die via Funkübertragung mit dem im Zugfahrzeug an der Scheibe angesaugten Monitor verbunden sind (Option für beide Kameras 698 Euro). Die eine blickt in Richtung Pferdetransportraum, die andere nach draußen, um dem Fahrer beim Einparken zum Beispiel an einer Wand oder einem Zaum zu erleichtern. Leider war das Kamerasystem „TrailerCam“ etwas launisch, was, wie sich herausstellte, am Monitor lag. Naja, es kann nicht alles perfekt sein und streng genommen ist diese Schwäche nicht dem Careliner L anzulasten. 

Zweifach praktisch: Die Sattelkammer


Ein Highlight des Careliner L ist die serienmäßige „Premium“ Sattelkammer, die durch und durch praktisch gestaltet ist: So ist sie über zwei Türen zugänglich, wobei die Sättel und größere Gegenstände wie gewohnt auf der linken Seite eingeladen werden können. Die beiden Sattelhalter sind an einer herausziehbaren Schiene montiert. Sie lassen sich mit einem Inbusschlüssel auch in der Höhe verstellen. Ein Verbesserungsvorschlag an dieser Stelle wäre, das nur wenige Euro teure passende Werkzeug in der Sattelkammer mitzuliefern, damit der Kunde es zur Hand hat, wenn er es braucht. Derzeit gibt es die Sattelhalter für konventionelle Englischsättel, an einer Lösung für große Western- oder Barocksättel wird gerade gearbeitet. Allerdings hielten auch die Westernsättel sehr gut und verrutschten nicht. 

Zaumzeuge und anderes Equipment zum Aufhängen finden an zwei Trensenhaken in der Sattelkammer und einem weiteren Haken an der Tür Platz. Ergänzend gibt es noch zwei Haken an der vom Transportraum zugänglichen Innentür. Auch dem ordentlichen Verstauen von Reitgerten wurde durch eine spezielle Halterung Rechnung getragen.

Um den Raum im Bug optimal zu nutzen, bieten dort zwei Regale Platz für diverse Utensilien wie Helme, Sporen, Decken oder Gamaschen. Darunter sind Halter für die beiden mobilen Futtertröge angebracht, welche die glücklicherweise traditionellen, aber höchst unpraktischen Futtermulden ersetzen. So ergibt die Sattelkammer auf der Innenseite des Transportraumes eine gerade Fläche, die leicht zu reinigen ist. Apropos Reinigen: Ein stabiler Besen und die dazu passende Schaufel in „Careliner-grün“ – finden sich in der hinteren Ecke, die aber – clever gelöst – durch die oben beschriebene Innentür leicht zugänglich sind.

Sehr löblich: Die drei Ablauflöcher an verschiedenen Stellen des Sattelkammerbodens, so dass eventuelles Reinigungswasser immer ablaufen kann, egal, wie der Anhänger stehen mag.

Komfortabel gefedert: Fahrwerk

Serienmäßig ist der Careliner L mit einem Gummifedernfahrwerk ausgestattet, da an sich schon eine hohe Fahr- und Federungsqualität sichert. Im Testanhänger fuhren die Pferde jedoch besonders bequem, wofür das Schraubenfederfahrwerk nach Automobilstandard „Bücker Body Protect +“ (Option 575 Euro) sorgte. Diese Technik sorgt dafür, dass sich beim Überfahren von Unebenheiten, sei es an Bordsteinkanten, auf ruppigen Wald- oder Turnierparkplätzen, jeweils nur ein Rad und nicht die gesamte Seite des Anhängers hebt. Mit beiden Fahrwerken hat der Careliner L eine 100 km/h-Zulassung, das entsprechend schwere Zugfahrzeug vorausgesetzt.

Sowohl mit Pferden als auch leer war das Fahrverhalten ohne Fehl und Tadel. Auf der 300 Kilometer langen Überführungsfahrt erinnerte nur der gelegentliche Blick in den Rückspiegel, dass überhaupt ein Anhänger am Haken hing.

Fazit

Der Careliner L ist ein eleganter und gleichermaßen luxuriöser großer Vollpolyesterpferdeanhänger, in dem auch für den Transport großer und schwerer Pferde und viel (Turnier-)Gepäck keine Wünsche offen bleiben. Hervorzuheben sind die Unverrottbarkeit aller Polyesterteile und des Bodens sowie die Bedienungsfreundlichkeit. Der Luxus hat allerdings seinen Preis, der in der hohen Serienausstattung bei 11.590 Euro beginnt. Gönnt man sich allerdings die hier vorgestellten kleinen Extras, stehen am Ende der Konfiguration 14.698 Euro.

Weitere Informationen bei www.Careliner.com



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