Ifor Williams Eventa L "Gold": Rollendes Ferienapartment

Von Doris Jessen, geschrieben am 04.06.2015

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IW_Eventa_Web_6.jpgTurnierreiter, die nicht nur mit einem Pferdeanhänger, sondern zusätzlich einem fahrenden Ein-Zimmer-Apartment verreisen möchten, sollten sich das neue Ifor Williams Modell Eventa L genauer ansehen: Es bietet für zwei schräg stehende Warmblüter oder drei Ponys gut Platz. Im Wohnabteil, das rund 40 Prozent der Anhängerfläche beansprucht, fühlt man sich auch zu zweit rundum wohl. Doch der Luxus hat seinen Preis: In der hier getesteten Gold-Ausstattung kostet der Eventa L rund 31.000 Euro.

Rückenschädigende Klappliege oder Luftmatratze im Pferdeladeraum, eiskaltes Duschwasser aus dem Schlauch und Dixi-Toilette am Ende der Turnierkoppel waren gestern: Am 1. Mai 2015 starteten wir mit dem Eventa (angelehnt ans englische „Event“) in den Wochenendausflug ins Freizeit-Pferdeparadies am Arendsee in Sachsen-Anhalt, das für Camper einen eigenen Parkplatz mit Stromanschluss zur Verfügung stellt. Aber dazu später.

Viel Platz für die Pferde

Hauptfiguren für unsere Reise sind ja immer noch die Pferde, die im Eventa L in einem stabilen und unverrottbarem, mit Multiplexplatten beschichteten Aluaufbau stehen. Die Standanordnung ist diagonal gegen die Fahrtrichtung, so wie ihnen das angeblich laut Untersuchungen am liebsten sein soll.  

IW_Eventa_Web_27.jpgDie - wirklich – große, weil bis zum Dach reichende 2,30 Meter hohe und mit vier verzinkten Eisenstreben stabile Heckrampe lässt sich dank der verdeckten Federung erstaunlich leicht nach unten klappen. Dazu werden zunächst zwei Verriegelungen geöffnet und zur Seite geklappt, die später auch zwei Holztüren an den Seiten als seitliche Begrenzung offen halten werden. 




IW_Eventa_Web_29.jpgDie Rampe ist mit einer sehr griffigen Gummimatte belegt, die an den Rändern von einer Aluschiene eingefasst ist. Die Pferde stehen auf einem Aluminiumprofilboden, der mit einer sehr schweren, aber losen Gummimatte belegt und durch mehrere Klammern fixiert ist. Er bietet durch seine nach hinten verlaufenden Rillen sehr guten Stand, ist aber gleichzeitig mit einem Wasserschlauch auch genial einfach zu reinigen.

Vor dem Einladen der Tiere müssen die für zwei Großpferde bzw. drei Ponys ausreichend großen Standfächer zunächst einmal auf der verfügbaren Innenlänge von rund drei Metern angepasst werden. Die Trennwände stehen für den Leertransport nämlich am Heck zusammengeschoben, um einen Gegenpol zum schweren Wohnabteil zu bilden. Eine clevere Idee: Für das Einhängen der Wände auf die gewünschten Maße gibt Ifor Williams ein praktisches Schema mit nummerierten Lochplätzen vor, in denen die Wände eingehängt werden müssen. Je nach Größe der Pferde können die Winkelungen breiter oder spitzer eingestellt und das Stellfach damit in der Länge variiert werden. Das Verschieben der Trennwände ist mit zwei Personen schnell und unkompliziert. Jetzt kann’s losgehen mit dem Einladen.


Munter hinein, zufrieden drin

Aufgrund der Rampenlänge ergibt sich ein sehr flacher Einstiegswinkel, über den die erste der beiden Quarter Horse Stuten freiwillig hineinläuft, in dem mit 2,21 Metern ausreichend breiten Innenraum problemlos dreht und mit dem Kopf nach hinten blickt. Nun lässt sich die Trennwand leicht heranschwenken und schließen. Ist das Pferd sicher in seinem Fach, kann der Strick einfach an dem für britische Anhänger typischen hoch angebrachten Ring angebracht werden. Sinnvollerweise hat man dort einen festen Anbinder eingehakt.

Die Trennwände erscheinen für die Pferde sehr luftig, weil sie im Kopfraum aus leichten und für mehr Bewegungsfreiheit sehr intelligent gewinkelten Gittern bestehen. Im Rumpfbereich bieten die weißen Holzplatten ausreichend Stabilität, so dass sich die Tiere auch anlehnen können. Genügend Raum zum Ausbalancieren bieten die flexiblen PVC-Vorhänge im unteren Bereich.

Die Trennwände werden am Kopf der Pferde mit konisch nach unten zulaufenden Zapfen arretiert. Die Löcher für die Sicherungssplinte sind etwas knapp bemessen, so dass hier guten Augenmaß und etwas Druck von oben auf den Zapfen nötig ist, um ihn zu fixieren.

Auch die zweite Stute ist unkompliziert zu verladen. Vor dem Verlassen des Anhängers wird noch die zweiflügelige Holzwand geschlossen, die zunächst als Seitenbegrenzung auf der Rampe dient und am Ende den Transportraum zur Heckrampe hin zusätzlich absichert. Diese Lösung ist einfacher, schneller und vor allem sicherer zu bedienen als die Ketten oder langen Stangen, die in anderen Modellen das dritte Pferd zur Rampe hin begrenzen. Die große Rampe lässt sich leicht schließen und verriegeln.

IW_Eventa_Web_36.jpgDie Pferde machten von Anfang an einen sehr zufriedenen Eindruck und stiegen auch nach der Fahrt entspannt aus. Lediglich auf die üblichen Heunetze haben wir für die kurze Fahrt verzichtet. Mit etwas Geschick hätte man sie wohl aber so verspannen können, dass sie nicht frei schwingend gestört hätten.


Grundsätzlich ist zu dem Diagonalkonzept entgegen der Fahrtrichtung allerdings anzumerken, dass man das Verladen – kennen es die Pferde noch nicht – sinnvollerweise vor einer Reise mit zwei Personen ausprobieren und ggf. üben sollte. In manchen Fällen nehmen die Pferde nämlich das Wenden in Richtung Ausgang als willkommene Einladung, den Anhänger möglichst schnell wieder zu verlassen.

Ausreichend Lüftung

Wie in Transportern üblich, deren Konstruktion keine Fenster in einem schrägen Bug zulässt, gibt es im Eventa L für jedes Pferd (hier also drei) seitliche getönte Schiebefenster. Sie sind auf der linken Seite, wo die Pferde ihre Köpfe haben, vergittert und von oben nach unten zu verschieben, rechts sind sie horizontal verschiebbar. Zusätzlich sorgen sechs Dachfenster für Luft von oben, so dass sich auf der zweieinhalbstündigen Fahrt bei Temperaturen um 20 Grad Celsius kein Kondenswasser gebildet hat.

Super gefedert

Ifor Willams setzt bei allen seinen Fahrwerken schon immer sehr erfolgreich auf das in großen Geländewagen und LKW übliche Blattfederkonzept. Das Fahrverhalten ist damit auch bei dem großen Eventa L sehr komfortabel, alle Straßenunebenheiten bis hin zum Weide-Parkplatz wurden sanft abgefedert. Ein weiterer Vorteil ist, dass diese Technik keinerlei Wartung benötigt.


Begrenzte Staukapazitäten

IW_Eventa_Web_22.jpgObwohl das Testmodell Eventa L riesengroß ist, haben die Konstrukteure zumindest in dem Modell, das hier im Test lief, den Stauraum für Pferdeutensilien – Sättel & Co. – eher stiefmütterlich behandelt: Die Sattelkammer ist winzig klein und bietet höchstens zwei Englisch-Sätteln und auf zwei Haken den Trensen Platz. Da sich hierin auch die Batterie für die Stromversorgung des Wohnabteils befindet, ist nicht einmal ein Putzkasten zu verstauen.





IW_Eventa_Web_33.jpgUnsere Westernsättel haben wir daher im Wohnraum auf der relativ breiten Sitzbank transportiert und die Sattelkammer für Kleinkram wie Sporen, Helme, Gamaschen etc. genutzt. Im Pferdetransportraum gibt es noch ein Ablagegitter für Sattel- oder Pferdedecken.

Im neueren Modell sind seitliche Staufächer vorgesehen, die nach Aussage des deutschen Ifor Williams Händlers Berthold Risse von Trailer Point für große Sättel oder sogar Heuballen, wie man gerne für mehrtägige Turnier-Events mitnimmt, ausreichend groß sein sollen.

Wünschenswert für das sichere Anbinden der Pferde am Anhänger wären die üblichen Ringe oder eine Anbindestange gewesen, die allerdings als Extra zu bestellen sind. Die Arretierungsstangen für die Heckklappe schienen für diesen Zweck nicht ausreichend kräftig zu sein, auch musste das Fahrzeug ja wegen der auf den Trennwänden gelagerten Sättel ohnehin offen bleiben.

Fast schon ein Ferienapartment


Der Wohnbereich des Eventa L, dessen Wände nicht dieselbe Stabilität wie das Pferdeabteil, dafür aber eine höhere Wärmedämmung benötigen, ist aus geschäumtem Kunststoff aufgebaut. Der Wohnbereich nimmt mit 2,22 Metern Länge und 2,17 Metern Breite circa 40 Prozent des mit Deichsel 6,73 Meter langen Anhängers (Innenlänge 5,22 Meter) ein. Er bietet dementsprechend nahezu alle Annehmlichkeiten eines Mini-Ferienapartments: Dazu gehören nicht nur bequeme Bänke und ein kleiner Tisch, sondern auch ein Kühlschrank, ein Herd mit vier Kochstellen sowie Backofen und ein Spül/Waschbecken mit fließend Kalt- und Warmwasser, die alle mit Gas betrieben werden, ebenso wie die Heizung für kühle Nächte. Die Propangasflasche ist aus Sicherheitsgründen in einem nur von außen zugänglichen Staufach untergebracht. Im Testfahrzeug gab es zudem eine Chemie-Toilette, auf Wunsch wäre sogar eine Dusche möglich – der ultimative Luxus nach einem heißen Turniertag.


Aus den beiden Sitzbänken wird nach Absenken des Tisches ruckzuck ein gemütliches Bett, darüber kann, ähnlich wie im Schlafwagen, ein Etagenbett herunter geklappt und mit einem Netz gegen ungewolltes Abstürzen gesichert werden. Hinauf gelangt man über eine Leiter.

Während die Unterbringungsmöglichkeiten für Sättel & Co. eher spärlich sind, gibt es im Wohnabteil nahezu unbegrenzten Stauraum in eleganten Holzschränken, teilweise mit Schubladen ausgestattet. Und wer sich abends noch ein Video ansehen möchte, kann dies auf dem Fernsehgerät tun. Mit Satellitenantenne kämen sogar die aktuellen Nachrichten oder der Freitagskrimi ins Wohnmobil.

Für frische Luft sorgen ein Dachlüfter, zwei Klappfenster – eine große Panoramascheibe und ein Seitenfenster oberhalb der Spüle. Die abschließbare Eingangstür ist zweigeteilt, so dass der obere Teil ebenfalls zur Lüftung verwendet werden kann. Zudem gibt es ein Fliegengitter, das Luft herein, aber Insekten draußen lässt. Der Boden ist mit pflegeleichtem PVC-Laminat ausgestattet.

Fazit

Der Großraum-Pferdeanhänger Eventa L in der Gold-Ausstattung lässt auch für anspruchsvolle Reiter, die gerne direkt bei ihren Pferden übernachten möchten, keine Komfort-Wünsche offen, weder auf der Fahrt für die Pferde noch für das Wohnen der Menschen. Allerdings benötigt man für den Betrieb ein entsprechend großes Zugfahrzeug, das den bereits im Leerzustand knapp 2 Tonnen schweren (zul. Gesamtgewicht 3,5 Tonnen) Anhänger ziehen darf. Der – ebenfalls als Testfahrzeug zur Verfügung stehende - Jeep Grand Cherokee meisterste die Aufgabe problemlos.  

Die Basisausstattung ohne ausgebautes Wohnabteil mit Zugang zum Pferdeabteil kostet 17.640 Euro, die hier getestete Gold-Version schlägt mit 31.000 Euro zu Buche. Da sollten dann die optionalen Anbindeösen dann eigentlich mit inklusive sein…

Weitere Informationen auf www.iforwilliams.de/


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WM Meyer